Internet Publikation für Allgemeine und Integrative Psychotherapie
    IP-GIPT DAS=03.09.2000 Internet-Erstausgabe, letzte Änderung 28.2.8
    Impressum: Diplom-PsychologInnen Irmgard Rathsmann-Sponsel und Dr. phil. Rudolf Sponsel
    Stubenlohstr. 20     D-91052 Erlangen * Mail:_sekretariat@sgipt.org__Zitierung  &  Copyright_

    Anfang_HM Wünschen und Wollen_Überblick_Rel. Aktuelles_Rel. Beständiges_ Titelblatt_ Konzept_ Archiv_ Region_ Service-iec-verlag__ Wichtige Hinweise Links u. Heilmittel

    Willkommen in unserer Internet-Publikation für Allgemeine und Integrative Psychotherapie, Abteilung Heilmittel-Lehre & Heilmittel-Monographien, und hier speziell zum:

    JWünschen und JWollen 1)

    nach Sponsel (1995), S. 215-217      Heilmittel-Monographien: Übersicht und Querverweise

    J_WÜNSCHE BILDEN  
    wünschen =
    ....tun mögen 
    ... haben mögen 
    ... sein mögen 
    ... gelten mögen 
    J_WÜNSCHE AUFGEBEN
    ... nicht (mehr) wünschen
    ... nicht (mehr) tun mögen 
    ... nicht (mehr) haben mögen
    ... nicht (mehr) sein mögen
    ... nicht (mehr) gelten mögen 

    Begriffsfeld: Wunsch, Motiv, Bedürfnis, Wille, Absicht, Ziel, Begehren, Strebung,Interesse, Neigung, Abhängigkeit, Sucht.

    Gegenbegriffe: Wunschlos, bedürfnislos, willenlos, ziellos, interessenlos, unabhängig, frei, lenkbar, steuerbar, beherrschbar. Negationen des Begriffsfeldes.

    Basiswissenschaftlicher Bezug: Allgemeine Psychologie (Motivation).

    Alltagsformulierungen: Ich möchte ..., ich mag ..., ich wünsche mir ..., ich hätte gern ..., ich will ..., ich wollte ..., ich brauche ..., ich muß ..., ich bin abhängig von ..., ich brauche unbedingt ..., ich kann nicht leben ohne ...

    Differentialdiagnose Wunsch und Wille
    Wille = Wunsch + Energie + Lenkung
    Wollen = wünschen + Energie laden + lenken

      Im Willen steckt sowohl Energie und Kraft als auch etwas Gerichtetes, Ziel-Gerichtetes. Ein Wunsch, der zum Willen wird, ist mit Energie geladen und hat eine Zielrichtung, auf die hin Aktivitäten gelenkt werden. Lenkung impliziert Aktivitäten. Während ein Wunsch immer gebildet und aufrechterhalten werden kann, ohne daß etwas weiteres geschieht, bedeutet der Wille hingegen, daß Realisationsaktivitäten erfolgen. Es ist nach dieser Einführung von grundlegender Bedeutung, ob jemand von sich sagt, sie wünsche oder er wolle.
        Der Wunsch gehört ins Reich der Phantasien und Träume, der Wille ins Reich der Wirklichkeit und Tat. Wille hat Aktivitätskonsequenzen, der Wunsch nicht.

    Praktisches Differentialdiagnose Wünschen und Wollen
    MAZOKA ist ein Kunstwort aus der Allgemeinen und Integrativen Willenspsychologie. Es bedeutet: M = Mühe (bereitschaft), A = Ausdauer (bereitschaft), Z = Zeit (Reservierung), O = Opfer (bereitschaft), K = Kosten (bereitschaft), A = Anstrengung (sbereitschaft). Zur praktischen Differentialdiagnose zwischen Wünschen und Wollen
    kann nun der  MAZOKA-Begriff herangezogen werden. Jemand wünscht nur, wenn sie/ er keine oder zu wenig MAZOKA füer ein Motiv aufbringt, einer will in dem Maße, wie sie/er MAZOKA für ein Motiv aufbringt.

    Differentialdiagnose Wunsch und Bedürfnis
      Auf einen Wunsch kann man eher verzichten als auf ein Bedürfnis. Wunsch und Bedürfnis unterscheiden sich nach diesem Gesichtspunkt durch die Stärke des Brauchens.

    Differentialdiagnose Wunsch, Bedürfnis und Sucht
      Die Sucht bezeichnet ein unnatürliches, querstatistisch gesehen unnormales, übertriebenes Brauchen eines Suchtmittels (Anerkennung, Alkohol, Zuwendung, Fernsehen ...). Es gibt potentiell unendlich viele Süchte oder Kombinationen.

    Störungen und Krankheiten des Wünschens. Mancher Mensch bleibt zu sehr, zu oft beim bloßen Wünschen stehen, wo mehr der Wille gefragt ist. Mancher Mensch tagträumt zu viel und entzieht sich der Realität, so daß ein Teufelskreis in Gang gesetzt wird: da die Realität immer unerfreulicher wird, wird vermehrt auf Ersatzbefriedigung in Phantasie und Traum abgestellt, wodurch die Realität noch weniger angemessen bewältigt werden kann usw. Mancher Mensch hat das Träumen und Wünschen verlernt, da ist nichts nicht mehr, wonach sich zu greifen, wofür sich zu leben lohnt. In der Schizozphrenie können die Wünsche und Interessen verloren gehen: Leere, Trägheit, Desorientierung bestimmen den Alltag und machen das Leben so affekt- und freudlos. Mancher  Mensch mag so viel, daß er sich immerzu nicht entscheiden kann; einen Wunsch mit Energie auszuzeichnen bedeutet für diesen Menschen, die anderen hinten anzustellen, aufzugeben. Hier wirkt sich eine falsche Einstellung, eine falsche Theorie über das Wünschen ungünstig aus. Manche mögen zu viel, meinen, nicht genug kriegen zu können. Manchen ist frühzeitig abtrainiert worden, etwas wünschen zu dürfen. Sie haben das Wünschen verlernt. Die Verbindung zwischen Bewußtsein und dem Fühlen und Spüren der eigenen Wünsche ist gestört. Schwere Desorientierungssyndrome und Sinnkrisen des Lebens können die Folge sein. Weiß jemand nicht, was schön, angenehm, lustvoll, befriedigend für ihn ist, liegt eine schwere und grundlegende Affektstörung vor: fühlen und wünschen ist massiv beeinträchtigt (Alexithymie, Anhedonie).

    Anmerkung: Heilmittel Aufgeben von Wünschen und Wollen. Sind bestimmte Motive unrealisierbar, sei es durch die Bedingungen, sei es durch das eigene Vermögen: mangelnde Begabung, Fähigkeiten, Können oder durch andere Merkmale bedingt, so kann Aufgeben zu einem sehr wichtigen Heilmittel werden, denn es befreit und stellt die bisherigen Energie für andere und vielleicht realistischere Motive zur Verfügung. Es ist also auch sehr wichtig, daß man bestimmte, unrealistischeWünsche oder Gewolltes auch aufgeben kann.



    Literaturhinweis:Nach Sponsel, R. (1995)  S. 215-217. Ebenda werden S. 193 - 200 die meisten potentiellen psychologischen Heilmittel (neudeutsch: Wirkfaktoren oder Heilwirkfaktoren) gelistet und ca. 180 - das sind längst nicht alle - in der Literatur beschriebenen Heilmittel S. 387 - 404 dokumentiert. 
    Fußnoten
    1) Mit dem griechischen Buchstaben Theta J   (nach Jerapeia (therapeia): Heilung) kennzeichnen wir Psychische Funktionen, wenn sie Heilmittel oder Heilwirkfaktoren Qualität (Funktion) annehmen,  z. B. J einsehen,  J zulassen unterdrückter Erinnerungen, J stellen (konfrontieren), J sich  überwindenundJ mutig sein, J differenzieren, J entspannen, J lernen, J loslassen, J beherrschen ...
    Und um deutlich zu machen, daß wir ein Wort nicht alltagssprachlich, sondern im Rahmen einer psychologisch-psychotherapeutischen Fachsprache verwenden, kennzeichnen wir das Wort mit dem griechischen Buchstaben y  (Psi, mit dem das griechische Wort für Seele =  yuch, sprich: psyche, beginnt). Viel Verwirrung gibt es in und um die Psychologie, weil viele ihrer Begriffe zugleich Begriffe des Alltags und anderer Wissenschaften sind. Um diese babylonische Sprachverwirrung, die unökonomisch, unkommunikativ und entwicklungsfeindlich ist, zu überwinden, ist u. a. das Programm der Erlanger Konstruktivistischen Philosophie und Wissenschaftstheorie entwickelt worden: Kamlah & Lorenzen (1967).
        Um deutlich zu machen, daß wir ein Wort nicht alltagssprachlich, sondern im Rahmen einer psychologisch-psychotherapeutischen Fachsprache verwenden, kennzeichnen wir das Wort mit dem griechischen Buchstaben y  (Psi, mit dem das griechische Wort für Seele =  yuch, sprich: psyche beginnt). Viel Verwirrung gibt es in und um die Psychologie, weil viele ihrer Begriffe zugleich Begriffe des Alltags und anderer Wissenschaften sind. Um diese babylonische Sprachverwirrung, die unökonomisch, unkommunikativ und entwicklungsfeindlich ist, zu überwinden, ist u. a. das Programm der Erlanger Konstruktivistischen Philosophie und Wissenschaftstheorie entwickelt worden: Kamlah & Lorenzen (1967). Zu einigen psychologischen Grundfunktionen siehe bitte: vorstellen.


    Querverweise (Links)  zum Terminologie-Problem in der Psychologie, Psychopathologie, Psychodiagnostik und Psychotherapie:
    Introspektion, Bewußtseins- und Bewußtheitsmodell in der Allgemeinen und Integrativen Psychotherapie
    Beispiel Nur_empfinden_fühlen_spüren
    Über den Aufbau einer präzisen Wissenschaftssprache in Psychologie, Psychopathologie, Psychodiagnostik und Psychotherapie
    Überblick der Signaturen: Dokumentations- und Evaluationssystem Allgemeine und Integrative Psychotherapie
    Testtheorie der Allgemeinen und Integrativen Psychotherapie.
    Probleme der Differentialdiagnose und Komorbidität aus Sicht der Allgemeinen und Integrativen Psychotherapie

    Standort: Wunsch und Wille.
    *
    Übersicht Heilmittellehre in der GIPT.


    Zitierung
    Sponsel, Rudolf  (DAS).  Heilmittel-Monographie: Wunsch und Wille. Heilmittel und Differentialdiagnose.  Eine der wichtigsten und von der Allgemeinen Psychologie vernachlässigte  psychologische Grundfunktion. Internet Publikation  für Allgemeine und Integrative Psychotherapie  IP-GIPT. Erlangen: http://www.sgipt.org/hm/hm_wiwu.htm
    Copyright & Nutzungsrechte
    Diese Seite darf von jeder/m in nicht-kommerziellen Verwertungen frei aber nur original bearbeitet und nicht  inhaltlich verändert und nur bei vollständiger Angabe der Zitierungs-Quelle benutzt werden. Das Einbinden in fremde Seiten oder Rahmen, die die Urheberschaft der IP-GIPT nicht jederzeit klar erkennen lassen, ist nicht gestattet. Sofern die Rechte anderer berührt sind, sind diese dort zu erkunden. Sollten wir die Rechte anderer unberechtigt genutzt haben, bitten wir um Mitteilung. Soweit es um (längere) Zitate aus  ...  geht, sind die Rechte bei/m ... zu erkunden oder eine Erlaubnis einzuholen.

     Ende HM Wünschen und Wollen_Überblick_Rel. Aktuelles_Rel. Beständiges_ Titelblatt_ Konzept_ Archiv_ Region_ Service-iec-verlag__ Wichtige Hinweise Links u. Heilmittel


    kontrolliert: