Internet Publikation für Allgemeine und Integrative Psychotherapie
    IP-GIPT DAS=19.01.2001 Internet-Erstausgabe, letzte Änderung 29.1.8
    Impressum: Diplom-Psychologe Dr. phil. Rudolf Sponsel Stubenlohstr. 20   D-91052 Erlangen
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    JLenken und JLassen1)

    Heilmittel Logo Lenken

    Übersicht Heilmittellehre und Heilmittel-Monographien * Literaturhinweis Symbolik Heilmittelgraphik * Terminologie und Kennzeichnungen.

    Heilmittel-Monographie
    Eine der wichtigsten und von der Allgemeinen Psychologie
    vernachlässigte psychologische Grundfunktion: das Lenken

    J-Lenken (steuern, regeln, leiten, führen, beeinflussen)
    J-Lenken ist wahrscheinlich einesder wichtigsten und bedeutendsten Heilmittel. Weshalb die Kategorie in Büchern der Allgemeinen Psychologie fehlt, ist schwer verständlich (durch die "Unterheilmittel" Motivation und Emotion ist es allerdings verdeckt teilweise enthalten). Lenken wird gewöhnlich der Sache nach (nicht unter diesem Wort) in der Persönlichkeitspsychologie behandelt.

    Vorab: Einführung in die Begriffs- und Wortwahl. Der Begriff der Steuerung (nicht in sich geschlossene Kette von Übertragungsgliedern ohne Rückmeldung) und Regelung geschlossene Kette von Übertragungsgliedern mit Rückmeldung) ist von der Technik vorbelegt. Um permanente Mißverständnisse zu vermeiden (> vermeiden ist hier sinnvoll), wähle ich den Begriff der Lenkung. Lenkung gebrauchen wir in einem umfassenden Sinne: damit ist jede gezielte Form und Organisation der Einflußnahme auf ein Geschehen zu verstehen; so gesehen umfaßt der Begriff der Lenkung, wie er hier verwendet und eingeführt wird, die Begriffe Steuerung und Regelung. Auch in der forensischen Psychologie spielt der Begriff der Steuerungsfähigkeit eine bedeutende Rolle und wäre also durch Lenkungsfähigkeit zu ersetzen, wenn auch dort die Begriffskonfusion ein Ende haben soll.

    J-LENKEN    J-LASSEN  (NICHT  LENKEN)
    steuern, regeln,                    los-, sein-, gewähren lassen,
    leiten, beeinflussen              keinen Einfluß nehmen

      Begriffsfeld: Lenken, leiten, steuern, regeln, regulieren, bestimmen, beherrschen, dominieren, unterdrücken, befehlen, beeinflussen, bewirken wollen, herbeiführen. Verwandtschaften: Interesse, motiviert, engagiert.

      Gegenbegriffe: Lassen, los lassen, sein lassen, gewähren lassen, sich (selbst) überlassen, bleiben lassen, geschehen lassen, gewähren. Verwandtschaften: Desinteresse, Gleichgültigkeit, egal, "wurst".

      Alltagsformulierungen: Man beherrscht sich, nimmt sich zusammen, man bringt sich dazu ...; man steuert sein Verhalten, seine Mimik, sein Auftreten; man nimmt Einfluß und wird beeinflußt; man unterdrückt diese oder jene Regung; man hält sich zurück; man läßt sich treiben, gehen ...; man reagiert spontan, impulsiv, kontrolliert.

    Störungen und Krankheiten der Lenkung und des Lassens

      Bei Zwangsgedanken gelingt die Lenkung der Bewußtseinsinhalte nicht: ungewollt drängen sich Gedanken auf, die man gar nicht haben will. Ebenso auf der Handlungsebene bei den Zwangshandlungen. Impulsive und unbeherrschte Reaktionen und entsprechendes Verhalten gehört hier ebenso her wie die Abhängigkeiten, überwertigen Strebungen und Süchte. Aber auch Angstzustände, die der Lenkung entgleiten und das Leben mehr als gewünscht bestimmen, können als Störungen der Lenkung der Emotionalität theoretisch begriffen und unter dem Gesichtspunkt mangelhafter Lenkung betrachtet werden. Konfrontationstherapie bedeutet letztlich: sich trotz Angst den gefürchteten Situationen und Objekten zu JStellen und auszusetzen, d. h. sich selbst dorthin zu lenken, indem man sich Jüberwindet und die Angst Jauszuhalten versucht. Auch ein anderer Mangel an Lenkung kann erhebliche Störungen hervorrufen: wenn ich mich oder andere zu sehr gehen und sich selbst überlasse. Eine LehrerIn, die darauf wartet, daß die SchülerInnen den Unterricht organisieren, hat eine falsche Vorstellung von einer Leitungsaufgabe. Der laissez faire Erziehungsstil vertraut darauf, daß die Kinder schon selbst herausfinden werden, wie sie sich entwickeln sollen. Der stolze Mensch, der sich zu gut ist, für seine Partnerinteressen einzutreten, mag sich wundern, warum er plötzlich betrogen oder verlassen wird. Überbeherrschte, überkontrollierte, verschlossene Charaktere haben oft den Kontakt zu ihren Gefühlen, Wünschen und Bedürfnissen verloren (> JWerten) und sind, wie es Reich und die BioenergetikerInnen trefflich ausdrücken, zu "Charakterpanzern" geworden.

    Differentialdiagnostik wichtiger Grundelemente
    der JLenkung mit dem GIPT-Lenkungswürfel

        Nach dem Lenkungs-, Handlungs-, Vorgangs- und Geschehenswürfel lassen sich typische Ressourcen, Begabungen, Fähigkeiten und Störungen einfach bestimmen ("diagnostizieren"):

    Prüfen  (Prüfen). Eine der wichtigsten allgemeinen psychologischen Grund-Funktionen ist das Prüfen, die Kontrolle: Was ist jetzt? Was steht jetzt an? Bin ich bei der Sache oder lese ich z. B. in einer Schrift und merke erst nach ein paar Absätzen oder Seiten, daß ich ich eigentlich mit meinen Gedanken ganz woanders war? Wo bin ich eigentlich? Bin ich "da" (ein Ausdruck der Gestalt-Therapie für bewußt im Hier und Jetzt zugewandt sein). Ist das jetzt wichtig? Will ich tun, was ich jetzt tue? Was habe ich mir vorgenommen? Warum tue ich nicht, was ich mir vorgenommen habe? Ist anderes angenehmer, lustvoller, schöner, wertvoller, wichtiger, dringlicher, nützlicher oder gar vom Rang notwendig? Wo führt das hin? Was ist mein Ziel? Bin ich auf dem richtigen Weg? Wie liege ich in der Zeit, im Plan? Ein zu wenig an Prüfen ist ebenso folgenreich und schädlich wie möglicherweise ein Zuviel oder falsches Prüfen. Damit haben wir drei Hauptfehlerquellen schon bestimmt: zu frühes, falsches oder zu seltenes Prüfen auf der einen Seite. Und zu spätes, falsches oder zu häufiges Prüfen auf der anderen Seite. Manche Menschen, die unter Zwangsstörungen leiden, müssen geradezu zwanghaft immer wieder prüfen, ob sie eine Aktivität richtig ausgeführt haben. Manche, gewöhnlich als schusselig, oberflächlich oder "dünnbrettbohrerhaft" gekennzeichneten Verhaltensweisen oder Haltungen, prüfen zu wenig, zu schnell, zu oberflächlich, zu nachlässig. Prüfen wird manchmal als lästige und zusätzliche, manchmal als unnötige Last empfunden.

    Anfangen (Prüfen). Wer hat sich nicht schon manches vorgenommen, daß sie / er einfach nicht angefangen hat? So einfach sich das Wörtchen "anfangen" anhört, so schwierig ist es manchmal, vor allem, wenn man keine Lust hat, wenn es unangenehm oder lästig ist, anzufangen. Zu schnell, zu früh, zu spät oder gar nicht anfangen, kann nicht selten zum Problem werden. Spontane oder Impulsive warten nicht, beginnen sofort aus dem Stand heraus. Das kann manchmal sehr gut, nützlich oder wichtig sein, aber es kann ebenso auch falsch, schädlich oder gefährlich sein. Manche können sich oftmals einfach nicht aufraffen, es fehlt an Antrieb, Energie, besonders in depressiven Phasen oder auch ganz normal und natürlich nach zehrenden Hochleistungsphasen. Das weit verbreitete depressive Phänomen nicht-aufraffen-können (NAK) hat in der Verhaltenstherapie zu einem eigenen methodologischen Therapiebaustein Aktivitätsaufbau (Lit-Hinweis) geführt. Speziell bei AD-H-D Störungen gibt es mit dem Anfangen ein ganz besonderes Problem, nämlich: Damit ich überhaupt anfangen kann, muß es mir einfallen. Fällt mir schon gar nicht ein, was ich tun will, soll, darf oder muß, "vergesse"  ich meine Vorhaben - "vergessen" heißt hier, daß die Supervision meines Vorsatzgedächtnisses nicht richtig funktioniert - , dann habe ich vorweg gar keine Chance zu tun, was ich vorhatte. Die Psychotherapie dieser Variante des "Vergessens" kann nur darin bestehen, eine Gewohnheit aufzubauen, geeignete "Erinnerer" routinemäßig anzuwenden. "Erinnerer" sorgen dafür, daß "Supervisionslöcher" im Gedächtnis ausgeglichen (kompensiert) werden können. Prüffragen: Fange ich auch an, was ich vorhatte? Was schiebe ich vor mir her? Was habe ich mir vorgenommen?

    Exkurs: Sprüche zum Anfangen
     
    • 01 Was nutzt es, wenn man weiß, daß alles einen Anfang hat, wenn man ihn nicht findet?
    • 02 Wenn es egal ist, wann man anfängt, dann kann man auch gleich anfangen. 
    • 03 Wenn es 1000 Gründe gibt, nicht anzufangen, dann gibt es immer auch ein paar, die dafür sprechen, denn nichts ist perfekt. 
    • 04 Alles nicht Anfangen ist schwer.
    • 05 Wenn es keinen Anfang gibt, ist es völlig wurst, wo man anfängt.
    • 06 Nur wer anfängt, kann gewinnen,wer nie anfängt, ist schon gescheitert.
    • 07 Wer mit dem Aufhören anfängt, hat aufgehört anzufangen. 
    • 08 Ein guter Grund anzufangen, ist es, wenn es keinen besonderen Grund gibt, anzufangen.
    • 09 Wenn es keinen Anfang gibt, dann gibt es auch kein Ende oder wer nicht lebt, kann auch nicht sterben.
    • 10 Wer nie anfängt, kann nie aufhören.
    • 11 Je mehr „gute" Gründe es gibt, nicht anzufangen, desto mehr falsche sind auch dabei.
    • 12 Du hast mich schon 1000 mal ein Arschloch genannt. Aber Du hast es damals zuerst gesagt.
    • 13 Nur wer anfängt, kann auch aufhören.
    • 14 Wer nicht aufhören kann, kann auch nicht anfangen.
    • 15 Am Anfang war der Anfang.
    • 16 Das Leben beginnt mit dem Anfang.
    • 17 Im Anfang steckt der Fang.
    • 18 Wer anfängt hat mehr vom Leben.
    • 19 Aller Anfang fängt vorne an.
    • 20 Nur wer anfängt kommt weiter.

    Dabeibleiben (Prüfen).  "Dabeibleiben" hat im wesentlichen drei Hauptbedeutungen: (1) das Richten der Aufmerksamkeit auf ein und dieselbe Aktivität, (2) nicht mehrere Sachverhalte auf einmal pflegen oder (3) nicht ständig hüpfen und wechseln zwischen den verschiedenen Sachverhalten und Aktivitäten ("multitasking"-Fähigkeit von AD-H-D-Persönlichkeiten). Kontinuität, Stetigkeit, Ausdauer, Planung, Zuverlässigkeit, Konsequenz, Konzentration, Hingabe, "Handlungsdisziplin" sind "Verwandte" der psychologischen Grundfunktion ydabeibleiben. Eine andere Formulierung für Nicht-Dabeibleiben-Können wäre: vieles anfangen und nicht vollenden ("Verwandte": unterbrechen, instabil, wechselhaft, diskontinuierlich, unstet, unsicher, wankelmütig).  Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen sind u. a. Ausdruck davon, nicht richtig bei einer Sache oder Handlung bleiben zu können, obwohl man es möchte. In vielen Grundschulzeugnissen von AD-H-D Persönlichkeiten finden sich z. B. Einträge wie "leicht ablenbar", "geringe Ausdauer", "abschweifen". Alltagstip: Besonders unangenehme und unlustvolle Handlungen (z. B. Steuererklärungen) sollte man so organisieren, daß man dabeibleiben kann, damit man den hohen Überwindungs-Energieverbrauch von mehrfachem Anfangen spart. So wichtig es ist, dabeibleiben zu können, so wichtig es aber auch, unterbrechen zu können. Prüffragen: Bin ich genügend dabei, bei der Sache oder schweife ich immer wieder ab? Falls: Warum? Gibt es etwas, was ich tun kann, um mehr, konsequenter, dichter dabeizubleiben?

    Unterbrechen  (Prüfen). Auch die Fähigkeit "Unterbrechen" ist sehr wichtig für das Leben und alle Handlungen oder Aufgaben, die man auf einmal gar nicht erledigen kann oder die mit einer besonderen Wichtigkeit oder Dringlichkeit (Priorität, "interrupt") bei uns "anklopfen". Schon die Natur gibt mit dem Tag und der Nacht, der Wachzeit und der Schlafzeit eine natürliche Rhythmik des Wechsels und der Unterbrechung vor. Wir wissen aus der Problemlösungs- und Kreativitätsforschung, wie wichtig es ist, den bewußten Problemlösevorgang zu unterbrechen, um den unbewußten Ressourcen und Methoden Wirkmöglichkeiten zu geben. Zwanghaft, impulsiv oder maniform unterbrechen zu müssen ist nicht selten genauso hinderlich wie die Erschwernis oder gar Behinderung, nicht unterbrechen zu können. Lästig sind die Unterbrechungen, die als Störungen empfunden werden (manche Großraumbüros sollen die Störungsform der Unterbrechung ja optimiert haben ;-)). Dann reagiert man nicht selten gereizt, genervt, verärgert oder aggressiv auf Störungen, die zu Unterbrechungen führen. Ständige Störungen und Unterbrechungen können die Leistungsfähigkeit, Befindlichkeit und das Wohlbefinden sehr beeinträchtigen. Prüffragen: Wo stehe ich? Kann, soll ich dabei bleiben? Stehen andere wichtige, dringliche Dinge an? Unterbreche ich zu oft? Falls: Warum? Bin ich in der Zeit, im Plan (auch wenn er nicht ausdrücklich formuliert ist, die meisten Pläne haben wir nicht sehr bewußt im Kopf). Wann muß, sollte ich unterbrechen?

    Aufhören und Aufgeben  (Prüfen). So wie sich manche schwer tun anzufangen, so können manche nur schwer oder nicht aufhören, wenn sie einmal angefangen haben. Man muß auch beenden können. Damit tun sich die OptimiererInnen, im Alltag meist PerfektionistInnen oder Anspruchsvolle genannt, oft schwer. Von einem impressionistischen Maler wird die Anekdote berichtet, daß er von so perfektionistischen Motiven besessen gewesen sein soll, daß er sich sogar noch ins Museum geschlichen haben soll, um an Bildern heimlich weiter zu malen, um sie zu verbessern. Als gefährlich gilt auch das "Verschlimmbessern", wenn Verbessern also ins Gegenteil umschlägt. Manche hören zu früh auf, manche zu spät und manche tun sich überhaupt schwer, loszulassen. Ein ganz besonderes Störungsfeld des Nicht- Aufhören- und- Aufgeben- Könnens ist das Gebiet der Abhängigkeiten und Süchte. Aufhören, beenden und auch Aufgeben können auch als enge "Verwandte" des Loslassens beschrieben werden. Eine besondere Bedeutung kommt hier dem Aufgeben als wichtigem psychologischen Heilmittel - besonders bei unrealistischen Zielen, Ansprüchen und Idealen - zu, aber auch bei allen Störungen vom Typ Fehlverhalten, besonders auch Abhängigkeit und Sucht. An einer Sache kleben, hängen, nicht loslassen können ist manchmal auch Ausdruck von Störungen vom Typ nicht aufhören, beenden, aufgeben können.

      Bemerkung: Die Elemente des GIPT-Lenkungs- und Handlungswürfels sind aus Holz und ergeben zusammengesetzt einen Quader. PatientIn kann z. B. angehalten werden, täglich eine neue "moderne Plastik" im Einzugsbereich ihrer Aufmerksamkeit und Wahrnehmung zu kreieren mit dem tieferen Sinn, eine innere Auseinandersetzung mit dem Lenkungs- und Handlungsthema zu induzieren.

    Das Heilmittel JLenken kann nur schwer überschätzt werden. Es ist wahrscheinlich eines der mächtigsten und fast kann man sagen: Jede Therapie läuft auf eine veränderte Lenkung hinaus.

    Allgemeine Analogie zum  Lenkungsmodell
    Segelbootfahrt

      Zu einer Segelbootfahrt gehören Vorbereitungen wie z. B. Überprüfen des Zustandes des Bootes, der Segel, Energieversorgung, Ersatzteile, Vorräte, Navigationsgeräte, Radio und Funk, Notfallcheck, Festlegung des Zieles, Festlegung der Route, des Weges = Ordnung der Teilziele, Starttag bzw. Beginn der Reise, die Steuerung der Fahrt: Lenkung der Richtung, Geschwindigkeit, Kontrolle und Prüfung des Weges, unterbrechen zur Rast, Überprüfung von Gefahren und Risiken z. B. durch Berücksichtigung der Wetterentwicklung. Hierzu braucht man Kenntnisse über Wetter, Geographie und Navigation, Wartung und Steuerung eines Segelbootes, Mittel wie Zeit und Geld, technische Ausrüstung und Ausstattung mit den entsprechenden Fähigkeiten und Fertigkeiten. Man kann das Leben oder z. B. auch nur einen Tag als eine Reise betrachten. So betrachtet ist jeder Mensch zu einem großen Teil der Steuermann seines Lebens.

    Checkliste: Allgemeines Psychologisches Lenkungsmodell


      1. Ziel klären und festlegen (Zieldefinition)
      2. Kurs oder Weg bestimmen
      3. Teilziele klären und festlegen
      4. Hintergrund, Rand- und Situationsbedingungen klären, erkennen und herstellen / suchen / abwarten.
      5. Werkzeuge und Hilfsmittel klären, besorgen und bereit stellen
      6. Fähigkeiten und Fertigkeiten ausbilden, lernen und aktivieren
      7. Handlungen lenken (Plan = (2) - (5)):
        1.      Gelegenheit abwarten und erkennen  (Aufgabe der Supervision des Bewußtseins)
        2.       Anfangen (beginnen)
        3.       Fortfahren (dabei bleiben)
        4.       Unterbrechen (warten)
        5.       Kontrollieren und prüfen

        6.           a) Randbedingungen, Umfeld, Störungen
                    b) Fortschritte, Entwicklung, Zielestatus
        7.       Beenden (aufhören)


      Optimierung. Wie läßt sich mit geringstem Aufwand auf angenehmste Weise bei kleinstem Risiko und geringster Gefährdung anderer Ziele das Beste und Meiste auf k=kurze, m=mittlere bzw. l=lange Sicht erreichen?

    Die Optimierung
    "Es ist noch keine MeisterIn vom Himmel gefallen"

        Wir bringen im folgenden noch eine Checkliste zur Optimierung. Der häufigste Optimierungsfehler im Lebensalltag ist, daß die Menschen viel  zu  oft von  sich  verlangen, etwas schon  g u t  zu können, bevor sie es  ü b e r h a u p t  können. Das erinnert an den Slogan "Überholen, ohne einzuholen". Der destruktive Tagtraum solcher PatientInnen hat konditionalen Charakter: Wenn ich erst ..., dann aber ... . Solche Haltungen gehen meistens schief. Bevor man eine Sache gut kann, muß man sie überhaupt tun können.Und am Anfang stellen wir uns eben alle ein bißchen an. Manche PatientInnen, insbesondere narzißtisch gestörte, ertragen das nur schwer und man muß ihnen besonders dabei helfen, am besten indem man sich selbst als Modell ein bißchen anstellt.

      Ein anderer, häufig anzutreffender Typ einer Optimierungsneurose ist die Perpetuum-Mobile-Neurose, wenn Menschen sich beim Optimieren permanent in der Kunst des Unmöglichen vergaloppieren. Es geht eben nicht, zu überholen ohne einzuholen. Und es stimmt eben: Es ist wirklich noch keine MeisterIn vom Himmel gefallen.

      Sehr häufig ergeben sich Optimierungsprobleme, indem nicht begriffen wird, daß die Optimierung des einen Zieles zugleich eine Minimierung eines anderen Zieles bedeutet. Sicherheit und Freiheit beißen sich. Wer beides gleichermaßen will, muß Kompromisse schließen oder wird scheitern.

      Hier kann Therapie in direkter Lebensklugheitsberatung oder auch nur bloßer Information bestehen. Oft ergeben sich auch unlösbare Konflikte zwischen den Zeitperspektiven.

    So manche kurzfristige Optimierung bewirkt eine Minimierung langfristiger Optimierung.

    Der Junkie wünscht in jeder Sekunde seines Lebens den "Kick" und bezahlt nicht selten mittelfristig mit seinem Leben oder endet im Abseits.

    Typische und häufige Optimierungswünsche

    Die Optimierung des Einzelzieles (k=kurze, m=mittlere, l=lange Sicht)
     

    • Minimierung des Aufwandes: k, m, l Sicht
    • Maximierung der Annehmlichkeit: k, m, l Sicht
    • Maximierung des Zielergebnisses: k, m, l Sicht
    • Maximierung der Geschwindigkeit: k, m, l Sicht
    • Minimierung des Risikos (unerwünschte Nebenwirkungen): k, m, l Sicht

    •  
    Die Optimierung des gesamten Zielsystems (Lebens- bzw. Erlebnisqualität im Ganzen) bedeutet nicht selten, auf die Optimierung von Einzelzielen zu verzichten.
     

    Der typischeOptimierungsfehler der Perfektionisten

    Kommentar:
    Der Graph oder die Illustration ist so gewählt, daß sofort ins Auge springt, selbst wenn man den Aufwand zum Beispiel verdreifacht, ändert sich am Ergebnis nur minimal Prozentuales, so daß Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis stehen, sich der Aufwand nicht lohnt, wie man trefflich sagt.


    Beispiele Lenkungsmittel im Leben, Kommunikation, Beratung, Training und Therapie


     
     


    Literaturhinweis: In Sponsel 1995 werden S. 193 - 200 die meisten potentiellen psychologischen Heilmittel (neudeutsch: Heilwirkfaktoren) gelistet und ca. 180 - das sind längst nicht alle - in der Literatur beschriebenen Heilmittel S. 387 - 404 dokumentiert.
    Lenken im hier verstanden Sinne wird nicht erst seit der Popularität verwendet, sondern kommt neben der normalen Alltagssprache (> DTW, DWDS, ) ebenso in der Literatur vor, z.B. bei Kafka in der Verwandlung (fett-kursiv RS): "Und gewiß hätte der Prokurist, dieser Damenfreund, sich von ihr lenken lassen; sie hätte die Wohnungstür zugemacht und ihm im Vorzimmer den Schrecken ausgeredet." [Online]



    Glossar, Anmerkungen und Endnoten:
    GIPT= General and Integrative Psychotherapy, internationale Bezeichnung für Allgemeine und Integrative Psychotherapie.
    ___
    1) Mit dem griechischen Buchstaben Theta J  (nach Jerapeia (therapeia): Heilung) kennzeichnen wir Psychische Funktionen, wenn sie Heilmittel oder Heilwirkfaktoren Qualität (Funktion) annehmen,  z. B. J einsehen,  J zulassen unterdrückter Erinnerungen, J stellen (konfrontieren), J sich  überwinden und J mutig sein, J differenzieren, J entspannen, J lernen, J loslassen, J beherrschen ...
        Man vergegenwärtige sich auch, daß viele Sachverhalte eine Doppelfunktion haben können: Heilmittel und Störmittel ("Gift"). Möchte man von der Heilmittelfunktion absehen, kann man einfach die Vorsilbe "Heil" weglassen und spricht dann ganz allgemein nurmehr vom "Mittel" (zum Zweck). Ein Mittel zum Heilzweck wird sozusagen zum Heilmittel, wenn das Mittel zur Begleitung, Linderung, Besserung oder Heilung von Störungen mit Krankheitwert eingesetzt werden soll. Für Mittel zum Zweck fehlt ein eigentliches griechisches Wort, so daß sich Begriff und Wort des Werkzeuges organon (organon) anbietet mit dem Nachteil, daß sich o wenig vom lateinsichen o unterscheidet, so daß wir aus typologischen Gründen lieber in lautgestaltlicher Analaogie den Buchstaben m (Mü) wählen. Die Kennzeichnung  m loben bedeutet also z.B., daß wir loben als Mittel kennzeichnen, um einen Zweck zu erreichen zur Abgrenzung von  loben als z.B. spontaner Ausdruck von (freudiger) Anerkennung.
        Und um deutlich zu machen, daß wir ein Wort nicht alltagssprachlich, sondern im Rahmen einer psychologisch-psychotherapeutischen Fachsprache verwenden, kennzeichnen wir das Wort mit dem griechischen Buchstaben y  (Psi, mit dem das griechische Wort für Seele =  yuch, sprich: psyche, beginnt). Störungs Funktor. Begriffe, die eine Störung repräsentieren sollen, kennzeichnen wir mit dem Anfangsbuchstaben Tau (t) des griechischen Wortes für Störung tarach (tarach). Viel Verwirrung gibt es in und um die Psychologie, weil viele ihrer Begriffe zugleich Begriffe des Alltags und anderer Wissenschaften sind. Um diese babylonische Sprachverwirrung, die unökonomisch, unkommunikativ und entwicklungsfeindlich ist, zu überwinden, ist u. a. das Programm der Erlanger Konstruktivistischen Philosophie und Wissenschaftstheorie entwickelt worden: Kamlah & Lorenzen (1967). Zu einigen psychologischen Grundfunktionen siehe bitte: vorstellen. Ausführlich zur Terminologie.
     
      Querverweise (Links)  zum Terminologie-Problem in der Psychologie, Psychopathologie, Psychodiagnostik und Psychotherapie:
      • Übersicht Heilmittellehre in der GIPT
      • Über den Aufbau einer präzisen Wissenschaftssprache in Psychologie, Psychopathologie, Psychodiagnostik und Psychotherapie aus Allgemeiner und Integrativer Sicht
      • Grundzüge einer Idiographischen Wissenschaftstheorie
      • Introspektion, Bewußtseins- und Bewußtheitsmodell in der Allgemeinen und Integrativen Psychotherapie
      • Beispiel Nur_empfinden_fühlen_spüren
      • Über den Aufbau einer präzisen Wissenschaftssprache in Psychologie, Psychopathologie, Psychodiagnostik und Psychotherapie
      • Überblick der Signaturen: Dokumentations- und Evaluationssystem Allgemeine und Integrative Psychotherapie
      • Testtheorie der Allgemeinen und Integrativen Psychotherapie.
      • Probleme der Differentialdiagnose und Komorbidität aus Sicht der Allgemeinen und Integrativen Psychotherapie
    *
    Aktivitätsaufbau (Lit-Hinweis): Hellhammer, D. &  Ehlert, U. (1994). Aktivitätsaufbau. In: Linden, M. & Hautzinger, M. (1994, Hg.). Verhaltenstherapie. Berlin: Springer, Seiten 71-75.

    Querverweise
    Standort: Heilmittelmonographie Lenken.
    *
    Übersicht Heilmittelmonographien in der IP-GIPT.
    *
       
      Suchen in der IP-GIPT, z.B. mit Hilfe von "google": <suchbegriff> site:www.sgipt.org
      z.B. Heilmittel site:www.sgipt.org. * Lenken site:www.sgipt.org
    *
    Dienstleistungs-Info.
    *


    Änderungen
    03.01.08    Zielmarke Lenken, Querverweis auf die Wortbedeutung.
    16.01.04    Beispiele Lenkungsmittel im Leben, Kommunikation, Beratung, Training und Therapie


    Zitierung
    Sponsel, Rudolf (DAS). Heilmittel-Monographie Lenken. Eine der wichtigsten und von der Allgemeinen Psychologie vernachlässigte  psychologische Grundfunktion. Internet Publikation  für Allgemeine und Integrative Psychotherapie  IP-GIPT. Archiv. Erlangen: http://www.sgipt.org/hm/hm_lenk.htm
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