Internet Publikation für
Allgemeine und Integrative Psychotherapie
IP-GIPT DAS=07.09.2003
Internet-Erstausgabe, letzte Änderung 25.5.10
Impressum:
Diplom-Psychologe Dr. phil. Rudolf Sponsel Stubenlohstr. 20
D-91052 Erlangen
Mail:
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Zitierung
& Copyright _
Anfang _Beweis
Einführung und Überblick_Überblick_Rel.
Aktuelles _Rel.
Beständiges _Titelblatt_
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Region_Service_iec-verlag__Wichtiger
Hinweis zu Links und zu Empfehlungen
Willkommen in unserer Abteilung Abstrakte Grundbegriffe aus
den Wissenschaften (Analogien, Modelle und Metaphern für die allgemeine
und integrative Psychologie und Psychotherapie sowie Grundkategorien zur
Denk- und Entwicklungspsychologie), hier speziell zum Thema:
Einführung, Überblick, Verteilerseite: Beweis,
Beweisarten, Verfahren und Probleme in Wissenschaft und Leben
im Alltag, in Philosophie und Logik,
Kultur und Kunst, Mathematik und Logistik,
Wissenschaft, Technik, Recht, Metaphysik und Esoterik, Politik, Sport und
Spiel, Wirtschafts- und Sozialleben und Sonstigem
Zum Inhaltsverzeichnis
Info Bildmontage
Blicke über den Zaun zum Auftakt für eine integrative
psychologisch-psychotherapeutische Beweislehre
aus allgemein integrativer psychologisch-psychotherapeutischer
und einheitswissenschaftlicher
Sicht
von Rudolf Sponsel, Erlangen
Hinweis: Wenn nicht ersichtlich werden (Externe
Links) in runden und [interne IP-GIPT
Links] in eckige Klammern gesetzt, direkte Links im Text auf
derselben Seite sind direkt gekennzeichnet.
In dieser Übersichtsarbeit wird das Thema im Überblick gesamtheitlich
aus einheitswissenschaftlicher Perspektive dargestellt. Im Laufe der Zeit
folgen weitere Ausarbeitungen.
Inhaltsübersicht
-
Überblick
der einzelnen Bereiche: interne Links:
Vertieft ausgearbeitet=3 Grundlage ausgearbeitet=2, Bereich angelegt=1,
Bereich noch nicht angelegt=0,
Einstieg:
Allgemeine Einführung in die Beweisidee
Der Beweis spielt eine überragende Rolle in der Logik
und Mathematik, in der Kriminologie, Rechtswissenschaft und Rechtsprechung
und - etwas anders gedeutet
- in allen, besonders in den empirischen
Wissenschaften, und natürlich in der Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie,
aber auch natürlich - was oft übersehen wird - im ganz normalen
[Lebensalltag]. Wir wollen hier die Idee des Beweises
daher auch ganz alltäglich und im Gesamtzusammenhang des Lebens betrachten,
zumal es zum Wesen integrativer Betrachtung [Manifest]
und Orientierung gehört, über den Zaun hinaus auch das Andere
und Ganze zu sehen, ohne es einseitig überzubewerten. Integrative
können und wollen von allen lernen und tun dies auch. Wir wollen aber
auch mit Kritik nicht hinter den Berg halten.
Die Grund-, Kern- oder Gretchenfrage der Beweisidee
ist immer: wie kann man zeigen (beweisen), daß ein Sachverhalt gegeben,
nicht gegeben oder nicht entscheidbar ist? Und im allgemeinen gilt die
in meinen Augen richtige Norm: wer behauptet, hat die Beweispflicht - die
meist eine Beweislast ist, wie es das Rechtswesen so trefflich formuliert
- und muß beweisen. Die Idee eines Beweises ist spezifisch menschlich
und kann als geistesgeschichtliche Erfindung betrachtet werden. Beweisen
macht im Prinzip nur einen Sinn als - wenn auch meist virtueller - Dialog
zwischen Beweisendem und seinem Publikum, meist eine kritische Fachgemeinschaft.
Ein Beweis sucht und braucht die Anerkennung und die Kritik. Und: Beweisen
ist ein - wenn auch zunächst denkerisches - Tun, auch
logisches oder mathematisches Beweisen (man muß es letztlich hinschreiben),
wenn auch nicht immer so handfest wie beim In-Augenschein-nehmen eines
Tatortes, bei der Untersuchung eines Stoffes oder dem Bau eines Flugzeuges
mit dem technischen Beweis seiner Flugfähigkeit dadurch, daß
es fliegt und nicht abstürzt.
Fragen
und Probleme: General-Fallstrick Sprachwelt und Sachwelt [Welten]
Was unterscheidet nun einen Beweis von einem (guten) Argument, einer
(guten) Begründung oder Bestätigung? Was macht einen Beweis zu
einem Beweis? Gibt es in den empirischen Wissenschaften und im Alltagsleben
überhaupt "richtige" Beweise? Was heißt das, ein "richtiger"
Beweis? Beweisen geschieht meist - wenn auch nicht immer - in und mit Hilfe
der Sprache, doch bewiesen werden sollen im allgemeinen nicht sprachliche
Ausdrücke, sondern Sachverhalts- bzw. Tatsachenbeziehungen bestimmter
Welten [Welten]. Dies kompliziert und 'fehler-quillt'
insofern sehr, als das tatsächliche
Beweisen in und mit Hilfe der Sprache voraussetzt, daß zwischen
der verwendeten Welt der Sprache und der sie repräsentieren sollenden
Welt eine Art Äquivalenzrelation
besteht. Die Schlußfolgerungen in der Sprache sollen ja für
die jeweils repräsentierte Welt gelten. Damit geht die gesamte und
kaum zu überschätzende Problematik der Sprache [IL]
in das Beweisen ein. Um dem zu entgehen, haben sich Mathematik, Logik (Logistik),
Wissenschaftstheorie und meist auch die Fachwissenschaften eine eigene
Sprache geschaffen mit der Folge, daß nahezu niemand das mehr
versteht. Außerdem entgehen sie damit natürlich dem Repräsentanz-
bzw. Äquivalenzproblem zwischen Sprachwelt und Sachwelt nicht, auch
nicht die Mathematik, wie z.B. Brouwer darlegte,
zumal auch noch die Beweishilfsmittel wie z.B. die Anschauung
relativ ungeklärt sind. Die Spezialisierung der Wissenschaften steht
der einheitswissenschaftlichen
Idee sehr im Wege. Und die Wissenschaftstheorie, deren Aufgabe ja die Integration
der Einzelwissenschaften sein könnte, wie einst vom Wiener Kreis gedacht,
ist meist weit weg von eben diesen.
Beweisverfahren
Aus Obigem ergibt sich sofort, gleich von Anfang an sehr kritisch zu
sein, da Beweisen häufig in und mit Hilfe von (Fach) Sprachen erfolgt,
die Beweisaussage aber für eine - spezielle - Welt (Tatsachenwelt)
[Welten] gelten soll. Die Beweisverfahren
hängen dann also auch ab von der Welt, für die bewiesen werden
soll. Man muß also zunächst die - spezifische - Welt angeben,
für die bewiesen werden soll, z.B. bestimmte Axiome
für die Welt der Mathematik, davon hängt z.B. ab, ob 1+1=2 oder
0 'ist' [ist]. Sodann wird diese
Welt in einer Sprache repräsentiert, in und mit Hilfe derer bewiesen
wird. Die Sprache kann auch Beweishandlungen, wie z.B. in Augenschein nehmen,
tue dieses oder jenes in dieser oder jenen Reihenfolge ("Erst das Wasser,
dann die Säure, sonst passiert das Ungeheure" wissen die Chemiker
trefflich zu raten) beinhalten. Besonders wichtig sind die Voraussetzungen,
zulässigen Beweismittel, Lückenlosigkeit, Widerspruchsfreiheit,
Klarheit und Eindeutigkeit eines Beweises und seiner Teile. Nicht selten
entstehen Zweifel, ob nicht beim Beweisen womöglich Mittel verwendet
werden, die den Beweis schon voraussetzen, damit also zirkulär wären.
Im Grunde genommen gehört zum strengen Beweisen die vollständige
Aufzählung der Voraussetzungen, Mittel und Regeln, wobei bei jedem
Schritt anzugeben ist, welche Voraussetzungen, Mittel und Regeln benutzt
werden. Das wird aber gewöhnlich selten gemacht und ist vielfach wohl
auch sehr ermüdend, langweilig oder unübersichtlich .
Allgemeine
formale Struktur eines Beweises
-
B. Behauptung dessen, was bewiesen werden soll
-
V. Voraussetzungen, die für den Beweis für erforderlich gehalten
werden oder sind
-
M. Beweismittel (Regeln) mit denen man Schritt für Schritt zum Beweis
gelangt
-
S. Beweisschritte vom Anfang bis zum Ende des Beweisweges, Angabe der benutzten
Voraussetzungen und Beweismittel
-
E. Beweisergebnis am Ende des Beweisweges
Beweis-Beispiel
01: Das Wort "Beweis" hat 6 Buchstaben.
| B. Behauptung |
Das Wort "Beweis" hat 6 Buchstaben. |
V. Voraussetzungen
V1
V2
V3 |
Klarheit, was ein Buchstabe und Wort ist, wo er anfängt und aufhört,
Angabe des Alphabets, das die Zeichen, die als Buchstaben gelten, enthält.
Klarheit, was die Zahl "6" hier bedeuten soll.
Klarheit, was Abzählen ist und wie gezählt wird. |
| M. Beweismittel |
Abzählen der Buchstaben im Wort "Beweis" |
| S. Beweisschritte |
Buchstabe für Buchstabe abzählen |
| E. Beweisergebnis |
Der letzte Beweisschritt enthält die Behauptung |
Variante
Beweis-Beispiel 02: Das Wort "Beweis" hat 5 verschiedene Buchstaben.
| B. Behauptung |
Das Wort "Beweis" hat 5 verschiedene Buchstaben. |
V. Voraussetzungen
V1
V2
V3
V4 |
Klarheit, was ein Buchstabe und Wort ist, wo er anfängt und aufhört,
Angabe des Alphabets, das die Zeichen, die als Buchstaben gelten, enthält.
Klarheit, was gleicher und verschiedener Buchstabe bedeutet
Klarheit, was die Zahl "5" hier bedeuten soll.
Klarheit, was Abzählen ist und wie gezählt wird. |
| M. Beweismittel |
Abzählen der Buchstaben im Wort "Beweis" |
| S. Beweisschritte |
Unterschiedliche Buchstaben für Buchstaben abzählen 123_45 |
| E. Beweisergebnis |
Der letzte Beweisschritt enthält die Behauptung |
Variante
Beweis-Beispiel 03: "Beweis", "BEWEIS" und "beweis" bedeuten das gleiche
| B. Behauptung |
"Beweis", "BEWEIS" und "beweis" bedeuten das gleiche |
V. Voraussetzungen
|
V1 Zeichen können trotz unterschiedlicher Form, Farbe, Größe
und Gestalt ihre Zeichenbedeutung beibehalten: a=A=A=A, ein
A bleibt sozusagen ein a (doch auch verschiedene Zeichengestalten können
die gleiche Bedeutung haben: red=rouge=rot)
V2 Unterscheidung von Wort (Lautgestalt) und Begriff. Zeichen- oder
Lautgestalt sind der Träger - das "Kleid" - des
Begriffs. |
| M. Beweismittel |
M1) In Augenscheinnahme V1, M2) Akzeptieren V2 |
| S. Beweisschritte |
Beweismittel M1 und M2 anwenden |
| E. Beweisergebnis |
Der letzte Beweisschritt enthält die Behauptung |
Beweisen lernen
Beweisen ist ein schwieriges Geschäft. Und Beweisen lernt man
letztlich nur durchs Tun: indem man zu beweisen sucht und sich Beweismühen
unterzieht. Damit man es zunehmend besser lernt, schaut man sich am besten
an, wie die KönnerInnen - meist Fachkundige - jeweils beweisen. Hierzu
bringt man am besten Zeit und Interesse mit. Man lernt durch zusehen und
nachvollziehen bei denen, die es können und gut vorzumachen verstehen.
In der Psychologie nennen wir das Lernen am Modell. Wenig hilfreich sind
hierbei Beweisfloskeln der Art: "Wie man leicht sieht ...", "Klar ist...",
"Bekanntlich gilt ..." usw. Für den Anfänger
und Lernenden sind solche Floskeln demotivierend,
frustrierend und damit lernbehindernd. Und meist stimmt es nicht: man sieht
es nicht "leicht", es ist nicht "klar" und meist nicht "bekannt". Man vergesse
auch nicht den alten Spruch: Das Einfachste ist oft das Schwierigste.
Was mit nur einem Blick manchmal völlig klar ist, wo kaum jemals einer
auf die Idee käme, nach einem Beweis zu fragen, das kann tatsächlich
sehr schwierig zu beweisen sein. So konnte man bis Peano (1889) nicht genau
sagen, was eigentlich natürliche Zahlen sind, so daß vielfach
der berühmte Ausspruch Kroneckers (1823-1892) zitiert wurde: 'Die
Zahlen hat der liebe Gott gemacht, alles andere ist Menschenwerk.'
[Zitatquelle]
Eine einheitswissenschaftliche Darstellung einer
'allgemeinen Beweistheorie' die auch den Alltag und die Rechtswissenschaft,
ja eigentlich alle beweisfähigen Phänomene einschließt,
ist mir nicht bekannt, wenn auch einzelne Denker Beweisen im Alltag berücksichtigen
[z.B. Waismann]. Für
die empirschen Wissenschaften ist wohl [Wolfgang
Stegmüllers] Werk, besonders seine Wissenschaftstheorie, als Standardwerk
anzusehen.
Idiographisches
Beweisen [IL]
Hier geht es um das Beweisen für den sog. Einzelfall, individuelle
Merkmale und Ereignisse. Hat M. grüne Augen? Wann hat X. Geburtstag?
Liebt X. Y. ihn? War X. am Ort O. im Zeitraum t? Hat X. Y. verführt
und mißbraucht? Wie hoch ist der Puls bei X. am TT.MM.JJ um hh.mm
Uhr? Wann ist der Zug angekommen? Gibt es einen Therapiefortschritt? War
die Tür verschlossen? Hat X. ein Alibi? All das sind Fragen, die eine
wichtige Rolle im Alltag, im Rechtswesen, im Wirtschafts- und Sozialleben,
in der Heilkunde, Einzelfallberatung und Psychotherapie spielen. Die Wissenschaftstheorie
hat dieses wichtige Gebiet sträflich vernachlässigt, was nicht
selten dazu führt, daß wissenschaftliche Sachverständige
und Gerichte aneinander vorbeireden. Gerichte erwarten Einzelfallbeurteilung
und nicht wäre, hätte, könnte, vielleicht und nicht ausschließbar.
WissenschaftlerInnen sehen nur allzu oft das spezifisch Wissenschaftliche
in den Gesetzen und Regelhaftigkeiten. So wie man die Mathematik als 'Königin'
des allgemeinen Beweisens konstruktiv-gedachter idealer Objekt-Welten ansehen
kann, so kann man die Rechtsprechung als 'Prinzessin' des speziellen Beweisens
für den empirischen Einzelfall ansehen.
Glossar, Anmerkungen,
Endnoten:
GIPT= General and Integrative
Psychotherapy,
internationale Bezeichnung für Allgemeine und Integrative Psychotherapie.
__
. |
einheitswissenschaftliche
Sicht. Ich vertrete neben den Ideen der Logischen Propädeutik
und einem gemäßigten Konstruktivismus
auch die ursprüngliche einheitswissenschaftliche Idee des Wiener
Kreises, auch wenn sein Projekt als vorläufig gescheitert angesehen
wird und ich mich selbst nicht als 'Jünger' betrachte. Ich meine dennoch
und diesbezüglich im Ein- klang mit dem Wiener
Kreis, daß es letztlich und im Grunde nur eine
Wis- sen schaftlichkeit gibt, gleichgültig, welcher spezifischen
Fachwissenschaft man angehört. Wissenschaftliches Arbeiten folgt einer
einheitlichen und für alle Wissenschaften typischen Struktur, angelehnt
an die allgemeine
formale Beweisstruktur.
Schulte, Joachim &
McGuinness, Brian (1992, Hrsg.). Einheitswissenschaft - Das positive Paradigma
des Logischen Empirismus. Frankfurt aM: Suhrkamp.
Geier, Manfred (1992).
Der Wiener Kreis. Reinbek: Rowohlt (romono).
Kamlah, W. & Lorenzen, P. (1967).
Logische Propädeutik. Mannheim: BI. |
 |
_
| Wissenschaft
[IL] schafft Wissen
und dieses hat sie zu beweisen, damit es ein wissenschaftliches Wissen
ist, wozu ich aber auch den Alltag und alle Lebensvorgänge rechne.
Wissenschaft in diesem Sinne ist nichts Abgehobenes, Fernes, Unverständliches.
Wirkliches Wissen sollte einem Laien vermittelbar sein (PUK - "Putzfrauenkriterium").
Siehe
hierzu bitte das Hilbertsche
gemeinverständliche Rasiermesser 1900, zu dem auch gut die Einstein
zugeschriebene Sentenz passt: "Die meisten Grundideen der Wissenschaft
sind an sich einfach und lassen sich in der Regel in einer für jedermann
verständlichen Sprache wiedergegeben." |
___
Info Bildmontage. Text aus:
K. Schütte in: Ritter, Joachim (1971, Hrsg.). Historisches Wörterbuch
der Philosophie. Bd. I. A-C. Völlig neu bearbeitete Ausgabe des Wörterbuchs
der Philosophischen Begriffe von Rudolf Eisler. Darmstadt: Wissenschaftliche
Buchgesellschaft.
Die aufgenommenen Bilder stellen lediglich eine
nicht repräsentative Stichprobe zu illustrativen Zwecken dar. Tatsächlich
könnten Tausende von DenkerInnen und WissenschaftlerInnen aufgenommen
werden, z.B. der ganze [Wiener
Kreis], aber auch die Intuitionisten und natürlich [Stegmüller].
So steht z.B. Harvey (Blutkreislauf) für die Medizin, [Kekulé]
(Benzolring) für die Chemie, Crick und Watson (Doppel-Helix) für
die Biologie, der Denker von Rodin sowohl für die Kunst selbst als
auch für alle DenkerInnen ohne besondere wissenschaftliche Spezifikation
- denn es gibt viele ausgezeichnete namenlose DenkerInnen, auch im Alltag
und ohne nennenswerte Bildung. Ein Paradebeispiel für ein mathematisches
Genie ohne den üblichen formalen Bildungsweg ist [Ramanujan].
Bilder erste Reihe: Euklid, Aristoteles, Galilei,
Newton, Harvey, Poincaré. Spalte links von oben nach unten:
Euklid, Boole, Hilbert, Frege, Russell, daneben rechts: Wittgenstein, Gentzen,
Gödel, Mittermaier (Jurist), daneben Der Denker von Rodin,
aufwärts rechte Spalte: Crick und Watson (Doppelhelix), Kekulé,
der 'junge' Einstein.
___
Logik und Mathematik Man
kann darüber streiten, ob es sinnvoll ist, Mathematik und Logik zusammenzufassen.
Die Entwicklung der letzten hundert Jahre scheint aber zu zeigen, daß
die Logik als "Logistik" immer mehr
von der Mathematik angeeignet und der Philosophie entrissen wurde. Ob das
gut ist, mag dahin gestellt sein. Jedenfalls scheint es jede Menge Fortschritte
und Weiterentwicklung gegeben haben, seit die Mathematiker sich der Logik
(Logistik) angenommen haben, wie der Wissenschaftstheoretiker [Wolfgang
Stegmüller] in seinem großen Werk vielfach ausführt.
___
etwas anders gedeutet: Man
sagt, in den empirischen Wissenschaften gebe es keine absoluten Wahrheiten,
sämtliche Gesetze hätten nur vorläufige Gültigkeit.
Die meisten würden mit zunehmenden Erkenntnissen eingeschränkt,
differenziert und modifiziert bis sie schließlich durch neue Gesetzessysteme
ersetzt würden, weil die alten zu viele Sonderfälle und Ausnahmen
enthielten. Die Theorie gipfelt etwa in Poppers These, in den empirischen
Wissenschaften könne man Gesetze nicht verifizieren, nur Falsifikationsversuchen
unterziehen. Ein empirisch wissenschaftliches Gesetz sei daher in dem Maße
als bestätigt anzusehen, wie gute Falsifikationsversuche gescheitert
sind. Das ist nun alles sehr akademisch und theoretisch und spielt in der
faktischen Beweisarbeit, die WissenschaftlerInnen tagtäglich verrichten,
so gut wie keine Rolle. Das ist ein pragmatisches Argument dafür,
daß der 'Popperismus'
falsch ist und von konstruktiven und positiven Bewältigungen ablenkt.
___
Dialog
zwischen Beweisendem und seinem Publikum. Das ist ein großer
Vorzug - neben dem Nachteil des ungewohnten und Gewöhnungsbedürftigen
- der dialogischen und konstruktiven Logik, die sehr nahe am Leben, wirklicher
Argumentation und Kommunikation orientiert ist. > [Kamlah
& Lorenzen], [Lorenzen],
wobei inzwischen eine neue und sehr anfängerfreundliche Einführung
von dem Lorenzenschüler Inhetveen auf den Markt gelangt ist:
___
empirischen Wissenschaften
Damit
sind all die Wissenschaften gemeint, die die Welt der Wirklichkeit erforschen:
was sich in ihrem Gegenstandsbereich (z.B. Astronomie, Physik, Chemie,
Biologie, Geologie, Medizin, Soziologie, Psychologie, Wirtschaft, Sprachwissenschaften,
Geschichte, Technik, Recht) ereignet und wie die Zusammenhänge sind.
Empirisch forschen heißt, man muß hinausgehen in die Welt,
beobachten, zählen, messen, in Beziehung setzen, Versuche planen,
Experimente durchführen. Aus der empirischen Bedeutungszuordnung kann
man verstehen, daß sich Theologie und Philosophie schwer tun. Wie
soll man Gott beobachten, ohne zu halluzinieren oder ein Wahnsystem zu
entwickeln? Wie will eine PhilosophIn wesentliches über die Welt herausfinden,
wenn sie nur in ihrer Stube am Schreibtisch hockt und denkt? Aus integrativ-psychotherapeutischer
Sicht, ist - und bleibt - das [Denken]
nur der wichtigste 'Hilfssheriff' des Lebens. Psychologisch sind Erleben
und Handeln die wichtigsten Funktionen. Auch wissenschaftlich kommt dem
Handeln mit dem Beobachten, Experimentieren und Herstellen neben dem Denken
große Bedeutung zu. Daß eine exakte Wissenschaft, vielleicht
letztlich sogar die einzige wirklich exakte Wissenschaft auch ohne empirische
Bezüge möglich ist, zeigt uns die Mathematik, die man als Wissenschaft
von den formalen und 'idealen' Objekten, Modellen und ihren Beziehungen
verstehen kann. Doch auch in der Mathemtaik wird gehandelt - beweisen ist
eine Tätigkeit - , wenn auch in einer virtuellen und konstruierten
Welt [IL]. Wie wichtig die mathematischen
Handlungen der Konstruierbarkeit sind, zeigt uns der [Grundlagenstreit]
und auch andere Probleme abgesehen von der para-autistisch anmutenden Unzugänglichkeit
für viele SchülerInnen und andere Menschen: Tatsächlich
können trotz intensivsten [Schulunterrichts]
nur wenige wirklich Mathematik. Da muß also einiges falsch laufen
und schief gehen. Es fehlt der Bezug zur Anwendung. Für Außenstehende
AnwenderInnen ist die Mathematik völlig unüberblickbar geworden.
Reine Mathematik ist, auch wenn es sich paradox anhört, exakte
Phantasiewelt. Und sobald man Mathematik auf die wirkliche Welt
anwendet, wird sie vielfach, wie uns die Anwendungen in Medizin, Psychologie,
Statistik und in den Sozialwissenschaften zeigen, äußerst dubios
und mitunter geradezu numerologisch esoterisch. [Beispiel Signifikanztest,
Faktorenanalyse,
Kollinearität
und numerisch instabile Matrizen in der Psychologie]. Hierbei muß
der Mathematik der Vorwurf gemacht werden, daß sie ihre Supervisionsaufgaben
sträflich und unverantwortlich vernachlässigt: wer Mathematik
anwendet, muß angewandt mathematisch supervidiert werden.
___
eigene Sprache Das ist für
die Entwicklung und Klärung des Beweisens sehr hilfreich, womöglich
sogar notwendig, aber nachdem hier einiges erreicht wurde, müßte
eine Rückübersetzung in die natürliche und Alltagssprache
erfolgen.
___
tatsächliches Beweisen.
Auf den Unterschied zwischen mathematischer Sachwelt und der Sprache, die
sie repräsentiert, hat schon frühzeitig Brouwer ausdrücklich
hingewiesen, obwohl - inzwischen und hoffentlich - diese kritische Einsicht
vermutlich nahezu jede halbwegs kritische DenkerIn und WissenschaftlerIn
einnehmen dürfte. Vielleicht ist aber dennoch von allgemeinem Interesse
im Kontext unseres Themas Beweis und beweisen, was [Brouwer
hierzu 1924 (S. 2f)] schrieb:
"Die Konsequenz des den Gesetzen der theoretischen
Logik zugeschriebenen aprioristischen Charakters brachte mit sich, daß
man bis vor kurzem diese Gesetze, einschließlich des Satzes vom ausgeschlossenen
Dritten, auch in der Mathematik der unendlichen Systeme rückhaltlos
angewandt hat und sich dabei nicht von der Erwägung hat stören
lassen, daß die auf diesem Wege erhaltenen Resultate im allgemeinen
weder praktisch noch theoretisch einer empirischen Bestätigung zugänglich
sind. Auf dieser Grundlage sind, insbesondere im letzten halben Jahrhundert,
ausgedehnte unrichtige Theorien aufgebaut worden. Die Widersprüche,
auf die man dabei wiederholt gestoßen ist, haben die formalistische
Kritik ins Leben gerufen, [<2] eine Kritik, welche in ihrem Wesen
darauf hinauskommt, daß die die mathematische Denkhandlung begleitende
Sprache einer mathematischen Betrachtung unterzogen wird. Einer solchen
Betrachtung bieten sich die Gesetze der theoretischen Logik als auf Grundformeln
oder Axiome wirkende Operatoren dar, und man stellt sich als Ziel, diese
Axiome so umzugestalten, daß die sprachliche Wirkung der genannten
Operatoren (die selber ungeändert beibehalten werden) nicht mehr durch
die Erscheinung der Sprachfigur des Widerspruchs gestört werden kann.
An der Erreichung dieses Ziels braucht keineswegs verzweifelt zu werden
[FN1 Unberechtigte
Anwendung des Satzes vom ausgeschlossenen Dritten auf Eigenschaften wohlkonstruierter
mathematischer Systeme kann nämlich nie zu einem Widerspruch führen.
Vgl. L.E.J. Brouwer, „De onbetrouwbaarheid der logische principes"
(Tijdschrift voor wijsbegeerte, 2. Jahrgang, 1908), auch aufgenommen in
„Wiskunde, waarheid, werkelijkheid" (Groningen, Noordhoff, 1919)] , aber
damit wird kein mathematischer Wert gewonnen sein: eine durch keinen widerlegenden
Widerspruch zu hemmende unrichtige Theorie ist darum nicht weniger unrichtig,
so wie eine durch kein reprimierendes Gericht zu hemmende verbrecherische
Politik darum nicht weniger verbrecherisch ist.".
___
Anschauung basiert auf der Wahrnehmung,
Vorstellung, Gedächtnis und Denken. Im Geiste werden ideale Objekte
(Figuren, Dreiecke, Gerade, Körper) mit idealen Hilfsmitteln - Zirkel,
Lineal - konstruiert. Was aber ist ein idealer Zirkel, eine ideale Figur?
Genau betrachtet sind es empirische Betätigungen. 'Messen' ist in
der Geometrie grundsätzlich verboten, wobei nicht ganz klar ist, ob
nicht auch mit dem Zirkel letztlich 'gemessen' wird. Wann sind zwei Strecken,
zwei Flächen, zwei Winkel, zwei Figuren 'gleich'? Wie
kommt man zum Gleichheits- bzw. Unterschiedsurteil? Ist die Annschaunng
"nur" Hilfsmittel? Ist die Annschauung andererseits nicht auch notwendig?
Wenn sie notwendig ist, sollte dann ihre Funktion und Rolle nicht genauer
und klarer dargestellt und erklärt werden?
___
Äquivalenzrelation. Alltagssprachlich:
die Sprache ist geeignet, die Welt zu repräsentieren und die Welt
ist geeignet, in Sprache repräsentiert zu werden. Auch Wittgenstein
formuliert im Tractatus 4.01: "Der Satz ist ein Bild der Wirklichkeit.
Der Satz ist ein Modell der Wirklichkeit, so wie wir uns sie denken." Elemente
(Sprache) <=> Elemente (Welt). Hierin liegen wiederum "Welten" von Fehler-
und Mißverständnismöglichkeiten. Nicht alles in der Welt
kann sprachlich ausgedrückt werden und vieles, das in der Sprache
eine Bedeutung hat, gibt es nur in speziellen Welten, z.B. in der Welt
der Phantasie [IL], etwa
die Vorstellung eines Pegasus, eines Pferdes mit Flügeln. Die Sprache
ist ein einzigartige Quelle von Unklarheiten, Mißverständnissen,
Irrtümern und Fallstricken. Beweis: Geschichte der Philosophie, Kommunikation
im Alltag zwischen den Menschen. Nicht jedes Wort hat eine tatsächliche
[Entsprechung]
in der Wirklichkeit.
___
Körperaxiome. In der Mathematik
und Zahlentheorie gibt es ganz verschiedene [Zahlen].
Man könnte alltagssprachlich auch von unterschiedlichen Zahlen-Typen
sprechen. Die verschiedenen Zahlentypen können durch unterschiedliche,
sog. Körper-Axiome definiert werden. In einem Zahlenkörper (K2)
z.B., in dem es nur die beiden Zahlen 1 und 0 gibt, ergeben sich von der
Alltagserwartung überraschende und abweichende Ergebnisse bei den
arithmetischen Operationen, nämlich 1+1=0.
___
Bekanntlich. Ein denkbar schlechtes
Beispiel liefert z.B. Klaus Fiedler in seinem Gutachten zum Polygraphen
für den Bundesgerichtshof in: Fiedler, Klaus (1999). Gutachterliche
Stellungnahme zur wissenschaftlichen Grundlage der Lügendetektion
mithilfe sogenannter Polygraphentests. Praxis der Rechtspsychologie, 9,
Sonderheft [BGH-Gutachten Psychophysiologische Aussagebeurteilung] Juli
1999, 5-44, hier S. 22:
| Ist dieser Beweis wirklich "weithin bekannt"?
Wer von den BundesrichterInnen kennt ihn? Wie viele PsychologInnen könnten
ihn demonstrieren? Könnte ihn Klaus Fiedler den BundesrichterInnen
oder seinen StudentInnen überhaupt selbst an der Tafel richtig erklären?
Angemerkt sei hier, daß es natürlich nicht nur zwei Möglichkeiten
gibt, sondern wenigstens drei: subjektive Wahrheit, Lüge, Irrtum.
Für den Einzelfall scheint es kaum möglich, begründete a
priori Wahrscheinlichkeiten anzunehmen. Die Argumentation Fiedlers ist
aber schon deshalb falsch, weil sie für jedes Indiz
gilt. Dann macht es aber keinen Sinn, das Argument gegen den Polygraphentest
besonders
auszuspielen. |
___
Floskeln Obschon man es kaum für
möglich hält, erscheint ausgerechnet die Mathematik mit ihrer
kaum verständlichen und esoterisch anmutenden Zeichensprache, die
so gut wie nie ausführlich, gründlich und beispielhaft erläutert
wird, außerordentlich lernbehindernd. Die Regeln für die Zeichen
und Schreibweisen, verbleiben vielfach im Dunkeln und zufälliger Intuition
überlassen. Das paßt nun gar nicht zur exaktesten aller Wissenschaften.
Als Königin der Wissenschaften hat sie die Pflicht, didaktisch vorbildlich,
nachvollziehbar und wirklich klar zu sein, und zwar vor allem für
diejenigen, die von Haus aus keine begabten MathematikerInnen sind. Als
Beispiel führe ich nur die Mehrdeutigkeit der Zeichen "+" oder "-"
an. Sie haben zwei völlig unterschiedliche Bedeutungen: (1) Vorzeichen,
(2) Operator [addieren, subtrahieren]. Völlig verwirrend ist auch
die mathematische [Ordinalzahl],
sie ist nämlich nicht kommutativ. In der Beweismethodik am schlimmsten
ist, daß eigentlich nie klar ist - Ausnahme Grundlagenarbeiten zum
Aufbau der Mathematik - , welche Voraussetzungen und Mittel jeweils gegeben
und nutzbar sind und welche nicht. Während man von allen Zahlen, über
die man spricht, ihren Typ und Wertebereich angeben muß, ist das
offenbar beim Beweisen nicht der Fall. Damit ist die exakteste aller Methoden
bei genauer Betrachtung alles andere als exakt, sondern geradezu als dunkel
anzusehen. Das ist umso verwunderlicher als Wittgenstein mit seinem tractatus
den Weg ja gewiesen hat.
___
Kleid So schon Wittgenstein im Tractatus
4.002: "Die Sprache verkleidet den Gedanken." ... "Die stillschweigenden
Abmachungen zum Verständnis der Umgangssprache sind enorm kompliziert."
___
Änderungen Wird
gelegentlich vervollständigt, ergänzt überarbeitet - Anregungen
und Kritik erwünscht
27.10.06 Links.
25.08.04 Link
zur Anmerkung Logistik.
Querverweise
Standort: Beweis und beweisen in Wissenschaft
und Leben - Einführung.
*
*
*
Dienstleistungs-Info.
*
Zitierung
Sponsel, Rudolf (DAS).
Einführung und Überblick: Beweis, Beweisarten, Verfahren
und Probleme
im Alltag, in Philosophie und Logik,
Kultur und Kunst, Mathematik und Logistik, Wissenschaft, Technik, Recht,
Metaphysik und Esoterik, Politik, Sport und Spiel, Wirtschafts- und Sozialleben
und Sonstigem aus allgemein integrativer psychologisch-psychotherapeutischer
und einheitswissenschaftlicher Sicht
Auftakt für eine integrative
psychologisch-psychotherapeutische Beweislehre. Abteilung Abstrakte
Grundbegriffe aus den Wissenschaften:
Analogien, Modelle und Metaphern
für die allgemeine und integrative Psychologie und Psychotherapie
sowie Grundkategorien zur Denk- und Entwicklungspsychologie.
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