Internet Publikation für Allgemeine und Integrative Psychotherapie
    Abteilung Politische Psychologie - Bereich Staatslehre -  Präambel
    IP-GIPT DAS=20.06.2003 Internet-Erstausgabe, letzte Änderung 21.6.3
    Sekretariat: Diplom-PsychologInnen Irmgard Rathsmann-Sponsel und Dr. phil. Rudolf Sponsel
    Postbox   3147  D-91019 Erlangen * Mail:_sekretariat@sgipt.org_

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    Willkommen in der Abteilung Allgemeine und Integrative Politische Psychologie, Bereich Staatslehre, hier speziell zum Thema:

    GeMEINwohl
    Ein wichtiger Grundbegriff für eine an Fairneß, Gerechtigkeit und Vernunft orientierte stabile Gesellschaft entgegen der Mein-Wohl-Amigo-Republik
    Mit einer operationalen Formel zur Quantifizierung eines Gemeinwohl-Indexes und Benchmarkkriterien zur Wahlfähigkeit von PolitikerInnen.

    von Rudolf Sponsel, Erlangen

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    • Einführung: Zur Lage der Nation 2003
    • Materialie 01: Gemeinwohl nach dem Lexikon der Staats- und Geldwirtschaft
    • Materialie 02: Gemeinwohl nach dem Handlexikon der Politikwissenschaft
    • Materialie 03: Gemeinwohl nach einem Wörterbuch der Soziologie
    • Materialie 04: Hans Herbert von Arnims Arbeiten zum Gemeinwohl
    • Materialie 05: Die Staatslehre des Aristoteles
    • Materialie 06: Stärken und Schwächen von Benthams Gemeinwohlformel
    • Materialie 07: (Exkurs): Zum Begriff des Gemeinsinns
      • Hieraus: Die Kant'schen Merkmale des Gemeinsinns
    • Gemeinwohl: Entwurf einer operationalen Definition. Erforderlich ist eine Arithmetrik und Messung des Gemeinwohls
      • Allgemeine Gemeinwohl-Indexformel (Sponsel 2003)
      • Forderungen an Wissenschaft, Gesellschaft und Politik: Gemeinwohl- Index- Benchmarking für PolitikerInnen
    • Linkauswahl zum Gemeinwohl im Internet
    • Querverweise
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    Einführung: Zur Lage der Nation 2003. Die allgemeine Plünderung des Staates, sozialer Institutionen und sogar von Unternehmen und Firmen hat ein ungeheures Ausmaß erreicht, das jetzt durch die seit 35 Jahren hemmungslos aufgebaute Schuldenfalle und Luft- und Seifenblasenwachstumskonzepte - jedem sein Dritthandy fürs Zweitklo -  zu kollabieren scheint. Zwar wird ständig vom Leistungs- und Verantwortungsprinzip gesprochen, doch nirgendwo scheint jedes Augenmaß, jede Hemmung, jede Vernunft weniger vorhanden als in der sog. Führungselite unseres Landes. Selbstbedienung und rücksichtslose Bereicherung - quer durch alle Parteien, Verbände und selbst in der sog. sozialen Marktwirtschaft - feiern täglich neue Triumpfe. Wirtschaften Vorstände Unternehmen nieder, erzeugen Milliardenverluste und versenken Aktienkurse um 90%, so erhalten sie dafür mit hoher Wahrscheinlichkeit hohe Abfindungen, werden belohnt mit Aufsichtsratsposten, dicken BeraterInnenverträgen und gut bezahltem Quasivorruhestand im besten Karrierealter. Inzwischen hat sich das krupp-stählerne Prinzip der Deutschland AG: Wer Mist macht auf höherer Ebene wird gnadenlos belohnt, auf allen Ebenen und in allen Bereichen der sog. Führungselite durchgesetzt. Bereits mit nur zweijähriger Anwartschaft in höheren politischen Funktionen, etwa einer Ministerialposition, werden Pensionsansprüche erworben, die eine ArbeitnehmerIn in mehreren Jahrzehnten nicht erwerben könnte. Viele PolitikerInnen haben zwei, drei, vier- und Vielfachmandate, kassieren nicht einmal, sondern x-mal. Seit rund 35 Jahren lebt die Mein-Wohl-Amigorepublik auf Pump. Die partielle Geschäftsunfähigkeit - für die man Ludwig II entmündigte und dann sogar umbrachte - zieht sich durch alle Parteien, durch alle Institutionen und Gebietskörperschaften: es ist ein allgemeines schwarzrotgelbgrünes Phänomen. Die finanzpolitische Verwahrlosung und Verblödung in der Amigo-Republik ist Legion und reicht von der schwarzrotgelbgrünen Land-, Stadt- und BezirksrätIn über BürgermeisterInnen, Abgeordnete, MinisterInnen bis zu den Kanzlern und sogar bis zu den Kontrollorganen dieses Staates. Daß überhaupt noch beschissen, betrogen, veruntreut und bestochen werden muß, verwundert eigentlich jeden, da die Republik dank einer  beweisidealistischen Amigo- Justiz  doch längst so eingerichtet ist, daß man sich blind versteht.


    Materialie 01 aus dem Lexikon der Staats- und Geldwirtschaft

    Ein ziemlich relativierender Text, möglicherwiese zur sehr aus der Perspektive der Amigo-Mein-Wohl-Republik  :
     

    Stichwort Gemeinwohl

    "Gemeinwohl, auch bonum commune, Soziale Wohlfahrtsfunktion, ist zentraler Begriff aller Lehren, die das Soziale, Kollektive oder Gemeinschaftliche erklären wollen oder es als Lebensforrn absolut (>Kommunismus, radikaler > Sozialismus) oder neben dem Wohle des einzelnen Menschen fordern. Was G. inhaltlich sei, ist von Anfang an umstritten; zumeist ist der Ausdruck eine Leer- oder Lehrformel ohne konkreten Inhalt. Das gilt sowohl für die Abgrenzung zum Eigenwohl oder Eigennutz in der Individual- und Sozialethik und in der Diskussion um angebliche Kollektivbedürfnisse als auch für die Aufteilung der Rechte (auch Nutzen), Pflichten (Lasten) und der Mitwirkung bei der kollektiven Entscheidung. So stellt sich konkret, die Frage, wer der Nutznießer des G. sein soll (alle oder welche Gruppe), was jeweils dessen Inhalt sei, wer die Lasten tragen soll, die das Gemeinwohl bedingt und wer über die Verteilung dieser Größen und die Kosten des kollektiven Apparates bestimmen soll.

        Ganz allgemein läßt sich empirisch nachweisen, daß der Mensch als homo socialis von Natur aus auf eine Gemeinschaft angewiesen ist, so daß sein persönliches Wohl und das der Gruppenmitglieder in eine lebensfähige Ordnung, die auf moralischen Grundregeln beruht, harmonisch integriert werden müssen. Da das G. zu einer Verwirklichung stets einer (meist aufwendigen) Organisation mit Zwangsgewalt, nämlich des Staates mit Bürokratie, bedarf, ist die Freiheit des einzelnen und damit das Einzelwohl einem starken Entfremdungsdruck durch kollektive Gewalt ausgesetzt, die sich hinter anonymen und formalen Vorschriften verbirgt und die als monopolistisches Kollektiv die Würde des Menschen zu gefährden oder zu mißachten droht.
        [Querverweise:] Selbstinteresse, Ineffizienzkonzepte, öffentliche Verschwendung, Ordnungspolitik, Anreiz- und Sanktionsmechanismen."



    Materialie 02 aus dem Handlexikon der Politikwissenschaft
     

    Stichwort Gemeinwohl, Zusammenfassung  [Autor Kurt L. Shell, 118-119]:

    " Zusammenfassend könnte die Vielfalt der Definitionen des Gemeinwohls in vier Kategorien subsumiert werden (nach Sorauf):

         1. Allgemeinwohl kann bedeuten, daß die Mitglieder einer organisierten Gesellschaft tatsächlich alle gemeinsame Wert- oder Zielvorstellungen besitzen. Dieser empirisch feststellbare Zustand ist jedoch noch nie realisiert worden, da es in jeder Gesellschaft Abweichler oder opponierende Gruppen (z. B. in Kriegszeiten Pazifisten oder Kriegsgegner) gibt. Wird das 'Allgemeinwohl' jedoch zum 'Mehrheitsinteresse', muß die Frage nach seiner Verbindlichkeit gegenüber jenen erhoben werden, die die Auffassungen der Mehrheit über die Substanz dieses 'Wohls' nicht teilen.
        2. Das 'vernünftige' Gemeinwohl. Diese Definition ist nicht an empirisch feststellbare Zustimmung der Mitglieder einer Gesellschaft gebunden, sondern postuliert ein objektiv feststellbares Wohl. Im Konfliktsfall zwischen Gruppen und Individuen, die jeweils für sich Vernunft in Anspruch nehmen - der Regelfall in politischer Auseinandersetzung -, fehlt jedoch der objektive, unparteiische Schiedsrichter.
       3. Das 'moralische' Gemeinwohl ist dem 'vernünftigen' eng verwandt. Eine allgemein verbindliche Wertordnung wird vorausgesetzt; Interessen von Individuen oder Gruppen, die von ihr abweichen, werden als 'unmoralisch', mit dem 'Allgemeinwohl' nicht vereinbar diffamiert.
       4. Das 'Gemeinwohl' als Gleichgewicht von Interessen. Hier wird kein Inhalt postuliert, sondern der Prozeß des Ausgleichs (der Stabilität voraussetzt und fördert) mit den sich jeweils ergebenden Resultaten mit dem 'Gemeinwohl'  gleichgesetzt. Systemstabilität wird zum höchsten Wert; und die Gleichsetzung des Resultates des Kompromißvorganges, das häufig offensichtlich dysfunktional ist, läuft der Definition des Gemeinwohls als 'vernünftige' (sachgerechte) Lösung zuwider." 

    Der Autor problematisiert in seiner Zusammenfassung weiter:  "Müssen wir angesichts der Tatsache, daß der Begriff des Gemeinwohls den unterschiedlichsten Herrschaftsinteressen dienstbar gemacht wurde und ideologiefrei nicht verwendet werden kann, ihn als nutzlose oder sogar gefährliche Leerformel fallenlassen? Die Tatsache, daß er trotz aller gerechtfertigter Kritik immer wieder gebraucht wird und daß selbst Sozialwissenschaftler, die ihn entlarvt zu haben glauben, gezwungen sind, ihn in anderer Form wieder einzuführen (D. Truman), deutet darauf hin, daß er eine - wenn auch keineswegs eindeutige oder von Verwirrung freie - Funktion hat, und zwar sowohl als ein Datum gesellschaftlichen Zusammenlebens wie auch als ein Begriff, der gewisse Aspekte des politischen Prozesses zu fassen und klären hilft. Vielleicht ist es möglich, ihm 'ex negativo' näherzukommen, wenn wir auch nicht erwarten können, den Begriff, der offensichtlich mit Bedeutungen überfrachtet worden ist, mit einem klar umrissenen Inhalt zu füllen.
        Es gibt Verhaltensweisen, die ohne Zweifel als gegen das 'Gemeinwohl' gerichtet beurteilt werden: illegale Bereicherung auf Kosten der Mitbürger, Verfolgung partieller Interessen ohne Rücksicht auf Konsequenzen für Mitbürger oder zukünftige Generationen, Zerstörung von Werten, z. B. durch sinnlosen Vandalismus. Ferner scheint die Unterscheidung, die Rousseau zwischen dem 'allgemeinen Willen' und dem 'Willen aller'  machte, psychisch und moralisch durchaus sinnvoll, wenn auch empirisch (von außen) der Unterschied nicht feststellbar sein mag. Damit ist gemeint, daß wir durch Introspektion feststellen können, ob wir zu einer Stellungnahme aufgrund selbstsüchtiger oder sachfremder, sachgerechter und altruistischer Beweggründe gelangt sind. Die Feststellung: 'das tut mir zwar weh, aber ich gebe zu, es ist notwendig«, drückt den Sachverhalt aus, den Rousseau mit dem 'allgemeinen Willen' (in einer seiner Ausprägungen) umschreibt. Es mag daher sein, daß der Begriff des Gemeinwohls weder durch einen bestimmten Inhalt definiert noch mit einem bloßen Wettbewerbs- und Kompromißprozeß gleichgesetzt werden kann. Vielmehr scheint eine brauchbare, aber reduzierte Bestimmung aus Einsichten verschiedener Theorien wie der Aristoteles' und Rousseaus konstruierbar zu sein. Ausgehend von der Annahme beschränkter individueller Vernunft und der erwiesenen Fähigkeit, partikuläre Interessen als Gemeinschaftsinteressen zu rationalisieren, fordert 'Gemeinwohl', daß alle von politischen Entscheidungen Betroffenen die Möglichkeit haben, ihr Interesse in den Prozeß einzubringen (J. S. Mill: 'Ein Interesse, das sich nicht verteidigen kann, ist immer in Gefahr, übersehen zu werden.'); daß die Forderungen jeder Gruppe öffentlich vorgetragen und begründet werden müssen, was sie dem 'Rationalisierungszwang' unterwirft; und daß die Konsequenzen jeder Entscheidung in ihrer Breiten- und Zukunftswirkung, insoweit sie sachverständig zu klären sind, öffentlich dargelegt werden. Damit wird 'Gemeinwohl' gleichgesetzt mit dem demokratischen Prozeß, der > Öffentlichkeit, Universalität und Verantwortlichkeit beinhaltet, ohne daß gewisse vorgegebene Inhalte postuliert werden. 'Gemeinwohl' bezieht sich demnach in erster Linie auf die Art, wie eine politische Entscheidung zustande kommt, und nicht auf ihren Inhalt, der unvermeidlichen Interessen und Perspektiven enthält, die nicht von allen Bürgern gleichermaßen geteilt werden und deren sachliche Richtigkeit bestenfalls im nachhinein - und dann nie logisch zwingend - erweisbar ist.
        Gemeinwohl, so definiert, setzt allerdings auch eine nicht zutiefst gespaltene >Gesellschaft voraus. Doch erscheint es sinnlos (oder bewußt irreführend), von 'Gemeinwohl' zu sprechen, wo wichtige Bevölkerungsteile der bestehenden Ordnungsstruktur völlig entfremdet und feindlich gegenüberstehen. Andererseits könnte sich der so reduzierte Begriff brauchbar erweisen, um verschiedene gesellschaftliche Verhaltensweisen gegeneinander abzugrenzen, ohne allzuleicht zum Instrument ideologischen Mißbrauchs zu werden."

    Materialie 03 Gemeinwohl nach einem Wörterbuch der Soziologie
     
    "Gemeinwohl, sittl. Wert an sich; spezif. Normen u. Formen des 
    Zusammenlebens der Mitglieder einer Ges.; die funktionsfähige Organisation einer Gesellschaft, in de Weise, daß ihre Mitglieder u. sozialen Gebilde in der Richtung des gemeinsamen Zieles bei gleichzeitiger optimaler individueller Zielrealisierung erfolgreich zusammenwirken; Kategorie zur Charakterisierung der Herrschafts- u. Kooperationsbeziehungen zwischen Staat, Gesellschaft u. den einzelnen Bürgern, wonach der Staat seinen Zweck nicht in sich selbst, seiner Machtentfaltung oder mythischen Erhöhung, sondern in einer für alle (am Bestehen eines solchen Staates interessierten u. tätigen) Bürger optimalen Ordnung findet.
    H. H v. Arnim, Gemeinwohl u. Gruppeninteressen, 1977.

     



    Materialien 04 Hans Herbert von Arnims Arbeiten zum Gemeinwohl

    Gemeinwohl und Gruppeninteressen wurde als Habilitationsschrift vom Juristischen Fachbereich der Universität Regensburg angenommen und 1977 veröffentlicht. Seit bald 30 Jahren gehört der Verfassungs- und Verwaltungsrechtler von Armin zu den profiliertesten Kritikern der Mein-Wohl-Republikaner. Seine Arbeiten wurden von vielen Medien sehr beachtet, u.a. oft im Spiegel, allerdings ohne jede nennenswerte Wirkung. Fast hat es den Anschein als seien seine Arbeiten das Feigenblatt und Alibi der Mein-Wohl-Amigo-Republik. Ein Phänomen ähnlich wie in der Psychoanalyse, wo man offenbar meint, es sei genug, die Kritik zu erwähnen.

    (von Arnim Bibliographie hier)

    Quelle: Gemeinwohl und Gruppeninteressen (1977, S.  5)


    Materialie 05: Die Staatslehre des Aristoteles
    Aristoteles hat grundlegend wichtige Prinzipien formuliert, um den Staat vor Macht-, Geld-, Funktions- Mißbrauch, Plünderung, Verblödung und Verwahrlosung zu schützen. Einen diesbezüglich wichtigen Auszug aus seiner "Politik" finden Sie hier.



    Materialie 06: Stärken und Schwächen von Benthams [2, 3] Gemeinwohlformel

    Bentham definiert kurz und bündig: der Zweck des Staates ist das größte Glück der größten Anzahl. Diese Formel kann, wenn sie sinnvoll spezifiziert wird, dem Gemeinwohlbegriff und seiner Operationalisierung zugrundegelegt werden. Was uns in Benthams Formel fehlt, ist ein wohlverstandenes Glück - also nicht eines, das durch Drogen (Medikamente), Einbildung, Wahnsinn oder Verbrechen zustande kommt - und die Gesichtspunkte der Dauer (lang anhaltend) und Stabilität (mit geringen Schwankungen).

    Ein Staat erfüllt in dem Maße das Gemeinwohl, in dem er die Bedingungen für wohlverstandenes Glück (echtes positives Erleben) dauerhaft und gleichmäßig für eine größtmögliche Anzahl seiner Angehörigen (BürgerInnen) ermöglicht und aufrechterhält.

    Lit: J. Bentham, Jeremy (1789). Eine Einführung in die Prinzipien der Moral und der Gesetzgebung.


    Materialie 07 (Exkurs): Zum Begriff des Gemeinsinns
     
    "Gemeinsinn heißt ursprünglich ein allen Menschen gemeinsames Erkenntnisvermögen, ein Sensus communis oder Common sense, ein gemeiner oder gesunder (Menschen-) Verstand. Kant hat die für ihn entscheidenden Maximen aufgestellt: '1. Selbstdenken; 2. An der Stelle jedes anderen denken; 3. Jederzeit mit sich selbst einstimmig denken' (Kritik der Urteilskraft, § 40). In der Ethik heißt G. jene Einstellung, die sich im Gegensatz zum bloßen >Selbstinteresse auch für das >Gemeinwohl einsetzt u. entsprechende >Verantwortung, auch Einschränkungen auf sich nimmt. In der neueren Sozialtheorie verlangt mehr G. vor allem der >Kommunitarismus. G. zeigt schon, wer sich dank einer Bürgertugend ( >Freundschaft) in gemeinwohlverpflichteten Vereinen engagiert, aber auch wer zu spontaner Hilfe (für den Nächsten u. die Fernsten) bereit ist. Ein weitsichtiger G. setzt sich für entsprechende 
    >Institutionen, vor allem den demokratischen Rechts- u. Verfassungsstaat ein. Er weiß, daß eine >Gesellschaft zwar ihren Lebensunterhalt durch die >Wirtschaft verdient, ihren Zusammenhalt aber durch die >Sprache, das Schul- u. Hochschulwesen, durch >Kunst, >Wissenschaft u. Philosophie. Zum G. in pluralisti- [>90] scher Gesellschaft gehören >Toleranz u. Kompromißfähigkeit, ferner die Bereitschaft, den Einfluß übermächtiger Gruppen zu bändigen. Im modernen Fürsorgestaat droht die Gefahr, daß der freie G. durch einen verordneten, überdies bürokratisierten G. verdrängt wird.
        Lit.: M. Walzer, Kritik u. G., Frankfurt/M. 1993; L. Wingert, G. u. Moral, Frankfurt/M. 1993; Ph. Pettit, The Common Mind, Oxford 1993. E. Teufel (Hrsg.), Was hält die moderne Gesellschaft zusammen?, Frankfurt/M. 1996. O. H."

    Noch einmal hervorgehoben die Kant'schen Merkmale des Gemeinsinns:
     

    1. Selbstdenken; 
    2. An der Stelle jedes anderen denken; 
    3. Jederzeit mit sich selbst einstimmig denken. 


    Gemeinwohl: Entwurf einer operationalen Definition
    Erforderlich ist eine Mathematik und Messung des Gemeinwohls

    "Gemeinwohl" ist z.B. wie "Kindeswohl" oder daraus verallgemeinert das "Lebenswohl" juristisch begrifflich eine sog. Generalklausel, worunter man einen sog. unbestimmten Rechtsbegriff versteht, der jeweils in konkreten Fragestellungen oder Fällen in einer jeweils aktuellen historischen und zeitgeschichtlichen Situation hinsichtlich seiner genaueren Bedeutung zu erarbeiten ist. Ein Begriff vom Typ "Generalklausel" ist nun keineswegs unbestimmt oder völlig willkürlich, wie manchmal behauptet wird. Richtig ist: ein Begriff vom Typ Generalklausel ist nur teilweise bestimmt und teilweise offen in Abhängigkeit von der konkreten Situation und Fragestellung. Gibt es das in der Definitionslehre und Logik? Ein Begriff vom Typ Generalklausel ist nicht streng und vollständig definierbar. Er wird umschrieben und durch eine Reihe von Kriterien gekennzeichnet.

    Die gesamte Gemeinwohl-Diskussion krankt seit Jahrtausenden an der Vieldeutig- und  Unbestimmtheit des Gemeinwohl-Begriffs. Daher ist es erforderlich, eine Arithmetrik des Gemeinwohls zu entwickeln, die erlaubt, die Entwicklung und Ausprägung des Gemeinwohl  zu messen. Es ist klar, daß die Messung des Gemeinwohls auf einen zusammengesetzten Index hinausläuft, in den z.B. folgende Größen (Teil-Indices) eingehen:
     

    • Positive Erlebnisfähigkeit (p+)
    • Lebenszufriedenheit (p+)
    • Arbeitslosenquote (p-)
    • Staatsverschuldung (p-)
    • Neuverschuldung (p-)
    • Privatverschuldung (p-)
    • Staatsquote (p-)
    • Vermögensentwicklung und Vermögensstreuung (p+)
    • Einkommensentwicklung und Einkommensstreuung (p+)
    • Wirtschaftswachstum (p+)
    • Preisentwicklung (p+-)
    • Volksgesundheit (p+)
    • Solidarität (Auskommen und Absicherung der RentnerInnen, Kranken, Behinderten, Arbeitslosen, SozialhilfeempfängerInnen, Spendenbereitschaft) (p+-)
    • Bürokratisierung (p-)
    • Kriminalitätsraten (p-)
    • Durchschnittliche Dividendenzahlungen (p+)
    • Wahlbeteiligung als Ausdruck der Politikverdrossenheit (p-)
    • ...
    • ...


    Allgemein kann eine Formel für einen Gemeinwohl-Index folgende Form haben:

    Forderungen an Wissenschaft, Gesellschaft und Politik

    • Einsetzen einer Arbeitsgruppe zur Gemeinwohl-Index-Definition
    • Aufnahme eines Gemeinwohl-Index in die Arbeit des statistischen Bundesamtes
    • Entwurf einer Gemeinwohl-Index-Benchmark, wonach PolitikerInnen nur gewählt werden können, wenn sie über ein entsprechendes Gemeinwohl-Index-Wissen verfügen und nur dann wiedergewählt werden können, wenn sie in ihrer Gebietskörperschaft eine entsprechende Benchmark im Gemeinwohl-Index vorweisen können: nicht Wahlversprechen und Werbeblasen zählen, sondern ganz konkrete Realergebnisse.




    Linkauswahl zum Gemeinwohl im Internet
    Mit einem Dankeschön an die Leistungsfähigkeit der Suchmaschinen.
     
    • Gemeinwohlforschungsprojekt der Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften: http://www.bbaw.de/forschung/gemeinwohl/
    • Herfried Mönkler / Karsten Fischer Gemeinwohl und Gemeinsinn: http://www.kuenheim-stiftung.de/de/eks/pdf/Artikel_BBAW.pdf
    • Bericht hierzu Perlentaucher: http://www.perlentaucher.de/buch/12120.html
    • WZB-Jahrbuch zum "Gemeinwohl":Begriff mit Konjunktur, aber wenig Kontur: http://www.wz-berlin.de/presse/mitteilungen_2002/jahrbuch.de.htm
    • Friedhelm Neidhardt: Einführung in das WZB-Jahrbuch: http://www.wz-berlin.de/publikation/pdf/wm98/wm98_21-23.pdf
    • Michael Meuser: Zwischen Gemeinwohlorientierung und Gruppeninteressen. Der Gemeinwohl-Topos im Streit um die Gesundheitsreform: http://www.hitzler-soziologie.de/meuser.pdf
    • Eigennutz und Gemeinwohl: http://www.oekom.de/verlag/german/periodika/poe/lese_poe69_dgu.htm
    • Gemeinwohl als Kontingenzformel: http://www.erz.uni-hannover.de/~horster/texte/document3.pdf
    • Reihe „Mönchengladbacher Gespräche“, Bd. 23: Anton Rauscher (Hg.), Politik - Demokratie - Gemeinwohl: http://www.ksz.de/mg-23-Politik.htm
    • Glückskalkül nach Bentham: http://home.arcor.de/whons/pl/bentham.htm
    • Beamte produzieren Gemeinwohl - Nutzen, der sich auf dem Markt nicht kaufen lässt: http://www.oeffentlicherdienst.at/gemeinwohl/
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    Anmerkungen und Endnoten

    ex negativo =: die Angabe dessen, was das zu Definierende nicht "ist" (sein soll). Im eigentlichen Sinne ist das natürlich keine Definition, sondern eine Charakterisierung oder Kennzeichnung.

    Kennzeichnung: Nach Bertrand Russell das Verfahren in der modernen Sprachphilosophie und Logik, richtige Aussagen, die von einem Begriff erfüllt werden sollen, zusammenzutragen. Beispiele: Gemeinwohl ist nicht, wenn die Staatsverschuldung stetig zunimmt. Gemeinwohl ist nicht, wenn PolitikerInnen Vielfachbezüge beziehen. Gemeinwohl ist nicht, wenn Manager- und Aufsichtsratsgagen unabhängig vom Wirtschaftserfolg der Unternehmen und ihrer Leistung erfolgen. Gemeinwohl ist nicht, wenn die Armen und die Reichen immer mehr werden, also die Mitte, die Basis der Gesellschaft schwindet. Gemeinwohl ist nicht, wenn hohe BeamtInnen und PolitikerInnen in wenigen Jahren Amtszeit Pensionsanwartschaften erwerben, die die breite Mehrheit in einem ganzen Arbeitsleben nicht erreichen kann.

    Lebenswohl: Letztlich ist also der Maßstab für das Kindeswohl das "Lebenswohl". Kindheit ist in dem Maße geglückt, wie sie einen Menschen  instand setzt (die Grundlage bietet), als Erwachsener für sein eigenes Wohlergehen sorgen zu können. Quelle

    Operationalisierung: Ein Begriff heißt operationalisiert, wenn man seinen Inhalt (das Operationalisierte) wahrnehmen, zählen oder messen kann.

    echtes positives Erleben Die Bedingung "echt" ist wichtig, da sich unsere Gesellschaft in eine Richtung entwickelt, in der die Fähigkeit zu fühlen zunehmend verloren geht, womit gleichzeitig und entsprechend die künstlichen Gefühlemacher - Medikamente, Drogen aller Art, Ersatz- und Ausgleichshandlungen - zunehmen. Damit einher geht die zunehmende Unfähigkeit, seine eigene Befindlichkeit richtig zu erkennen und zu verstehen, was die Manipulation der Selbst-, Menschen- und Weltbilder sehr erleichtert und eine extreme Anfälligkeit für Falschbekundungen durch Suggestivfragen, Medien und Werbung bewirkt. Die Meinungsforschung ist daher mit größter Vorsicht zu genießen, weil Meinungen allenfalls eine sehr kurzfristige Bedeutung haben.

    p-, p+, p+- Polung. Zunehmende, abnehmende, Grenzen oder Intervalle über- oder unterschreitende    Ausprägungen von Sachverhalten (Merkmalen), können positiv oder negativ, neutral oder gar nicht bewertet werden. Wertet man eine zunehmende Ausprägung, so spricht man von positiver Polung eines Ausprägungssachverhaltes, wertet man eine abnehmende Ausprägung, so spricht von man von negativer Polung eines Ausprägungssachverhaltes.


    Wird gelegentlich überarbeitet, ergänzt und vertieft. Anregungen und Kritik erwünscht.

    Querverweise
    Überblick Programm Politische Psychologie in der IP-GIPT
    * Geld und Finanzen in der IP-GIPT * Wirtschaft in der IP-GIPT * Staatslehre in der IP-GIPT *
     * Einführung und Kritik der Plutokratie der "Deutschland AG". Eine lernpsychologische und verhaltenstherapeutische Kritik. * Geldtabu * Staatsverschuldung: 1, 2 * Privatverschuldung * Psycho-patho-logie des Geldes: 1, 2
    * Neid Mißgunst Gier Soziale Gerechtigkeit Vernunft *
    Grundprobleme in Deutschland: Programm 21. Jhd. * Materialsammlung zur Oligarchie * Zeit zum Handeln?
    Der Mißbrauch der Freiheit in der Amigo-Republik * Das Geldtabu der Amigo-Republik *


    Zitierung
    Sponsel, Rudolf (DAS). GeMEINwohl. Ein wichtiger Grundbegriff für eine an Fairneß, Gerechtigkeit und Vernunft orientierte stabiliole Gesellschaft entgegen der Mein-Wohl-Amigo-Republik. Materialien und Dokumente zur Staatslehre. Mit einer operationalen Formel zur Quantifizierung eines Gemeinwohl-Indexes und Benchmarkkriterien zur Wahlfähigkeit von PolitikerInnen. IP-GIPT. Erlangen: http://www.sgipt.org/politpsy/staatsl/gemeinw.htm
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