Internet Publikation für Allgemeine und Integrative Psychotherapie
    IP-GIPT DAS=15.02.2004 Internet-Erstausgabe, letzte Änderung 13.04.07
    Impressum: Diplom-PsychologInnen Irmgard Rathsmann-Sponsel und Dr. phil. Rudolf Sponsel
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    Willkommen in unserer Abteilung Differentielle Psychologie der Persönlichkeit (Persönlichkeitspsychologie, Typen, Charaktere), hier zum Thema:

    Selbstbild
    Glossar, Dimensionen, Meta-Dimensionen, Lebensregel, Psychotherapiedidaktischer Auseinandersetzungs-Text zur Anregung, Besondere Bilder: Zur Theorie und Praxis der Wahrnehmungsebenen, Literatur (Auswahl).

    von Rudolf Sponsel, Erlangen

    Inhalts-Übersicht

    • Glossar wichtiger verwandter oder dazugehöriger Begriffe (Kurzkennzeichnungen):
      • Abwehrmechanismen * Ambivalenz * Blinder Fleck * Charakter * Entwicklungspsychologie des Identitäts- und Selbstkonzeptes *  Egomanisch * Egozentrik * ES * Fremdbild * Fremdwunschbild *  Glauben im psychologischen Sinne * Ich * Ich-Auflösung  * Ichmensch *  Ideal-Ich * Ich-Identität * Ich-Verlust * Identität * Identitäts-Verlust * Innerer Schweinehund * Johari-Fenster * Kognitive Dissonanz * Maniform, hypo- mansich *  Norm-Ich * Persönlichkeit, Persönlichkeitstheorie * Persönlichkeitsstörungen * Perspektive * Projektion * Real-Ich * Rolle * Selbst * Selbstachtsamkeit * Selbstaktualisierung *  Selbstakzeptanz * Selbstaufmerksamkeit * Selbstbehauptung * Selbstbeherrschung * Selbstbeurteilung *  Selbstbewertung * Selbstbewußtsein * Selbstbezogenheit *  Selbstbild * Selbstbild, projiziertes * Selbstdurchsetzung * Selbstentfremdung * Selbstentwicklung * Selbstexploration * Selbstfremdwunschbild * Selbstkongruenz * Selbstkontrolle * Selbstkonzept * Selbstkritik * Selbstorganisation * Selbstreflexion * Selbstreflexivität * Selbstsicherheit * Selbstüberzeugung * Selbstvergessenheit * Selbstvertrauen * Selbstverwirklichung * Selbstvorwürfe * Selbstwahrnehmung * Selbstwerdung (Fritz Riemann) * Selbstwert, Selbstwertgefühl * Selbstwunschbild * Selbstzentrierung * Selbstzufriedenheit *  Selbst-Zweifel * Super-Ich * Über-Ich * Vital-Ich * Wahrnehmungsebenen *
    • Einführung und Begriffsverständnis.
    • Dimensionen (Aspekte, Kriterien) des Selbstbildes.
      • Dimension Identität.
      • Dimension Körper und äußere Erscheinung.
      • Dimension Herkunft, Familie und Sozialisation.
      • Dimension Anlage und Begabungen.
      • Dimension Fähigkeiten und Fertigkeiten.
      • Dimension Bildung, Ausbildung, Arbeit und Beruf.
      • Dimension Vitalität und Vitalbedürfnisse.
      • Dimension Wünsche, Interessen, Ziele, Träume.
      • Dimension Charakter und Werte.
      • Dimension Lebens- und Wohnformen.
      • Dimension Erfahrungen.
      • Dimension Haben, Geld und Besitz.
      • Dimension Sozialbeziehungen.
      • Dimension Entspannung, Erholung, Freizeit, Spiel, Sport, Muse, Muße, Vergnügen.
    • Meta-Dimensionen.
    • Lebensregel.
    • Psychotherapiedidaktischer Auseinandersetzungs-Text zur Anregung.
    • Besondere Bilder: Zur Theorie und Praxis der Wahrnehmungsebenen.
    • Literatur.
    • Querverweise.




    Glossar wichtiger verwandte oder dazugehörige Begriffe (Kurzkennzeichnungen)
    • Abwehrmechanismen: Funktionen, Unlustvolles auszublenden oder zu verfälschen zum Zwecke das innere Gleichgewicht (Homöostase) zu erhalten oder zu mehren. In der Kriminologie werden die Abwehrmechanismen auch Neutralisationsmechanismen (Sponsel 1976 nach Sykes & Matza) genannt. In der kognitiven Sozialpsychologie spricht man von Funktionen zur Minderung kognitiver Dissonanz (Festinger).
    • Ambivalenz [1,2]: Doppelwertigkeit, gefühlsmäßig hin- und hergerissen, zwiespältig > Selbstkongruenzstörung.
    • Blinder Fleck: die Seiten, die man bei sich selbst nicht wahrnimmt > Abwehr, Johari-Fenster.
    • Charakter: Ethisch-moralische Werte und Tugenden, die jemand lebt > Norm-Ich.
    • Egomanisch. Gesteigerte Ich-Sucht (Egozentrik).
    • Egozentrik. Ich bezogen, von der eigenen Perspektive und Positon gefangen sein.
    • Entwicklungspsychologie des Identitäts- und Selbstkonzeptes: Kinder beginnen im Alter von 15-18 Monaten, sich im  Spiegel selbst zu erkennen (Gallup 1968). Zwischen dem 4 und 6. Lebensjahr werden Kinder zur Perspektivenübernahme fähig (Asendorpf, S. 239). Um das 8. Lebensjahr können Kinder drei Perspektiven auseinanderhalten: eigene, andere und die eines anderen über einen dritten (Asendorpf, S. 239). Wie man sieht, werden die der Literatur (wie so oft  in den Nicht-Naturwissenschaften) Identitäts-,  Selbsterleben und äußeres Selbsterkennen (das bin ich) nicht klar auseinandergehalten.
    • ES: Ausdrück in der Psychoanalyse für das hier sog. Vital-Ich.
    • Fremdbild: wie andere mich sehen.
    • Fremdwunschbild: so hätte ich Dich gern.
    • Glauben im psychologischen Sinne: für wahr halten all dessen, was man nicht wissen kann, wichtig für alles, was die Zukunft betrifft oder mehr oder mindere unsichere Sachverhalte.
    • Ich: vieldeutiges Homonym  [1, 2, 3, 4,5]  für alle möglichen Ich- und Selbstabstraktionen
      • Ideal-Ich: So wäre ich gern, danach strebe ich, das hätte ich gern. Verstöße gegen das Ideal-Ich werden z.B. durch Selbstentwertungen, geringes Selbstwertgefühl und mangelndes Selbstvertrauen deutlich. In dieser Kennzeichnung spielen also nicht nur die "großen Ideale" eine Rolle, sondern auch die "kleinen Wünsche".
      • Norm-Ich: dies sollte, muß ich, darf ich [nicht] tun, System der Gebote und Verbote. Verstöße gegen das Norm-Ich werden durch Schuldgefühle, schlechtes Gewissen, Gewissensbisse, Selbstzweifel und Selbstvorwürfe deutlich.
      • Vital-Ich: Reich der Triebe, notwendiger Grundbedürfnisse, des Antriebs und der Energie, Temperament
      • Real-Ich: Wahrnehmung der eigenen und äußeren Realität, der Fähig- und Möglichkeiten.
      • Super-Ich: Das Ich, das die anderen abstimmt, ausgleicht und letztlich entscheidet, was geschieht > Lenken.

      • Anmerkung: In der Psychoanalyse wird "Ich" überwiegend für das hier sog. Real-Ich verwendet. Das Strukturkonzept aus ICH, ES und ÜBER-ICH ist veraltet und nicht sinnvoll, weil Ideal- und Norm-Ich miteinander vermanscht werden und das wichtigste überhaupt, das  Super-Ich ganz fehlt. Kürzel:  II =: Ideal-Ich, , NI=: Norm-Ich, VI=: Vital-Ich, RI=: Real-Ich, SI=Super-Ich ("ChefIn").
    • Ich-Auflösung: in schweren psychologischen Krisen und Psychosen kann das Gefühl der Ich-Auflösung auftreten, das sehr angstvoll, bedrohlich und vernichtend erlebt werden kann.
    • Ich-Identität: > Identität.
    • Ichmensch. Volkstümlich für Egoisten. [FN03]
    • Ich-Verlust: das Gefühl, etwas von seinem Ich zu verlieren, die Kontrolle schwinden zu sehen oder verunsichernde Veränderungen zu bemerken; kann ein wichtiges psychopathologisches Zeichen sein, das auf Entwicklung einer Psychose hindeuten oder Zeichen einer solchen sein kann. Unterscheidung: Identitätsverlust heißt: ich weiß nicht mehr, wer ich bin. Ichverlust heißt: ich verliere etwas von mir bei Erhaltung der Identität.
    • Identität: Konstantes Erleben des Ich als ein und desselben Menschen über die Zeit hinweg.
    • Identitäts-Verlust: Hier weiß ein Mensch nicht mehr, wer er war und ist. Das kann z.B. durch eine multiple Persönlichkeitsstörung (selten), organische Störung (Amnesie) oder Psychose hervorgerufen werden und kann wieder verschwinden.
    • Innerer Schweinehund: Wünsche, Motive, Bedürfnisse, die man sich verbietet, meist aggressiver, krimineller, egozentrischer, sexueller Natur (all das in uns, was Gott und seine Agenten sozusagen verboten haben).  > Abwehr, > Therapie bei abgespaltenem inneren Schweinehund.
    • Johari-Fenster: ein graphisches Schema zur Darstellung bewußter und unbewußter Wahrnehmungen zwischen Selbst und Gruppe (Luft & Ingham, 1961).

    • Kognitive Dissonanz: Ausdruck von Festinger, der auf einen Mangel oder fehlende Selbstkongruenz hinweist mit z.B. den Folgen: Unangenehmes Befinden, negative Gefühle, unwohl fühlen, Selbst-Zweifel, negative Spannung, Unruhe.

    • Festinger (dt. 1978, S. 253): " Der dieser Theorie zugrundeliegende Gedanke ist der, daß der menschliche Organismus bestrebt ist, eine Harmonie, Konsistenz oder Kongruenz zwischen seinen Meinungen, Attitüden, Kenntnissen und Wertvorstellungen herzustellen." Festingers Theorie ist unvollständig, weil einseitig auf Kognitionen beschränkt und muß auf alle Möglichkeiten der Dissonanz, insbesondere des wichtigeren affektiven Bereiches ausgedehnt werden, aber nicht so phantastisch und literarisch, wie das die Psychoanalyse betreibt.
    • Maniform, hypo-, manisch. > maßlos, grenzenlos, enthemmt oft mit Hochgefühl; Verlust der Selbst- und Realitätskritik.
    • Neutralisation, Neutralisationsmechnismen: > Abwehrmechanismen.
    • Persönlichkeit, Persönlichkeitstheorie: Modell all der Teile und ihres Zusammenwirkens, die wir Persönlichkeit nennen, in der Hauptsache Theorie der > Iche, ganz besonders des Super-Ichs. > Modell der Psyche.
    • Persönlichkeitsstörungen: Unklarer und umstrittener Begriff. Damit eine Störung eine Persönlichkeitsströung ist, muß sie sich nach ICD und DSM wie ein roter Faden durch das Leben eines Erwachsenen ziehen und gewisse störende Auswirkungen mit sich bringen. [1, 2, 3]
    • Perspektive: einen bestimmten Ort zur Betrachtung einnehmen, die Ort kann in mir - mein Norm-Ich betrachtet betrachtet mein Verhalten - oder außer mir sein, wenn ich etwas mit den Augen eines anderen Menschen betrachte, also dessen Perspektive einnehme, z.B. kann ich mich aus der Perspektive meiner PartnerIn sehen.

    • Anmerkung: Lempp (1992) hat auf die Störung der Perspektivenübernahme, den Verlust der Fähigkeit, sich selbst zu betrachten und die Probleme des Um- bzw. Überstiegs verschiedener Realitäten eine Theorie der schizophrenen und autistischen Störung aufgebaut. Hierzu Reader in Sponsel (1995, 558-560)
    • Projektion: etwas aus sich in jmd. anderen verlagern und dort wahrnehmen statt bei sich selbst. Die Psychoanalyse konstruiert dies per definitionem als unbewußten Vorgang. Dazu gehörig, Abwehr, Blinder Fleck, Vorurteil, Beurteilungsfehler.
    • Rolle: Erwartungs- und Verhaltensschema für besondere, rollengebundene Verhaltensweisen und Erwartungen, z.B. ÄrztInnen-Rolle, LehrerInnen-Rolle, TherapeutInnen-Rolle, SchülerInnen-Rolle.
    • Selbst: das Insgesamt der eigenen Person > Dimensionen ....
    • Selbstachtsamkeit: auf sich selbst (bewußt) achten, gut mit sich umgehen. Gegensatz: nachlässig, ruppig, unachtsam, rigoros mit sich umspringen.
    • Selbstaktualisierung: Menschen streben danach, wonach sie streben, ein letztlich tautologischer oder unklarer Begriff aus dem Umfeld der klientenzentrierten Persönlichkeitslehre von Rogers. [FN02]
    • Selbstaufmerksamkeit: sich mit sich selbst, mit seinem Inneren, Leben und Wirken beschäftigen. Übertrieben kann die Selbstaufmerksamkeit zur dysfunktionalen (Hoyer) werden, was sich in unfruchtbarem Grübeln und hypochondrischen Befürchtungen äußern kann.
    • Selbstakzeptanz: das, was man an sich selbst gut findet, bejaht, akzeptiert (> Die 5 Grundhaltungen)
    • Selbstbehauptung: ich behaupte mich, grenze mich mich ab, sage, was ich will und nicht will, sage Nein, ...
    • Selbstbeherrschung: wie sich jemand "zusammennehmen", selber kontrollieren und schauspielern kann
    • Selbstbeurteilung: über sich selbst Aussagen machen. Das kann zwar jede, die Frage ist aber, ob und inwiefern diese Aussagen richtig oder bedeutungsvoll sind. Für alle Informationen stellt sich grundsätzlich immer die Frage nach ihrer Güte, Genauigkeit, Zuverlässigkeit, Stabilität und Gültigkeit bezüglich dieser oder jener Rahmenbedingungen. Siehe auch.
    • Selbstbewertung: ich bewerte mich im Ganzen oder in Teilen > Selbstwertgefühl.
    • Selbstbewußtsein: volkstümlich: ein Mensch, der von seinem Selbstwert überzeugt ist; psychologisch: ein Mensch, der um sich und seine Ausstattung weiß und sich kennt, sich seiner bewußt (im Prinzip zunächst ohne Wertung).
    • Selbstbezogenheit: wenn jmd. zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist oder alles nur von seiner Warte aus sieht, beurteilt und bewertet, zu wenig andere Perspektiven einnimmt oder zu wenig Einfühlung und Empathie zeigt.
    • Selbstbild: das bin ich, war ich, möchte ich sein und werden
    • Selbstbild, projiziertes: Du denkst, ich bin
    • Selbstdurchsetzung: ich setze meine Wünsche und Interessen durch
    • Selbstentfremdung: Als ob man neben sich stünde, man versteht sich nicht, kommt sich fremd vor, Verlust der Vertrautheit mit sich selbst. In milder Ausprägung eine vielen Menschen bekannte Erscheinung. Bei stärkerer Ausprägung  auch ein psychopathologisches Zeichen (Depersonalisation), das sehr bedrohlich erlebt werden kann [Fischer, Meyer]. Selbstentfremdung ist möglich durch die Tatsache der Selbstreflexivität, die wenigstens zwei ICHe voraussetzt.
    • Selbstentwicklung: 1) entwicklungspsychologische Betrachtung, wie sich das Selbst über die Kindheit, Jugend- und Erwachsenenzeit entwickelt, aufbaut, verändert (Kegan). 2) Im Sinne von Selbstverwirklichung das eigene Potential entwickeln; auch Selbstwerdung (Fritz Riemann).
    • Selbstexploration: sich selbst, sein eigenes Inneres erkunden, erforschen. Ein sehr wichtiger Begriff und Sachverhalt, der von den traditionellen Psychotherapieschulen nicht richtig verstanden und angemessen entwickelt wurde. Ein Schwerpunkt allgemeiner und integrativer Psychotherapieforschung (Beispiele in Sponsel 1995  für Focusing, Einfühlung und Durcharbeiten; auch Beispiel Nur-empfinden).
    • Selbstfremdwunschbild: so würde ich gern von dir gesehen werden, so wünsche ich mir, daß du mich siehst.
    • Selbstkongruenz: mit sich selbst im reinen und im Einklang. Abweichungen und Störungen bewirken eine sog. kognitive Dissonanz (Festinger).
    • Selbstkontrolle: Volkstümlich gleichbedeutend mit Selbstbeherrschung. Psychologisch, besonders in der Verhaltenstherapie eine systematische Methode der Verhaltensänderung durch Kontrolle der Ziele, Pläne und des Verhaltens.
    • Selbstkonzept: > wie jemand sein Selbstbild konstruiert (meist nicht bewußt und muß in der psychologisch- psychotherapeutischen Arbeit erst herausgefunden werden, auch um verändernd eingreifen zu können)
    • Selbstkritik: die Fähigkeit, eigene Fehler, Mängel und Schwächen zu sehen, was eine Stärke ist, weil dadurch Selbstkontrolle möglich ist.
    • Selbstorganisation: Mehrdeutig: 1) die Selbstkontrolle und Selbstlenkung betreffend, sehr beeinträchtigt bei Psychosen, aber auch bei stärkerem AD-H-D; 2) systemisch und konstruktivistisch: Entstehen neuer Strukturen in dynamischen Systemen, wozu Menschen gerechnet werden können.
    • Selbstreflexion: sich selbst zum Gegenstand der Betrachtung machen; innehalten und die Aufmerksamkeit auf sich selbst richten. Eine Analogie gibt es in der Psychotherapie: hier entspricht es der kleinen Supervision der TherapeutIn in der Sitzung: innehalten und die Situation reflektieren.
    • Selbstreflexivität: sich selbst zum Gegenstand der Betrachtung machen können. Ein Fundamentalproblem wie die Identität: wie ist es möglich, sich selbst zu betrachten? Denn wer betrachtet wen? Obwohl es fast jeder kann und tut, ist es schwer zu erklären und bis heute noch niemandem so richtig gelungen.
    • Selbstsicherheit: Grad der gefühlsmäßigen Sicherheit mit dem man sich vertritt und sich verhält.
    • Selbstüberzeugung: ich bin von mir überzeugt.
    • Selbstvergessenheit: sehr treffliche Bezeichnung für einen - tranceartigen - Zustand völliger Hingabe ("Flow"). > Satipatthana-Medidation.
    • Selbstvertrauen: Volkstümlich: ein Mensch, der sich etwas zutraut. Psychologisch im engeren Sinne: das Vertrauen, das man sich selbst gegenüber in diesen oder jenen Aspekten hat, was man sich glaubt.
    • Selbstverwirklichung: wie einer lebt. Es hat eine hohe Selbstverwirklichung, wer so leben kann, wie er es möchte.
    • Selbstvorwürfe: mit sich nicht einverstanden: ich sehe mich nicht so, wie ich gern wäre oder sein sollte > Ideal-Ich, > Norm-Ich, > Selbstkongruenz.
    • Selbstwahrnehmung: so nehme ich mich wahr, sehe ich ich mich > Selbstbewußtsein im psycholog. Sinne
    • Selbstwerdung (Fritz Riemann): Problem des sog. depressiven Menschen, er selbst zu werden
    • Selbstwert, Selbstwertgefühl: so bewerte ich ich mich (so und so gut, schlecht, unterschiedlich)
    • Selbstwunschbild: so wäre ich gern.
    • Selbstzentrierung: einen Teil des Inneren in den Mittelpunkt der (Selbst-) Aufmerksamkeit rücken (fokussieren). Im esoterisch- metaphysischen Umfeld gelegentlich auch so etwas wie die eigene Mitte, innere Ausgeglichenheit finden.
    • Selbstzufriedenheit: mit sich selbst zufrieden sein, im Einklang mit sich, ausgeglichen im Hinblick auf das eigene Selbst.
    • Selbst-Zweifel: an sich selbst zweifeln, sich in Frage stellen, unsicher sein.
    • Über-Ich: Psychoanalytische Bezeichnung für das hier sog. Norm-Ich.
    • Wahrnehmungsebenen: Wer betrachtet wen über welches Medium aus welcher Perspektive? Z.B. ich betrachte mich; ich betrachte mich in den Augen meines Vaters; ich betrachte mich wie ich gerne wäre; wie ich meine, daß mich andere gerne hätten... (Lit: Laing et al., Sponsel 1982). Durch Vertiefung in die vielen und komplizierten Wahrnehmungsebenen kann man ganz schön durcheinander kommen (also bitte achtsam sein), was der Schlager ... wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst ... ganz gut beschreibt ;-)



    Einführung und Begriffsverständnis
    Selbstbild heißt das Bild, das jemand von sich selbst hat bzw. macht. Gegensatz: Fremdbild: die Bilder, die andere von einem haben. Der Begriff ist in seiner Grundbedeutung klar. Die genaue Bedeutung hingegen schwankt von AnwenderIn zu AnwenderIn, von PsychologIn zu PsychologIn. Diese vieldeutige Unklarheit ist eine direkte Folge der noch nicht angemessen entwickelten begrifflich- operationalen Normierung in der Psychologie.

    Zu einem Selbstbild können im Prinzip alle Aspekte ("Dimensionen") gehören, die jemand von sich selbst haben kann. Und genau das spiegelt das praktische Bedeutungs- und Definitionsproblem wider. Im konkreten Fall meint man ganz bestimmte, meist nicht näher ausgeführte Kriterien (Aspekte).

    Im folgenden seien daher zunächst einige Dimensionen des "Selbstbildes" aufgezählt:
     

    Dimensionen (Aspekte, Kriterien) des Selbstbildes
     

      Dimension Identität
      Das bin ich: Name, Alter, Geschlecht, Lebensort. Die Identitätsfunktion ist eine psychopathologisch sehr wichtige Funktion, die gestört sein kann (z.B. bei multiplen Persönlichkeiten oder in Psychosen). Im Grunde ist die Identitätsfunktion ein Rätsel. Denn: obwohl wir alle uns ständig ändern, neue Erfahrungen machen, älter werden, vergessen, dazu lernen, bleibt die Identität bei Gesunden erhalten: stests fühle ich mich als der ein und derselbe identische Mensch. Die Identität ist für Gesunde so etwas wie eine psychologische Konstante über das ganze Leben hinweg. Das trifft für das Selbstbild ansonsten nicht zu: dieses unterliegt einem Wandel und ist veränderungsfähig.

      Dimension Körper und äußere Erscheinung
      Das ist mein Körper, der zu mir gehört und so sehe ich - derzeit - aus. Ich habe die und die Gestalt, Figur, Größe, Gesicht; Gesundheit, Krankheit, Beweglichkeit, Un/ Versehrtheit, Beweglichkeit, Behinderung. Körper und äußere Erscheinung können zudem eine Bewertung hinsichtlich der Attraktivität, die man sich selbst zuordnet, erfahren. Hier gibt es also zwei ganz unterschiedliche Beurteilungen: die Wahrnehmung einerseits und die Bewertung dieser Wahrnehmung andererseits.

      Dimension Herkunft, Familie und Sozialisation
      Ich komme da und da her, stamme von diesen und jenen ab, bin in der und der Familie aufgewachsen und habe diese oder jene Sozialisation erfahren.

      Dimension Anlage und Begabungen
      Ich habe diese oder jene (genetischen) Anlagen und Begabungen (Ressourcen) für meine Selbstverwirklichung.

      Dimension Fähigkeiten und Fertigkeiten
      Ich habe diese oder jene Fähigkeiten und Fertigkeiten (z.B. handwerklich, geistig, praktisch, hauswirtschaftlich, technisch, sprachlich, mathematisch, naturwissenschaftlich, kommunikativ, künstlerisch, psychologisch), das und dieses kann ich so oder so gut.

      Dimension Bildung, Ausbildung, Arbeit und Beruf
      Bildung, Ausbildung, Arbeit und Beruf gehören natürlich zum Selbstbild dazu. Für Kleinkinder sind Kindergarten und Hort, für SchülerInnen die Schule, für StudentInnen die Universität, für Hausfrauen/ männer und RentnerInnen der Haushalt der Arbeitsplatz. Anhaltende Arbeitslosigkeit kann das Selbstwertgefühl beeinträchtigen.

      Dimension Vitalität und Vitalbedürfnisse
      Ich brauche für mein Leben dieses und jenes, das ist sehr wichtig für mein Leben: Essen, trinken, Ausscheidung, Schlaf, atmen, Schutz, Sexualität und Fortpflanzung, Abwechslung. Die Vitalbedürfnisse sind im allgemeinen lebensnotwendig und unverzichtbar.

      Dimension Wünsche, Interessen, Ziele, Träume
      Ich würde gerne so und so leben, wäre gern diese oder jene, würde gerne dieses oder jenes erleben und erfahren, möchte gerne dieses oder jenes tun (beruflich, persönlich, kulturell, sozial, öffentlich: in meiner Rolle als BürgerIn u.a.m). Wie möchte ich mein Leben gestalten (Lebensträume), wonach strebe ich, was ist mir wichtig, wo liegen meine Hauptinteressen?

      Dimension Charakter und Werte
      Ich orientiere mich an folgenden Grundwerten, z.B. Echtheit, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit (Vertragstreue), Leistungs- und Anstrengungsbereitschaft, Toleranz, Gerechtigkeit, Solidarität, Selbst / Verantwortung usw. bzw. mein höchster Wert ist meine eigene Glückseligkeit, die anderen interessieren mich nur insofern als sie ich sie dafür nutzen kann (Egoismus).

      Dimension Lebens- und Wohnformen
      Man kann verschiedene Lebensformen und Grundorientierungen u.B. nach gesellschaftlichen Schichten und Zugehörigkeiten unterscheiden, z.N. Typ bürgerlich, proletarisch, Bohemien, alternativ, akademisch, aristokratisch, Single, Außenseiter/ Randgruppe; Single-, Wohngemeinschafts-, Ehe- oder "Lebensabschnittsgefährtenschaftstyp" ... Siehe z.B. auch homo oeconomicus.

      Dimension Erfahrungen
      Hierher gehört, was einer alles schon erfahren und erlebt hat (habe ich nur in den Computer geglotzt, Videos geschaut und ferngesehen oder auch richtig gelebt?).

      Dimension Haben, Geld und Besitz
      Vermögen, Sach- und Geldwerte, Anleihen (Bonds), Sparguthaben und Geld spielen für mehr Menschen eine wichtigere Rolle als sie sich oftmals eingestehen. Was habe ich, wie gut bin ich gesichert (Versicherungen) sind hier die Fragen. Empfehlenswert ist natürlich, seine Lebenszufriedenheit nicht zu sehr auf diese Dimension aufzubauen.

      Dimension Sozialbeziehungen
      Zu mir gehören auch meine zwischenmenschlichen und Sozialbeziehungen, das Milieu, in dem ich mich bewege und bewegen mag ("Sage mir, mit wem Du umgehst, und ich sage Dir, wer Du bist"). Die Wertzuweisungen, Beurteilungen und Erwartungen anderer an uns beeinflussen unser Selbstbild.

      Dimension Entspannung, Erholung, Freizeit, Spiel, Sport, Muse, Muße, Vergnügen
      Zum Selbstverständnis und zur Eigencharakteristik eines Menschen gehört natürlich auch, wie er den Reproduktionsbereich, Freizeit, Erholung, Entspannung, Spiel, Sport, Muse, Muße und Vergnügen gestaltet und lebt.
       


    Meta-Dimensionen
    Das Selbstbild läßt sich für psychologisch-psychotherapeutische Zwecke noch wie folgt betrachten und klassifizieren:
     

    • Wertigkeit: positiv, negativ, ambivalent (zwiespältig)
    • Stabilität: konstante Wertigkeit, oder fragil, flüchtig, wechselhaft.
    • Kongruenz: Selbst- und Fremdbild sollten innerhalb des Lebensmilieus in für wichtig erachteten Dimensionen nicht zu sehr oder/ und zu stark voneinander abweichen, um nicht Dauerkonflikte und Beziehungsprobleme hervorzurufen.


    Im allgemeinen gilt, daß jeder Mensch ein im Grunde stabiles und positiv kongruentes Selbstbild haben will und sollte.


    Lebensregel
    Ein positives Selbstbild wird gefördert durch eine Umgebung, die einen in seinem Selbstbild bestätigt, wertschätzt und unterstützt. Es ist daher sinnvoll, sich als Erwachsene sein soziales und zwischenmenschliches Umfeld entsprechend einzurichten und zu gestalten. Metapher: wer sein Zelt auf einem Misthaufen stellt, bei dem wird es stinken. Damit man entsprechende Fähigkeiten ausbilden kann, muß man die Anlagen mitbringen und eine förderliche Umgebung vorfinden. Zum Teil erlebt man sich so, wie man behandelt wird. Sofern man schlecht oder ungerecht behandelt wird, sollte man sich lösen lernen.



    Psychotherapiedidaktischer Auseinandersetzungs-Text zur Anregung
    Mit freundlicher Genehmigung der Gemeinschaftspraxis Rathsmann-Sponsel & Sponsel ©
     
    Identität

    Obwohl ich mich ständig verändere in der Zeit und im Strom des Lebens, fühle ich mich doch immer als ein und derselbe Mensch - das ist das Geheimnis und Wunder der Identität:

     Mein reales Leben bin ich
     Meine realen Erfahrungen bin ich
     Meine Wünsche bin ich
     Meine Träume bin ich
     Meine Hoffnungen bin ich
     Mein Fühlen und Empfinden bin ich
     Meine Ziele bin ich
     Meine Werte bin ich
     Meine Fähigkeiten bin ich
     Meine Leistungen bin ich
     Mein Haben, Sein und Gelten bin ich
     Meine Möglichkeiten, 
     meine Entwicklung und Werden bin ich
     Meine Beziehungen und Bindungen bin ich

     Meine Grenzen  bin ich

    Ich muß nicht sein, was andere meinen
    Ich muß nicht sein, wie andere mich behandeln
    Ich muß nicht sein, wie andere mich bewerten
    Ich muß nicht sein, wie andere mich wünschen
    Ich muß nicht sein, wie andere mich sehen
    Ich muß nicht sein, woher ich abstamme
    Ich bin nicht meine Eltern
    Ich bin nicht meine Familie 

    Im Kern, im Wesen und in letzter Tiefe, 
     kann und darf ich mich - in meinen Grenzen - 
     selbst bestimmen
     


    Besondere Bilder: Zur Theorie und Praxis der Wahrnehmungsebenen
    Zur Warnung ;-): Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst .... Die verschiedenen Ebenen und Projektionen machen die Selbstbildforschung nicht nur sehr spannend und attraktiv, sondern auch sehr verwirrend und schwierig. Ein paar Beispiele können die Probleme verdeutlichen:

    • Selbstbild: so sehe ich mich ...
    • Selbstwunschbild: so wäre ich gern ...
    • Projiziertes Selbstbild: ich denke, du siehst mich so ...
    • Projiziertes Selbstwunschbild: ich denke, du möchtest, daß ich bin ...
    • Selbstakzeptanzbild: ich akzeptiere bei mir ...
    • Reflexiv projiziertes Selbstbild: du meinst, ich sehe mich so ...



    Literatur (Kleine Auswahl)

  • Asendorpf, Jens (1988). Die Rolle des Selbstkonzeptes. In: Keiner wie der andere. Wie Persönlichkeitsunterschiede entstehen. München: Piper. S. 237-242.
  • Eckert, Martina & Wicklund, Robert A. (1987). Selbstkenntnis als Personenwahrnehmungsphänomen - Eine vernachlässigte Annäherung an ein bevorzugtes Konzept. Archiv für die Psychologie, 139, 159-179. [Abstract]  [FN04]
  • Festinger, Leon (1957). A Theory of Cognitive Dissonance. Stanford: University Press. dt. 1978, hrsg. von Martin Irle und Volker Möntmann bei Huber, Bern.
  • Filipp, S.-H. (1979. Hrsg.). Selbstkonzeptforschung. Stuttgart: Klett-Cotta.
  • Fischer, Arthur (1970). Die Entfremdung des Menschen in einer heilen Gesellschaft. Materialien zur Adaption und Denunziation eines Begriffs. München: Juventa.
  • Gallup, G.G. Jr. (1968). Mirror image stimulation. Psychological Bulletin, Vol. 70, 782-793.
  • Hoyer, Jürgen (2000). Dysfunktionale Selbstaufmerksamkeit. Klinisch-psychologische und gesundheitspsychologische Untersuchungen. Heidelberg. Asanger.
  • Kegan, Robert (dt. 3.A. 1986, engl. 1982). Die Entwicklungsstufen des Selbst. Fortschritte und Krisen im menschlichen Leben. München: Kindt. [FN01]
  • Krappmann, (1978). Soziologische Dimensionen der Identität. Stuttgart: Klett-Cotta.
  • Laing, R.D.; Phillipson, H. & Lee, A.R. (dt. 1976, engl. 1966). Interpersonelle Wahrnehmung. Frankfurt: Suhrkamp.
  • Lempp, R. (1992). Vom Verlust der Fähigkeit, sich selbst zu betrachten. Eine entwicklungspsychologische Erklärung der Schizophrenie und des Autismus. Bern: Huber.
  • Luft, Joseph (1971). Einführung in die Gruppendynamik. Stuttgart: Klett.
  • Mead, G. H. (1978). Geist, Identität und Gesellschaft. Frankfurt: Suhrkamp.
  • Meyer, J. E. (1968, Hrsg,). Depersonalisation. Darmstadt: Wiss. Buchgesellschaft.
  • MacParkland, T. S. & Cumming, J.H. (1973). Selbstkonzept, soziale Schicht und psychische Gesundheit. In: Steinert, Heinz (1978, Hrsg.). Symbolische Interaktion. Arbeiten zu einer reflexiven Soziologie. Stuttgart: Klett-Cotta. S. 175-191.
  • Schutz, A. (2003). Psychologie des Selbstwertgefühls. Von Selbstakzeptanz bis Arroganz. Stuttgart: Kohlhammer.
  • Sponsel, R. (1976). Delinquenz im Alltag. Empirische Prüfung der Delinquenztheorie "Techniken der Neutralisierung" von Sykes & Matza bei Bagatell- und Kavaliersdelikten. Diplom-Arbeit Psychologisches Institut Universität Erlangen. Quintessenzversion auch unter Egg & Sponsel unter dem Titel "Bagatelldelinquenz" und Techniken der Neutralisierung. Eine empirische Prüfung der Theorie von Sykes & Matza  in Monatsschrift für Kriminologie, 1978, 61, 1, 38-50.
  • Sponsel, R. (1982). Theorie der Wahrnehmungsebenen. In: CST, 01-10-01 bis 06. Erlangen: IEC-Verlag. ISSN-0722-4524.
  • Sponsel, R. (1998). Identität, Ich, Selbst-Konzept-Varianten. In: Kristina, 108-112. Erlangen: IEC-Verlag.

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    Anmerkungen
    FN01 Das Buch ist sehr weitschweifig, wenig operational und substanziell, obwohl es sich ausdrücklich auf Piaget beruft.
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    FN02 Man findet den Begriff z.B. nicht als Stichwort bei Grunwald, Wolfgang (1979, Hrsg.). Kritische Stichwörter zur Gesprächspsychotherapie. München: Fink. Indirekt findet er sich aber im Stichwort "Persönlichkeitstheorie" unter "3.13 Verwirklichungstendenz". Der Ausdruck wird auch nicht im Register von Tausch, R. (1973, 5.A.). Gesprächspsychotherapie. Göttingen: Hogrefe aufgeführt. Und so auch nicht bei Rogers, C. R. (dt. 1972, engl. 1942). Die nicht-direktive Beratung. München: Kindler. Und nicht in: GwG (1975, Hrsg.). Die klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie. München: Kindler. Man muß schon in ein DDR-Buch schauen, um eine ordentliche Sachregistererfassung zu finden, so in: Helm, J. (1978). Gesprächspsychotherapie. Forschung - Praxis - Ausbildung. Berlin: VEB der Wissenschaften. Es heißt dort (S. 34): "Allen Änderungsprozessen bzw. Lernvorgängen liegt nach Rogers eine sog. Selbstaktualisierungstendenz des Organismus als allgemeiner Motivationsfaktor zur Realisierung der eigenen Potenzen zugrunde, dessen Wirksamkeit durch die psychotherapeutischen Bedingungen erheblich gefördert werden soll." Dies hört sich sehr tautologisch an, indem der Mensch offenbar danach strebt, wonach er strebt. Rogers hat hier wohl wunschgeleitetet seine eigene "humanistische" Ideologie und Metaphysik mit der Wissenschaft verwechselt, eine weit verbreitete Unsitte in der Psychotherapietheorie und ganz extrem von Freud und den PsychoanalytikerInnen betrieben. Es ist erstaunlich, mit welcher Naivität und wissenschaftlicher Basis- Inkompetenz die Begründer von Psychotherapie-Schulen ihre Quasi-Theologien in die Welt setzen.
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    FN03  Egoisten sind wir alle, entweder kluge oder dumme. Mit "Ichmensch" ist gewöhnlich der dumme Egoist gemeint, der sich über die Interessen anderer einfach hinwegsetzt, ohne zu bemerken, daß die Umgebung dann seine Interessen zunehmend weniger berücksichtigt. Ein kluger Egoist ist daher sozial: er berücksichtigt die Interessen anderer, weil er auch möchte, daß die anderen seine Interessen berücksichtigen.
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    Abstract Eckert, Martina & Wicklund, Robert A. (1987). Selbstkenntnis als Personenwahrnehmungsphänomen - Eine vernachlässigte Annäherung an ein bevorzugtes Konzept. Archiv für die Psychologie, 139, 159-179.
    FN04. Die Arbeit wurde wissenschaftssprachanalytisch untersucht von Fabriele Graefen (1997). Der Wissenschaftliche Artikel – Textart und Textorganisation. Arbeiten zur Sprachanalyse Herausgegeben von Konrad Ehlich Band 27. Frankfurt: Lang.
      "Die Autoren sind Martina Eckert und Robert A. Wicklund. Der Titel lautet: "Selbstkenntnis als Personenwahrnehmungsphänomen – Eine vernachlässigte Annäherung an ein bevorzugtes Konzept". Der Artikel erschien 1987 in der Zeitschrift "Archiv für Psychologie" (Jahrgang 139). Er gehört zu den langen Texten des Korpus (21 Seiten, 286 Sätze, 44.695 Zeichen).
      b) Thema ist das psychologische Konzept der "Selbstkenntnis" bzw. des "Selbstkenners". Die Autoren demonstrieren, daß verschiedene theoretische Schulen gegensätzliche Aussagen darüber gemacht haben. Die Autoren äußern Vorbehalte besonders gegenüber den "klinischen Modellen". Die im Artikel dargestellten Experimente dienen der Kontrolle der fragwürdigen theoretischen Aussagen. Anlage, Durchführung und Ergebnisse der Experimente werden einzeln beschrieben und diskutiert. Das erste Experiment geht der Frage nach, ob sich die Kontrollierbarkeit einer Zielper-son für den Beobachter positiv auf dessen Zuschreibung von Selbstkenntnis auswirkt. Das wird bestätigt. Das zweite und dritte Experiment dienen der Klärung der entgegengesetzten Frage, ob "das offene autonome Verhalten einer Zielperson zu höheren Selbstkenntniszuschreibungen führt". Diese Frage wird fast vollständig verneint.
      Am Ende kommen die Autoren auf die allgemeine Fragestellung zurück. Sie belegen deren praktische Bedeutung. Der letzte Paragraph setzt die ei-gene Untersuchung ins Verhältnis zur aktuellen sozialpsychologischen Forschung.
      c) Dem Text geht eine Zusammenfassung in Deutsch und Englisch voraus. Er ist mit Zwischenüberschriften in zwei verschiedenen Schrifttypen unter-gliedert, ohne numerische Einteilung. Die experimentellen Ergebnisse werden mit Hilfe von Wertetabellen wiedergegeben."
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    Änderungen/ Ergänzungen wird allgemein im Laufe der Zeit unregelmäßig ergänzt und überarbeitet
    13.04.07    Aufnahme Egozentrik , egomanisch und maniform ... mit Querverweis.
    26.02.04    Linkhinweis auf den Integrativen Persönlichkeits Fragebogen, der viele der hier behandelten Begriffe operationalisiert und erhebt
    21.02.04    Ichmensch mit Kommentar.
    16.02.04    Nachtrag Ich-Verlust. Neu aufgenommen: Selbstaktualisierung, Selbstbezogenheit, Selbstexploration, Selbstzentrierung


    Querverweise
    Integrativer Persönlichkeits Fragebogen
    Axiome und Konstruktionsprinzipien Differentieller Psychologie der Persönlichkeit in der Allgemeinen und Integrativen Psychodiagnostik, Psychologie, Psychopathologie und Psychotherapie.
    Übersicht Differentielle Psychologie der Persönlichkeit in der Allgemeinen und Integrativen Psychodiagnostik, Psychologie, Psychopathologie und Psychotherapie.
    Welten und  die Konstruktion unterschiedlicher Wirklichkeiten in der GIPT.
    Norm, Wert, Abweichung (Deviation), Krank (Krankheit), Diagnose. "Normal", "Anders", "Fehler", "Gestört", "Krank", "Verrückt".
     Übersicht Heilmittellehre in der GIPT.
    Wünschen und Wollen, Werten, Lenken, Anpassen und Gestalten, Aufgeben,



    Zitierung
    Sponsel, R. (DAS). Selbstbild. Glossar, Dimensionen, Meta-Dimensionen, Lebensregel, Psychotherapiedidaktischer  Auseinandersetzungs-Text zur Anregung, Besondere Bilder: Zur Theorie und Praxis der Wahrnehmungsebenen, Literatur (Auswahl). Internet Publikation  für Allgemeine und Integrative Psychotherapie  IP-GIPT. Erlangen: http://www.sgipt.org/gipt/diffpsy/ich/sb.htm
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    korrigiert: 15.02.04 irs