Werbungsmanipulation am Beispiel Deutsche Banken1)
- In dubio contra populum
Wie die Werbung unterstützt von Politik, Justiz
und Geldmacht zum Schaden der VerbraucherIn und BürgerIn perfekt zusammenspielen
von Rudolf Sponsel, Erlangen
Erstausgabe 27.1.2002, Letzes Update TT.MM.JJ
Überblick - Inhaltsverzeichnis
Einführung
in die gesellschaftliche
Seele der Wirtschaft: die Werbung am
Beispiel Deutsche Banken (EN1). Das neue
Motto einer morbiden und maroden Republik: Leben Sie jetzt - zahlen Sie
später oder nie.
Beispiele,
Analyse und Kritik der Bankenwerbung am Beispiel von 16 Citibankprospekten
Einführung in die gesellschaftliche Seele der Wirtschaft: die Werbung am Beispiel Deutsche Banken (EN1).
Unsere Gesellschaft ist über weite Strecken eine Suchtgesellschaft: Konsumsucht, Alkohol- und Drogensucht, Geldausgebesucht, Kaufsucht, Renommiersucht, Prunksucht, Egosucht, Naschsucht, Zigarettensucht, Freßsucht, Scheinsucht, Großmannssucht, Besitzsucht, Habgier und Raffsucht sind offenbar wesentliche Stützen des Staates in der Gestaltung und Förderung des "Wirtschaftsrahmens". Der Seelenmotor dieser "Wirtschaftskonzeption", die im Grunde keine ist, ist die Werbung (Generalklausel § 3; Aufgabe). Diese soll hier am Beispiel der Citibank stellvertretend für alle deutschen Banken und Kreditinstitute und die Wirtschaft insgesamt einer polit-psychologischen Analyse und Kritik unterzogen werden.
Und auch die Justiz hilft kräftig mit. Ein einzigartiger Filz der Geld-, Macht- und Medienoligarchie, die sich scheinheilig rechtsstaatliche Demokratie zu nennen pflegt, verblendet von der hohlen Ideologie Wachstum, Wachstum über alles, ohne alle Skrupel die Schwächeren oder Schlichteren zu verführen und auszubluten, wird mit einer einzigartigen verlogenen und sachlich falschen Werbepropaganda, wie sie für die gesamte Wirtschaft kennzeichnend und typisch ist, der Verbrauchergeist derart vernebelt, daß immer mehr ihren Lebenszweck und ihr Erwerbsdasein an Bank- und Wirtschaftsinteressen verlieren. Und die Justiz sorgt dafür, daß diese Ausbeutung und Lügenpropaganda auch rechtens und selbstverständlich "verfassungskonform" ist. Dafür war die Justiz schon immer bestens ausgerüstet: verfaulte Machtstrukturen abzusichern. Es gibt kein wichtigeres Recht kapitalistischer Marktgesellschaften, als die VerbraucherIn mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zum Konsum zu drängen, ja sie davon abhängig zu machen. So wundert sich denn niemand, daß der Verbraucherschutz in dieser maroden Republik eine einzigartige Farce ist, wobei es ein ironischer Treppenwitz der Zeitgeschichte zu sein scheint, daß zur Zeit (01/2002) - wenn auch vermutlich nicht mehr lange - ausgerechnet die "Grünen" einem Ministerium vorstehen, das angeblich für den Verbraucherschutz zuständig sein soll. Nie wurde die VerbraucherIn mehr in die Irre geführt und nachgerade systematisch anmutend vergiftet durch Lebensmittel und Verbrauchsgüter wie in diesen Jahrzehnten der Konsum- und Globalisierungs-Antikultur.
Oberste Aufgabe der Justiz scheint es in diesem Bereich daher zu sein, entsprechende "rechtliche" Rahmenbedingungen bereit zu stellen. Konkret heißt das: beim Werben darf nicht nur gelogen werden, daß sich die Balken biegen, nein, es ist geradezu Staats- und Justizaufgabe, den Konsum zu fördern, anzukurbeln, welch "Plempel" und Unsinn auch immer aufgeschwatzt wird, Hauptsache es wird gekauft, Hauptsache es wird gepumpt, Hauptsache Geld fließt, Hauptsache Wachstum und sei es auch noch so ein Blödsinn.
Mit diesem System einher geht eine
ebenso hemmungslose Staats- wie
Privatverschuldung.
Galt Deutschland einst vor 40 Jahren als Wirtschaftswunderland, so kann
man es nun als Schuldenwunderland bezeichnen: die Banken machen's möglich,
aber natürlich nicht allein: Verantwortungslose teilweise partiell
geschäftsunfähig anmutende PolitikerInnen,
Raffer, Korrupte und Inkompetente
haben sich verbündet, diesen Staat und die Anständigen zu schröpfen
wie und wann es nur geht. Nichts bräuchte diese Republik daher so
sehr, wie den Aufstand der Anständigen.
Beispiele, Analyse und Kritik der Bankenwerbung am Beispiel Citibankprospekte 1)
Eine zentrale und geradezu symptomatische Bedeutung nimmt daher die Werbung der Banken zur Handhabung des Geldes ein. Wir wollen daher im folgenden mit Beispielen der Citibank o.B.d.A. (EN), die für alle Bankengruppen und die Werbewirtschaft insgesamt stehen, psychologisch analysieren, was die psychologische Botschaft dieser Werbung ist. Unverständlich muß bleiben, wie das deutsche "Recht" solche exzessiven Irreführungen und manipulative Verführungen nicht nur dulden kann, sondern offensichtlich sogar unterstützt und fördert nicht nur durch Nachtwächterverhalten, Passivität und Gewährenlassen, sondern obendrein noch für Rechtens erklärt.
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Hier wird ganz offen Lebensfreude und Partnerglück mit der Illusion verknüpft, daß es gar kein Problem sei jetzt richtig zu leben - was heißen soll Geld auszugeben - weil man ja ganz einfach später zahlen könne. Die Botschaft heißt, genieße den Augenblick mit Schulden. Zurückzahlen kannst Du ja ganz "einfach" später. Damit wird Leben auf Pump und Schuldenmachen mit Lebensfreude Glück und Liebe identifiziert. Es wird suggeriert, daß finanzielle KREDITFreiheit Lebensfreude, Glück, Liebe und Partnerschaft fördert. Wie viele Partnerschaften an ihren finanziellen Problemen zerbrechen, die so erzeugt werden, wird natürlich nicht mitgeteilt, ebenso wenig die gigantischen Probleme, die mit der öffentlichen und privaten Verschuldung einhergehen. |
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Hier wird mehrfach manipulativ suggeriert: (1) Es gäbe ein sorgenfreies Leben und damit implizit (2) ein solches wäre wünschenswert (was dazu führen würde, daß man sich nicht mehr bewähren und behaupten müßte und damit langfristig in die Gefahr geriete, ansprüchlich, träge, illusionistisch, verweichlicht und schwach zu werden). (3) "Dazwischenkommen" müsse nicht nur keine Sorgen bedeuten, sondern bedeute sogar ein glückliches Lebensgefühl, sofern eine Restschulden- Versicherung abgeschlossen wurde. Damit wird die Illussion genährt, man könne sich nicht nur gegen alles versichern, sondern dies sei auch sinnvoll und koste so gut wie nichts. |
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Hier wird suggeriert, daß eine Kreditkarte mit Sicherheit auf die Sonnenseite des Lebens führt, wobei die Kosten und möglichen Folgen verschwiegen werden. Außerdem hat Sicherheit eine mehrfache Bedeutung und steht im krassen Widerspruch zu den Tatsachen, daß Verschulden eben nicht nur keine Sicherheit bedeutet, sondern auch erhebliche Belastungen und Kosten mit sich bringt. Im Falle der Staatsverschuldung des Bundes sind es im Jahre 2001 "nur bescheidene" 80 Milliarden Zinszahlungen, 1/6 des gesamten Bundeshaushalts gewesen. Die Rose als Symbol der Liebe und damit wesentlichen Lebensglücks hat nun mit Kreditkarte und Verschuldungsfähigkeit nicht nur gar nichts zu tun, sondern bedeutet als Sorge um die Tilgung einer Hypothek eher das genaue Gegenteil. |
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Kredite sind dazu da, etwas Verrücktes anstellen zu können. Klar, daß Verrücktes tun Geld erfordert. Die Suggestion von Luxus, Licht, Entspannung und Lebensfreude im verrückten Schaumbad assoziiert mit Kredit nährt die Illusion, man müsse mit Geld und Schulden verrückte Dinge tun können. Zum Un- und Außergewöhnlichen gehöre Geld, das man gar nicht wirklich zu haben braucht, Hauptsache, man hat Kredit. Irrational, spontan, verrückt handeln mit dem Medium Geld und Kredit wird hier als Lebenswert suggeriert, dessen Ziel offensichtlich einsam narzißtische und egozentrische Selbstverwöhnung in schaumbadiger Kerzenlicht- Umnachtung zu sein scheint. |
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Sofort und gleich, niemals warten, jetzt, in diesem Augenblick, wann immer Du Geld brauchst, du kannst es sofort haben; es scheint auch nichts zu kosten und keinerlei Probleme mit sich zu bringen. Es bringt Dir ganz einfach und sofort Liebe, Partnerglück, unbefangene Freizeit und Urlaub in schönster Umgebung am Meer. Glück und Liebe auf Pump, sozusagen auf Zeit. Bezahlt wird, falls überhaupt, natürlich später, sonst macht es ja keinen wirklichen Spaß. Glück, Liebe, Urlaub, Freizeit: dafür braucht man Kredit, sofort, das ist die Botschaft der Ungeduld und der Impulsivität, die Verneinung jeglicher Frustrationstoleranz. |
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Hier wird suggeriert, mit noch mehr (Zusatzkarte, Gold) Schuldenmachen können, mit noch mehr Kreditfähigkeit, ist man sogar - endlich - in der Lage, seiner PartnerIn einen Antrag machen zu können. Liebe und Partnerglück werden mit Geld und Kreditrahmen verknüpft. Hieß es früher: Kannste was, haste was und haste was, biste was, so lautet dieses Motto nun: scheinste was, schuldeste was, dann biste was. Der Kredit erst, die Schulden machen Dich zum vollwertigen Menschen. Kannst Du Schulden machen, kannst Du glücklich sein. Das für Dispokredite um 15% (01/2002) und mehr wucheranmutende Zinsen zu bezahlen sind, wird natürlich nicht gesagt. |
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Die Suggestion verknüpft Freiheit, Mut, ja Tollkühnheit, Abenteuer, Macht, Jugend, Stärke und Flexibilität mit dem Sofort-Kredit. |
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Der Sofort Kredit scheint ebenso flexibel und plötzlich, "spontan wie das Leben" verfügbar. Er scheint nichts zu kosten, er scheint nicht zurückzahlbar, das Objekt der Begierde, hier eine Couch in der Farbe des Lebens und der Liebe, ist sofort, ganz spontan zu haben. Keine Sicherheiten, keine Prüfungen. Jeder kann den Sofort Kredit haben, doch wer zahlt die Pleiten? Darüber erfahren wir nichts. Sich auf Pump etwas leisten können, sofort und beliebig, "einfach flexibel, so spontan wie das Leben" lautet diese Suggestion. Alles, besonders der Pump, ist ganz einfach, mühelos, selbstverständlich. |
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In diesem Werbebild gibt es keine Suggestion zum Schulden machen. Aber die Suggestion Auf nichts verzichten ist im Grunde ein Eingriff in die persönliche Autonomie und die Förderung einer Einstellung, die den Tatsachen und aller Lebenserfahrung widerspricht. |
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Die Suggestion legt eine finanzielle Allmachtsillsuion nahe: man könne alle Immobilien kaufen, auch wenn damit Fondanteile gemeint sind. |
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Hier wird suggeriert, es sei erstrebenswert, in allen nimm's mit ... Shops noch bequemer einkaufen zu können. Implizit wird Bequemlichkeit als Lebens- und Selbstwert verkauft. Wer nämlich über eine solche Kreditkarte einkaufen kann und darf, könne sich als eine Besondere fühlen. Daß die Karte und ihre Nutzung auch etwas kosten und eine ganze Reihe von Nachteilen mit sich bringen kann, erfährt man hier nicht. |
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"Wind in den Haaren und Geld in der Tasche. Das nenne ich Freiheit!" Schönheit, Lebensblüte, Lachen, Lebensfreude werden mit dem Sofort Kredit verknüpft. Im allgemeinen bedeuten Schulden keine Freiheit, sondern Bindung und Verpflichtung. Es wird also genau das Gegenteil von dem suggeriert, was die Realität ist. Zudem wird die Illusion genährt, daß Schuldenmachen mit Sofortkrediten Freiheit, Schönheit, Lebensblüte und Lebensfreude hervorrufen. Das mag zwar für den Moment und kurze Augenblicke richtig sein, aber nicht für die mittlere und lange Sicht. Von den Kosten und Folgen erfährt man in diesem Bild auch nichts. |
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"... und meine Bank trägt das Risiko." Eine ganz offensichtliche irreführende Falschsuggestion. Daß sie es sich teuer bezahlen läßt und daß dies natürlich die KundInnen bezahlen, ist die Wahrheit. Hier wird die Illusion erzeugt, als seien unternehmerische Investitionen ohne jedes Risiko, weil es die Bank trage. |
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Die Suggestion besagt: Wer über das "Formel 1 Girokonto" verfügt, kann die Augen beruhigt und - quasi im blinden Vertrauen - selig lächelnd über Schmetterlinge schließen, zumal ein "Kostenloser Kontenwechsel Service" dafür sorgt, daß man ohne jegliche Kosten in den Genuß eines solchen Formel 1 Girokontos kommen kann, womit offenbar die Spitzenliga der Girokonten behauptet wird. Die meisten anderen befinden sich damit implizit in niederen Rängen. |
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"Alles ist drin!" Diese vieldeutige
und mehrfach falsche Suggestion nährt die illusionistische Wunschvorstellung:
Alles
ist möglich, alles geht, alles ist machbar. Sie knüpft
an tiefsitzende Allmachtswunschphantasien an und gaukelt vor, mit Kreditkarte,
Geld, Schulden könne alles, was das Herz begehrt, bewirkt werden.
Die Botschaft dieser Suggestion ist natürlich falsch und zudem paradox
zum Bildinhalt - in einer konkreten Schachtel kann nicht alles
drin sein - , was zu einer Verstärkung der Wirkung führen kann,
weil paradoxe Verstrickungen mit einer besonderen Bindung einhergehen können.
Die beiden suggestiv- irrationalen Zentralanker sind alles
und drin.
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Im Prinzip die gleiche Botschaft und die gleiche Irreführung wie in "... und meine Bank trägt das Risiko". Wenn die Bank eine Sicherheit garantiert, dann kostet diese Sicherheit etwas und diese Sicherheit bezahlen im allgemeinen nicht die Aktionäre der Bank, sondern die KundInnen. Das aber wird hier verschleiert. Es wird - ausgerechnet im Kontext Börse - suggeriert, als gäbe es ein Börsenengagement, das ohne jedes Risiko sei. Schon die Verknüpfung Börse und risikolos ist eine grobe und m. E. sittenwidrige Irreführung. Hier wird nämlich die allgemeine Botschaft verkündet, Börsengeschäfte könnten auch risikolos sein. Das aber ist nicht möglich. Bestenfalls schein-risikolos mag ein spezielles Geschäft mit der Bank sein. Dann muß dies aber in der Werbung auch zum Ausdruck kommen. Eine korrekte Information wäre wohl: Wir haben für Sie einen Anlageweg fast ohne Risiko, es sei denn, wir gehen in den Konkurs oder es droht Inflation, doch je sicherer die Anlage, desto geringer die Rendite. |
Die Werbung ist weitestgehend auf Irreführung und
Manipulation der VerbraucherIn aufgebaut und gehört daher als Verstoß
gegen die guten Sitten verboten. Das sog. Wettbewerbsgesetz ist daher abzuschaffen
und durch ein Informationsgesetz für die Wirtschaft (InfGW)
zu
ersetzen, das die VerbraucherIn vor Irreführung und Manipulation schützt
mit den beiden Schwerpunkten:
| Werbung mit schockierenden Bildern nicht verfassungswidrig. Werbung mit schockierenden Bildern von ölverschmierten Enten, Kinderarbeit oder Aids-Kranken ist erlaubt. |
| "Wozu Menschen in ihrem Verhalten gebracht werden können durch geeignete Situations- bzw. Feldgestaltung, ist eine zentrale sozialwissenschaftliche Frage von eminent praktischer Bedeutung. Eine unübersehbare Anzahl experimentalpsychologischer Versuche z.B. Iegt die Vermutung nahe, daß Menschen zu jedem denkbaren Verhalten gebracht werden können, zu dem sie fähig sind, wenn es gelingt, das entsprechende soziale Feld zu erzeugen." |
end-korrigiert: irs 27.1.2