Internet Publikation für Allgemeine und Integrative Psychotherapie
    Abteilung Politische Psychologie, Bereich Finanzen -  Präambel - Sprache -
    IP-GIPT DAS=12.04.2007 Internet-Erstausgabe, letzte Änderung 30.3.8
    Impressum: Diplom-PsychologInnen Irmgard Rathsmann-Sponsel und Dr. phil. Rudolf Sponsel
    Stubenlohstr. 20     D-91052 Erlangen * Mail: sekretariat@sgipt.org_Zitierung & Copyright

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    Willkommen in unserer Internet-Publikation für Allgemeine und Integrative Psychotherapie, Abteilung Politische Psychologie, Bereich Finanzen, und hier speziell hier zum Thema:

    Das Schulden-Porträt der
    Stadt Nürnberg

    Zum Inhaltsverzeichnis.


    Bildinformationen.

    "Der Stadtkämmerer kann nicht mehr Geld ausgeben, als er in den Stadtsäckel bekommt."
    (Nürnberger Bürgerbuch 1973, S. 107). Anmerkung RS: Kreditaufnahmen, also Schulden, zählen zu den "Einnahmen",
    also zu dem, was er in den "Säckel bekommt", dieses buchhalterische Phänomen scheinen einige gründlich
    misszuverstehen, besonders auch die schuldenunkritischen Nürnberger Medien.

    von Rudolf Sponsel, Erlangen  (ohne Gewähr)

    Querverweise. * Forderungen an Haushaltsberichte *
    Was bedeutet Staatsverschuldung ganz praktisch? * Therapie: Strukturelle Therapie, Kognitive Therapie *

    Inhaltsverzeichnis

    • Zusammenfassung, Abstract, Summary.
    • Politbiographische Daten der Stadt Nürnberg.
    • Nürnberg und Das Geld.
    • Was verrät uns das Nürnberger Stadtlexikon von 1999 über die Nürnberger Schulden-Mentalität ?.
    • Kurz-Geschichte des Finanzwesens Nürnbergs.
    • Tabelle: Die Schulden-Leistung der Stadt Nürnberg 1870-2005.
      • Vorbemerkung.
      • Tabelle der ermittelten Schuldendaten.
      • Dokumentation Missing Data und Unklarheiten in den Berichten zu den Schuldenständen der Stadt Nürnberg.
      • Aus dem Leitbild der Stadt Nürnberg von 2001.
    • Ergebnis Schuldenporträt der Stadt Nürnberg 1870-2006.
      • Wie sehr hängen die Schulden-Wachstums-Raten von den Anfangs- und Endwerten ab?
      • Hochrechnung Kapitaldienst bis 2050.
      • Die Schuldenporträts der Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg 1870(1867)-2006.
        • 1867 - 1891: Otto Freiherr von Stromer (1831 - 1891).
          • Studie zu Entwicklung und Verlauf der stetigen und jährlichen Schuldenwachstumsraten 1870-90 in fünfer Schritten.
        • 1892 - 1913: Dr. Georg Ritter von Schuh (1846 - 1918), Freisinnige Volkspartei.
        • 1913 - 1919: Dr. Otto Geßler (1875 - 1955), Fortschrittliche Volkspartei.
        • 1920 - 1933: Dr. Hermann Luppe (1874 - 1945), DDP.
          • Zeit der Hyperinflation bis Ende 1923.
          • Zeit nach der Währungsreform 1924 bis zur Machtergreifung der Nazis 1933.
          • Exkurs: Umstände des Amtsrücktritts Dr. Luppe.
          • Exkurs:  Der Finanzbericht zum Hyper-Inflationsjahr 1923.
        • 1933 - 1945: Willy Liebel (1897 - 1945), NSDAP.
        • 1945 - 1948: Hans Ziegler (1877 - 1957), SPD.
        • 1948 - 1951: Dr. Otto Ziebill (1896 - 1978), SPD.
        • 1952 - 1957: Dr. h.c. Otto Bärnreuther (1908 - 1957), SPD.
        • 1957 - 1987: Dr. Andreas Urschlechter (1919 - ), SPD.
          • Zum Vergleich die Wirtschafts-Wachstums-Raten (des BIP).
        • 1987 - 1996: Dr. Peter Schönlein (1939 - ), SPD.
          • Zum Vergleich die Wirtschafts-Wachstums-Raten (des BIP).
        • 1996 - 2002: Ludwig Scholz (1937-2005), CSU.
          • Zum Vergleich die Wirtschafts-Wachstums-Raten (des BIP).
        • 2002 - 2006  Dr. Ulrich Maly (1960 - ), SPD.
    • Man beachte bitte auch (Sonderfaktoren und Tricks).
    • Berichterstattung, Einfluss und "Verantwortung" der Nürnberger Presse.
    • Kommentar: An ihren Zahlen sollt Ihr sie erkennen ...
      • Zur Therapie der "Schuldentollwut".
      • Strukturelle Therapie des Schuldenproblems.
      • Kognitive Therapie des Schuldenproblems.
    • Links.
    • Literatur (Auswahl).
    • Glossar, Anmerkungen und Endnoten:

    • Stichworte: Allgemeines zum Schulden-Syndrom , Was bedeutet Staatsverschuldung ganz praktisch? * Amtliche Statistik * Armuts- und Reichtumsberichte der Bundesregierung. * Antizyklische Wirtschaftspolitik * Aufarbeitung * Bildinformationen * Bund Links * Cross-Border-Leasing *  CLB in Nürnberg * Datenquellen und Hinweise zu Schulden und Wirtschaftswachstum (BIP) * Demokratien * * Etile * Euphemismus * Forderungen an Haushaltsberichte * Globalisierung  * Globale Enteignung der Städte (CBL) * Hollyvoodoo * homo oeconomicus * Ich pumpe, also bin ich * Karl IV. * Länder, Gemeinden und Zweckverbände * Lüftl-Theorem * Mittel(werte) * Mordechai ben Hillel * Nürnberger Bürgerbuch * Nürnbergs erste  jüdische Gemeinde * Nürnberger Presse * politische "Krankheit" * Rechenschaftsbericht * Schulden-Pisa * Schulden-Porträt (Neues Benchmarkformat zur Bewertung der Leistung von PolitikerInnen) * Schulden-Uhren Links * Schulden-Wachstums-Rate * Staatsverschuldung: Literatur- und Linkhinweise zu Paul C. Martins Arbeiten ("Lüftl-Theorem") * Schuld der Wirtschaftswissenschaften und der Medien * * Wachstum kritisch betrachtet * Wachstumstabellen (Zinseszins) * Zeitgeschichte * Zinsen im Mittelalter.
    • Änderungen.
    • Querverweise.


    Zusammenfassung, Abstract, Summary.

    Nach einer Kurzgeschichte ab 1050, Schwerpunkt finanzpolitische Ereignisse, werden die stetigen und jährlichen Schulden-Wachstums-Raten für den Zeitraum 1870 bis 2007 berechnet und Einzel-Schuldenporträts der 12 Ober/Bürgermeister (von Stromer, von Schuh, Geßler, Luppe, Liebel, Ziegler, Ziebill, Bärnreuther, Urschlechter, Schönlein, Scholz und Maly) dieses Zeitraums vorgestellt. Zwei Studien widmen sich der Frage: Wie sehr hängen die Schulden-Wachstums-Raten von den Anfangs- und Endwerten ab (2: von Stromer)? Ausgehend von den ermittelten Schulden-Wachstums-Raten wird eine Hochrechnung für die Schulden-Wachstums-Raten und den Kapitaldienst bis 2050 durchgeführt. Abschließend wird das Phänomen der "Schuldentollwut" kritisch kommentiert und Vorschläge zur "Therapie" gemacht. Für Vergleiche kann die Analyse der 205 Gemeinden (1978-2005) und 7 Landkreise in Mittelfranken und anderer Großstadt-Schuldenporträts (z.B. Berlin, Bremen, Erlangen, Hamburg, München) oder auch das Kontrastprogramm einiger schuldenfreier Gemeinden (Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen) herangezogen werden.

    Überblicksgraphik 1870-2007 (siehe auch Zusammenfassung  Eingangsgraphik)

        Die alte Reichsstadt und nunmehr kreisfreie Stadt Nürnberg hat im Jahr 2005 mit 499237 EinwohnerInnen bald doppelt so viel Schulden wie alle 205 Gemeinden und ihre 7 Landkreise im Bezirk Mittelfranken mit 917004 EinwohnerInnen zusammen genommen: 1,465 (2006: 1,58; 2007 1,83) Milliarden gegenüber 821 Millionen Euro. Das spricht nicht für große Städte, nicht für die Kaufmannszunft, und schon gar nicht für unsere vaterlandslose Industrie, die die Gemeinden meist nur gegeneinander ausspielt und oft mehr Geld kostet als sie bringt, d.h. die Relationen stimmen - wie gewöhnlich im Kapitalismus - hinten und vorne nicht. Historisch betrachtet ist das nicht sonderlich überraschend, weil sich die "Schuldentollwut" der Verantwortlichen seit es Aufzeichnungen gibt - also seit rund 700 Jahren belegbar - durch die Nürnberger Geschichte zieht:

       
      Entschuldungsmeilensteine in der Nürnberger Geschichte
      1298    Entschuldung durch Ermordung der jüdischen Gläubiger
      1349    Entschuldung durch Ermordung der jüdischen Gläubiger
      1396    Entschuldung nach der großen Inflation?
      1618    Fastdrittelung der Schulden durch eigene Kraft.
      1660    Halbierung der Schulden durch eigene Kraft (nach erneut 7 Millionen Goldgulden durch den 30jährigen Krieg).
      1806    Entschuldung nach Zwangseingemeindung durch das Land Bayern.
      1923    Entschuldung durch Inflation und Währungsreform.
      1948    Entschuldung durch Währungsreform (10:1).
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    Wie für die meisten anderen größeren Städte - allen voran München und Frankfurt - muss man auch für die Nürnberger sagen, dass sie nur ganz selten (1618, 1660) in der Lage waren, vernünftig und verantwortlich zu wirtschaften, egal wer dort das Sagen hatte oder regierte - ein abermaliger Beweis dafür, dass die "Schuldentollwut" ein grundlegend strukturelles Problem ist unabhängig von der Herrschaftsform und den politischen Orientierung der jeweils Mächtigen (> Therapie). Nur einer, ausgerechnet der Nazi-OB Liebel baut ohne die Hilfe von Währungsreformen Schulden ab, wobei die näheren Umstände noch weiterer Aufklräung bedürfen. Mildernde Umstände können sicher Dr. Luppe, Hans Ziegler und Dr. Ziebill durch die Schwere der Zeiten nach den Weltkriegen geltend machen (> Geer, Pfeiffer). Und bei Dr. Andreas Urschlechter ergibt sich zumindest positiv beachtlich, dass seine Wirtschaftswachstumsrate deutlich größer ist als seine Schulden-Wachstumsrate. Geht man davon aus, das die Kreditaufnahme traditionell als normales Finanzierungsmittel angesehen wird, überrascht es vielleicht nicht nicht sehr, wie es Nürnberg trotz  erheblicher historischer Entschuldungen immer wieder gelingt, in relativ kurzer Zeit neue gigantische Schuldentürme aufzubauen. Das letzte geradezu dramatische Beispiel illustriert die verzweifelte Schnapsidee, die kommunale Infrastruktur zu verkaufen und zurückzuleasen (CBL in Nürnberg), womit nur sehr kurzfristig für eine Entlastung der chaotischen Haushalts- und Finanzwirtschaft nach der Methode ein Tropfen auf den heißen Stein bewirkt wurde. Verantwortlich OB Scholz, sein Kämmerer Dr. Maly, der Nürnberger Stadtrat und die Nürnberger Medien wie auch die Bayerische Staatsregierung, die diesem hanebüchenen und verzweifelten Treiben viel zu spät einen Riegel vorschob. Inzwischen liegt die Gesamtverschuldung Nürnbergs im Jahre 2007 bei erneut gesteigerten rund 1,83 Milliarden Euro und wird durch die exponentielle Falle des weiter so immer schlimmer. Nürnberg steht zwar nicht allein so miserabel da, sondern ist im Grunde "nur" ein typischer Repräsentant für viele große Städte. Daraus ergibt sich aber logisch konsequent nur die zwingende Arbeitshypothese: in unseren größeren Gebietskörperschaften und höheren Ebenen ist der Ober-Wurm drin, d.h. unsere etilEn taugen nichts: der verkrustet-oligarche Filz aus Politik, Medien, Sparkassen und Banken, Wirtschaft und Wissenschaft (besonders der Volkswirtschaft) sind das eigentliche Problem, das eine Lösung höherer Ordnung verlangt - die allerdings nirgendwo in Sicht ist. Würden einfache BürgerInnen so wirtschaften wie viele StadträtInnen, Kämmerer und Bürgermeister, wären wohl längst BetreuerInnen bestellt oder wie weiland bei unserem "Kini" - der sich mittlerweile und kurioserweise rechnet - die Geschäftsunfähigkeit festgestellt worden.

    Politbiographische Daten der Stadt Nürnberg

    Nürnberg und Das Geld.
    Nürnberg hat eine lange und vielfältig bewegte, z.T. sehr dunkle Geschichte, die auch heute noch nicht überwunden ist. Obwohl man sich seit Jahrzehnten hervorragend um die Aufarbeitung (> Leitbild) der Nazigeschichte kümmert, lässt eine eben solche kritische und umfassende Aufarbeitung zum Finanzgebaren und zur Verschuldung der Stadt immer noch auf sich warten, obwohl Nürnberg in seiner Geschichte immerhin doch ein paar mal gezeigt hat, dass es zu grossen Leistungen beim Schuldenabbau fähig war (z.B. 1618 und 1660). Das irritiert und überrascht noch mehr, wenn man sich vergegenwärtigt, wie extrem die "Schuldentollwut" dieser Stadt ist: sie hat alleine bald doppelt so viele Schulden wie alle 7 Landkreise und ihre 205 Gemeinden im Bezirk Mittelfranken  zusammen genommen. Verleugnen, rationalisieren und bagatellisieren - die typischen Abwehrmechanismen von "Süchtlern" - werden nicht nur nachhaltig von den in Finanzfragen durch und durch unkritischen Medien, zu denen auch die Nürnberger Zeitungen gehören, gepflegt, sondern das zeigt sich z.B. auch sehr deutlich im Stadtlexikon Nürnberg (SLN) von 1999:

    Was verrät uns das Nürnberger Stadtlexikon von 1999 über die Nürnberger Schulden-Mentalität ?
    Die Einträge "Finanzen, Haushalt, Schulden, Stadtverschuldung, Verschuldung" kommen im 1247 Seiten umfassenden Stadtlexikon gar nicht vor, schon aber "Finanzverwaltung, Schuldturm, Stadtkämmerei, Stadtkasse, Stadtrechnung", wenn auch ohne Ausführungen zur Schuldenproblematik. Auch im Anhang sucht man vergeblich nach einer Schuldenstatistik. Die Botschaft des "Stadtlexikon Nürnberg" ist also: Nürnbergs Schulden in Geschichte und Gegenwart lohnen nicht, erwähnt zu werden. Wenn das nicht vorhandene Schuldenproblem- Bewusstsein also so bestellt ist und nur aus Abwehr und (Ver-) Leugnung besteht, muss sich niemand wundern, weshalb es mit dieser Stadt seit ihrem Bestehen finanziell so katastrophal abwärts ging, dass sie inzwischen sogar ihre Kanalisation und Kläranlagen wegen ein paar Millionen Sofort-Tröpfchen-Auf-den-heißen-Stein verkauften, um sie mit unkalkulierbaren Risiken zurückzuleasen (> CBL Nürnberg).

    Kurz-Geschichte des Finanzwesens Nürnbergs (Auswahl > Literatur).
    Quelle SLN =  Stadtlexikon Nürnberg 1999 [2. verb. A. 2000].
     
    Zeit Schulden und Ereignisse Quelle
    1050 16. Juli 1050:  Erste urkundliche Erwähnung (Sigena-Urkunde). StadtArchivNbg.
    1219 8.11. Großer Freiheitsbrief Kaiser Friedrichs II. für die Nürnberger Bürger StadtArchivNbg.
    1298  "Entschuldung durch Juden-Mord-1". Rindfleisch-Verfolgungen und Ermordung vieler Juden  in Franken (628 in Nürnberg, darunter Mordechai ben Hillel). Anmerkung: Die Pogrome wurden von einem Fleischermeister (hier: verarmter "Edelmann") namens "Rindfleisch" aus Röttingen (Tauber) angeführt.  Schieber 2000, S. 9:
    Nürnbergs erste jüdische Gemeinde.
    1310  Es gab kaum nachvollziehbare Wucher-Zinsen in Nbg. Für Einheimische sage und schreibe 43% und für Auswärtige sogar exorbitante 65% bei denen Nürnberger Anleihen beliebt waren und von denen auch die Herrscher durch die Besteuerung profitierten. Schieber 2000, S. 9.
    Zinsen i. Mittelalter.
    1348-50 Nürnberg bleibt von der Pestwelle verschont. SLN Pestepidemien
    1348  Handwerkeraufstand 4.6.1348 mit Parteinahme f. d. Wittelsbacher geg. Karl IV. (Luxemburger), nach Restauration Verbot aller Zusammenschlüsse und Zünfte.
    Judenverfolgungen in ganz Europa. (Auslöser Pest?). 
    In Nürnberg beträgt das "Schutzgeld" für die Juden 13000 Goldgulden
    SLN Handwerker-
    aufstand

    Schieber 2000, S. 10

    1349 
     
     
     
     
     

     

    "Entschuldung durch Juden-Mord-2". Schieber: "... Die Bürgerkriegsparteien, allen voran Karl IV. selbst, waren nach dem Ende der Unruhen in Geldnot. Weitere Faktoren kamen hinzu, etwa der Wunsch des Rates nach einem zentralen und geräumigen Marktplatz, so daß schließlich Karl IV. im November 1349 indirekt einem Pogrom zustimmte. Er tat dies in der sogenannten Markturkun- de, die es den Nürnbergern gestattete, die jüdischen Häuser abzubrechen und statt dessen zwei Marktplätze anzulegen. Damit war die rechtliche Grundlage für das Pogrom geschaffen, das am Abend des 5. Dezember 1349 mindestens 562 jüdischen Nürnbergern das Leben kostete. Die Häuser und die Synagoge wurden abgebrochen; an ihrer Stellen entstanden Haupt- und Obst- markt sowie die Frauenkirche. Die Schulden bei den ermordeten und vertriebenen Juden wurden vom Rat per Dekret für aufgehoben erklärt." Es profitierten Nürnberger Bürger, der Burggraf, das Kloster Waldsassen W und der Deutsche Orden W.  Erste Zerstörung der Synagoge [hierzu].  Schieber 2000, S. 10
     
     
     
     
     
     

     

    1352  "Wiederaufnahmevertrag" wegen der Finanzkraft der Juden.
    Inflation, die über 40 Jahre dauert und 1396 zu einer Währungsreform führte. Entschuldung?
    Schieber 2000, S. 10
    SLN Inflationen.
    1356
     

    1370

    "Das erste "Grundgesetz" des Reiches - die Goldene Bulle - wird in Nürnberg durch Karl IV. erlassen. Nürnberg wird auf "ewige Zeiten" zum Ort der Abhaltung des ersten Reichstages eines jeden neugewählten Königs bestimmt."
    Der Kaiser und seine Reichsstadt sind teuer: Kaiserliche Stadtsteuer: 2000 Goldgulden, zum Vergl.: Augsburg 400 oder Frankfurt 500; hohe Kosten für kaiserliche Beherbergung und Bauten.
    StadtArchivNbg.
     

    Schwemmer 1967, S.7

    1377 Ab 1377 Nachweis der "Stadtrechnung", Dokumentation des Finanzgeschehens. SLN Stadtrechnung.
    1396 Währungsreform nach der großen Inflation. Entschuldung? SLN Inflationen.
    Ende 
    14. Jhd.
    Kreditaufnahme als Einnahmequelle. Bürger erhalten 10% Zins (Leibgeding), bei der kündbaren "Ewigrente" 4-5%.  Schieber 2000, S. 31
    1424

    1428-71

    Kaiser Sigismund bestimmt Nürnberg zum Aufbewahrungsort der Reichskleinodien. (bis 1796).
    In diesem Jahr beginnt Nürnberg auch mit eigenen Münzprägungen (Privileg seit 1422 bis 1807).
    Inflation (nicht so stark wie die erste; keine Währungsreform)..
    Schieber 2000, S. 30
    SLN Münzamt.
    SLN Inflationen.
    15 Jhd.
     

     

    Das "christliche" Zinsnahmeverbot wird aufgeweicht; die 200  Jüd. Fam. werden "überflüssig" und können 1498 zur Ausweisung aufgefordert werden. 
    Die Ausbeutung durch Schuldknechtschaft trotz Verbot vielfache Praxis. 
    Hans Rosenplüt "Die Schulden drücken manchen krank"
    Der Eid für neue Bürger verlangte 1484 Schuldenfreiheit. 
    Schieber 2000, S. 12
    _
    Schieber 2000, S. 24
    Schieber 2000, S. 22
    Schieber 2000, S. 22
    1521  Matrikularfuß (Zins) Festsetzungen auf dem Wormser Reichstag Schieber 2000, S. 33
    1542 "... Noch im Jahre 1542 war die gesamte öffentliche Schuld der Reichsstadt Nürnberg so niedrig, daß der Ertrag einer doppelten Losung [RS: Vermögenssteuer der Bürger] ausgereicht hätte, sie völlig zu tilgen. ..."  Schwemmer 1967, S.8
    1552-
    1554 
    Der 2. Markgrafenkrieg erzwang eine große Verschuldung von 453000 Gulden 1551 auf  4,5 Millionen Goldgulden nach dem Krieg.  Schieber 2000, S. 32
    1559 Reichsmünzordnung: Gulden=Goldgulden wertäquivalent dem silbernen Taler. Auch N. erhielt ein Goldguldenprivileg. North 1995, S.15, W
    1618 
    1603-22
    1633-35
    Der Abbau der Schulden gelingt bis auf 1,8 Millionen Goldgulden.
    Das 1499 von Maximilian I. bewilligte Pfandleihhaus wird ausgeführt.
    Die "Kipper- und Wipper-Inflation" [W] mündet 1620-22 in eine Hyperinflation.
    Erneute Inflation.
    Schieber 2000, S. 32
    Schieber 2000, S. 12
    SLN Inflationen.
    1648  Am Ende des 30. jähr. Krieges hat Nbg. wieder über 7 Millionen Gulden Schulden. Schieber 2000, S. 32
    1660  Es gelingt die Halbierung der Schulden auf 3,5 Millionen.  Schieber 2000, S. 32
    1675 Pfälzer Erbfolgekriege. 
    1715  Türken- und span. Erbfolgekriege trieben die Schulden wieder auf 7,4 Mill. Gulden. Schieber 2000, S. 32
    1739  Nbg. kann den hohen Matrikularzinsfuß von 20,7% nicht mehr zahlen. Schieber 2000, S. 33
    1751 
    u. 18.
    Jhd.
     
     
     
     
     
     
     

     

    Militär und Außenpolitik kosten den Nbg. Etat ca. ein Drittel. Der Fränkische Kreis verlangte ca. 1/6.  1751 entsandte der Markgraf Truppen nach Nbg., um die Zahlungen zu erzwingen. Nur 20% hatte der Stadtrat für seine eigentlichen Kernaufgaben, mehr als 50% mussten für den Schuldendienst aufgewendet werden. 1751 mussten die Nürnberger Bücher zur Prüfung nach Wien geschickt werden. Schieber berichtet: "Erst drei Jahre später kamen sie wieder zurück. Die Wiener Experten bestätigten dem Rat eine ehrliche und ordnungsgemäße Buchführung, konnten außer dem allgemeinen Rat, das gesamte nürnbergische Ökonomikum auf einen besseren Fuß zu setzen, keine Abhilfe vorschlagen. Der Wille zur Verbesserung der Lage war ungebrochen: In den 1790er Jahren gestaltete der Rat die gesamte Finanzverwaltung um. 1797 wurde der Regierungsrat Ernst von Gemming beauftragt, das Steuersystem zu revidieren und Einsparungen vorzunehmen. Er legte auch akzeptable Pläne vor, hätte jedoch ein Jahrhundert in Frieden und Sicherheit gebraucht, um die Stadt zu entschulden. Die politischen Umstände ließen dies aber nicht zu." 
    Gegen Ende des Jhds. wurde die Finanzverwaltung neu gestaltet. Ab 1790 besetzte Bayern große Teile des Nbg. Landgebietes, 1796 rückte die preußische Armee bis vor die Stadtmauern und die Franzosen besetzten im Sommer 1794 die Stadt 14 Tage lang mit entsprechenden Kosten. 
    Schieber 2000, S. 33f
     
     
     
     
     
     
     
     
     

     

    1786 Am 24.4.1786 wird Kaiser Joseph. II. eine - abgewiesene - "Supplik" von Kaufleuten überreicht - denen 1785 eine Extrasteuer auferlegt wurde - mit Hinweis auf den drohenden Staatsbankrott der Nürnberger Patrizier-Oligarchie SLN Grundvertrag
    1792 
    bis 
    1797 
     
     
     

    1792

    1792: die fränkischen Markgrafentümer werden preußisch. 
    1792 Einsetzen einer "Ökonomieverbesserungsdeputation" aufgrund der zunehmend "prekären" Finanzsituation des Losungsamtes (Bürgermeister); 1793 Erweiterung mit  "Rechnungs- Revisions- Kollegium" mit Erarbeitung u. Verabschiedung  am 13.2.1794 einer neuen Stadtverfassung (Grundvertrag). Es gab drei Oligarchengruppen (Innerer Rat, Rechnungs- Revisions- Kollegium und seine Geschäftsführung ( "Engerer Ausschuß") , die sich durch unklare Kompetenzabgrenzungen wechselseitig behinderten bis blockierten, was sich erst durch die "Kaiserliche Subdelegationskommission" Ende 1997 besserte
    Jahresdefizit Nürnberger Haushalt 2288 Gulden.
    Schieber 2000, S. 31
    SLN Grundvertrag
     
     
     
     

    Schwemmer 1967, S.13

    1796
    bis 
    1806
     
     
     
     
     
     
     
     

    1796

    "Einschneidende Ereignisse spielten sich von 1796 bis 1806 ab. Nach Drängen der preußischen Verwaltung im benachbarten Ansbach unterstellte sich Nürnberg schließlich der preußischen Herrschaft, doch wurde der Vertrag nicht vollzogen, da Preußen von Nürnbergs Schulden abgeschreckt wurde. Gleichzeitig hatte sich in der Nürnberger Bevölkerung großer Unmut gegen die zunehmend als korrupt empfundene Herrschaft der patrizischen Familien aufgestaut. Diese Vorgänge erschütterten die reichsstädtische Verfassung in ihren Grundfesten und brachten die Stadt an den Rand eines Umsturzes. Im Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 blieb Nürnberg dennoch zunächst weiter unabhängig, bis nach Unterzeichnung der Rheinbundakte und dem Ende des Alten Reiches französische Truppen Nürnberg besetzten. Am 15. September 1806 übergab die französische Armee schließlich die Stadt dem Königreich Bayern, das alsbald eine Zivilverwaltung installierte und die Stadt administrativ in das Königreich eingliederte. Das Königreich Bayern übernahm 1806 die exorbitanten Schulden der Reichsstadt Nürnberg als Teil der gesamtbayerischen Staatsschulden und sorgte damit für deren Konsolidierung und Tilgung. Durch die bayerische Gesetzgebung wurden die Katholiken, die bisher in der Stadt nur geduldet waren, den Protestanten rechtlich gleichgestellt."
    Abtransport der Reichskleinodien nach Regensburg und Wien.
    Wikipedia 4.2.7
    zur frühen
    Verschuldung Nürnbergs.
     
     
     
     
     
     
     

    Schieber 2000, S.30

    1806 Entschuldung nach Zwangseingemeindung durch das Land Bayern: Nürnberg verliert seine Selbständigkeit und wird bayerisch. Max I. Joseph "Ihr Herren habt viele Schulden".  Die Finanzverwaltung wird staatlich (Bayern).  Schieber 2000, S. 30
    SLN Finanzverwaltg.
    18.05.1807
    31.12.2005
    9,505704 Millionen Gulden Schulden bei jährlichen Einnahmen von 709055.
    Zum Vergleich Einnahmen 2005= 1,036.098.866 und  Schulden 1,576 Milliarden Euro. 
    Schwemmer 1967, S.15
    Schulden * Erträge.
    19. Jhd. Anfang des 19. Jhds. Abbruch des  Frauenschuldturms ("Weibereisen"). SLN Schuldturm
    1810

     

    Die bay. Liquiditätskommission befand 12,2 Millionen Gulden Schulden bei jährlichen Einnahmen von ca. 500.000 Gulden. 6575 Schuldscheine von 1640 Gläubigern wurden zunächst anerkannt. Immobilien und Kunstschätze wurden (zum Materialwert!) verkauft.  Schieber 2000, S. 35

     

    1818 Gemeindeedikt mit Abgaberegelung der Bürger. Unkoordinierte Kassen und Buchhaltungen erschweren den Überblick. SLN Finanzverwaltg.
    1869 Neue Gemeindeverordnung erweiterter Haushaltsspielraum. SLN Finanzverwaltg.
    1884 Kameralistische Neuordnung: Stadthauptkasse mit Oberbuchhalter. SLN Finanzverwaltg.
    1914-23 Inflationäre Entwicklung mit Hyperflation 1923
    1919 Änderung der Kommunalverfassung. SLN Finanzverwaltg.
    15.11.1923 Entschuldung durch Währungsreform: Die Einführung der Rentenmark bringt die Hyperinflation zum Stillstand. SP Weimar * Erlang2.
    20.08.1924 Abschluss der Währungsreform mit Einführung der Reichsmark. SP Weimar * Erlang2.
    1935 Änderung der Kommunalverfassung. SLN Finanzverwaltg.
    1941 Städt. Buchhaltung wird zum "Haushaltsamt". SLN Stadtkämmerei
    21.6.1948 Entschuldung durch Währungsreform mit Einführung der DM. Entschuldung Nürnbergs auf ein Zehntel (10 : 1). VBdSN 1945-50,S.462
    1950 Stadtkasse führt sämtliche Kassengeschäfte (Ausnahme Stadtwerke) durch. SLN Stadtkasse
    1951 Stadtkasse erstellt die Vermögensrechnung. SLN Stadtkasse
    1952 Änderung der Kommunalverfassung. SLN Finanzverwaltg.

    Aus dem Leitbild der Stadt Nürnberg von 2001
    "Wir gehen mit unseren Ressourcen verantwortungsbewusst, wirtschaftlich und nachhaltig um." [Ohne Kommentar]



    Tabelle: Die Schulden-Leistung der Stadt Nürnberg 1870-2005
    Vorbemerkung: (siehe auch entsprechende Diskussion am Beispiel Erlangen 1911-2002): Mit Recht kann und muss man die Frage stellen, ob es überhaupt sinnvoll ist, eine Zeitreihe von 1870 bis 2006(7) aufzustellen, denn in diesem Zeitraum gab es verschiedene Währungen, Inflationen und Währungsreformen. Und wie in Erlangen gibt es auch in Nürnberg fehlende Daten (Missing Data), so nach dem ersten Weltkrieg und während der Nazizeit. Zwar protzte der braune Abschaum mit einer neuen Begriffsschöpfung, wenn er den traditionellen "Verwaltungsbericht ..." ab 1935/36 in "Rechenschaftsbericht ..." umtaufte, wo man die richtigen Zahlen allerdings oft vergeblich sucht und zwischen 1940 und 1944 sollen diese "Rechenschaftsberichte" gleich gar nicht mehr erschienen sein. Eine Kritik der Nazis stimmt aber: Das Verwaltungsdeutsch der Finanzberichte und Haushaltspläne versteht fast niemand und das ist ja vielleicht auch beabsichtigt: Transparenz ist keine Herrschaftstugend. Außerdem wurden mehrfach die Geschäftsjahre umgestellt und vielfach erscheint unklar, für welchen Zeitraum eigentlich welcher Betrag gilt. Am schwersten wiegt seit 1995 aber ohne Zweifel der schier unglaubliche Versuch der Politik mit Unterstützung der traditionell oft einäugigen Justiz der Amigorepublik im engen Schulterschluss willfähriger statistischer Statisten in den Ämtern, die Wirklichkeit durch Veränderung der Kriterien oder Darstellung zu korrumpieren, wenn die Schulden von Eigenbetrieben und kommunalen Krankenhäusern "ausgelagert" werden. Hierzu passt auch perfekt, dass die statistischen Ämter unwillig oder nicht in der Lage sind, revidierte Daten - wie USA z.B. - so aufzubereiten, dass einwandfreie lange statistische Reihen gebildet werden können (>Repräsentativität, Transparenz und Kontinuität). Zu Komplikation und Verwirrung trug auch der Zwischen-Irrsinn bei, die kommunale Infrastruktur zu verkaufen und zurückzuleasen (CBL) um kurzfristiger Barzuflüsse willen, die doch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sind - wie das Beispiel Nürnberg sehr deutlich beweist - und zu allem Überfluss auch noch schwer kalkulierbare Risiken bergen. Damit sich jede LeserIn ein eigenes Urteil bilden kann, ob und was die hier vorgelegten Zahlen aussagen, woher sie stammen und was sie bedeuten, wurden alle Quellen ausgewiesen (Ergänzungen, Fehler oder Unklarheiten bitte melden), so dass die Seite im Laufe der Zeit immer weiter verbessert werden kann.

    Dokumentation Missing Data und Unklarheiten in den Berichten zu den Schuldenständen der Stadt Nürnberg.

    Tabelle der ermittelten Schuldendaten



    Ergebnis Schuldenporträt der Stadt Nürnberg 1870-2006

    Der erste Wert wurde 1870 mit 0,6 Millionen Euro erhalten. Dieser steigt bis 2006 auf 1,582 Milliarden Euro Schulden. Dies ergibt eine Steigerung in den 136 Jahren von über 263633.33% (Zweihundert und dreiundsechszig tausend sechshundert und drei und dreissig ... > Probe) Prozent mit einem arithmetischen Jahresmittel bezogen auf den Anfangswert 1870 von rund 1938.48%. Dies ergibt eine stetige Schuldenwachstumsrate von 5,79% und nach dem Zinseszinsmodell eine jährliche Schuldenwachstumsrate von 5,96%. Das sieht "eigentlich" nicht sehr gefährlich aus - bis man sich den Graph anschaut - und liegt in der Größenordnung der Schulden-Wachstumsraten der USA im Vergleichzeitsraum (30.9.1870-30.9.2006:  stetig=5.99%, jährlich=6.18%), die hier natürlich nur als negatives Vorbild angemerkt sind. Aber der Zinseszinseffekt hat es eben in sich, denn es geht hier um 136 Jahre. Zinst man also ab 1871 jährlich mit 5.96% (genauer: 0.059633366%) auf 600 000 Euro auf, kommt man im Jahr 2006 auf Schulden in Höhe von 1,582 Milliarden Euro (> Probe).
        Bezieht man die Schuldenansatzdaten des Haushaltsplans 2007 [Q] mit ein, ergegeben sich die Schulden-Wachstums-Raten stetig=5,85% und jährlich=6,03%. Bezogen auf 1870 ergibt sich damit eine Steigerung um 305066.67% mit dem Jahresmittel von 2226.76%.

        Eine berechtigte und wichtige Frage zur Beurteilung dieser Wachstumsratenberechnungen ist, ob mit der Wahl dieses oder jenes Anfangs- oder Basiswertes nicht Zufall und Willkür und damit Manipulationsmöglichkeiten Tor und Tür geöffnet wird. Diese (theoretische) Frage muss den MathematikerInnen überlassen werden, wir können hier aber das Problem ganz praktisch anhand der Nürnberger Zahlen erörtern:

    Wie sehr hängen die Schulden-Wachstums-Raten von den Anfangs- und Endwerten ab ?
    In die Schulden-Wachstums-Raten gehen drei Größen (Parameter) ein: Anfangswert (A), Endwert (E) und Laufzeit (n). Das bedeutet natürlich, dass günstige (ungünstige) Anfangs- oder Endwerte oder die Wahl der Laufzeiten, auch günstigere (ungünstigere) Wachstumsraten hervorbringen. Daher interessiert natürlich dieser Effekt (siehe bitte auch Studie zu Entwicklung und Verlauf ... bei von Stromer).
        Wie man sieht, hängen die Schulden-Wachstums-Raten von der Ausprägung der Anfangs- und Endwerte und damit von den Laufzeiten ab. Die schlechte Nachricht: Nimmt man das Minimum der Schulden-Wachstums-Raten der Werte von 1870, 1875,1880,1885 und 1890 und kombiniert sie jeweils mit den Werten von 1990, 2000, 2002, 2005 und 2006, so ergibt sich eine Schulden-Wachstums-Rate stetig rs(Min)= 4,23%  und jährlich rj(Min)=4,32%. Für das Maximum ergab sich stetig= rs(Max)=5,94% und jährlich rj(Max)=6,12%.Das heißt nichts anderes, als dass bereits bei solch "niedrig" anmutenden Raten die exponentielle Katastrophe vorprogrammiert ist. Ständiges Wachsen einer Größe führt eben früher oder später in Größenordnungen, die wirtschaftlich kaum oder gar nicht mehr zu bewältigen sind.

    Tabelle der Wachstumsraten nach unterschiedlichen Anfangs- und Endwerten

    Hochrechnung Kapitaldienst bis 2050
    Das ist zur Vergegenwärtigung und Konfrontation nur eine Hochrechnung unter bestimmten Annahmen, man vergesse also nicht: Denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Und wie man sieht, ändern sich die Hochrechnungen doch beachtlich, selbst wenn sich die Aufzinsungsfaktoren dem Eindruck nach kaum unterscheiden, je nachdem, welche Größen und Zeiträume betrachtet werden, hier die Aufzinsungsfaktoren aus der Rechnung 1870-2006 verglichen mit 1870-2007. Das heisst, dass zuverlässige und genaue Hochrechnungen wie hier zwar theoretisch durchgeführt werden können, aber sehr wahrscheinlich wenig realistische Prognosegüte haben.

    Die Schuldenporträts der Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg 1870(1867)-2006/7.
    Die leichter zugänglichen Daten für die Zeitreihen der Stadtverschuldung Nürnbergs beginnen ab 1870, daher beginne ich die genauere quantitative Analyse der Stadtverschuldung Nürnbergs mit Oberbürgermeister Otto Freiherr von Stromer im Jahre 1870:

    1867 - 1891: Otto Freiherr von Stromer (1831 - 1891)

    OB-Kurz-Biographisches (nach SLN):Jurist. Repräsentant der traditionsreichen Patrizierfamilie der Stromer von Reichenbach [W]. Die neue Gemeindeordnung 1869 brachte die Möglichkeit zu mehr kommunaler Selbständigkeit. Brachte einige Projekte auf den Weg: Gaswerk Übernahme durch die Stadt 1871; Pferdebahn (Straßenbahn) 1881, Gründung des Bayerischen Gewerbemuseums (1869), Anlage des Generalfriedhofs (Westfriedhof) 1880, Ausbau Kanalisation 1873-77 ff. und Wasserwerk 1885, zentraler Vieh- und Schlachthof (nach 20 Jahren Planung Eröffnung 1891), Baugewerkschule, Fortbildungsschule für Mädchen (Wirtschaftsschule) 1873. Einsatz für religiöse Toleranz und Gleichstellung der Konfessionen (Eröffnungsrede zur Einweihung der Synagoge 1874), Einführung der Gemeinschaftsschule 1871.

    Von Otto Freiherr von Stromer liegen Daten aus dem Statistischen Jahrbuch (1909 in Mark) der Stadt Nürnberg von 1870 (im Graph 21) bis 1890 (im Graph 1) in fünfer Schritten vor. Von Stromer beginnt umgerechnet mit 600 Tausend Euro und hat 20 Jahre später im Jahre 1890 dann 8,12 Millionen Euro angesammelt. Das entspricht bezogen auf den Anfangswert 1870 in 20 Jahren einer Steigerung von 1252% mit einem arithmetischen Mittel von 1252/20= 62.61% pro Jahr. Dies ergibt eine stetige Schuldenwachstumsrate von 13,03% und nach dem Zinseszinsmodell eine jährliche Schuldenwachstumsrate von 13,9% mit einem jährlichen Schuldenwachstumsfaktor q = 1,139. Die Zeitspanne mit dem stärksten Zuwachs ist 1870 (Kriegsbeginn) bis 1875. Im einzelnen ergibt sich folgende Schuldenwachstumsentwicklung (r := stetig und  r* := jährlich):

    Studie zu Entwicklung und Verlauf der stetigen und jährlichen Schuldenwachstumsraten 1870-90 in fünfer Schritten

    Man kann hier sehr schön den Zusammenhang zwischen stetigem und jährlichem Wachstum sehen. Im einstelligen Wachstumsratenbereich sieht man wenig Unterschied. Die Schere öffnet sich und wird hier weiter so zwischen 13 und 14%.
     



    1892 - 1913: Dr. Georg Ritter von Schuh (1846 - 1918), Freisinnige Volkspartei [W]

    OB-Kurz-Biographisches (nach SLN): Ursprünglich Holzschnitzer, kurzfristig Lehrer, sodann promovierter Jurist.. 1881-1992 Erster Bürgermeister in Erlangen; auch bayerischer Landtagsabgeordneter (1889-93) und später auch Landrat (1894-1913). Elektrizitätswerk, Erschließung der Rannaquelle (Wasserversorgung), Krematorium, Großkraftwerk Franken AG, Fränkische Überlandwerk AG, Eingemeindungen einiger Vororte, Schulausbau, Bayerische Landes-Gewerbe-Industrie- und Kunstausstellung, Ausdifferenzierung und Professionalisierung der Stadtverwaltung, Organisator von Mäzenen für Kultur (Neptunbrunnen, Fränkische Galerie, Kaiser-Wilhelm-Denkmal, Künstlerhaus, Luitpold-Denkmal) und Gesundheit (Lungenheilanstalt Engelthal  > Nbg. Land); bahnt 1908 die sozialliberale Zusammenarbeit und die Integration der Katholiken; Mitbegründer des Kanalvereins. 1913 geadelt.

    Die Schuldenwachstumsraten wurden für die vorliegenden Daten von 1895 bis 1913 ausgerechnet. Von Schuh hat im Jahre 1895 umgerechnet 11,911 Millionen Euro Schulden und steigert diese bis zum Jahr 1913 auf 74,608 Millionen Euro. Das ergibt für diese 18 Jahre eine Steigerung um 526.38% oder, im Mittel, bezogen auf den hier vorliegenden Anfangswert, von 29,24%. Dies ergibt eine stetige Schuldenwachstumsrate von 10,19% und nach dem Zinseszinsmodell eine jährliche Schuldenwachstumsrate von 10,73%. Das sind natürlich, wenn auch nicht so so hoch wie bei von Stromer, immer noch katastrophale Schuldenwachstumswerte.

    Eingemeindungen: Eberhardshof, Erlenstegen, Exerzierplatz Gibitzenhof, Gaismannshof, Gibitzenhof, Gleißhammer, Großreuth h.d.V., Großreuth b. Schweinau, Höfen,  Kleinreuth h.d.V., Klingenwäldchen, Leyh, Ludwigsfeld, Mögeldorf, Muggenhof, Rangierbahnhofgelände, Schniegling, Schoppershof, Schützengesellschaftsgelände [nördl. Erlenstegen], Schweinau, Südfriedhof [neuer], Sündersbühl [Rest], Thon, Wasserbehälter hinter dem Schmausenbuck, Wetzendorf.
        Querverweis: Stadtgebietsentwicklung seit 1806.


    1913 - 1919: Dr. Otto Geßler (1875 - 1955), Fortschrittliche Volkspartei [dhm, HLB, W, ]

    OB-Kurz-Biographisches (nach HLB und SLN):Jurist. 1903-1910 mehrere Ämter im bayerischen Staatsdienst. Erster Bürgermeister von Regensburg 1911-1914. Nürnberg: Organisierte die Kriegsfürsorge, die Kriegskreditbank AG und beschaffte Rüstungsaufträge. "Rettete" die Kommunalverwaltung über Wirren der Revolutionszeit 1918/19 hinweg. Mitbegründer der DDP 1918 in Nürnberg. 1919/1920 Reichsminister für den Wiederaufbau und von 1920-1928 Reichswehrminister. Im Zusammenhang mit dem Hitler-Attentat 1944 verhaftet und im KZ Ravensbrück inhaftiert.

    OB Geßler übernimmt 1913 von Schuh - umgerechnet - 74,608 Millionen Euro und erhöhte diese bis 1918 - für 1919 lagen mir keine Daten vor - auf 107,607 Millionen Euro Schulden. Das ist eine Steigerung bezüglich des Anfangswertes 1913 eine Steigerung um 44.23% mit einer durchschnittlichen Steigerung um 8.85%. Dies ergibt eine stetige Schuldenwachstumsrate von 7,32% und eine jährliche Schuldenwachstumsrate von 7,6%. Das sind natürlich im allgemeinen viel zu hohe Werte. Ob und wie sehr Kriegszeiten (1914-1918) auch bei den Städten und Gemeinden kommunale Belastungen bedeuten, erscheint allerdings fraglich (zum Vergleich Erlangen [8,22%]). Die Kommunen sind in ihren Haushalten jedenfalls längst nicht so stark betroffen wie das Deutsche Reich und in der Folge die Weimerar Republik.



    1920 - 1933: Dr. Hermann Luppe (1874 - 1945), DDP  [1, 2, W,]

    OB-Kurz-Biographisches (nach HLB und SLN): OB Dr. Luppe, kommunaler Verwaltungsbeamter und gelernter Jurist, Zweiter Bürgermeister von Frankfurt am Main 1913-1920. Er galt als "großer Oberbürgermeister der Weimarer Zeit". Nach 1918 bei der liberalen DDP. Heftige Auseinandersetzungen mit Streicher und der NSDAP. Zahlreiche Prozesse. Im SLN werden lobend erwähnt: seine Wohlfahrtspolitik; die neuen Wohnanlagen St. Johannis und Nordostbahnhofsiedlung; Frauenklinik Flurstraße (1928-31); Stadion und Schwimmbad (1926-28). Unter einer Art Beugehaft der Nazis wurde Dr. Luppe zum Amtsrücktritt und Verlassen Nürnbergs gezwungen (Berlin, Kiel). Luppe wird von den Nazis bis 1942 verfolgt, mehrfach angeklagt und auch eingesperrt, letztlich konnte ihm aber vor Gericht kein Amtsmissbrauch nachgewiesen werden. 1945 kommt er bei einem Fliegerangriff mit seiner Frau ums Leben. Sein einziger Sohn fiel bereits 1940.
     
    Dr. Luppe hatte wahrscheinlich neben Ziegler und Dr. Ziebill die schwierigsten Jahre des betrachteten Zeitraums zwischen 1867 und 2006 zu bewältigen. Siehe: Der Finanzbericht zum Hyper- Inflationsjahr 1923 und das Schuldenporträt Weimar. Geer und Pfeiffer liefern zu dem Thema interessante Artikel.

    In den Verwaltungsberichten 1920 (zu 1919/20) und 1921 (zu 1920/21) der Stadt Nürnberg fand ich keinen Einträge zu den Schuldenständen. Daher habe ich zuerst für die Zeit der Inflation von 1921-23 gerechnet. Inzwischen fand ich einen Schuldenwert für 1920 in SJBSN 1920 T548, so dass die Rechnung nun auch unter Einbeziehung des Anfangsjahres 1920 für Dr. Luppe ausgeführt werden konnte. Ich habe im neuen Graphen die Schulden-Wachstums-Raten für 1921-23 zum Vergleich in [eckigen Klammern] belassen. Man sieht hier sehr deutlich, wie ein einziges Jahr und zusätzlicher Wert die Raten verändert (hier - 10%).  Wie schon im Schuldenporträt Weimarer Republik praktiziert, habe ich die Rechnung in zwei Perioden, Hyperinflation (bis Ende 1923) und Währungsreform (Ab 1924) eingeteilt.

    Zeit der Hyperinflation bis Ende 1923
    Für das Jahr 1920 werden umgerechnet 96,253 Millionen Euro Schulden ausgewiesen, die bis 1923 auf  389,413 Millionen Euro Schulden anwachsen. Das ist eine Steigerung nach drei Jahren von 305% und im arithmetischen  Jahresmittel von 102%. Das ergibt eine stetige Schulden-Wachstums-Rate von 46,59% pro Jahr und jährlich = 59,34%. Hier merkt man den Unterschied zwischen stetiger und jährlicher Rechnung schon sehr deutlich. Das sind natürlich Schuldenwachstumsraten, die den Zusammenbruch der Währung schon ankündigen. Die extremensten Werte wurden gar nicht erfasst.

    Zeit nach der Währungsreform 1924 bis zur Machtergreifung der Nazis 1933
    Nach der Währungsreform und Umstellung der "Papiermark" auf Rentenmark und dann der Reichsmark kommt es zu einer enormen Entschuldung. Im Jahr 1924 beginnt Nürnberg umgerechnet bei nur 1,342 Millionen Reichsmark Schulden, die sich aber aufgrund der schlechten Zeiten ein Jahr später schon fast verdreifacht haben auf 3,675 Millionen Euro. Und bereits 1926 ist fast der zehnfache Schuldenstand mit 11,232 Millionen Euro erreicht, die sich im nächsten Jahr 1927 schon fast verdoppeln auf 21,601 und im Jahr 1928 darauf schon wieder fast verdoppeln auf 42,840. Der Höhepunkt wird 1931 mit 55,247 Millionen Euro Schulden erreicht, die aber bis 1933 nur leicht fallen und in dieser Größenordnung mit 53,145 Millionen Euro Schulden bleiben. Der Zuwachs zum Basiswert 1924 beträgt - nach der Hyperinflation - sage und schreibe 3860% mit einem arithmetischen Jahresmittel in den 9 Jahren von 429%. Das ergibt eine stetige Schulden-Wachstums-Rate von 40,88% pro Jahr und jährlich = 50,5%. Auch hier merkt man den Unterschied zwischen stetiger und jährlicher Rechnung schon sehr deutlich. Es bleibt die Frage, warum kollabierte die Währung bei diesem extremen Schuldenwachstum nicht abermals? Die Antwort ist einfach: es gab zwar ein extremes Schuldenwachstum, aber keine Inflation, sondern sogar eine Deflation (> Spalte Inflation in % gegenüber Vorjahr).

    Exkurs: Umstände des Amtsrücktritts Dr. Luppe
    Hanschel berichtet (S.383f): "Das Problem für die neuen Machthaber war, Luppe unter für ihn möglichst ungünstigen Bedingungen aus dem Amt zu beseitigen  [FN29]. Seit dem 7. April 1933 stand hierzu das sog. Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums (GWB) zur Verfügung [FN30]. Am 12. April 1933 beantragte Liebel beim bayerischen Staatsministerium des Innern, Luppe aus dem Dienst zu entlassen:
    'Oberbürgermeister Dr. Luppe ist der hervorstechende Vertreter linksgerichteter demokratischer Politik in Nürnberg gewesen und hat sich in diesem Sinne so exponiert, daß es unmöglich erscheint, ihn weiterhin an der Spitze der Stadtverwaltung Nürnberg zu belassen.' [FN31]
    Ein Verfahren nach dem GWB kostete einige Zeit [FN32], Liebel aber war besorgt, seine neue Stellung möglichst schnell zu festigen und seine kommissarische Bestallung in eine endgültige Berufung umzuwandeln [FN33]. Also mußte Luppe zum Rücktritt veranlaßt  werden. Innenminister Gauleiter Adolf Wagner baute offensichtlich darauf, daß die Haft Luppe zermürben werde. Auf seine Anweisung hin wurden ihm am 22. April die Bedingungen für eine 'Haftentlassung mitgeteilt [FN34]. Er sollte Nürnberg sofort verlassen und Bayern nur noch mit Genehmigung der politischen Polizei betreten dürfen. Weiter sollte er und das mußte ihn in seiner materiellen Existenz treffen — vorbehaltlos auf eine Pension und auf alle Rechte aus seinem Dienstvertrag verzichten. Luppe, dem die Haft nichts hatte anhaben können [FN35], nahm die erste Bedingung an, lehnte aber die zweite entschieden ab.
        Nach Verhandlungen mit Streicher und dem Innenministerium, die der von Liebel inzwischen bestellte Zweite Bürgermeister Eickemeyer [FN36] führte, wurde beschlossen, Luppe die Pensionierung anzubieten. In Begleitung von Streichers Adjutanten König erschien Eickemeyer am 22. April bei Luppe, der das An-[<383] gebot gemäß den Bedingungen seines Dienstvertrages [FN37] annahm [FN38].  Mit einer vorbereiteten Erklärung Liebels wurde der Rücktritt und die Pensionierung Luppes sofort genehmigt. Allerdings wurde auf Anraten des Ministerialrats Dr. Karcher eine Bestätigung durch das Innenministerium vorbehalten, um auch nach der Ruhestandsversetzung noch ein Verfahren nach dem GWB führen zu können [FN39]. Der ministerielle Vorbehalt schuf eine ungewisse Rechtslage, die gegen Luppe verwendet werden sollte.
        Am 23. April gegen 2l Uhr wurde Luppe aus der Haft entlassen. Den Bedingungen gemäß mußte er sofort die Stadt verlassen. Mit dem Wagen fuhr er nach Hof und bestieg dort den Schnellzug nach Berlin [FN40]. Nürnberg, die Stadt seines erfolgreichen Wirkens, hat er nicht mehr gesehen.
        Luppe trat aus den Nürnberger Vereinen aus. Er verlor auch die mit seiner Stellung als Oberbürgermeister verbundenen Ämter und Funktionen. Der größte Teil der aus diesem Anlaß an ihn gerichteten Schreiben bewies ihm die Hochachtung, die er trotz der veränderten politischen Verhältnisse noch immer genoß [FN41], der andere zeigte deutlich die Bemühung, sich mit der neuen Zeit zu arrangieren [FN42]. Tief getroffen wurde Luppe, als ihm die Universität Erlangen, lapidar mitteilte, daß er auf Verfügung des neuen Rektors Prof. Reinmöller aus der Liste der Ehrenbürger der Universität gestrichen worden sei [FN43].
        Gegen seine Existenz richteten sich die von der neuen Stadtverwaltung ausgehenden infamen Verfolgungen, die darauf zielten, ihn nicht nur materiell zu treffen, sondern auch seine Ehre anzugreifen und ihn moralisch zu vernichten [FN44]. Zu diesem Zwecke wurde eigens ein Jurist, Dr. Kühn, als Dritter Bürgermeister bestellt, dessen einzige Aufgabe darin bestand, Luppe 'auf juristischem Weg den Garaus zu machen'. [FN45] Auch Eickemeyer bemühte sich, den abgesetzten Oberbürgermeister zu belasten [FN46]."
      ... ...
        Hanschel schließt sein Buch über Luppe (S. 411): "Wäre Luppe nur der tüchtige Oberbürgermeister gewesen, der er auch war, seine Amtszeit in Nürnberg wäre anders verlaufen. Die Schwierigkeiten, die ihm bereitet wurden, waren politisch motiviert. Zu seinem besonderen Schicksal gehört, daß er in Streicher einen ungewöhnlich niederträchtigen Gegner hatte, der in vielem geradezu sein Antipode war. Es beeindruckt, daß Luppe nicht nur den wüstesten Angriffen widerstand, sondern in dieser Zeit auch noch große kommunalpolitische Erfolge errang. Ihn, der sich so sehr für den Weimarer Staat einsetzte, mußte es geradezu persönlich treffen, daß die Demokratie scheiterte und Deutschland dem Nationalsozialismus verfiel. An seiner demokratischen Überzeugung wurde er dennoch nicht irre. Nach seiner Meinung versagte die parlamentarische Demokratie in Deutschland, weil sie unter ungünstigsten Bedingungen installiert wurde und sich zu behaupten hatte, nicht weil ihre Prinzipien falsch waren, für die er vorbehaltlos kämpfte [FN117]. Es charakterisiert Luppe besser als viele Worte, daß er seine Lebenserinnerungen frei nach einem Goethe-Wort unter das Motto stellte: „Ich bin ein Mensch gewesen, und das heißt Kämpfer sein." [FN118]

    Schriften Dr. Luppes (Auswahl aus Hanschel):
    FK:= Fränkischer Kurier; FZ:=Frankfurter Zeitung; N-F:= Nürnbger-Fürther;

    • Denkschrift über die Vereinigung von Nürnberg und Fürth. in: FK, 9. 12. 1920.
    • Die Zukunft des gemeindlichen Wohlfahrtswesens, in: Soziale Praxis, 30 (1921), 1345 f. Gemeinsamer Betrieb kultureller Gemeindeeinrichtungen, in: Täglicher Berichtsdienst für Kommunalwirtschaft und Kommunalpolitik, Nr. 271/272, Berlin,  18./19. 11. 1921.
    • Magistrats- oder Bürgermeistereiverfassung, in: FZ, 15. 11. 1922.
    • Drei Gruppen der bayerischen Reaktion, in: FZ, 22.3.1923.
    • Zur Lage der Gemeindefinanzen, in: N-F Morgenpresse, 6. 1. 1924.
    • Einheitliches Städterecht, in: FZ, 8.10.1924.
    • Einheitliches  Städterecht, in:  Sächsische  Gemeindezeitung,  10.11.1924.
    • Die Zukunft der Städteverfassung, in: Staats- und Selbstverwaltung. Zeitschrift für Staats- und Kommunalverwaltungen, 6. Jg., Nr. 6, 16.12.1924.
    • Die Betriebsprobleme in der Gemeindeverwaltung, in: Heinz Potthoff (Hg.), Die sozialen Probleme des Betriebes, Berlin 1925, 135 ff.
    • Demokratie im Beamtenrecht, ebd., 148 ff.
    • Die soziale Fürsorge, in: Die Zukunftsaufgaben der deutschen Städte, Berlin-Friedenau 1925, 752 ff.
    • Selbstverwaltung und Staat in Bayern seit 1918. Vortrag auf dem 18. bayerischen Städtetag in München, 3.,. 4. April 1925.
    • Das bayerische Ausführungsgesetz zum RWG, in: Zentralblatt für Jugendrecht und Jugendwohlfahrt, 17. Jg., Nr. 6, September 1925, 135 ff.
    • Erfahrungen mit Notstandsarbeiten für Ausgesteuerte und Jugendliche in Nürnberg, in: Deutsche Zeitschrift für Wohlfahrtspflege,  l.Jg., Nr. 11, Februar 1926, 489 ff.
    • Demokratische Kommunalpolitik, in: N-F Morgenpresse, 2., 3. 3. 1926.
    • (sign. Robert Gall), Zum Fall Luppe, in: N-F Morgenpresse, 12. 3. 1926.
    • Reichsbanner und Reichsbund, in: Junge Menschen, 7 (1926), Heft 10, Oktober 1926, 236.
    • Dr.  Wilhelm  Polligkeits Werk im  Rahmen  der Entwicklung der deutschen  Wohlfahrtspflege, in: Soziale Praxis, 35 (1926), Nr. 20, 494 ff.
    • Wege zum Einheitsstaat, Berliner Tagblatt, 24. 9. 1926.
    • Der Einheitsstaat vom Standpunkt der Gemeindeverwaltungen aus, in: Welche Wege führen zum Deutschen Einheitsstaat? Der Führertagung am 25. und 26. September als Material überreicht, o. O. 1926.
    • Zur Neuorganisation des öffentlichen Arbeitsnachweises, in: Soziale Praxis, 36 (1927), Nr. 3, 31. 3. 1927, 313 ff.
    • Aufgehen im Reich, in: Sonderbeilage der Königsberger Hartungschen Zeitung, Ostern 1927.
    • Reisebriefe  von  der  USA-Reise  1927,  in:  NF-Morgenpresse,  4.5.,  24.5.,   9.6.,  19. 6., 2. 7, und 6.7.1927.
    • Der großdeutsche Einheitsstaat. Das Ziel und der Weg, in: Die Verhandlungen des Hamburger Parteitages der Deutschen Demokratischen Partei 1927, Berlin 1927.
    • Reichsprovinzen? Ein Gesetzes Vorschlag, in: Vossische Zeitung, 7.10.1927,
    • Kommunale Selbstverwaltung. Notwendigkeit ihrer Neuorientierung, in: FZ, 19. 11. 1927.
    • Die Neugliederung des Reiches, in: FZ, 25. 1. 1928.
    • Zur Kritik der Arbeitslosenversicherung, in: Selbstverwaltung und Demokratie, 2 (1929), Nr. 13, 1.7. 1929, 9 ff.
    • Kommunale Wirtschaftsbetriebe, in: Die Hilfe. 35 (1929), Nr. 20, 491 ff,
    • Sinn und Aufgaben der Selbstverwaltung, in: Deutsche Krankenkasse, 16 (1929), Nr. 33, 15.8.1929.
    • Der demokratische Gedanke, in: FZ, 23.3.1930. Ein neuer Vorschlag zur Reichsreform, in: FZ, 5- 9. 1930.
    • Krisenfürsorge und Wohlfahrtsunterstützung für Arbeitslose, in: Die Arbeitslosenversicherung, 7 (1930), November 1930.
    • Die gegenseitigen Beziehungen von Wirtschaft und Wohlfahrtspflege, in: N-F Morgenpresse, l., 2. 12. 1930.
    • Die deutsche Arbeitslosenversicherung,  in:  Internationale Zeitschrift für Sozialversicherung, 7. Jg., Heft 2, Februar 1931, 23 ff. Wege aus der Krise, in: Acht-Uhr-Blatt, Nürnberg, 28. und 29, 10. 1931.
    • Zinssenkung,  in:  Selbstverwaltung und Demokratie, 4  (1931),  Nr. 12,  Dezember  1931, 337 ff.
    • Zum Problem der Arbeitsbeschaffung, in: Soziale Praxis, 4l (1932), 426 f.
    • Der Sport  als  Bindeglied  zwischen Stadtverwaltung  und Bürgerschaft,  in:  Vereinsnachrichten Fußballsportverein Frankfurt, Dezember 1932, 2 f.
    • Die Zukunft der Arbeitslosenunterstützung, in: Die Hilfe, 40 (1934), Nr. 11, 25l ff.




    1933 - 1945: Willy Liebel (1897 - 1945), NSDAP

    OB-Kurz-Biographisches (nach HLB und SLN): HLB: Selbständiger Drucker. Mitglied der "Reichsflagge", gründete 1923 die "Altreichsflagge", Leiter des Tannenberg-Bunds von Ludendorf in Mittel- und Oberfranken. 1925/26 Ein- und Austritt aus der NSDAP, 1928 erneuter Eintritt. 1929 Stadtrat für die NSDAP in Nürnberg 1929-1933, seit 1930 Vorsitzender der NSDAP-Stadtratsfraktion. Obergruppenführer in der SA. Ab 1942 auch Leiter des Zentralamts im Ministerium Speers, des Architekten des "Reichsparteitagsgeländes". Selbstmord im April 1945.


    > "Rechenschaftsbericht" Siehe auch Eickemeyer.

    Dieses gute Ergebnis einerseits ist das denkbar schlechteste Ergebnis andererseits, das ich mir wünschen konnte, dass nämlich ausgerechnet der Nazi-OB - im krassen Gegensatz zu seinem Führer - als einziger ohne die "Hilfe" von Währungsreformen in der Reihe von 1867 bis 2005 Schulden abbaut - und nicht zu knapp. Zwar fehlen in den Nazi-Berichten - zwischen 1940 und 1944 sind dann gar keine sog. "Rechenschaftsberichte" mehr erschienen - viele Angaben, aber Anfangs- und Endwert liegen für den 31.3.1933 und 1945 vor. Zur Bestimmung der Schuldenwachstumsraten wurde hier aus Einfachheitsüberlegungen keine Umrechnung auf den 31.12. vorgenommen, da der Jahresabstand in diesem Fall bis 1945 mit Rechnung jeweils vom 31.3. bis 31.3. ja gleich bleibt. Liebel startet am 31.3.1933 umgerechnet mit 53,145 Millionen Euro und der Verwaltungsbericht der Stadt Nürnberg für die Jahre 1945-1949 weist auf S. 462 umgerechnet 28,643 Millionen Euro auf. Dies ergibt einen Schuldenabbau bezogen auf den Anfangswert 1933 um - 46.10% und im arithmetischen Mittel = - 3.84% pro Jahr. Damit erzielt Liebel eine stetige negative Schulden-Wachstums-Rate von -5,15% und eine jährliche von - 5,02% pro Jahr. Wie er das genau bewirkt hat, muss einer besonderen Untersuchung vorbehalten bleiben. Möglicherweise wurde Nürnberg durch seine Stellung als Reichsparteitagsstadt finanziell begünstigt. Einige Hinweise enthalten die Berichte, so der vom 31.3.1934, S. 36-37. U.a. heißt es dort S. 37: "Ebenso konnten aufgrund des Gemeindeumschuldungsgesetzes die wenigen kurzfristen Schulden der Stadt in gütlichem Einvernehmen mit den Gläubigern umgeschuldet werden, so daß für die Stadt Nürnberg ein Beitritt zum Umschuldungsverband nicht erforderlich war." Bei dieser Formulierung ist äußerste Vorsicht angebracht, denn wenn eine Wendung wie "in gütlichem Einvernehmen" verwendet wird, sollte man sich fragen, was das heißt: haben alle Gläubiger freiwillig auf ihr Geld verzichtet und falls ja: warum?



    1945 - 1945: Julius Rühm (1882 - 1960).
    1945 - 1945: Martin Treu (1871 - 1952): HLB: Schneider, 1908 Gemeindebevollmächtigter in Nürnberg und 1909-1919 Magistratsrat, 1919-1929 ehrenamtlicher Stadtrat, 1929-1933 berufsmäßiger Stadtrat


    1945 - 1948: Hans Ziegler (1877 - 1957), SPD

    OB-Kurz-Biographisches (nach HLB und SLN): Dreher, arbeitete in Essen und in Frankfurt/M. Geschäftsführer des Metallarbeitervereins in Bremerhaven, Heilbronn und Breslau. Baden-Württembergischer Landtagsabgeordneter und Stadtrat in Breslau, 1930 Reichstagsabgeordneter erst für die SPD, dann für die SAP [W]. 1933 von der Gestapo verhafte. Flucht und ab 1939 in Nürnberg. 1945/46 kommissarisch im Amt als Oberbürgermeister. 1949 wurde der "Altlinke" aus der SPD ausgeschlossen und agierte dann mit einer "Sozialdemokratischen Aktion". Über seine Aufbauarbeit schweigt sich das SLN aus. Das ist umso bedauerlicher, weil der schwierigste Teil des Wiederaufbaus natürlich in den ersten Jahren nach dem Krieg, also in Zieglers Zeit lag, wo in Nürnberg fast alles in Schutt und Asche lag. So teilt das Stadtarchiv Nürnberg in den Daten zur Stadtgeschichte mit: "1945 Zerstörung "Alt-Nürnbergs". 95 Prozent der Bausubstanz in der Altstadt werden vernichtet. Beim Wiederaufbau werden nur ausgewählte Bauwerke rekonstruiert (Hauptkirchen, Rathaus u.a.m.), allerdings werden städtebauliche Grundstrukturen großenteils beibehalten (Baulinien, Traufhöhen und Giebelformen). 1949 findet die Deutsche Bauausstellung in Nürnberg statt."

    Hans Ziegler beginnt 1945, indem er von Liebel, nun umgerechnet auf den 31.12., 28,385 Millionen Euro Schulden übernimmt. Diese Schulden sinken bis zur Währungsreform auf  7,742 Millionen. Das ist ein Rückgang um - 72,73%. Das ergibt eine stetige Schulden-Wachstums-Rate von - 43,31% pro Jahr und jährlich= - 35,15%. Auch hier merkt man den Unterschied zwischen stetiger und jährlicher Rechnung schon sehr deutlich, diesmal, weil fallend, in die andere Richtung. Weshalb der Schuldenstand nicht dem Abwertungsverhältnis von 10:1 des  Vorjahreswertes entspricht, das wären dann ca. 1,6 Millionen Euro, konnte ich bislang nicht herausfinden. Für die Rechnung muss ich aber von den ausgewiesen Werten ausgehen. OB Ziegler ist damit der "Gewinner" der Währungsreform. 1948 gab es die große Chance auch für Nürnberg, aus den finanziellen Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Sie blieb, wie wir inzwischen wissen, leider ungenutzt.


    1948 - 1951: Dr. Otto Ziebill (1896 - 1978), SPD

    OB-Kurz-Biographisches (nach HLB und SLN): HLB: Jurist, Richterlaufbahn, 1951 Präsidialdirektor und Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags

    OB Dr. Otto Ziebill beginnt 1948 im Jahr der Währungsreform mit 7,742 Millionen Euro Schulden und steigert diese bis 1951 auf 16,506 Millionen. Das ist ein Anstieg um 113,2% und im arithmetischen Mittel von 37,73%. Das ergibt sehr starke Schulden-Wachstums-Raten - wie nach der Wende -  stetig 25,24% und jährlich = 28,71% pro Jahr. Nach der Währungsreform ergab sich die seltene große Chance, vernünftig zu wirtschaften. Aber das ist wohl in den Köpfen der Juristen und Beamten in der Tradition der Schuldentollwut nicht vorgesehen, wobei aber OB Dr. Ziebill insofern einiges nachgesehen werden kann, weil das stark zerstörte Nürnberg noch sehr im Wiederaufbau begriffen war (> Geer, Pfeiffer).

    Schriften von Otto Ziebill (Auswahl):
    Ziebill, Otto (1954). Bürgerschaftliche Verwaltung.  Stuttgart: Kohlhammer .
    Ziebill, Otto (1955). Geschichte des Deutschen Städtetages. Fünfzig Jahre deutsche Kommunalpolitik. Stuttgart:  Kohlhammer.
    Ziebill, Otto (1963). Politische Parteien und kommunale Selbstverwaltung. Berlin: Verein für Kommunalwissenschaften.
    Ziebill, Otto (1963). Bürger - Städte - Staat. Neue Schriften des Deutschen Städtetages, Heft 12.  Stuttgart/Köln. Kohlhamme.



    Zwischen Ziebill, der bis 1951 und Bärnreuther, der ab 1952 ausgewiesen wird, scheint möglicherweise eine Lücke zu bestehen, die ich bislang nicht aufklären konnte.

    1952 - 1957: Dr. h.c. Otto Bärnreuther (1908 - 1957), SPD

    OB-Kurz-Biographisches (nach HLBund SLN): HLB: kaufmännischer Angestellter, Stadtratsassistent, 1946-1952 Stadtrat. 21.09.1957: Oberbürgermeister Otto Bärnreuther (SPD) stirbt. 1934 wird er aus politischen Gründen und wegen seiner Heirat mit einer Jüdin aus dem Dienst entlassen. Nach 1945 gehört er zu den Gründern der SPD Nürnberg. In seine Amtszeit fällt der Wiederaufbau des Egidienplatzes und des Fembohauses sowie die Stiftung des Kulturpreises und auch die Verlegung des Volksfests an seinen heutigen Ort am Dutzendteich. [Q]
     


     

    Dr. h.c. Otto Bärnreuther beginnt 1951 mit 30,8 Millionen und hört 5 Jahre später 1957 mit 91,266 Millionen Euro Schulden auf. Das ist insgesamt, bezogen auf den Anfangswert 1952 eine Steigerung um 196.38% und im arithmetischen Mittel von 39.28%. Das ergibt extreme Schulden-Wachstums-Raten, stetig 21,7% und jährlich = 24,3% pro Jahr. Das sind Raten, wie man sie von Kriegen oder von den neuen Bundesländern nach dem "Beitritt" - das Grundgesetz sah eigentlich eine Wiedervereinigung vor - zur Bundesrepublik Deutschland kennt.

    Aus der Homepage des Stadtarchivs Nürnberg (Daten der Stadtgeschichte):

    • 1952 Errichtung Bundesagentur für Arbeit als 'Bundesanstalt für Arbeit' (1973 Einweihung des Neubaus).
    • 1955 Eröffnung des heutigen Flughafens in Kraftshof.




    1957 - 1987: Dr. Andreas Urschlechter (1919 - ), SPD

    OB-Kurz-Biographisches (nach HLB und SLN): Seltsamerweise findet sich im SLN) kein Eintrag zu OB Dr. Urschlechter, der diese Stadt immerhin 30 Jahre lang regierte, wie ich auch sonst kaum berufsbiographische Daten zu den Nürnberger Oberbürgermeistern der Nachkriegszeit und ihrer kommunalen Leistungen finden konnte (Ausnahme Scholz, der 2005 starb). Hier scheint die traditionslose Regel zu gelten: aus dem Amt, aus dem Gedächtnis. Das HLB teilt auch sehr sparsam mit: Jurist, 1946 stellvertretender Leiter des Wiederaufbauamtes Nürnberg, danach Rechtsrat bzw. Oberrechtsrat, 1955 berufsmäßiger Stadtrat, am Ende seiner Amtszeit 1987 dienstältester Oberbürgermeister in der Bundesrepublik Deutschland. Durch  [Q] erfahren wir noch: 1982: "Der Nürnberger Oberbürgermeister Andreas Urschlechter erklärt seinen Austritt aus der SPD, da sich die Partei im Unterbezirk Nürnberg immer weiter von einer Volkspartei weg entwickele und »klassenkämpferische Tendenzen« zeige. (57, S. 112)". Endres. & Fleischmann führen aus (S.296): "In den 30 Jahren seiner Amtszeit hatte Urschlechter nicht nur den Wiederaufbau der Stadt Nürnberg maßgeblich mitgeprägt und beeinflußt, er hatte sich auch für eine moderne, zukunftsorientierte Stadtentwicklung engagiert. Der Aufbau einer leistungsfähigen Verkehrsinfrastruktur mit U-Bahn, S-Bahn oder Rhein-Main-Donau-Kanal gehören ebenso zur Bilanz der „Ära Urschlechter" wie etwa der Neubau des Messezentrums oder der Bau der Meistersingerhalle. In hohem Maße war Urschlechter auch an der Konzeption und der Entstehung des neuen Stadtteils Langwasser im Südosten Nürnbergs beteiligt, der als Verwirklichung urbanen Wohnens internale Anerkennung fand. 1978 verlor die SPD ihre absolute Mehrheit im Stadtrat und mußte mit der FDP zusammenarbeiten. Seit 1984 bis 1996 bestimmte die SPD schließlich im Bündnis mit den Grünen - der am längsten funktionierenden rot-grünen Zusammenarbeit in einer bundesdeutschen Großstadt - die Geschicke der Stadt weiter."

    Dr. Andreas Urschlechter beginnt 1957 mit 91,266 Millionen und 30 Jahre später mit 490,145 Millionen Euro Schulden auf. Das ist insgesamt, bezogen auf den Anfangswert 1957 eine Steigerung um 437.05% und im arithmetischen Mittel von 14,57%. Das ergibt eine  stetige Schulden-Wachstums-Rate von 5,6% und eine jährliche von 5,76% pro Jahr. Auch das sind natürlich Zahlen, die früher oder später in der Katastrophe des finanziellen Kollapses enden müssen. Diese Zeit scheint nun, rund 20 Jahre später, recht nahe.

    Wirtschafts-Wachstums-Raten (BIP) von Dr. Andreas Urschlechter
    Stabilitätsbedingung für ein Finanzsystem: Wirtschaftswachstumsrate >= Schuldenwachstumsrate.

    BIP Daten für Nürnberg konnte ich für den Endwert 1987 nicht auf den Seiten des Statistischen Amtes Nürnberg finden, aber für 1986, so dass immerhin für 29 der 30 Jahre Urschlechters die Wirtschaftswachstumsraten berechnet werden können. Das Ergebnis ist beachtlich. 1957 betrug das BIP für Nürnberg nach [Q] umgerechnet 1,363615 Milliarden Euro, das der OB bis 1986 nach [Q] auf 11,921282 Milliarden Euro steigern konnte. Das ist ein Anstieg um 774.24% und im Mittel der 29 Jahre von 26,7%. Die führt zu den Wirtschafts-Wachstums-Raten von stetig=7,48% und jährlich=7,76%. Damit liegen die Wirtschafts-Wachstums-Raten Dr. Urschlechters deutlich über seinen Schulden-Wachstums-Raten.

    Aus der Homepage des Stadtarchivs Nürnberg (Daten der Stadtgeschichte):

    • 1962   Einrichtung der Pfannenschmiedsgasse als eine der ersten "Einkaufsstraßen" Europas; Grundstein der heute weite Teile der Altstadt umfassenden Fußgängerzone.
    • 1967 Grundsteinlegung (erster Rammstoß) für die U-Bahn (1978 erreicht die U-Bahn die Altstadt, 1985 Fertigstellung der Linie 1 von Langwasser-Süd bis Fürth-Hauptbahnhof, 1996 ist die Linie 2 von Röthenbach/Schweinau bis Nordostbahnhof befahrbar; bis 1999 Erweiterung bis zum Flughafen).
    • U-Bahnhof Lorenzkirche (Stadtarchiv Nürnberg)
    • 1971 Jubiläum des 500. Geburtstages von Albrecht Dürer.
    • Einweihung von Spielzeugmuseum und Handwerkerhof.
    • 1972 Einwohnerzahl erstmals über 500.000.
    • Einweihung des Staatshafens am Rhein-Main-Donau-Kanal (Fertigstellung des Kanals 1992).
    • 1973 Einweihung des neuen Messegeländes in Nürnberg-Langwasser.
    • 1980 Fertigstellung des Fernmeldeturms.
    • 1987 Im Großraum Nürnberg wird die erste S-Bahn Linie eröffnet (Nürnberg-Lauf).




    1987 - 1996: Dr. Peter Schönlein (1939 - ), SPD

    OB-Kurz-Biographisches (nach HLB und SLN): Seltsamerweise findet sich im SLN) kein Eintrag zu OB Dr. Peter Schönlein, der diese Stadt immerhin 9 Jahre lang regierte, wie ich auch sonst kaum berufsbiographische Daten zu den Nürnberger Oberbürgermeistern der Nachkriegszeit und ihrer kommunalen Leistungen finden konnte (Ausnahme Scholz, der 2005 starb). Das HLB: teilt auch nur den Beruf mit: Lehrer. Glücklicherweise fand ich in der hagiographischen Schrift "Amtsantritt" folgende biographische Angaben: "Am 16.3.1939 als erstes Kind des Ehepaares Grete und Wilhelm Schönlein in Nürnberg geboren. 1960 Abitur am Neuen Gymnasium Nürnberg. Anschließend Studium an der Universität Erlangen-Nürnberg mit Promotion zum Dr. phil. und l. Staatsexamen. Es folgen 1966/67 Studienaufenthalte in Großbritannien und Frankreich mit Abschluß Französisch an der Sorbonne/Paris. Nach dem zweiten Staatsexamen 1970 Dienstantritt am Neuen Gymnasium Nürnberg als Lehrer für Latein, Griechisch, Geschichte und Französisch. 1970 Heirat mit Claudia Zeck, zwei Kinder, Sohn Martin, geb. 1976. Tochter Birgit, geb. 1984. 1972 zum ersten Mal in den Nürnberger Stadtrat gewählt. Seit 1978 SPD-Fraktionsvorsitzender der und 1. weiterer Stellvertreter des Oberbürgermeisters. Am 8.11.1987 mit 57,6 Prozent der abgegebenen Stimmen zum Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg gewählt." Die Ablösung durch Scholz kam für fast alle überraschend. Herumhören ergab u.a., dass ihm das "Theater" um den Augustinerhof [1, 2, 3,] und sein Umfallen zum Schluss sowie seine autofahrerfeindliche Verkehrspolitik geschadet haben soll. Endres. & Fleischmann erläuter (S. 396): "Nach dem Ausscheiden von Dr. Andreas Urschlechter im Jahr 1987 stand Dr. Peter Schönlein (SPD) dem Stadtrat vor. Um die hohen Wahlkosten zu reduzieren, änderte er den Turnus der Bürgermeisterwahl und legte sie mit der Stadtratswahl zusammen. Schon 1990 stellte,er sich der Wiederwahl und konnte sich behaupten. Seine Partei errang 32 Sitze, die CSU 25, die Grünen sechs, die FDP einen Sitz, und auch zwei Parteilose erlangten Mandate. Bei der Stadtratswahl 1996 aber unterlagen Schönlein und das rot-grüne Bündnis der Oppositon. Ludwig Scholz (CSU) übernahm im Mai die Verantwortung im Rathaus." Das Zusammenlegen der Wahlen zeigt Kostenbewusstsein und Verantwortung.

    OB Schönlein übernimmt und beginnt 1987 mit 490,145 Millionen Euro Schulden und hört 1996 mit 929,268 Millionen Euro auf, die er an Scholz übergibt. Er steigert damit die Schulden um 89,59% mit einer mittleren Rate in 9 Jahren von 89,59%/9 = 9.95%. Das ergibt eine stetige Schulden-Wachstums-Rate von 7,11% und eine jährliche von 7,36% pro Jahr. In nur 9 Jahren verdoppelt er die Schulden fast, die sein Vorgänger in 30 Jahren angesammelt hat.

    Zum Vergleich die Wirtschafts-Wachstums-Raten (BIP) von Dr. Peter Schönlein.
    Stabilitätsbedingung für ein Finanzsystem: Wirtschaftswachstumsrate >= Schuldenwachstumsrate.
     
    Dr. Schönlein erhält 1988 ein BIP von 13,14378 und 1996 von 17,670064 Milliarden Euro. Das entspricht einer Steigerung um 34,44% und im Mittel der hier erfassten 8 Jahre von 4,30%. Dies ergibt die Wirtschafts-Wachs- tums-Raten von stetig=3,5% und jährlich= 3,77%. Das heißt, seine Schulden- Wachstums-Raten sind rund doppelt so hoch wie seine Wirtschafts- Wachstums-Raten. Sein Nachfolger wird dieses ungünstige Verhältnis noch weiter ausbauen.

    Aus der Homepage des Stadtarchivs Nürnberg (Daten der Stadtgeschichte):

    • 1991 Das 1928 eröffnete Stadion wird nach seinem völligen Umbau als neues "Frankenstadion" eingeweiht.
    • 1993 Einweihung des Erweiterungsbaues des Germanischen Nationalmuseums.
    • 1994 Eröffnung des neuen Klinikums Süd.
    • 1995 Erstmalige Verleihung des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises (Preisträger Sergej Kowaljow).
    • 1996 Grundsteinlegung für das erste Staatsmuseum in Nürnberg (2000 Eröffnung).




    1996 - 2002: Ludwig Scholz (1937-2005), CSU

    OB-Kurz-Biographisches: HLB: Jurist, Regierungsdirektor. Aus dem Nachruf (Q): "Scholz wurde in Juliusburg, in Schlesien geboren. Er legte das Abitur in Limburg a.d. Lahn ab und studierte Rechts- und Volkswirtschaft in Frankfurt am Main, Marburg und Heidelberg. Nach dem Ablegen der juristischen Staatsexamina wurde er 1967 Assessor beim Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge in Zirndorf, Regierungsrat beim Landratsamt Hersbruck (heute Teil des Landkreises Nürnberger Land) und Oberregierungsrat beim Landratsamt Fürth. Vor seiner Wahl zum Oberbürgermeister war er Leitender Regierungsdirektor beim Landesuntersuchungsamt für das Gesundheitswesen Nordbayern (seit 2002: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit) in Erlangen. Ludwig Scholz gehörte dem Nürnberger Stadtrat von 1972 bis zu seinem Tode an. Von 1988 bis 1996 war er darüber hinaus Fraktionsvorsitzender der Stadtratsfraktion der CSU. 1996 gewann er überraschend die Stichwahl zum Oberbürgermeister gegen Amtsinhaber Peter Schönlein (SPD). Bei der Kommunalwahl 2002 unterlag er in der Stichwahl dem Herausforderer Ulrich Maly (SPD). Scholz war der erste Oberbürgermeister Nürnbergs, der der CSU angehörte. Er war auch der erste katholische Amtsinhaber seit der Reformation in Nürnberg.
        Ludwig Scholz hatte großen Anteil daran, dass bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 Nürnberg als Spielort vorgesehen wurde. Ebenso leistete er einen großen Beitrag dazu, die Eishockeyweltmeisterschaft 2001 auch in Nürnberg stattfinden zu lassen. Im Jahr 2000 wurde das 950. Gründungsjubiläum der Stadt Nürnberg unter seiner Ägide begangen, aus dem ein jährlich stattfindendes Großereignis, die Blaue Nacht, hervorging. Besondere Verdienste hat sich Ludwig Scholz um das von der Lokalpolitik jahrzehntelang vernachlässigte Gelände der Reichsparteitage der NSDAP erworben, indem er sich für die Einrichtung eines bundesweit einzigartigen Museums stark machte, dem "Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände". Darüber hinaus hat sich Ludwig Scholz u.a. um Städtepartnerschaften, effizientere Verwaltung und den Sport verdient gemacht." Soweit der nachruftypische - und insoweit übliche und verständliche - hagiographische Teil. Nun aber zum Eingemachten (gelb).
     
    In Scholz' Amtszeit - Dr. Maly war Kämmerer - fallen die dubiosen CBL-Geschäfte bei denen die Stadt Nürnberg mit unübersehbaren Risiken kommunale Betriebsanlagen verkaufte und zurück leaste: 
      Straßen/U-Bahn (1998): 205
      2 Kläranlagen (1999):   ??? 
      Kanalnetz (2002):     380

    Nach Rügemer erzielt die Stadt dadurch einen läppischen Barwert- vorteil von 4%, der aus 30 Jahren Laufzeit vorverlegt ausbezahlt wird, während die Investoren 300% Rei- bach machen. Die Zeche für die Geschäft zahlen dann die Enkel.

    Siehe aber Datenwirrwarr.

    OB Scholz übernimmt und beginnt 1996 mit 929,268 Millionen Euro Schulden und hört 2002 mit 1,335 Milliarden Euro auf, die er an seinen vormaligen Kämmerer Dr. Maly übergibt. Er steigert damit die Schulden um 43,66% mit einer mittleren Rate in 9 Jahren von 89,59%/9 = 7,28%. Das ergibt eine stetige Schulden-Wachstums-Rate von 6,04% und eine jährliche von 6,22% pro Jahr. Hierbei muss noch berücksichtigt werden, dass in Scholzens Amtszeit die CBL-Sondereinnahmen wirksam wurden durch den Verkauf der U-Bahn (1998), zweier Kläranlagen (1999) und des Kanalnetzes (2002), allerdings nach Angaben von Rügemer nur 4% des Vertragswertes, schätzungsweise also nur ca. 30 Millionen. Die Folgen dieser abenteuerlichen CBL-Geschäfte werden die nachfolgenden Generationen auszulöffeln haben. Wenigstens mit-, womöglich sogar hauptverantwortlich für diese gefährliche Schnapsidee könnte der damalige Kämmerer Dr. Maly sein.

    Zum Vergleich die Wirtschafts-Wachstums-Raten von Ludwig Scholz (BIP).
    Stabilitätsbedingung für ein Finanzsystem: Wirtschaftswachstumsrate >= Schuldenwachstumsrate.
     
    Scholz beginnt 1996 mit 17,67 und hört 2002 mit 20,2 Milliarden Euro BIP (in Marktpreisen) auf, das ist eine Steigerung um 14,3% und im Mittel von 2,39%. Dies ergibt Wirtschafts- Wachstums-Raten von stetig=2,23% und jährlich=2,25%. Er steigert "sein" Schuldenwachs- tum also fast drei mal so stark wie sein Wirtschaftswachstum, was nicht gut gehen kann. 

    Datenquelle BIP Nürnberg BLAfSuDV für den Zeitraum 1991 bis 2004: 82111-001r.xls 

    Aus der Homepage des Stadtarchivs Nürnberg (Daten der Stadtgeschichte; es fehlen die CBL-Missetaten):

    • 1997 Weiterbau der U-Bahnlinie 2 zum Flughafen (1999 fertiggestellt).
      • Wiederherstellung des Schürstabhauses (gotisches Patrizierhaus).
    • 1998 Wiedereröffnung des Opernhauses nach umfangreichen Renovierungsarbeiten.
      • Vereinigung des Meistersinger-Konservatoriums und des Leopold-Mozart-Konservatoriums Augsburg zur Musikhochschule Nürnberg-Augsburg mit Hauptsitz in Nürnberg.
    • 1999 Festakt zum 350. Jahrestag des Nürnberger Friedensmahls von 1649 mit einer 7,8 km langen Friedenstafel und 40.000 Teilnehmern.
      • Eröffnung des Kaiserburg-Museums als Außenstelle des Germanischen Nationalmuseums.
      • Richtfest des Business-Towers der Nürnberger Versicherungsgruppe (mit 135 m höchstes Gebäude in Bayern).
      • Die Messe Consumenta belegt erstmals 12 Hallen und hat eine Rekordbeteiligung von 950 Ausstellern.
    • 2000  950. Stadtjubiläum.
      • Eröffnung des "Neuen Museums" für Kunst und Design.
      • Eröffnung der Kulturmeile und der "Historischen Meile".
      • Einweihung des rekonstruierten Hirsvogelsaals beim Tucherschlösschen.
      • Eröffnung der sanierten Norishalle als neues Domizil von Stadtarchiv und Naturhistorischem Museum.
      • 100. Gründungsjubiläum des 1. Fußballclubs Nürnberg (1. FCN).
    • 2001 Einweihung der neuen Eis- und Multifunktionshalle 'Arena' am Stadion.
      • Eröffnung der Dauerausstellung 'Faszination und Gewalt' im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände.
    • 2002 Die 1999 begonnene Renovierung des Hauptbahnhofs konnte abgeschlossen werden. Im restaurierten historischen Jugendstilsaal, dessen vielfältige Verzierungen an Decken und Wänden wieder in ihrem alten Glanz erstrahlen, befindet sich nun die Fahrkarten-Schalterhalle.
      • Spiele der Fußballweltmeisterschaft 2006 sollen auch in Nürnberg stattfinden. Die Stadt wurde zu einem von zwölf Austragungsorten bestimmt.


    Hinweis Datenwirrwarr 2001-2005: Widersprüchliche oder unterschiedliche Werte zu den Schuldenständen einschließlich Eigenbetriebe 2001, 2002, 2003, 2004 und 2005 ergeben sich, je nachdem, ob man die Tabellen des Bayerischen Landesamtes für Statistik und Datenverarbeitung [BLAfSuDV] (71327-001r.xls) befragt oder bei der Stadt Nürnberg nachschaut (PDF). Eine Aufklärung war mir leider nicht möglich, daher sei hier nur der Sachverhalt mitgeteilt (> Datendoku, Unklarheiten, > Repräsentativität, Transparenz und Kontinuität).
     
    BLAfSuDV [ 71327-001r.xls] Stadtfinanzen Nbg.
    2001 1,328 549 Mrd. Euro 1,215 000 Mrd. Euro
    2002 1,334 958 Mrd. Euro 1,270 000 Mrd. Euro
    2003 1,393 099 Mrd. Euro 1,406 000 Mrd. Euro
    2004 1,438 397 Mrd. Euro 1,460 000 Mrd. Euro
    2005 1,456 213 Mrd. Euro 1,576 000 Mrd. Euro

    Bemerkung: Der Wert für das Jahr 2002 ist der Anfangs- (Dr. Maly) und Endwert (Scholz). Deshalb hat die Auswahl der Zahlen Einfluss auf die Größe der Schulden-Wachstums-Raten. Ich habe hier mit den Werten des BLAfSuDV gerechnet. Nimmt man die Nürnberger Zahlen, bessern sich die Raten für Scholz etwas und die für Dr. Maly werden schlechter. Scholz-Freunde könnten also die Nürnberger Zahlen, Dr. Maly-Freunde die BLAfSuDV Zahlen verwenden. Den riesigen "Scholz-Hupfer" 1997 berührt das aber nicht.



    2002 - 2006: Dr. Ulrich Maly (1960 - ), SPD
    OB-Kurz-Biographisches (nach HLB): Volkswirt, Stadtkämmerer in Nürnberg von 1996-2002. [mehr bei W]
     
    In Scholz' Amtszeit - Dr. Maly war Kämmerer - fallen die dubiosen CBL-Geschäfte bei denen die Stadt Nürnberg mit letztlich unübersehbaren Risiken um eines kurzfristen Barwertvorteils willen kommu- nale Betriebsanlagen verkaufte (1998, 1999 und 2002). Nach Rügemer (S. 85) erzielt die Stadt dadurch einen - angesichts der Finanzsituation - läppischen Barwertvorteil von 4%, der aus 30 Jahren Laufzeit vorverlegt ausbezahlt wird, während die Investoren 300% Reibach machen. Die Zeche für diese "Geschäfte" zahlen dann die Kinder und Enkel.

    OB Dr. Maly fängt mit der gigantischen Summe - für die er als Kämmerer seit 1996 auch Mitverantwortung trägt - von 1,335 Milliarden Euro an und erreicht im Jahr 2006 die Summe von 1,5824 Milliarden Euro Schulden, bald doppelt so viel, wie alle 205 Gemeinden und die 7 Landkreise in Mittelfranken zusammen aufbringen. Das entspricht in der Zeit 2002 bis 2006 einer Steigerung von 18,54% mit einem arithmetischen Mittelwert von 4,63%. Das ergibt eine stetige Schulden-Wachstums-Rate von 4,25% und eine jährliche von 4,34% pro Jahr. Bei ca. 5% Zinsen zahlt die Stadt Nürnberg dann ca. 79 Millionen Euro Zinsen pro Jahr, das macht am Tag 216767 Euro und damit für jede NürnbergerIn ungefähr "nur" 43 Cent am Tag. Wenn Nürnberg so weiter macht, dann sind es pro NürnbergerIn bald 5 Euro am Tag oder noch mehr. Zur Hochrechnung bis 2050 siehe bitte hier.

        Haushaltsplan 2007: Auf der Homepage der Stadtfinanzen wird zum Haushaltsplan 2007 ausgeführt: "Die Stadt investiert im Jahr 2007 81,6 Millionen Euro städtische Mittel einschließlich der Kostendecker. Hinzu kommen zweckgebundene Fördermittel in Höhe von 43,6 Millionen Euro. Um die Investitionen finanzieren zu können, ist auch im Jahr 2007 eine Nettoneuverschuldung in Höhe von 46,7 Millionen Euro notwendig. Die Gesamtverschuldung steigt damit auf 1.090 Millionen Euro (inklusive Eigenbetriebe auf 1.831 Millionen Euro), dies entspricht einer Pro-Kopf-Verschuldung von 3.668 Euro. Es zeigt sich, dass die Stadt Nürnberg von dem Ziel, keine neuen Schulden mehr zu machen, noch ein gutes Stück entfernt ist."
        Nach diesem Haushaltsplan steigt die Schulden-Wachstums-RateOB Malys deutlich an, nämlich auf stetig=6,32% und jährlich=6,52%. Das Wachstum setzt sich beschleunigt fort. Betrug die Steigerung von 2002 auf 2006 noch 18,54%, so werden es dann 37,16% und im Mittel statt 4,63% schon 7,43%. Die Zinslast würde bei ca. 5% von 79 auf ca. 91 Millionen Euro steigen. Es sieht also leider nicht so aus, als ob Dr. Maly, seine Finanzberater und der Stadtrat ein Konzept zur Bändigung der "Schuldentollwut" hätten.

    Nach der Homepage des Stadtarchivs Nürnberg (Daten der Stadtgeschichte):

    • 2002: Nürnberg wird Austragungsort für die Fußballweltmeisterschaft (vermutlich kostenintensiv).
    • 2003: Stadttheater wird Staatstheater; Mercadoeinkaufszentrum (vormals Linde Eisstadion); Umbau Frankenstadion; Chirurgisches Zentrum mit Palliativstation im Nordklinikum.
    • 2004: Erweiterungsbau der WISO wird fertig; neues Eisbärengehege im Tiergarten; "Zur Sanierung des Haushalts wird die städtische Wohnungsbaugesellschaft (Wbg) an die Städtischen Werke teilverkauft. Im Zuge dieser Transaktion wird die soziale Verpflichtung der Wbg aus deren Aufgabenkatalog gestrichen.".
    • 2005: Gedenkjahr wegen: 60. Jahrestag des Luftangriffs vom 2.Januar 1945, Kriegsende, Kriegsverbrecherprozesse und 70. Jahrestag der "Nürnberger Gesetze"; Congress Center Nürnberg Ost für 3200 Teilnehmer; Abschluss Stadionumbau für die Fußballweltmeisterschaft; Metropolregion Nürnberg; Großbrand.
    • 2006: Elektrolux schließt Standort Nürnberg; Ausstellung 200 Jahre Franken in Bayern; 5 Spiele der Fußball WM werden ausgetragen.




     
    Man beachte bitte auch: Zur Beurteilung, wenn die Neuverschuldung abnimmt oder gar richtig getilgt wird, ob echtes Einsparen vorliegt oder nur mehr Geld durch Tafelsilberverkäufe, Steuermehreinnahmen durch höheres Aufkommen - Wachstum oder Steuererhöhungen (z.B. 1994 BRD) - hereinkommt, müssten diese Daten eingearbeitet werden. Außerdem muss zusätzlich an sog. "kreative Buchführung" der PolitikerInnen gedacht werden, um das wahre Ausmaß der Schulden zu verschleiern. (z.B. durch extreme Ausdehnung der sog. "Kassenverstärkungskredite" oder auch die versteckten und teilweise kaum kalkulierbaren zukünftigen Lasten, siehe Staatsverschuldung und Bilanzfälschung. Dazu gehören auch Veränderungen der Kriterien (auch sog. "Revisionen", Beispiel hier). Es wäre Aufgabe der Kontrollorgane und Aufsichtsbehörden (Bundesbank, Rechnungshöfe, Bundesaufsichtsamt für Finanzdienstleistungen), der Steuerzahlerverbände und der kritischen Medien solche Methoden zu unterbinden bzw. transparent und öffentlich zu machen. Siehe bitte: Tatsächliche Verschuldung der Gemeinden. Doch viele "Kontrollorgane" funktionieren gar nicht richtig und sind hoffnungslos verfilzt. 

    Berichterstattung, Einfluss und "Verantwortung" der Nürnberger Presse
    Nürnberg und seine Umgebung wird presse-medial von den Nürnberger Nachrichten, (NN), der Nürnberger Zeitung (NZ), der Abendzeitung (AZ), der Regionalausgabe Nürnberg der Bildzeitung (BZ),  Nordbayerisches Infonet,  versorgt. [1, 2,] Die Schuldentollwut der PolitikerInnen kann sich nur mit Billigung und Unterstützung der lokalen öffentlichen Meinung entfalten und so lange halten. Und daher kommt den Nürnberger Medien auch ein hohes Maß an Verantwortung zu. Ein Versuch, wie man diese gesamte Fehlentwicklung im Zusammenspiel der gesellschaftlichen Gruppier