Internet Publikation für
Allgemeine und Integrative Psychotherapie
IP-GIPT DAS=17.05.2002
Internet-Erstausgabe,
letzte Änderung 20.9.8
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Diplom-Psychologe Dr. phil. Rudolf Sponsel Stubenlohstr. 20
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Willkommen ins unserer Abteilung Abstrakte Grundbegriffe aus
den WissenschaftenAbstrakte Grundbegriffe aus den Wissenschaften (Analogien,
Modelle und Metaphern für die allgemeine und integrative Psychologie
und Psychotherapie sowie Grundkategorien zur Denk- und Entwicklungspsychologie):
Definition und Definieren
von Rudolf Sponsel, Erlangen
Querverweise
zum Definitionsproblem
Grundbegriffe
und Paradigma der Definition: Definiendum := Definiens.
Definiendum heißt das zu Definierende. " := " oder
" =: " heißt definitionsgleich (per definitionem);
es ist das Zuweisungszeichen, womit man eine Definition kennzeichnet. Mit
dem Definiens wird definiert und es muß bekannte, schon
definierte oder als ausreichend klar angenommene Grundbegriffe enthalten.
Die Namensgebung - das Wort, die Zeichenkombination - für das Definiendum
ist im Prinzip frei und willkürlich (Hilberts
Bierseidel Metapher), aber natürlich nicht das Definiens.
Kurz und bündig zusammengefaßt, können wir sagen: eine
Definition dient der Unterscheidung von bedeutungsvollen Merkmalskombinationen
in den verschiedenen Welten, meist der sog.
Wirklichkeit.
Eine Definition muß die bedeutungsvollen Merkmale beschreiben und
Wege angeben, wie die Merkmale und ihre Kombination in der Wirklichkeit
gefunden werden können. Definitionen haben bekanntlich
zwei Seiten: eine willkürlich-nominale und eine reale Seite. Grundlegende
Probleme wie der Streit zwischen Nominalisten und Realisten sind bis heute
nicht genügend aufgeklärt.
Die reale Komponente des Definiens muss existieren - wenigstens auf
eine Welt bezogen sein - und dieser empirische
Existenzbeweis muss geführt werden können, wenn
auch nicht unbedingt zu einem positiven Urteil führen. Die willkürlich-nominale
Seite einer Definition besteht in der freien Wahl der realen Elemente.
Es ist z.B. methodologisch technisch kein Problem "Tsching67" zu
definieren als ein Käsetörtchen, das von einem Eichhörnchen
auf dem Rücken unbefestigt mindestens 100 cm weit getragen wird. Gelingt
es, ein Eichhörnchen dazu zu bringen, dass es ein Käsetörtchen
unbefestigt auf seinem Rücken mindestens 100 cm trägt,
ist der empirische Existenzbeweis für "Tsching67" erbracht.
Beim Definieren kann man nun einige Fehler - die sich auch überschneiden
können - machen, z.B.:
Fehler beim Definieren
-
Ungenau: Definitionen können zu ungenau, unklar und
schwammig sein, z.B.: (1) Gott ist gnädig und allmächtig. (2)
Zwang heiße, wenn man etwas tun müsse, was man nicht mag. (3)
Angst heiße das Gefühl, das sich bei Gefahr einstellt (gilt
in der Regel nur, wenn die Gefahr auch wahrgenommen, was hier nicht ausdrücklich
genannt wird). (4) Trauma Definition von Fischer & Riedessser. Ungenaue
und unklare Definitionen sind eine absolute Domäre der Psychoanalyse,
Esoterik, Religion; besonders gefährdet sind die Geistes- und Sozialwissenschaften.
-
Unangemessen: Definitionen können unangemessen sein,
z.B.: (1) gegen Zwänge kann man sich nicht wehren. (2) Panische Angstrektionen
können nicht beeinflußt werden. [Beide Formulierungen zu einseitig
streng].
-
Zu weit: Definitionen können zu weit sein, z.B. ein
Schimmel heiße ein weißes Tier; Trauma
Definition von Fischer & Riedessser.
-
Zu eng: Definitionen können zu eng sein, z.B. ein Schimmel
heiße ein weißes Fohlen.
-
Informationslos: Definitionen können tautologisch (gleichbedeutend)
sein, z.B.: (1) ein leidenschaftlicher Mensch heiße einer, der von
seinen Leidenschaften getrieben werde. (2) (2) Impulsive reagieren impulsiv.
-
Zirkulär (circulus vitiosus): Definitionen können zirkulär
sein, d.h. das was definiert werden soll (Definiendum) kommt im Material
der Definition (Definiens) schon vor, z.B.: (1) Kreise heißen
runde geometrische Figuren. (2) Eine Störung liegt vor, wenn etwas
nicht richtig funktioniert. (3) Ein Mensch heißt schön, wenn
er den meisten gefällt.
-
Widersprüchlich (contradictio in adjecto): Definitionen können
in sich widersprüchlich sein, z.B.: ein Kreis heiße ein unendlich
kleines regelmäßiges Vieleck.
-
Abwegig: Definitionen können abwegig sein, indem sie etwas
anderes beantworten als die Frage nach Merkmalskombination und ihrer Unterscheidung,
z.B. Fundamentalisten sind schlechte Menschen.
-
Mehrfach fehlerhaft: Definition können mehrfach fehlerhaft
sein, z.B. eine Kreis heiße ein Vieleck, das sich einer Kreisform
nähert (unklar, zirkulär, in sich widersprüchlich, abwegig).
-
Sonstige hier bislang noch nicht berücksichtigte
_
Fehler
in der Auffassung vermeintlicher Definitionen
-
Man kann etwas als Definition auffassen, das gar keine Definition sein
soll.
-
Man kann etwas als Definition auffassen, daß nur eine Prädikation
sein will, also nur ein Merkmal für eine potentielle Definition sein
soll, z.B. (1) Könige rangieren an oberster gesellschaftlicher Stellung
in einem Volk). (2) Intrusionen sind zwanghaft wiederkehrende und überwältigende
Erlebnisinhalte einer traumatisch
erlebten Situation.
-
Man kann etwas als Definition auffassen, das eine Metapher oder ein Gleichnis
meint.
__
Beispiele
für brauchbare Definitionen:
-
Vorstellen heißt
die psychische Funktion, einen Wahrnehmungsinhalt aus dem Gedächtnis
im Bewußtsein zu vergegenwärtigen (Bsp.: Versuchen Sie sich
den frischen Duft von Kaffee aus dem Gedächtnis ins Bewußtsein
zu holen).
-
Visuell vorstellen heißt die psychische Funktion, einen visuellen
Wahrnehmungsinhalt aus dem Gedächtnis im Bewußtsein zu vergegenwärtigen
(Bsp.: Schließen Sie die Augen und versuchen Sie das Antlitz eines
Angehörigen zu "sehen").
-
Kurzsichtige heißen solche, die Entferntes nur schwer oder nicht
scharf ohne Sehhilfe sehen können.
-
Angst heißt das Gefühl, daß sich bei einer - innerlich
oder äußerlich - wahrgenommenen Gefahr einstellt, wenn man sich
dieser Gefahr nicht gut gewachsen fühlt.
-
Impulsiv heißt ein Mensch, dessen Regungen sehr schnell und oft nach
Ausdruck streben und nur schwer zu beherrschen sind.
-
Kreis heißt der geometrische Ort aller Punkte einer Ebene, die von
einem festen Punkt M ausgehend den gleichen Abstand haben.
Literatur (Auswahl)
Traditionell wird die Lehre von der Definition in der Methodologie
und Wissenschaftstheorie behandelt, aber eher selten ausgiebig fundiert
(Ausnahmen z.B. Dubislav, Essler, von Savigny), in der Mathematik und mathematischen
Logik spielt sie seltsamerweise kaum eine Rolle (Hilberts
Bierseidel Metapher), was zu viel Unklarheiten und Verwirrung führt.
-
Carnap, Rudolf (1926).
Physikalische Begriffsbildung. Wissen und Wirken. Einzelschriften zu den
Grundlagen des Erkennens und Schaffens, 39. Band. Karlsruhe: G. Braun.
Nachdruck Darmstadt 1966: WBG.
-
Dubislav, Walter
(1931, 4.A. = 1981). Die Definition. Mit einer Einführung von Wilhelm
K. Essler. Hamburg: Meiner.
-
Eisler, Definition in Wörterbuch
der philosophischen Begriffe (1927-1930).
-
Essler,
Wilhelm K. (1970). Wissenschaftstheorie I. Definition und Reduktion. Freiburg:
Alber (Kolleg Philosophie).
-
Horn, J.H.
(1958). Widerspiegelung und Begriff. Eine logisch-erkenntniskritische Untersuchung.
Berlin VEB d.Wissenschaften.
-
Kamlah,
Wilhelm & Lorenzen, Pau (1967). Logische Propädeutik. Vorschule
des vernünftigen Redens. Mannheim: BI.
-
Kondakow,
N.I. (dt. 1978 russ. 1975). Wörterbuch der Logik. Berlin: deb.
-
Lorenzen,
P. & Schwemmer, P. (1973). Konstruktive Logik, Ethik und Wissenschaftstheorie.
Mannheim: B.I.
-
Menne, Albert
(1990, 3.A.). Einführung in die Methodologie. Elementare allgemeine
wissenschaftliche Denkmethoden im Überblick. Darmstadt: WBG. [Darin
Kap. 1 Definition]
-
Mittelstraß,
Jürgen (1980-1996, Hrsg.). Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie.
4 Bde. Die ersten beiden Bände erschienen bei BI, Mannheim. Die letzten
beiden Bände bei Metzler, Stuttgart.
Poincaré, Henri (1913, 2003). Die
Logik des Unendlichen. In: Letzte Gedanken. Akademische Verlagsgesellschaft.
Neuauflage (2003) Berlin: Xenomos. 56-79. [1,
2,
3,]
-
Poincaré,
Henri (1913, 2003). Letzte Gedanken. Akademische Verlagsgesellschaft.
Neuauflage (2003) Berlin: Xenomos. Aussagen zur Definition: In: Die Logik
des Unendlichen. 56-79; S. 60,, 3. und 4. Abs. In: Die Mathematik und die
Logik, 80-, S. 85-89.
-
Poincaré,
Henri (1914). Wissenschaft und Methode. Autorisierte deutsche Ausgabe mit
erläuternden Anmerkungen von F. und L. Lindemann. Leipzig und Berlin:
Teubner. II. Buch Die mathematische Schlußweise, Zweites Kapitel.
Die mathematischen Definitionen und der Unterricht, S. 103-128. Das Definitionsproblem
wird jedoch auch in den folgenden Kapiteln weiter abgehandelt und vertieft
bis zum Ende des Zweiten Buches, S. 180.
-
Poincaré,
Henri (1914). Wissenschaft und Hypothese. Autorisierte deutsche Ausgabe
mit erläuternden Anmerkungen von F. und L. Lindemann. Dritte verbesserte
Auflage. Leipzig und Berlin: Teubner. [Ausführungen zu Definitionen
S. 45 und 140].
-
Ritter, Joachim
(1971 ff, Hrsg.). Historisches Wörterbuch der Philosophie. Völlig
neu bearbeitete Ausgabe des Wörterbuchs der Philosophischen Begriffe
von Rudolf Eisler. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.
-
Savigny, Eike von
(1970). Grundkurs im wissenschaftlichen Definieren. München: dtv.
-
Segeth, Wolfgang
(1969). Grundbegriffe der Definitionslehre und der Theorie des reduktiven
Schliessens. In: Elementare Logik, Kap. 4, 185-223. Berlin: VEB d.
Wissenschaften.
-
Stegmüller,
Wolfgang (1956, 1969). Sprache und Logik. In: Der Phänomenalismus
und seine Schwierigkeiten. Sprache und Logik, 66-100. Darmstadt: Wissenschaftliche-Buchgesellschaft.
Erstmals
veröffentlicht in: Studium Generale. 9. Jahrgang, 2. Heft, 1956 (s.
57—77). Zu Stegmüllers Werk: [IL]
-
Tarski,
Alfred (dt. 1969, 3.A.). Die Formulierung von Definitionen und ihre Regeln.
In: Einführung in die mathematische Logik, 46-49. Göttingen:
Vandenhoeck & Ruprecht.
Links (Auswahl: beachte)
Glossar,
Anmerkungen und Endnoten:
___
Hilberts Bierseidel
Metapher. "Man muß jederzeit an Stelle von 'Punkte, Gerade, Ebenen'
'Tische, Bänke, Bierseidel' sagen können." Diesen Spruch soll
Hilbert, so O. Blumenthal, 1891 auf der Heimfahrt von Halle
nach Königsberg nach dem Anhören eines Vortrages von Hermann
Wiener geäußert haben. Quelle: Schreiber, Peter (1987). Euklid.
Biographien hervorragender Naturwissenschaftler, Techniker und Mediziner.
Bd. 87.. Leipzig: Teubner, S. 140. [2.
Sekundärquelle]. Siehe auch Freges
Kritik an Hilbert Methodologie in den Grundlagen der Geometrie.
___
Wirklichkeit. Man kann auch das,
was man landläufig die Wirklichkeit nennt als lediglich ein Modell,
nämlich als Modell der sinnlich-wahrnehm- und meßbaren
Außenwelt betrachten. "Wahrheit" kann in dieser Theorie
dann als Äquivalenzrelation zwischen zwei Modellen definiert
werden, so dass sich der Streit um die "wahre" oder - noch schlimmer -
"wirkliche Wirklichkeit" erübrigt. Wir konstruieren unsere Welt oder
unser Erleben ja immer, so dass Kant mit seiner Meinung, das Ding an sich
bleibe uns immer verborgen insofern Recht hat, dass es ein "Ding an sich"
eigentlich gar nicht gibt. Die Welten sind immer Welten relativ von erkennenden
oder wahrnehmenden Systemen und damit unterliegen sie den Konstruktions-Filtern
des wahrnehmenden Systems. Das heißt aber natürlich nicht, dass
alles beliebig im Sinne eines Vulgärkonstruktivismus
verstanden werden darf.
___
Querverweise
_Standort: Definieren
und Definition.
*
*
*
Dienstleistungs-Info.
*
Zitierung
Sponsel, Rudolf (DAS).
Definieren und Definition. Abstrakte Grundbegriffe aus den Wissenschaften:
Analogien,
Modelle und Metaphern für die allgemeine und integrative Psychologie
und Psychotherapie sowie Grundkategorien zur Denk- und Entwicklungspsychologie.Internet
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sind die Rechte bei/m ... zu erkunden oder eine Erlaubnis einzuholen.
Ende
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