Wachstum -
Kritische Reflexionen zu einem äußerst fragwürdigen
Konzept
von Rudolf Sponsel, Erlangen
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Vor 30 Jahren schrieb der Physiker Werner Braunbek sein kritisches Buch
zu dem äußerst fragwürdigen wirtschaftspolitischen Konzept
des Wachstums. Er schrieb damals im Vorwort [Tübingen im September
1972] gerade zu einer Zeit als der Club
of Rome seine kritische Veröffentlichung herausgab:
| "Das auf weite Sicht bedrohlichste Geschehen der Gegenwart
ist das hemmungslose Wachstum der Zahl der Menschen, die unseren Planeten
bewohnen, schlimmer noch das ihrer Ansprüche, des Verbrauchs von Rohstoffen
und Energie, der mannigfachsten wirtschaftlichen Größen. Von
jenen krankhaften Wachstumsprozessen
will das vorliegende Buch eine eindringliche Darstellung geben. Es erweist
sich, daß sie alle mehr oder weniger genau einer Formel folgen, die
der Mathematiker als Exponentialformel
bezeichnet
und deren Steigerungstempo früher oder später jedes vernünftige
Maß mißachtet. Die unheimliche Wachstumsformel ist der schwerste
Schatten über der Zukunft der Menschheit.
Viele Bücher sind, seit die Bedrohung bemerkt wird, über die Bevölkerungsexplosion, über den Verschleiß von Rohstoffen und Energie und über die Zerstörung unserer Umwelt geschrieben worden. Dieses hier hebt sich von den meisten von ihnen ab, weil sämtliche Anstiegsvorgänge quantitativ der gemeinsamen These des exponentiellen Aufschwungs eingeordnet werden. Ein ähnliches Ziel setzt sich das im Frühjahr 1972 (als das Manuskript des vorliegenden Buches zu zwei Dritteln fertig war) erschienene Buch von Dennis Meadows »Die Grenzen des Wastums« (Stuttgart 1972), in dem die Resultate einer [>8] vom »Club of Rome« veranlaßten Untersuchung einer Gruppe von Wissensdlaftlern niedergelegt sind. Während dort jedoch, berechnet mit dem Computer, Weltmodelle mit verschiedenen Annahmen verschiedene Entwicklungen vollziehen, die fast alle in eine Katastrophe führen, ruht hier der Hauptakzent auf dem Lauf der Dinge in den eben verflossennen Jahrzehnten, der freilich zu demselben unheilvollen Schluß zwingt, falls nicht in kürzester Frist eine Umkehr beginnt. »Stürzt den Götzen Wachstum!« muß
die Parole lauten, will die Menschhheit noch mehr als ein halbes Jahrhundert
bestehen. Die ersten notwendigen Schritte sind die Aufklärung einer
breiten Öffentlichhkeit über die Gefahr und der Abbau psychologischer
Schranken gegen wirksame und natürlich schmerzliche Maßnahmen."
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| Eine weitgehend inkompetente
und korrupte Politik - wie eindrucksvoll an der völligen Verlotterung
der Grünen in Deutschland sichtbar wird - und ebenso unfähige
wie willfährige sog. Wirtschafts-
WissenschaftlerInnen sind verantwortlich für den auf lange Sicht
immerwährenden desolaten Zustand der Weltwirtschaft und der Menschheit.
Immer
mehr, so verlangt die hemmungslose Gier,
wie sie der Leit-Finanzvampir der Weltwirtschaft, die USA
offenbar nicht nur verinnerlicht haben, sondern auch dem Rest der Welt
aufdrängen wollen. Nahezu die gesamte Wirtschafts- Wissenschaft steht
im Dienste dieser hemmungs-, verantwortungslosen und asozial- egomanischen
Gier. Betrug, Bilanzfälschungen, Korruption,
Selbstbedienung,
gigantische Schuldenberge, schöner Schein, blenden, bluffen, tricksen,
künstliche Konsumanheizung und eine hemmungslos verlogene
Werbung bestimmen die Hollywood- Demokratien, die nur frankenstein-
marionettöse Mediokratien in der Hand globaler Geldoligarchen
sind.
Aber: Was ist aus den Prognosen geworden? Querverweis: Schaubilder und Tabellen zu Wachstumsprozessen. |
Aus Braunbek 1973, S. 13 |
Eine Wirtschaft, Gesellschaft und Politik, die auf Pseudowachstum, Kunstwachstum, Scheinwachstum, Plunder-; Luft- und Seifenblasenwachstum ['New Economy', besser Dumpfbacken Economy] aufgebaut sind, wird und muß langfristig scheitern, es sei denn, man plündert Ärmere und Schwächere aus: dies scheint das Konzept der Globalisierung [Definition, Globalplayer, Erfindung und Sinn der Globalisierung I, II, III, IV, V., Schwarzbuch, Begriffe, Grundprobleme der Menschheit, Vorbilder und Alternativen.] zu sein.
| Wachstumprozesse sind ganz normale Phänoeme in der Natur, im Kultur-, Wirtschafts- und Sozialleben. Gefährlich wird es, wenn die Problemgrößen schneller wachsen als die Ressourcengrößen. Entscheidend und problematisch ist also das Verhältnis der verschiedenen Wachstumsgrößen: wie schnell wächst was? Hierzu ein anschaulicher Querverweis: Mathematisch-ökonomische Analyse der Kostenexplosion im Gesundheitswesen in Beziehung zum Wachstum des Bruttosozialprodukts. Informativ auch das Wachstum der Arztdichte in Deutschland [Wir haben nicht zu wenig ÄrztInnen, sondern zu viel, aber wir haben zu wenig auf dem Lande, in den Krankenhäusern und in den neuen Bundesländern. Die ÄrztInnen sind durch eine seit Jahrzehnten verfehlte Gesundheitspolitik nur falsch verteilt.] |
Als erstes müssen wir eine wichtige Unterscheidung treffen: gesundes, normales und natürliches G-Wachstum gegenüber krankem, falschem, unnatürlichen und destruktiven K-Wachstum. Wachstum ist sozusagen nicht gleich Wachstum. Bläht jemand den Umsatz auf, indem er seine Produkte unter Wert verkauft, so mag das Unternehmen zwar expandieren und wachsen, es würde aber niemand auf die Idee kommen, zu mutmaßen, dies sei etwa gesundes Wachstum: binnen kurzem wird es Konkurs anmelden müssen. Immer mehr Staatsschulden kann nur von partiell geschäftsunfähigen PolitikerInnen - angefangen bei Land- und StadträtInnen, über BürgermeisterInnen zu den Abgeordneten, MinisterInnen, Präsidenten, Kanzler und ihre Amigos - durchgesetzt werden, toleriert von einer offensichtlich diesbezüglich ebenso partiell geschäftsunfähigen Justiz, flankiert von partiell geschäftsunfähigen Wirtschaftsmedien und fundiert durch partiell geschäftsunfähige WählerInnen. Das nennt sich dann (Hollywood-) Demokratie. Manipulation und Werbung, beruhend auf Suggestion sind künstliche Methoden für eine künstliche Prosperität von Luft- und Seifenblasenwirtschaften, so etwas muß periodisch schief gehen. Aber so ist die US- und die von ihr dominierte Welt- Wirtschaft aufgebaut. - denn offenbar ist Gott zum Amerikaner konvertiert.
| Brainstorming: Die Hälfte aller Wirtschaftsinstitute schließen und einen unabhängigen Rat von 17 VertreterInnen des gesunden Menschenverstandes mit einem 140 < IQ > 110 als zweite Kammer in die Verfassung einführen, ausgestattet mit mehr Kontroll- Rechten als FBI, KGB, Mossad und CIA zusammen genommen und einem Vetorecht zu allen Gesetzen und Verordnungen, einschließlich dem Recht, mit 2/3 Mehrheit unfähige Bundeskanzler und andere Führungspersönlichkeiten absetzen zu können (analog den Ephoren in Sparta). Dafür Abschaffung des formalen Föderalismus; er taugt ohnehin nur als Finanz- und Blockade-Krake, also nichts. Im übrigen wäre eine Wiederbelebung alter preußischer Staatstugenden nicht schlecht, z.B.: Gemeinwohlbindung, Pflicht, Treue, Ehre, Können, (echte) Bescheidenheit, Gerechtigkeit. Es fehlt der Wirtschaft und der Wirtschaftspolitik an gesundem Menschenverstand (Vernunft), an langfristiger und solider Planung, an Stabilität - statt Luft- und Seifenblasenpseudokonjunkturen - und Kontinuität, an gesamtmenschlicher Solidarität (die Ressourcen gehören allen). Leistung muß in der Tat belohnt werden, bei uns aber werden die Versager und Missmanager belohnt. Wer Mist macht auf höherer Ebene wird in diesem Lande gnadenlos generös abgefunden, eine gesellschaftliche, pädagogische und psychologische Paradoxie und Absurdität, die ihresgleichen sucht. |
Andere Aspekte, Verwandtes, Randgebiete und Sonderheiten:
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Erst wenn
der letzte Baum gerodet, der letzte Fluß vergiftet, der letzte Fisch gefangen, werdet ihr feststellen, daß man Geld nicht essen kann! |
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