Selbstbild
"Der Mensch ist sich selbst das rätselhafteste Ding der Natur
... "
(Pascal: Gedanken, 35)
Das Ich, das Ich ist das tief Geheimnisvolle!
Ludwig Wittgenstein (Tagebücher 5.8.1916)
Glossar, Dimensionen, Meta-Dimensionen, Lebensregel, Psychotherapiedidaktischer Auseinandersetzungs-Text zur Anregung, Besondere Bilder: Zur Theorie und Praxis der Wahrnehmungsebenen, Literatur (Auswahl).
von Rudolf Sponsel, Erlangen
Inhalts-Übersicht
Einführung
und Begriffsverständnis
Selbstbild heißt das Bild, das jemand von sich selbst hat bzw.
macht. Gegensatz: Fremdbild: die Bilder, die andere von einem haben. Der
Begriff ist in seiner Grundbedeutung klar. Die genaue Bedeutung hingegen
schwankt von AnwenderIn zu AnwenderIn, von PsychologIn zu PsychologIn.
Diese vieldeutige Unklarheit ist eine direkte Folge der noch nicht angemessen
entwickelten begrifflich- operationalen Normierung
in der Psychologie.
Zu einem Selbstbild können im Prinzip alle Aspekte ("Dimensionen") gehören, die jemand von sich selbst haben kann. Und genau das spiegelt das praktische Bedeutungs- und Definitionsproblem wider. Im konkreten Fall meint man ganz bestimmte, meist nicht näher ausgeführte Kriterien (Aspekte).
Im folgenden seien daher zunächst einige Dimensionen des "Selbstbildes"
aufgezählt:
Dimensionen
(Aspekte, Kriterien) des Selbstbildes
Dimension Körper
und äußere Erscheinung
Das ist mein Körper, der zu mir gehört und so sehe ich -
derzeit - aus. Ich habe die und die Gestalt, Figur, Größe, Gesicht;
Gesundheit, Krankheit, Beweglichkeit, Un/ Versehrtheit, Beweglichkeit,
Behinderung. Körper und äußere Erscheinung können
zudem eine Bewertung hinsichtlich der Attraktivität, die man sich
selbst zuordnet, erfahren. Hier gibt es also zwei ganz unterschiedliche
Beurteilungen: die Wahrnehmung einerseits und die Bewertung dieser Wahrnehmung
andererseits.
Dimension
Herkunft, Familie und Sozialisation
Ich komme da und da her, stamme von diesen und jenen ab, bin in der
und der Familie aufgewachsen und habe diese oder jene Sozialisation erfahren.
Dimension Anlage und
Begabungen
Ich habe diese oder jene (genetischen) Anlagen und Begabungen (Ressourcen)
für meine Selbstverwirklichung.
Dimension Fähigkeiten
und Fertigkeiten
Ich habe diese oder jene Fähigkeiten und Fertigkeiten (z.B. handwerklich,
geistig, praktisch, hauswirtschaftlich, technisch, sprachlich, mathematisch,
naturwissenschaftlich, kommunikativ, künstlerisch, psychologisch),
das und dieses kann ich so oder so gut.
Dimension
Bildung, Ausbildung, Arbeit und Beruf
Bildung, Ausbildung, Arbeit und Beruf gehören natürlich zum
Selbstbild dazu. Für Kleinkinder sind Kindergarten und Hort, für
SchülerInnen die Schule, für StudentInnen die Universität,
für Hausfrauen/ männer und RentnerInnen der Haushalt der Arbeitsplatz.
Anhaltende Arbeitslosigkeit kann das Selbstwertgefühl beeinträchtigen.
Dimension
Vitalität und Vitalbedürfnisse
Ich brauche für mein Leben dieses und jenes, das ist sehr wichtig
für mein Leben: Essen, trinken, Ausscheidung, Schlaf, atmen, Schutz,
Sexualität und Fortpflanzung, Abwechslung. Die Vitalbedürfnisse
sind im allgemeinen lebensnotwendig und unverzichtbar.
Dimension
Wünsche, Interessen, Ziele,
Träume
Ich würde gerne so und so leben, wäre gern diese oder jene,
würde gerne dieses oder jenes erleben und erfahren, möchte gerne
dieses oder jenes tun (beruflich, persönlich, kulturell, sozial, öffentlich:
in meiner Rolle als BürgerIn u.a.m). Wie möchte ich mein Leben
gestalten (Lebensträume), wonach strebe ich, was ist mir wichtig,
wo liegen meine Hauptinteressen?
Dimension Charakter und
Werte
Ich orientiere mich an folgenden Grundwerten, z.B. Echtheit, Ehrlichkeit,
Zuverlässigkeit (Vertragstreue), Leistungs- und Anstrengungsbereitschaft,
Toleranz, Gerechtigkeit, Solidarität, Selbst / Verantwortung usw.
bzw. mein höchster Wert ist meine eigene Glückseligkeit, die
anderen interessieren mich nur insofern als sie ich sie dafür nutzen
kann (Egoismus).
Dimension Lebens-
und Wohnformen
Man kann verschiedene Lebensformen und Grundorientierungen u.B. nach
gesellschaftlichen Schichten und Zugehörigkeiten unterscheiden, z.N.
Typ bürgerlich, proletarisch, Bohemien, alternativ, akademisch, aristokratisch,
Single, Außenseiter/ Randgruppe; Single-, Wohngemeinschafts-, Ehe-
oder "Lebensabschnittsgefährtenschaftstyp" ... Siehe z.B. auch homo
oeconomicus.
Dimension Erfahrungen
Hierher gehört, was einer alles schon erfahren und erlebt hat
(habe ich nur in den Computer geglotzt, Videos geschaut und ferngesehen
oder auch richtig gelebt?).
Dimension Haben, Geld
und Besitz
Vermögen, Sach- und Geldwerte, Anleihen (Bonds), Sparguthaben
und Geld spielen für mehr Menschen eine wichtigere Rolle als sie sich
oftmals eingestehen. Was habe ich, wie gut bin ich gesichert (Versicherungen)
sind hier die Fragen. Empfehlenswert ist natürlich, seine Lebenszufriedenheit
nicht zu sehr auf diese Dimension aufzubauen.
Dimension Sozialbeziehungen
Zu mir gehören auch meine zwischenmenschlichen und Sozialbeziehungen,
das Milieu, in dem ich mich bewege und bewegen mag ("Sage mir, mit wem
Du umgehst, und ich sage Dir, wer Du bist"). Die Wertzuweisungen, Beurteilungen
und Erwartungen anderer an uns beeinflussen unser Selbstbild.
Dimension
Entspannung, Erholung, Freizeit, Spiel, Sport, Muse, Muße, Vergnügen
Zum Selbstverständnis und zur Eigencharakteristik eines Menschen
gehört natürlich auch, wie er den Reproduktionsbereich, Freizeit,
Erholung, Entspannung, Spiel, Sport, Muse, Muße und Vergnügen
gestaltet und lebt.
Meta-Dimensionen
Das Selbstbild läßt sich für psychologisch-psychotherapeutische
Zwecke noch wie folgt betrachten und klassifizieren:
Im allgemeinen gilt, daß jeder Mensch ein im Grunde stabiles
und positiv kongruentes Selbstbild haben will und sollte.
Lebensregel
Ein positives Selbstbild wird gefördert durch eine Umgebung, die
einen in seinem Selbstbild bestätigt, wertschätzt und unterstützt.
Es ist daher sinnvoll, sich als Erwachsene sein soziales und zwischenmenschliches
Umfeld entsprechend einzurichten und zu gestalten. Metapher: wer sein Zelt
auf einem Misthaufen stellt, bei dem wird es stinken. Damit man entsprechende
Fähigkeiten ausbilden kann, muß man die Anlagen mitbringen und
eine förderliche Umgebung vorfinden. Zum Teil erlebt man sich so,
wie man behandelt wird. Sofern man schlecht oder ungerecht behandelt wird,
sollte man sich lösen lernen.
Besondere
Bilder: Zur Theorie und Praxis der Wahrnehmungsebenen
Zur Warnung ;-): Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du
denkst .... Die verschiedenen Ebenen und Projektionen machen die Selbstbildforschung
nicht nur sehr spannend und attraktiv, sondern auch sehr verwirrend und
schwierig. Ein paar Beispiele können die Probleme verdeutlichen:
Literatur (Kleine Auswahl) > Literatur Selbstorganisation und Schwärme.

korrigiert: 15.02.04 irs