Internet Publikation für Allgemeine und Integrative Psychotherapie
    IP-GIPT DAS=26.08.2006 Internet-Erstausgabe, letzte Änderung 26.9.6
    Impressum: Diplom-PsychologInnen Irmgard Rathsmann-Sponsel und Dr. phil. Rudolf Sponsel
    Stubenlohstr. 20     D-91052 Erlangen * Mail:_sekretariat@sgipt.org_ Zitierung  &  Copyright

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    Willkommen in unserer Abteilung Abstrakte Grundbegriffe aus den Wissenschaften (Analogien, Modelle und Metaphern für die allgemeine und integrative Psychologie und Psychotherapie sowie Grundkategorien zur Denk- und Entwicklungspsychologie):

    Spiritualität
    Eine psychologische Untersuchung
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    Zusammenfassung: Jeder Mensch ist seiner Natur nach spirituell (geistig), sofern er Sinn und Wert sucht. Spiritualität ist weder eine eigentlich esoterische noch religiöse Praktik, sondern eine grundlegende Dimension des Menschseins. Damit ist Spiritualität auch kein Reservat von Gurus, Religionsstiftern, Propheten oder Priestern, sondern von jederfrau. Ein genauerer Definitionsvor- schlag wird gemacht. Auf die Psychoszene und das Begriffsumfeld wird eingegangen.

    von Rudolf Sponsel, Erlangen
    Querverweise


    Überblick
    • Zusammenfassung.
    • Einführung.
      • Vorbemerkung: Spiritualität - Ein Wort macht Karriere.
      • Die Wortgeschichte der Spiritualität im Deutschen.
      • Das Wort.
      • Begriffs- und Bedeutungsgeschichte der Spiritualität im Zusammenhang Kosmologie.
      • Das Begriffsumfeld (Glossar): Aberglaube, Esoterik, Existenzielle Psychotherapie, Frömmigkeit, Geister, Geistig / geistig, Glauben / glauben, Gott, Grenzwissenschaften, Heilkunde, Himmel und Hölle, Ideologie, Kult, Logotherapie, Magie, Metaphysik, Mystik, Okkult / Okkultismus, Parapsychologie, Philosophie des Geistes, Placeboeffekt, Psychomoden, Psychoszene, Psychotherapie, Reflexivität, Religion, Ritual / Ritus, Seelsorge, Sekte, Sinn, Spiritismus, Teufel, Voodoo (Tod), Weltanschauung, Zauberei.
    • Ausgangsmaterialie: Die Spiritualität der Weltkulturen.
      • 1. Indische Spiritualität.
      • 2. Buddhistische Spiritualität. 
      • 3. Chinesische Spiritualität.
      • 4. Japanische Spiritualität.
      • 5. Afrikanische Kulturen. 
      • 6. Kulturen des Alten Orients. 
      • 7. Alteuropäische Kulturen. 
      • 8. Griechisch-römische Kultur. 
      • 9. Spiritualität der Stammeskulturen. 
      • 10. Spiritualität des Judentums.
      • 11. Spiritualität im Alten Testament. 
      • 12. Spiritualität des Islam.
      • 13. Frühes Christentum.
      • 14. Christliche Spiritualität. 
      • 15. Spiritualität der Esoterik.
      • 16. Neue Religiosität.
    • Auf dem Wege zu einem Definitionsvorschlag von Spiritualität.
      • Wirklichkeit, Wahrnehmung, Informationsverarbeitung, Sprache, Kommunikation.
      • Vorüberlegungen zum Definitionsverständnis und Definitionsverfahren.
      • Der reale und nominale ("imaginäre") Teil einer Definition.
      • Definitionsvorschlag Spiritualität.
    • Spiritualität und Religion.
    • Spiritualität im Alltag.
    • Spiritualität in der Psychotherapie.
    • Literatur (Auswahl).
    • Links (Auswahl: beachte).
    • Glossar, Anmerkungen und Endnoten.
    • Änderungen.
    • Querverweise.
    • Zitierung.



    Einführung

    Vorbemerkung: Spiritualität - Ein Wort macht Karriere.
    Im christlich orientierten, teilweise falsch-informativen Lexikon der Sekten ... von Gasper et al. (1995, Spalte 1009) wird ausgeführt: "Das Wort Spiritualität ist im Deutschen erst seit etwa 1960 üblich. Bis dahin verwendete man andere Begriffe: geistliches Leben, Streben nach Heiligkeit, nach Vollkommenheit, Frömmigkeit sowie Askese (und Mystik). In einem umfassenden Sinn kann man mit H. U. v. Balthasar Spiritualität als „jene praktische oder existentielle Grundhaltung eines Menschen" bezeichnen, „die Folge und Ausdruck seines religiösen - oder allgemeiner, ethisch-engagierten Daseinsverständnisses ist: eine akthafte und zuständliche (habituelle) Durchstimmtheit seines Lebens von seinen objektiven Letzteinsichten und Letztentscheidungen her". Dieser Text ist in seiner inhaltlichen Kernaussage weder besonders verständlich noch besonders richtig - bis auf die Tatsache, dass der Wortgebrauch Spiritualität neu aufgekommen ist und sehr stark zugenommen hat. Doch die neue Mode eines Wortes - Worte sind ja nichts anderes als die Kleider der Begriffe und der sie kennzeichnenden Sachverhalte - muss nicht bedeuten, dass auch ein neuer Sachverhalt und mit ihm ein neuer Begriff entstanden ist. Vergegenwärtigen wir uns einfach, dass der Mensch schon immer nach Sinn sucht, ja, sofern er mit anderen zusammenlebt, sogar notwendigerweise nach Sinn suchen muss, um das Zusammenleben zu regeln und zu organisieren, wird sofort klar, dass Spiritualität nichts Neues bedeuten kann. Um dieser Frage nach der Bedeutung neuer Begriffskleider, hier des Wortes Spiritualität, vertiefter nachzugehen, habe ich eine etwas umfangreichere Literaturliste zusammengestellt. Beispielhaft werde ich die Arbeit von Möde (2000, Hrsg.) Die Spiritualität der Weltkulturen als Ausgangsmaterialie für eine Definition von Spiritualität etwas genauer analysieren.

    Die Wortgeschichte der Spiritualität im Deutschen
    Alois Wolkinger führt hierzu aus [Q; Frömmigkeit: kritisch hierzu]: "Spiritualität hat von der Wortbedeutung her im weitesten Sinn einfach etwas mit Geist zu tun, und damit auch mit Geistbegabung, Geistesfülle, Begeisterung, Inspiration (Eingebung, Erleuchtung, „Negro Spirituals“). Ja sogar der Spiritus (Weingeist), der „Sprit“ im Auto und nicht zuletzt das Coca-Cola-Getränk „Sprite“ erinnern noch daran.
    Nach Aimé Solignac besitzt der Begriff „spiritualitas“ drei Hauptbedeutungen:
    „1. eine religiöse, angewandt auf verschiedene Aspekte des christlichen Lebens (allgemeiner Gegensatz: ‘carnalitas’);
    2. eine philosophische, die die Seins- oder Erkenntnisweise der immateriellen Wesen bezeichnet (Gegensätze ‘corporalitas’, ‘materialitas’);
    3. eine Bedeutung, die man die rechtliche nennen könnte und die die Gesamtheit der ‘spiritualia’ (im Gegensatz zu den ‘temporalia’) bezeichnet: kirchliche Ämter, Verwaltung der Sakramente, Rechtsprechung, Kultstätten und -gegenstände, geweihte Personen (Geistliche, Ordensleute).“ 1
    Der Begriff der Spiritualität kommt aus dem Französischen und ist ein Kind des 20. Jahrhunderts; im Deutschen taucht er erstmals erst Ende der Fünfzigerjahre auf. In der dritten Auflage des großen sechsbändigen evangelischen Lexikons „Die Religion in Geschichte und Gegenwart“ (RGG: 1956 - 1962) fehlt das Stichwort völlig. Die zweite Auflage des Lexikons für Theologie und Kirche verweist im Band IX (1964) unter dem Stichwort Spiritualität auf den Begriff Frömmigkeit. Der Große Brockhaus führt das Stichwort Spiritualität erstmals erst in der 17. Auflage (Bd. XVII [1973] 748) an.
        Das Spektrum des Spirituellen ist - wie auch schon die Wortbedeutung erkennen läßt - außerordentlich weit. Es reicht von der Geister- und Totenbeschwörung, Spiritismus, Exorzismus, Geistheilung, über Wahrnehmung und Unterscheidung der Geister, geistliche Begleitung bzw. Führung und Übung (Exerzitien) bis hin zu Neuen Geistlichen Bewegungen und zur Geistlichen Kommunion.
    Heute ist Spirituelles darüber hinaus zu einem vielfach verschwommenen Modewort geworden, läuft unter den Oberbegriffen Esoterik und Lebenshilfe und ist auch bereits in nahezu allen profanen Bereichen präsent."
        Es mag zwar richtig sein, dass das Wort seit den 1960er Jahren erst in Mode kam. Aber es ist weder als Wort [Eisler] noch als Begriff neu.

    Das Wort.
    Im Philosophischen Wörterbuch von Schmidt und Schischkoff (1961) wird ausgeführt zu den Begriffen (hier fett):
     

    Spiritualismus (vom lat. spiritus, „Geist"), häufig auch als -> Idealismus bezeichnet, diejenige philos. Richtung, die das "Wirkliche (Absolute) als geistig annimmt, das Körperliche als Produkt oder Erscheinungsweise des Geistes oder als gar nicht vorhanden oder auch als bloße Vorstellung. Gegensatz:  -> Materialismus.
    Spiritualität, Geistigkeit; Gegensatz : Materialität, Körperlichkeit; s p i r i t u e l l, geistig.
    Spiritus (lat.), Geist; eigentlich bewegte Luft, Wind, Hauch, Lebenshauch, Atem. S. r e c t o r, herrschender, lenkender Geist; nach dem Alchimisten eine 'geistige' (feinmaterielle) Substanz in den Dingen. S. s a n c t u s, heiliger Geist.

    Spiritualismus findet sich auch schon im "Eisler".

    Begriffs- und Bedeutungsgeschichte der Spiritualität im Zusammenhang Kosmologie
     
    Aus naturwissenschaftlicher Sicht besteht die Welt, der Kosmos, aus Raum und Körpern, die sich in der Zeit darin bewegen, was Kraft oder Energie braucht. Kurz gesagt: die Welt "ist" Raum, Körper, Bewegung, Kraft (Energie) und Zeit. Auch der Mensch kann als Körper, der im Austausch mit seiner Umgebung steht, angesehen werden. Mit der Entwicklung des Gehirns entsteht die Fähigkeit zu denken und es kommt der Geist in die Welt. Der Geist ist naturwissenschaftlich betrachtet eine Funktion der Gehirnentwicklung. Insofern im Kosmos Gehirne - die natürlich auch außerhalb menschlichen Lebens gedacht werden können - entstanden sind, ist Geist entstanden.

    Mit der zunehmend differenzierten Entwicklung des Denkens und des Geistes ist die Reflexivität -  die Grundlage des Bewußtseins - entstanden, d.h. dass der Geist sich selbst zum Gegenstand des Nachdenkens machen konnte. So konnte sich der Geist fragen: was tut er hier? Wo kommt er her? Wo geht er hin? Was soll er tun und lassen? Und was für einen Sinn soll das "Ganze" haben. Damit sind die wichtigsten und grundlegenden spirituellen Fragen und Themen bestimmt, aus denen sich alle anderen herleiten und verstehen lassen sollten.


    Das Begriffsumfeld (Glossar)
    Wie man sieht, berührt der Begriff der Spiritualität ein weites Feld (Kurzerklärungen im Glossar):
    Aberglaube, Esoterik, Existenzielle Psychotherapie, Frömmigkeit, Geister, Geistig / geistig, Glauben / glauben, Gott, Grenzwissenschaften, Heilkunde, Himmel und Hölle, Ideologie, Kult, Logotherapie, Magie, Metaphysik, Mystik, Okkult / Okkultismus, Parapsychologie, Philosophie des Geistes, Placeboeffekt, Psychomoden, Psychoszene, Psychotherapie, Reflexivität, Religion, Ritual / Ritus, Seelsorge, Sekte, Sinn, Spiritismus, Teufel, Voodoo (Tod), Weltanschauung, Zauberei.



    Ausgangsmaterialie: Die Spiritualität der Weltkulturen (nach Möde, Hrsg.)
    Der Herausgeber erläutert im Vorwort (S.7) sein Verständnis von Spiritualität:
     
    "Spiritualitäten sind Grundeinstellungen zum Leben, zur Welt und zu den Mitmenschen. Zu ihnen gehören emotionale Prägungen und rationale Deutungen. Denn sie formen unser Verhalten und unsere sozialen Beziehungen, aber auch unsere inneren Lebenswerte. Um eine fremde Kultur zu verstehen, müssen wir die Spiritualität der Menschen begreifen lernen.
    Nun prägt jede Kultur ihre besondere Spiritualität aus, diese hängt von mehreren Faktoren ab. Jäger und Sammler zeigen eine besondere Nähe zu den Phänomenen der Natur. Hirten und Viehzüchter leben in enger Verbundenheit mit den Tieren, die sie zähmen. Niedere und höhere Ackerbauern staunen über das Geheimnis des Wachsens ihrer Getreidefelder, Industriekulturen sind von ihren technischen Leistungen fasziniert. 
    Spiritualitäten hängen also von Kulturstufen und von Lebensformen ab, auch von erzählten Mythen und religiösen Vorstellungen. ..." 

    Das ist nun eine sehr weite und sehr unscharfe Bestimmung, die auf viel zu viel zutrifft und zu wenig das eigentlich "Spirituelle" herausarbeitet. Andererseits zeigt eine genaue Betrachtung des Inhaltes eine extreme Übergewichtigkeit des Religiösen.
    Wie man dem Inhaltsverzeichnis im Detail ansieht, wird einiges geboten, wenn auch religiös überfrachtet und manches zu kurz kommt (z. B. die Atheisten, Azteken, Eskimos, Freimaurer, Mayas). Das Wort Spiritualität bedeutet hier schlicht und einfach Geistes- und Kulturgeschichte unter dem Hauptgesichtspunkt der Religion.
     
    1. Indische Spiritualität   11
    • Spiritualität der Mythen 12
    • Die Wege der Ethik 15
    • Mystiker und Dichter 22
    • Weisheit des erotischen Liebesspiels  26
    • Texte der altindischen Literatur 28
    • Philosophen und Dichter 31
     
    "Das ganze All ist das Brahma. Wer zur Ruhe kommt, geht in ihm auf. Der Mensch ist so, wie seine Gesinnung ist. Das Denken ist sein Wesen. Licht ist seine Gestalt, Wahrheit ist sein Entschluß. Dieses Selbst im Innern des Herzens ist größer als die Erde. Denn es verbindet sich mit dem Brahma. (Lehre des Shandilya). 
    Sobald der Wunsch nach allem schwindet, wonach des Menschen Herz verlangt, dann wird das Sterbliche unsterblich, schon hier hat er das Brahma erlangt. Als Einheit sei das All erschaut, als unkennbar und ohne Anfang. Jenseits des Raumes lebt ewiglich Brahman, das sich nun mit Atman verbindet. (Isha Upanishad) [S. 28]
    Yoga besteht in der Hemmung des Denkens. Wer Yoga übt, verharrt bei seiner wahren Natur. Dazu gehören ständiges Üben und die Leidenschaftslosig keit. Die acht Glieder des Yoga sind: sittliche Zucht, Selbstbeherrschung, richtiges Sitzen, richtiges Atmen, Zurückziehen der Sinne, Konzentration des Denkens, Meditation und tiefe Versenkung. (Yoga Sutra 17)" [S. 29]
     
    2. Buddhistische Spiritualität  39
    • Die Anfänge 39
    • Das Große Fahrzeug  43
    • Der japanische Buddhismus 46
    • Der tibetische Buddhismus  52
    • Der Reformbuddhismus 55
    "Der Zeitpunkt zum Erwachen ist immer jetzt. In der Gegenwart tu das Gute, nicht erst morgen. Durch unsere Sinne erscheint uns die Welt. Doch vieles, was wir in der Welt sehen, ist Täuschung. Wir alle haben Vorlieben und Wünsche. Das ist gut so, doch wir sollten nicht an ihnen haften. (Har Dayal)
    Freude erwächst uns nicht aus Besitz und Reichtum, wahre Lebensfreude kommt aus einem weisen und liebevollen Herzen. Je mehr wir unsere Lebenskraft für andere hingeben, umso mehr strömt sie wieder zu uns zurück. Wir denken, wir hätten viel Zeit zum Reifen. Doch wir lassen viel Zeit ungenützt verstreichen. (Suttanipada 116)"  [S. 61]
     
    3. Chinesische Spiritualität  65
    • Mythen der Weltorientierung  66
    • Taoistische Daseinsdeutungen 70
    • Konfuzianische Denkweisen  72
    • Buddhistische Spiritualität  80
    • Spiritualität der Philosophen 82
    • Zur Gegenwart 86
    • Taoistische Texte 88
    • Konfuzianische Texte 90
    "... Der zum Tao Berufene verweilt im Wirken, ohne zu handeln. Er übt Belehrung, ohne zu reden. Alle Wesen treten hervor, er verweigert sich ihnen nicht. Er erzeugt, aber er besitzt nicht. Er wirkt, aber er hält nichts fest. (Nr. 2)
    Das Tao ist immer strömend, doch es läuft in seinem Wirken nie über.
    Es ist ein Abgrund, die Urahnin aller Dinge. (Nr. 4)
    Der zum Tao Berufene setzt sich selbst hintan, so kommt sein Selbst voran.
    Er entäußert sich seines Selbst, so bleibt er sich erhalten. (Nr. 7) [S. 88]
    Erzeugen und nähren, schaffen und nicht besitzen, wirken und nichts behalten, mehren und nicht herrschen, das ist das Geheimnis des Lebens. (Nr. 10)
    Geht das Tao verloren, dann brauchen die Menschen Sittlichkeit und Pflicht. Zeigt Einfachheit und haltet fest an der Lauterkeit. Mindert die Selbstsucht und verringert die Begierden. Folgt der Weisheit, dann werdet ihr frei von Sorgen. (Nr. 18-19)" [S. 89]
     
    4. Japanische Spiritualität   93
    • Spiritualität der Mythen 93
    • Konfuzianisches Denken  99
    • Buddhistisches Denken 101 
    • Spiritualität der Philosophie 106
    • Poesie und Literatur 110


     

    "Jedes Denkmodell muß einen praktischen Nutzen für das Leben haben. Die Religion soll durch exaktes Wissen ersetzt werden, denn sie sei nur Ausdruck von erlebten Gefühlen. Die Mystik und das spekulative Denken sollen durch rationales Denken abgelöst werden. Die neue Ethik besteht im Streben nach exaktem und prüfbarem Wissen, im Offenlegen der wahren Sachverhalte, in der Suche nach den Naturgesetzen.  ... 
    Es gelten drei Grundwerte im Leben, nämlich das Streben nach dem nützlichen Wissen, die Sorge um die eigene Gesundheit und die Mehrung des Wohlstands. Die Menschen sollen das Glück in diesem Leben erfahren und nicht auf ein besseres Jenseits warten. Die besseren Ideen vermehren das Lebensglück, auch die Philosophie muß einen praktischen Nutzen haben. Jeder einzelne muß sich anstrengen, um für das Gemeinwohl seinen Beitrag zu leisten. So kann jeder seine persönliche und soziale Natur verwirklichen. Der Fortschritt der Wissenschaften vermehrt das Glück der Menschen. " [S. 110]
     
    5. Afrikanische Kulturen  117
    • Spiritualität der Mythen  117
    • Spiritualität der Riten 123
    • Alte Lebensweisheiten 126
     
    "Die Afrikaner führen eine Vielzahl von Riten aus, auch darin erkennen wir Einstellung zum Leben. Denn Riten sind heilige Handlungen, die bestimmte Ziele erreichen sollen. In diesen Handlungen drücken die Menschen ihre erlebten Gefühle aus und teilen sie einander mit. Sie stellen darin ihre Angst dar, auch die Trauer, den Schmerz, die Freude und die Sehnsucht. Durch die Riten sollen sie geschützt werden und ihre Lebenskraft stärken, alle suchen ein langes Leben. Häufig tragen sie bei den heiligen Handlungen die Masken von den Schutztieren. Sie wünschen sich deren Lebenskräfte, um alle Nöte bewältigen zu können." [S. 123f]
     
    6. Kulturen des Alten Orients  131
    • Sumerer und Babylonier 131
    • Ägypter und Kanaanäer 136


     

    "Die Mythen erzählen von einer göttlichen „Himmelskönigin" (Inana), sie ist im Himmel die Liebespartnerin aller männlichen Götter. Die Menschen sehen sie jede Nacht im Abendstern. Sie schützt [<132] bei den Menschen die sinnliche Lust, denn sie heißt das „Freudenmädchen" des Himmels. Wie es bei den Menschen in den Herbergen die Freudenmädchen gab, so muß es auch im Himmel sein. So drücken die Mythen die Freude an der Sinnlichkeit und der Sexualität aus, sie singen Loblieder auf die Schönheit und Liebe. Sie erzählen von erotischen Kultfesten mit Musik und Tanz, bei denen die Frauen sich in Männer verwandeln und umgekehrt. Sie tauschen beim Liebesspiel die Rollen." [S. 132f]
     
    7. Alteuropäische Kulturen  141
    [Kelten, Germanen, Slawen, Balten, Finn-Ugrier]
    • Spiritualität der Mythen 142
    "Auch die germanischen Stämme verehrten viele Schutzgötter der Krieger, der Bauern, der Hirten, der Handwerker. Es waren zwei Göttersippen, die Vanen und die Asen, die miteinander in Konkurrenz waren. Ihnen brachten die Menschen viele Opfer dar, sie ehrten sie durch den Feuerkult. Die Bauern feierten die „heilige Hochzeit", um ihre Felder fruchtbar zu machen. Sie glaubten an den magischen Trunk, der ihnen ein langes und glückliches Leben schenken sollte. Jährlich feierten sie ein kultisches Trinkfest (Jul), von dem sie sich ein langes Leben und ein gutes Schicksal für die Seele nach dem Tod erhofften. Denn sie waren überzeugt, daß die Seelenkraft nach dem Tod des Körpers weiterlebte." [S. 145] 
     
    8. Griechisch-römische Kultur  151
    • Spiritualität der Mythen  151
    • Spiritualität der Philosophen 154


     

    "... Die Platoniker und erst recht die Neuplatoniker haben das Leben stark entwertet. Sie richten ihre Erwartungen und Hoffnungen auf ein jenseitiges Leben nach dem Tod, auf eine Welt der göttlichen Ideen und des Lichtes. Sie glauben, daß die menschliche Seele aus der göttlichen Welt kommt und im menschlichen Körper gefangen ist. Daher haben sie Sehnsucht nach der göttlichen Lichtwelt. Wer dieses glaubt, neigt zu einem asketischen Leben und verweigert das Erleben von sinnlicher Lust. Sie meinen, durch Askese und Verzicht schneller in die göttliche Lichtwelt aufsteigen zu können. Diese Lehre und Spiritualität setzte sich später in der christlichen Kultur fort und ist bis heute noch wirksam." [S. 157]
     
    9. Spiritualität der Stammeskulturen  159
    • Der Einklang von Natur und Kultur: Das Beispiel der Mbuti und Ituri 162
    • Die Alten und die Ahnen: Das Beispiel der Bulsa und Tallensi. 166
    • Priesterinnen, Heilerinnen, Schamaninnen: Das Beispiel der Puyuma von Katipol.  173
    • Kulturbegegnung und - untergang: Das Beispiel der Huronen im 17. Jahrhundert 179
    "... Die Gesellschaft der Mbuti ist in hohem Maße egalitär. Wichtige Entscheidungen werden in der Weise getroffen, daß alle so lange diskutieren, bis Einstimmigkeit erreicht ist. Die Wirtschaftsweise der Netzjagd fordert vor allem Kooperation und ständiges Bemühen um Harmonie, und beides ist wohl durch ein System, in dem es keine nennenswerten sozialen Abstufungen gibt, am besten zu gewährleisten. Der Wald ist die Lebensgrundlage der Mbuti. Der Wald bestimmt [<164] ihre Religion. Die Religion der Mbuti ist ein Waldkult, der allgegenwärtig ist, der sich täglich 
    vollzieht, der seinen besonderen Ausdruck in Jagd- und Honigfeuern, in Liedern und Tänzen findet. Der Waldkult gipfelt in den beiden großen Waldfesten: dem elima-Fest, zur Feier der Pubertät der Mädchen, und dem molimo-Fest, das aus Anlaß des Todes eines Mbuti begangen wird oder bei schweren Krisen, wie Unfälle und Krankheiten, andauernder Mißerfolg bei der Jagd sie darstellen können. 
    Der Wald spendet Nahrung, spendet Leben. Er umschließt die Mbuti Tag für Tag. Er schützt vor Sonne und vor Krankheiten, wie sie außerhalb des Waldes angetroffen werden. Er garantiert alles, was die Mbuti zu ihrem Leben brauchen. So ist er der Inbegriff des Lebens, eine Wirklichkeit über allen Individuen und Horden. Der Wald, die Grundlage der irdischen Existenz der Mbuti, wird erfahren und verehrt als eine Wirklichkeit, die das Leben der Mbuti übersteigt. Die Mbuti verehren ihn als Gottheit, als heilbringende übermenschliche Macht. Sie reden ihn mit Worten an, mit denen man Mutter und Vater, Freunde und Geliebte bezeichnet. Wenn der Wald einschläft, sterben die Mbuti, kommen Krankheiten und Hunger. So muß er wieder geweckt werden, damit er seine lebenspendende Macht ausüben kann. Die Erfahrung dieser leben- und heilspendenden Wirklichkeit bestimmt und durchdringt Denk- und Lebensweise, die ganze Kultur der Mbuti. Es ist eine im Wesen positive Erfahrung, die zu einem Grundvertrauen führt, die Sicherheit in allen Krisen des menschlichen Lebens gibt.
    Diese positive Grundeinstellung des Lebens kommt in den großen religiösen Festen zum Ausdruck. Der Wald wird gefeiert, das Leben wird gefeiert. So ist die Religion weit mehr als ein vages System von Glaubensvorstellungen und einigen rituellen Praktiken. ..." [S. 164f] 
     
    10. Spiritualität des Judentums  187
    • Grundlagen und Wandlungen  187
    • Gott - Torah - das erwählte Volk und Land  191
    • Die vollkommene Torah  193
    • Kult, Ritus, Heiligkeit und Reinheit  195
    • Liturgie und Funktion der Synagoge  197
    • Individuelle und häuslich-familiäre Religionspraxis 200
    • Kawwanah und Gewohnheit  203
    • Philosophisch orientierte Spiritualität  205
    • Kabbalistische Spiritualität 209
    • Das aufgeklärte Judentum  213
    • Antisemitismus und Holocaust  214
    "Gott - Torah das erwählte Volk und Land
    Jüdische Spiritualität wird in der monotheistischen Mutterreligion selbstverständlich erstrangig durch das Gottesverhältnis bestimmt: Gott ist als Schöpfer und Herr über Natur und Geschichte auch Schöpfer und Herr des einzelnen Menschen, der sich dessen bewußt sein 
    muß, um sich geziemend und im Sinne der göttlichen göttlichen Zweckbestimmung zu verhalten, die letztlich eine heilvolle ist. Jeder Mensch sollte den Schöpfer als einen Herrn und Gott anerkennen, bestimmte Grundforderungen Gottes („Noachidische Gebote") erfüllen und auf diese Weise Heil erlangen. Dieser schöpfungstheologische, universale Ansatz und Zielpunkt erfährt aber eine betonte Einschränkung: Nur Israel allein hat von Gott als Volk (kollektiv) den unerschöpflichen Schatz der Torah als Erwählungsverpflichtung aufgetragen bekommen, sie ist auch nur für Israel allein verbindlich, und Torahstudium und Torahpraktiken stehen den Nichtjuden daher auch eigentlich nicht zu. 
    Das klassische Bekenntnis dessen liegt im zweimal täglich als Pflichtgebet zu rezitierenden Schma' Jisra'el („Höre Israel!") vor, das einen Block von vier Bibeltexten enthält, eingeleitet durch zwei Benediktionen, abgeschlossen durch eine. Der erste Bibeltext (Dtn 6,4-9) enthält anfangs die bekannte Aufforderung: „Höre Israel, JHWH (ist) unser Gott, JHWH (ist) Einer. Und du liebst JHWH, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Vermögen." Dann folgt als Konkretisierung sogleich das Gebot, die Torah den nächsten Generationen weiterzugeben und nach Möglichkeit immer und überall zu bedenken und sie durch spezielle Merkzeichen in Erinnerung zu rufen: Durch die „Mezuzah" am Türpfosten und durch die Gebetsriemen am linken Arm und am Kopf. Letztere enthalten in einer Kapsel, die auf der Stirn liegen soll, wie die Mezuzah ebenfalls die entsprechenden biblischen Passagen. Diese Torahdenkzeichen-Texte folgen dann auch im Schema' Israel: Dtn 11,13-21; Num 15,37-41. Das monotheistische Bekenntnis ist also ausdrücklich speziell auf Israel bezogen und unmittelbar mit den Torahdenkzeichen verknüpft." [S. 191] 
     
    11. Spiritualität im Alten Testament  217
    • Das Gotteszeugnis Israels  218
    • Vom Drama Gottes und seinen Partnern 220
      • Von Größe, Abgründen und Hoffnung des Menschen  220
      • Israel und die Völker 222
      • Vom Drama Israels vor seinem Gott  222 
      • YHWH als Gott der Völker 223
      • Ein Gott der ganzen Schöpfung 224
    • Von der Klage zum Lobpreis  225
    • Zusammenfassung  226
    "Zusammenfassung
    Das Zeugnis der Glaubenserfahrungen Israels leistet in der Vielfalt gegenwärtiger Angebote von Impulsen für Glauben und Leben einen unersetzbaren eigenständigen Dienst. Die spannungsreiche Rede vom größeren Gott, der nicht auf ein Bild festzulegen und in kein System zu schließen ist, macht den Glauben zu einem offenen, herausfordernden Prozeß und vermag vor verhängnisvoller Instrumentalisierung des Namens und der Wirklichkeit Gottes für jeweils herrschende Interessen zu bewahren. Gegenüber den Versuchungen der Flucht in abgehobene Innerlichkeit, Individualisierung und Privati-[<226]sierung von Religiosität ist die leidenschaftliche, untrennbare Beziehung YHWHs zu Israel, den Völkern, zu Mensch und Kosmos unbequemer, bleibender Impuls für eine Spiritualität, die Mensch und Welt ebenso leidenschaftlich ernst nimmt. Dies bedeutet Einsatz für die Option Gottes für eine Welt der Gerechtigkeit und. des Friedens, im Glauben an sein Ja des Anfangs, aber auch in der Freiheit und Geduld einer unzerstörbaren Hoffnung auf Vollendung, die ebenfalls sein Werk sein wird."  [S. 226f]
       Anmerkung (RS): Weshalb das Judentum zwei Kapitel (10 und 11) erhält,  bleibt unerklärt. 
     
    12. Spiritualität des Islam   229
    • Gemeinsame Grundlage  229
      • Weltverständnis 229
      • Menschenbild  230
      • Abrechnung und Vergeltung 230
    • Weg des Gehorsams 231
      • Das Pflichtgebet 231
      • Gebetshaltungen 231
      • Gebetsanliegen 232
      • Die moralischen Normen 233
        • Gottes Wille und die sittlichen Werte 233 
        • Das islamische Gesetz 234
        • Der islamische Moralkodex 235
    • Weg der Askese 238
      • Askese im Koran 238
      • Asketisches Leben 239
      • Reinheit 240
      • Fasten 240
      • Verzicht auf Ehe und Familie 241
      • Verzicht auf die Gesellschaft  241
    • Weg der Mystik 242
      • Von der Askese zur Mystik 243
      • Mystische Gotteserkenntnis 245
      • Mystische Gottesliebe 246
      • Konflikt zwischen Orthodoxie und Mystik 248
      • Weitere Entwicklung 251 
      • Bruderschaften und mystische Übungen 252
    "1.  Der Glaube an Gott: Das Fundament des islamischen Lebens ist der Glaube an Gott und die Pflicht, ihm allein zu dienen. Glaube und Gehorsam drücken sich in der lauteren Absicht und in der Erfüllung der religiösen Pflichten aus."
    [2.  Gebrauch des Namens Gottes: ...] 
    "3.  Frömmigkeit und Tugenden: Der Koran verurteilt diejenigen, die Unheil auf der Erde stiften, statt für Besserung und Frieden zu sorgen (26,152; 2,27; 5,33). Empfohlen werden im Gegenteil die Güte und die Brüderlichkeit. Denn „die Gläubigen sind ja Brüder" (49,10; vgl. 3,103); sie sind, Männer und Frauen, untereinander Freunde (9,71). So ermahnt sie der Koran: „Helft einander zur Frömmigkeit und Gottesfurcht, und helft einander nicht zur Sünde und Übertretung ..." (5,2). Brüderlichkeit bedeutet, daß man die Großmut untereinander nicht vergißt (2,237), zu den Menschen freundlich spricht (2,83) und bereit ist zu verzeihen. Auch wenn man das Böse mit Bösem vergelten darf, so ist das Verzeihen doch besser (16,126; 4,149), denn auch die Menschen suchen bei Gott Vergebung: „Liebt ihr es selbst nicht, daß Gott euch vergibt?" (24,22; vgl. 64,14). Noch mehr: Der Fromme sollte bereit sein, Böses mit Gutem zu vergelten: „Nicht gleich sind die gute und die schlechte Tat. Wehre ab mit einer Tat, die besser ist, da wird der, zwischen dem und dir eine Feindschaft besteht, so, als wäre er ein warmherziger Freund" (41,34; vgl. 23,96; 28,54; 13,22).
    Auch im Leben der Gemeinschaft wird die Brüderlichkeit sich darin ausdrücken, daß man „zur Aussöhnung zwischen den Menschen auf-[<235] fordert" (4,114) und mit den geeigneten Mitteln Frieden zwischen ihnen stiftet (49,9), daß man für die Schwachen Sorge trägt, den Armen und Waisen beisteht und ihnen zu essen gibt (107,1-2; 74,44; 90,12-17; 89,17-19) und auch den Reisenden Gastfreundschaft bietet (2,215; 9,60); vgl. eine eindrucksvolle Definition der wahren Frömmigkeit in 2,177."
    [4. Die Eltern ehren: ...]
    "5.  Das Leben schützen; Der Koran verbietet den unberechtigten Mord (4,29.92), denn ein solcher Mord ist im Grundsatz gleich einem Angriff auf die gesamte Menschheit: „Wenn einer jemanden tötet, jedoch nicht wegen eines Mordes oder weil er auf der Erde Unheil stiftet, so ist es, als hätte er die Menschen alle getötet. Und wenn jemand ihn am Leben erhält, so ist es, als hätte er die Menschen alle am Leben erhalten" (5,32). Den Mörder erwartet der Zorn Gottes: Gott wird ihn verfluchen und der Hölle ausliefern (4,93). ..." [S. 235f]
       Aktuelle Anmerkung (RS): Nach dem Koran ist Selbstmord eine Sünde und verboten (Sure 4,29). Daher kann es auch niemals eine Legitimation für Selbstmordattentate aus dem Koran geben. [1, 2, W ,]
     
    13. Frühes Christentum   257
    • Judenchristentum und hellenistisches Christentum  258
    • Die eschatologische Grundstimmung 261
    • Spiritualität der Verfolgungszeit  262
    • Prophetische Spiritualität 263
    • Gnostische Spiritualität  264
    • Die asketische Spiritualität 265
    • Die kirchliche Spiritualität 267
    • Spiritualität für ein Leben in der Welt  269
    "... Etwa um 100-120 faßte die Gnosis in Alexandrien Fuß, um 130 dann auch in Rom. Ein einheitliches System ist den gnostischen Lehrern und Lehrerinnen fremd, sie entwickeln vielmehr zahlreiche Schulrichtungen, Einer der bedeutendsten Vertreter war Valentinos. 
    Viele Schulen haben ein kompliziertes mythologisches System von außerweltlichen Aionen und Emanationen entwickelt. Charakteristisch ist ferner ein mehr oder minder ausgeprägter Dualismus, der Gott und Welt in einem starken Gegensatz sieht. Am stärksten ist er bei Markion entwickelt, der den guten Gott Jesu Christi gegen den bösen Gott setzt, der die Welt erschaffen und das Alte Testament hervorgebracht hat. Andere, wie beispielsweise Philumene und Apelles vertraten gemäßigtere Positionen: Die Unvollkommenheit der Welt und des Alten Testaments erklärt sich durch die Urheberschaft eines ebenfalls unvollkommenen Engels. Das dualistische Prinzip impliziert - im Widerspruch zur biblischen Schöpfungsvorstellung - eine Geringschätzung der Materie und der irdischen Existenz." [S. 264f]
     
    14. Christliche Spiritualität  273
    • Jesus Christus und das Urchristentum 273
      • Origines 276
      • Die weitere Entwicklung 277
      • Gregor von Nyssa 279
    • Spiritualität im Osten 280
      • Dionysius Areopagita 280
      • Maximus Confessor 282
    • Aurelius Augustinus 283
    • Von der Antike zum Mittelalter 284
    • Die klösterliche Mystik des Mittelalters 286
      • Bernhard von Clairvaux 288
      • Die Viktoriner 289
      • Franz von Assisi  290
    • Volkssprachliche Mystik 291
      • Spanische Mystik 292
      • Französische Mystik 294
      • Deutsche Mystik 296
    • Protestantische Mystik und Spiritualität  297
      • Martin Luther 297 
      • Protestantische Mystik und Theosophie 299
    • Tiefentheologie im Anschluß an C. G. Jung 300
    • Spiritualität in postmoderner Zeitenwende 303
    "„Deum et animam scire cupa"  (Gott und die Seele will ich erkennen). Auf der Grundlage dieser „Tiefentheologie" kann es darüber hinaus gelingen, sämtliche Religionen zu respektieren und anzuerkennen, und zwar als Ausdruck der ewigen Fragen des Menschen sowie als jeweils unterschiedliche Versuche, diese zu beantworten. ... 
    Durch diese tiefenpsychologische Auslegung des christlichen Glaubens wird es möglich, die Inkarnation Gottes und die Individuation des Menschen auf eine 
    Weise in Beziehung zu setzen, die der Tradition ystisch-christozentrischer Spiritualität entspricht. „Der [<302] Christus als das wahre Selbst des zur Selbstwerdung (Individuation) bereiten Menschen läßt an seinem Leben, Sterben und Auferstehen teilhaben. Christus befähigt dazu, das eigene Kreuz, das heißt die Realität des eigenen Schicksals anzunehmen.  ... 
    Das soeben umrissene Paradigma einer methodischen Zusammenführung von Tiefenpsychologie und mystisch-christozentrischer Spiritualität ließe sich um eine Vielzahl anderer Ansätze erweitern. Im „Zeitalter der Therapien" (Ch. Lasch) sind solche Kombinationen selbstverständlich geworden. Daß sie nicht selten ins Esoterische und bodenlos Naive abgleiten, beschattet zwar den kombinativen Ansatz, tut ihm aber keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil sogar! Im Rückblick auf zweitausend Jahre Spiritualitätsgeschichte und im Hinblick auf die derzeitige Krise von Kirche und Traditionschristentum eröffnet sich durch die tiefenpsychologische Entdeckung des (trans-)personalen Unbewußten eine geradezu epochale Chance zur Vertiefung der spirituellen Praxis.  ... 
    Verfallen auf einen „globalen Neokapitalismus" widerfährt der „Weltgesellschaft" heute das vielleicht schmerzliche Abenteuer ihrer krudelen Geschichte: Die Verwirklichung von Gleichheit auf allerdestruktivste Weise als Austauschbarkeit. Die vielberedte Wertediskussion, so beliebt vor Wahlen und nach Massakern, ist längst [<303] schon gekippt in die verschämte Selbstanfrage der Zeitgenossen, die sich heimlich als „austauschbare Arbeitsgesellen'' (G. W. K. Hegel) verstehen müssen. Diese Selbstanfrage im Zeitalter der Beliebigkeit fragt: „Was bin ich (noch) wert?" Sie sucht nach einem Haltepunkt bedrohten Selbstwertes. War der primitive Mensch früher der Natur preisgegeben, viel später dann ausbeuterischen Feudalsystemen „von Gottes Gnaden", so wird er heute zum hörigen Spielball der Konjunkturgetriebe. Mit der Globalisierung der Märkte wird die „Weltwirtschaft" vergöttlicht und Konjunktur zur adorierten phallischen Dynamik. Auch die Postmoderne hat ihre Götter, ihre tabuisierten Absolutismen - und ihre Knechte. Konsum und Kündigung sind zu „Zuckerbrot und Peitsche" der postmodernen High Tech-Gesellschaft geworden. Die Menschen aber leiden, und nur sehr wenige wissen, wie ihnen geschieht.
    Spiritualität in postmoderner Zeitenwende wird dann zur bewegenden Kraft in Subjekt und Welt, wenn sie eingedenk dieses antisozialen Szenarios und seiner Entfremdungseffekte beim betroffenen Menschen selbst einsetzt. Spiritualität zweckfrei praktiziert, ermöglicht das, was J. Habermas die „Rettung der Substanz des Humanen" nennt. Den postmodernen Menschen in der einmaligen Würde seiner „Gottesebenbildlichkeit" bewahren, ihm seinen personalen Wert jenseits des bloßen Tauschwertes erfahrbar machen, das vermag aber nur eine Spiritualität, die mit Hilfe der (Tiefen-)Psychologie profunde Einsicht nimmt in die Existenztiefe des menschlichen Lebens. 
    Dann vielleicht kann aus Spiritualitätstheologie eine spirituelle Lebenshilfe werden, die „zu Herzen geht". Zu eben jenem Herzen, von dem C. G. Jung einmal zu sagen verstand: „ Gott wohnt im Herzen, im Unbewußten. Dort ist die Quelle der Angst vor dem unsagbar Schrecklichen und der Kraft, dem Schrecklichen zu widerstehen."" [S. 302ff]
     
    15. Spiritualität der Esoterik  309
    • Esoterikrenaissance nach 1980 311 
    • Das panenergetistische Menschen- und Weltbild 313
    • Praktische Alternativen 318
    "Esoterik-Renaissance nach 1980 
    In den westlich geprägten, weltanschaulich pluralisti- schen Gesellschaften der Gegenwart sehen Esoterikanhänger immer weniger Grund, ihre 
    Überzeugungen und Praktiken geheimzuhalten, sondern versuchen, ihr Sonderwissen trotz seines Gegensatzes zu den Standards modernen Denkens dadurch in die Kultur zu integrieren, daß sie es selbstbewußt und öffentlich als notwendige Korrektur und Ergänzung der bestehenden, exoterischen Zivilisation empfehlen. Die Esoterik- Renaissance, die nach 1980 in den USA und dann in Westeuropa einsetzte, ist zwar - so wie die klassischen Esoterikgruppen, von denen sie ideell abstammt - einem antimaterialistischen Anliegen verpflichtet, doch nahm sie auch zahlreiche Reformideen anderer Alternativbewegungen auf: Emanzipation, Feminismus, ökologisch verantwortlicher Lebensstil, Abbau von Streß durch Meditation, Psychotherapie und Persönlichkeitsentwicklung, naturnahe Medizin. Sie wurde auch zu einem nicht geringen Teil ein kommerziell ausgerichteter Anbieter auf dem Psycho- und Gesundheitsmarkt. "  [S. 311]
    16. Neue Religiosität  325
    • Neue Religiosität 325
    • Neue Mythen 332
    • Modelle der Ethik 334
    • Die neuen Rituale 337
    Neue Religiosität
    In den westeuropäischen Ländern ist seit längerem eine neue Spiritualität im Werden, die oft unpassend mit dem. Namen „Esoterik" bezeichnet wird. Sie ist derart vielfältig, daß sie gar nicht mit einem einzigen Namen zu erfassen ist. Hier sollen einige Elemente und Strukturen dieser neuen Spiritualität skizziert werden, die in vielen Schichten der Bevölkerung verwurzelt ist. Ihre Programme und Schriften sind öffentlich zugänglich, und ihre gesellschaftliche Akzeptanz kann von Soziologen erhoben werden. Welche sind also die Grundelemente dieser neuen Form der Religiosität und der emotionalen Gestimmtheit? Welche Einstellungen zum Leben, zur Natur und zu den Mitmenschen lassen sich erkennen?
    Wir erkennen seit langem, daß Religion und Religiosität keineswegs im Abnehmen oder im Vergehen sind. Sie nehmen in der Lebenspraxis der Menschen deutlich zu, verändern aber ihre Form und Inhalte. Die christlichen Kirchen werden leerer, das herkömmliche Gottesbild und die bisherige Moral verblassen, ein Monopolanspruch auf Religion wird nicht mehr akzeptiert. An die Stelle der mit politischer Gewalt durchgesetzten Glaubensmonopole tritt die freie Vielfalt religiöser Überzeugungen. 
    Gewiß hat das auch mit dem postmodernen Lebensprogramm [<325] „anything goes" zu tun, das vielen als Leitwort dient. Die Zeitgenossen haben erkannt, daß eine Vielzahl von religiösen Überzeugungen und Lebensformen möglich ist und daß diese Vielfalt kein Nachteil für das soziale Leben ist. Seit längerem blicken wir auf die Religionen anderer Kulturen und beginnen daraus auf selektive Weise zu lernen: Indien, China, Japan, Buddhismus, Stammeskulturen, Islam u. a.
    Die neue Vielfalt hängt mit unserem erweiterten Blickfeld und mit dem großen Angebot an religiösen Sinnwelten zusammen. Dadurch bekommt fast jeder Zeitgenosse die Möglichkeit, seine religiöse Überzeugung frei zu wählen, wie sie seiner persönlichen Lebensgeschichte am besten entspricht. Überdies sind diese Überzeugungen beweglicher geworden, sie entwickeln und verändern sich ein Leben lang. Fast jeder hat heute die 
    Möglichkeit, sich seine Spiritualität frei zu wählen. Dies ist eine Folge des politischen Prinzips der Religionsfreiheit in demokratischen Staaten.
    Welche sind nun die Elemente dieser neuen Religiosität? Viele beziehen ihr Leben wieder auf das Unverfügbare und Geheimnisvolle. Das Göttliche und Heilige fasziniert sie wieder, doch es hat seine Gestalt verändert. Viele greifen wieder auf frühe, ja archaische Elemente der Religion zurück. Darin gibt es unverfügbare Kräfte im Leben, denen wir Menschen ausgesetzt sind. Viele möchten auf sie Einfluß gewinnen, deswegen vollziehen sie Riten, oder sie benutzen Symbole und Gesten. Denn sie glauben, daß sie durch ihre Gedanken, durch Worte und Gesten, vor allem durch Handlungen unsichtbare Kräfte erzeugen können.
    Da diese Kräfte physikalisch nicht gemessen werden können, ist dieser Glaube nicht beweisbar, aber auch nicht zu widerlegen, Denn vieles in unserem Leben ist weder physikalisch noch chemisch zu vermessen und zu erklären. Folglich bleibt uns ein großer Spielraum für Überzeugungen, die mit Religion zu tun haben. Der Glaube an nicht sichtbare Seelenkräfte nimmt unter uns wieder zu. Viele glauben an ein Fortleben der Seele nach dem Tod des Körpers, an neue Geburten der Seele in anderen Körpern (Wiedergeburt). Wer daran glaubt, dessen Leben bekommt eine zweite und dritte Chance, sich zu verwirkli-[<326]chen. Denn was in einem Leben nicht erreicht werden konnte, das kann in einem weiteren Dasein erreicht werden. Stark verändern sich die Bilder und Vorstellungen vom Göttlichen. Das patriarchale Gottesbild der Männer wird verabschiedet, denn das eine göttliche Geheimnis ist nicht allein durch die Bilder vom Vater, vom Herrscher, vom König, vom Richter, vom Kriegshelden und vom Rächer darzustellen. Die neue Religiosität wird stärker von den Frauen geprägt, deren Gottesbild auch weiblich ist, wie es bei den frühen Kulturen der Fall war. Darin ist die eine Gottheit auch oder zuerst die „Urmutter", von der alles Leben kommt und zu der es wieder zurückkehrt. Sie schenkt unter uns Menschen die Fruchtbarkeit und das Leben. Diese Kraft ist zu den Menschen nicht hart und strafend, sondern weich und zärtlich.
    So wird die neue Religiosität stärker weiblich geprägt sein, Frauen können sich mit ihr identifizieren. Nun übernehmen Frauen die Riten, und sie prägen neue Einstellungen zum Leben. Und viele Männer schließen sich ihnen an, weil auch sie Vorteile davon haben. Beide Geschlechter lernen von den fremden Kulturen, wo die weibliche Spiritualität deutlich erhalten geblieben ist. Und sie entwickeln neue Formen der Mystik, der Meditation, der Riten, der Ethik und der Lebensgestaltung.
    Das Lernen von fremden Kulturen geschieht auswählend. Denn es wird nur dies ausgewählt, was der eigenen Lebensgeschichte entspricht. Von Indien lernen wir die Vielfalt der Gottesbilder und der Riten sowie neue Formen der Meditation. Viele öffnen sich für die weibliche Urkraft (shakti) in der einen Gottheit, sie übernehmen weibliche Formen der Ethik (Bhaktilehre). Oder sie glauben, daß sie im sinnlichen und erotischen Erleben der höchsten Gottheit begegnen (Tantra). Andere kommen zur Überzeugung, daß ihre Lebenskraft mehrere „Einkörperungen" durchleben darf oder muß. Sie übernehmen Meditationsformen, die ihrem Leben guttun. Und sie orientieren sich an Mythen und an Ritualen, an Lebensweisheit, die für ihr Leben eine Bereicherung bringen.
    Faszinierend sind für viele die indische Götterwelt und die Deutung der Sexualität. ..." [S. 325 - 327]


    Auf dem Wege zu einem Definitionsvorschlag von Spiritualität

    "Richtig" definieren ist an sich schon ein schwieriges Geschäft und wird oft unterschätzt. Noch schwieriger ist es im psychologischen Bereich, da jedes Erleben individuell und für andere Individuen nicht direkt zugänglich ist. So gesehen ist es vielleicht ganz sinnvoll, die Zusammenhänge von Definitionsaufgaben etwas gründlicher zu beleuchten:

    Wirklichkeit, Wahrnehmung, Informationsverarbeitung, Sprache, Kommunikation

    Vorüberlegungen zum Definitionsverständnis und Definitionsverfahren
    Will man wissen, ob Menschen eine Spiritualität haben, muss man wissen, wie sich Spiritualität bei Menschen zeigt. Also muss "Spiritualität" operational definiert werden. Operational heißt hier, dass man ein Verfahren angibt, wie festgestellt wird, ob und gegebenenfalls wie sehr "Spiritualität" vorliegt. Dies kann auf viele verschiedene Weisen geschehen, je nachdem, welche Ziele und Zwecke man mit seiner Definition verfolgt, weil Definitionen nicht wie spezielle Sachverhalte wahr oder falsch sind. Man kann vieles, sogar ordentlich, definieren, was es gar nicht gibt, z.B. die mythologische Figur Pegasus, das ist ein Pferd mit Flügeln, das fliegen kann. Das ist eine einwandfreie und nahezu jederfrau verständliche Definition, obwohl wir alle wissen, dass es Pegasus in der wirklichen Welt bislang nicht gibt. Ich möchte Spiritualität hier so definieren, dass möglichst viele, die mit dem Begriffsumfeld zu tun haben, sagen: ja, das verstehe ich, so kann man es machen.

    Der reale und nominale ("imaginäre") Teil einer Definition
    Definitionen haben bekanntlich zwei Seiten: eine willkürlich-nominale und eine reale Seite. Die reale Komponente von Spiritualität muss existieren und dieser empirische Existenzbeweis muss geführt werden können, wenn auch nicht unbedingt zu einem positiven Urteil führen. Die willkürlich-nominale Seite einer Definition besteht in der freien Wahl der realen Elemente. Es ist z.B. methodologisch technisch kein Problem "Tsching67" zu definieren als ein Käsetörtchen, das von einem Eichhörnchen auf dem Rücken unbefestigt mindestens 100 cm weit getragen wird. Gelingt es, ein Eichhörnchen dazu zu bringen, dass es ein Käsetörtchen unbefestigt auf seinem  Rücken mindestens 100 cm trägt, ist der empirische Existenzbeweis für "Tsching67" erbracht. Der vielfache empirische Existenz-Beweis für eine "Kumari" - das sind kleine Mädchen, die im Alter zwischen ungefähr drei und vier Jahren als Mädchengöttinnen inthronisiert werden und von ihrer Religionsgemeinde als Göttinnen verehrt werden - kann leicht erbracht werden, indem auf die nepalische Kumari-Kultur der letzten 300 Jahre, speziell z.B. auf Amita Shakya (1991-2001) verwiesen wird. Die Frage, ob das nepalesische Mädchen Kumari, das von der Niederländerin Trees van Reijsewijk adoptiert wurde, eine Mädchengöttin war, kann leicht widerlegt werden, indem man sich den Bericht über die Adoptions- und bisherige Lebensgeschichte dieses nepalesischen Mädchens ansieht.

    Definitionsvorschlag Spiritualität
     
    Die Motivation sich mit Sinn- und Wertfragen des Daseins, der Welt und der Menschen und besonders der eigenen Existenz und seiner Selbstverwirklichung im Leben zu beschäftigen, heiße spirituelle Motivation. Dies kann mehr oder minder bewußt geschehen. Sofern die Auseinandersetzung und Handlungspraxis bewußt und absichtsvoll erfolgt, kann dies mehr oder minder formalisiert ("ritualisiert") oder formlos ("spontan", "einfach so" oder "irgendwie") durchgeführt werden. 
        Nach dieser Begriffsbestimmung gehört "Spiritualität" im Kern zur Motivationspsychologie und im weiteren Sinne zur differentiellen Psychologie der Persönlichkeit. Betrachtet man die Entwicklung spiritueller Motivation und Erziehung, sind Entwicklungs- und pädagogische Psychologie angesprochen. Eine enge Verbindung gibt es aus der Geschichte heraus natürlich zur Religionspsychologie, die inzwischen aber erweitert gehört zu einer Psychologie der Spiritualität. 

    Spiritualität und Religion.
    Bewußtes religiöses Erleben, Verhalten und Handeln kann als spezifischer Ausdruck von Spiritualität verstanden werden. Spirtualität wurde historisch betrachtet bis ins 20. Jahrhundert sehr stark von den Religionen und Glaubensgemeinschaften besetzt. Das hat sich inzwischen geändert (> Neue Religiosität)

    Spiritualität im Alltag
    Spiritualität kann sich vielfältig im Alltag zeigen: Aufwach- und Aufstehritual (den Tag angemessen begrüssen), besinnen, innehalten, reflektieren, meditieren (Satipatthana-Meditation), bei einem Spaziergang, bei der Haushaltsarbeit (z.B. abspülen, bügeln, Zwiebel schälen, Blumen giessen), auf dem ruhigen Ort der Toilette, Dankgebet vor dem Essen, bei einer Gestaltung (Tisch decken, Wohnung schönen, malen), Musik hören, die Aufmerksamkeit auf  ein Kaminfeuer oder Kerzenlicht richten; bewußt atmen; volle Zuwendung und Hingabe an eine Tätigkeit, Blumen, einen spirituellen Text auf sich wirken lassen; Wertschätzungsrituale, Sinnsprüche auf sich wirken lassen, Kontakt aufnehmen mit der eigenen Lebensgeschichte, innere Dialoge führen mit Bezugspersonen und Bezugsobjekten (Natur, Schicksal, Kosmos, Sterne, Mutter Erde ...). Alles was mit einer gewissen Achtsamkeit, Zuwendung, Hingabe oder Bewußtheit durchgeführt wird, kann Spiritualität ausdrücken. Rituale können helfen, bergen aber manchmal die Gefahr des Mechanischen (50 Rosenkränze runterrasseln) und Hohlen.

    Spiritualität in der Psychotherapie
    Jede Psychotherapie berührt notwendigerweise die Spiritualität eines Menschen, sofern Sinn- und Wertfragen in sie eingehen, was meist der Fall ist. Das ist keineswegs auf Victor Frankls Logotherapie oder auf Yaloms Existenzielle Psychotherapie beschränkt. > Sinn.
     



    Literatur (Auswahl)   Siehe auch: > Lit Auserwählt  > Lit Gott  > Lit Religionspsychopathologie > Lit Psychopathographie > Lit Fundamentalismus >  Religionen der Welt, Religionsgeschichte * Externe Literaturlisten Spiritualität: 1,2,3,

    Im Katalog des Zentralantiquariates ZVAB fanden sich am 22.8.6 insgesamt  3531 Titel (mit Mehrfachnennungen). Im EDV-Katalog der UB Erlangen fanden sich am 23.8.6 bei den seit 1981 erfassten Titeln 351 mit dem Stichwort "Spiritualität". Manchmal werden Inhaltscharakteristiken mit der Quelle mit angegeben. Fehlerhinweise, Anregungen zu Ergänzungen und Kritik erwünscht: sekretariat@sgipt.org.
     
    Was bedeutet es, dass zum Thema Spiritualität so viele Veröffentlichungen vorliegen, vor allem, wenn man bedenkt, dass der Begriff erst ab 1960 aufgekommen sein soll?

    • Andriessen, Herman (1993). Der Sehnsucht in mir einen Namen geben. Lebensweg und Spiritualität. Mainz: Matthias-Grünewald.
    • Armstrong, Thomas (1998). Ich bin Seele, Geist und Körper. Entwicklungskraft und Potential ihres Kindes. Essen: Synthesis.
    • Arbeitsgruppe der Evangelischen Kirche in Deutschland (1979). EVANGELISCHE SPIRITUALITÄT Überlegungen und Anstösse zur Neuorientierung. Gütersloh: Mohn.
    • Arnold, Matthieu (2002). Frömmigkeit und Spiritualität. Auswirkungen der Reformation im 16. und 17. Jahrhundert. Paralleltitel Piété et spiritualité  Mainz: von Zabern
    • Bäumer, Bettina (1992). Abhinavagupta. Wege ins Licht. Texte des tantrischen Sivaismus aus Kaschmir. Zürich: Benziger.
    • Bäumer, Regina & Plattig, Michael (1998). Aufmerksamkeit ist das natürliche Gebet der Seele. Geistliche Begleitung in der Zeit der Wüstenväter und der personzentrierte Ansatz nach Carl R. Rogers - eine Seelenverwandtschaft?! Würzburg: Echter.
    • Baier, Karl (2006, Hrsg.). Handbuch Spiritualität. Zugänge. Traditionen. Interreligiöse Prozesse. Ausgabe 1. Aufl. Darmstadt: WBG.
    • Bangert, Michael (2003). Mystik als Lebensform. Horizonte christlicher Spiritualität. Münster: Aschendorff.
    • Barth, Hans-Martin (1992). Sehnsucht nach den Heiligen? Verborgene Quellen ökumenischer Spiritualität Ausgabe 1. Aufl.. Stuttgart: ?
    • Barth, Hans-Martin (1993). Spiritualität. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
    • Belschner, Wilfried (2000). Gesundheit und Spiritualität. Oldenburg: bis.
    • Berger, Klaus (2003). Was ist biblische Spiritualität? Ausgabe 1. Aufl. der Taschenbuchausg. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus.
    • Besant, Annie (1976). Die Lehre des Herzens. Auszüge aus Briefen indischer Geistesschüler. 2. Auflage Graz: Adyar.
    • Bettinger, Armin (1995). Leben im Alltag der Gegenwart: Herausforderung an die christliche Spiritualität. Grundlegung und Kriterien gegenwartsbezogener Alltags-Spiritualität. Würzburg: Echter.
    • Bickel, Lis (1997). Spiritualität der Sterbebegleitung. Wege und Erfahrungen. Freiburg im Breisgau: Herder.
    • Biser, Eugen (1989). Der inwendige Lehrer. Spiritualität am Morgen des mystischen Zeitalters. Augsburg: Kath.
    • Böhlau, Sabine & Merten, Rolf (1994). Auf der Suche nach der verlorenen Dimension. Spiritualität in Therapie, Pädagogik, Seelsorge; Dokumentation der Münchner Gestalt-Tage 94. Eurasburg: GFE.
    • Borchert, Bruno (1967). Mystik. Das Phänomen. Die Geschichte. Neue Wege. Freiburg: Herder.
    • Bouyer, Louis (1965). Einführung in die christliche Spiritualität. Mainz: Matthias-Grünewald.
    • Brandt, Hermann (2005). Spiritualität und Protest. Religion und Theologie in Lateinamerika. Neuendettelsau: Verlag Erlanger Verl. für Mission und Ökumene.
    • Brendle, Franz (1997). Ökonomie und Spiritualität. Verantwortliches Wirtschaften im Spiegel der Religionen. Hamburg: EB.
    • Dennerlein, Norbert (2005) Das Beten - Herzstück der Spiritualität. Ausgabe hrsg. im Auftr. der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). Hannover: Lutherisches Kirchenamt.
    • Domay, Erhard (2002). Spiritualität leben. Gütersloher Verlagshaus

    • Inhalt: Viele Menschen sind heute unzufrieden mit ihrem oft einseitig geprägten Umfeld. Auf der Suche nach einer inneren Heimat entdecken sie die Kraft der Spiritualität. Erhard Domay leitet dazu an, Spiritualität im Alltag zu erleben - innezuhalten und aufzutanken. Ein Weg in die Tiefe der Dinge und des Daseins - schrittweise vollzogen - ermöglicht am Ende die Erkenntnis, dass wir von geistigen Kräften getragen und geleitet werden. Spiritualität öffnet die Sinne für eine Begegnung des Menschen mit Gott. Behandelt werden die Themenfelder: Bilder - biblische Texte - Literatur - Musik - Orte - Welt - Mensch - Stille. [zvab-Nieadzik]
    • Dressler, Axel von (2006). Diakonie und Spiritualität. Impulse aus der Welt der Kommunitäten. Neukirchen: Neukirchener VG.
    • Dreyer, Mechthild (1990). Spiritualität aus Glaubenserfahrung. Gestaltungen christlicher Existenz. Berlin: Morus.
    • Dumoulin, Heinrich (1995). Spiritualität des Buddhismus. Einheit in lebendiger Vielfalt. Mainz:  Matthias-Grünewald.
    • Dunde, Siegfried Rudolf (1986). Neue Spiritualität. Selbsterfahrung des religiösen Wandels. Frankfurt am Main: Fischer.
    • Edlund, Jan Roy (1998). Spiritualität und Management. Perspektiven unternehmerischen Fundamentalwandels. Wiesbaden: DUV.
    • Elahi, Bahram (2001). Spiritualität ist eine Wissenschaft : Grundlagen natürlicher Spiritualität. Bahram Elahi. Wien: Ibera-Verl.
    • Enomiya-Lassalle, Hugo M. & Ropers, Roland (1987). Zen und christliche Spiritualität. München: Kösel.
    • Ernst, Stephan (2004). Grundkurs christliche Spiritualität. Werkbuch für Schule, Gemeinde und Erwachsenenbildung. Kevelaer: Butzon & Bercker.
    • Esser, Wolfgang G.; Kothen, Susanne & Rohrmoser, Edeltraud (1998). Die Seele befreien. Spiritualität für Kinder; ein Praxisbuch. München: Kösel.
    • Fraling, Bernhard (1992). Geistliche Erfahrungen machen. Spiritualität im Seelsorge-Verbund. Würzburg: Seelsorge Echter.
    • Felder, Michael (2003). Spiritualität auf dem Boden der Schule. Das Zeugnis der Nachfolge im Berufsalltag der Religionslehrer/innen Ausgabe 1. Aufl.. München: Don Bosco.
    • Freise, Reinhilde (1996). Auf der Suche nach Spiritualität für ein gemeinsames Zeugnis. Spiritualität. Stuttgart: Verlag Evang. Missionswerk in Südwestdeutschland.
    • Gasper, Hans; Müller, Joachim & Valentin, Friederike (1995). Lexikon der Sekten, Sondergruppen und Weltanschauungen. Fakten, Hintergründe, Erklärungen. Freiburg: Spektrum
    • Gentschy, Michael (1989). Yoga und christliche Spiritualität. Ein Werkbuch. München: Pfeiffer.
    • Godwin, Joscelyn (1989). Musik und Spiritualität. Quellen d. Inspiration in d. Musik von d. Frühzeit bis in d. Moderne. Bern u.a.: Scherz
    • Grün, Anselm & Dufner, Meinrad (1994). Spiritualität von unten. Münsterschwarzach: Vier-Türme.

    • Grün, Anselm (2005). Die Quellen der Spiritualität. Stuttgart: Kreuz.
      Gebunden, 93 S., 16,6cm x 10,6cm x 1,2cm, Spiritualität hat viele Gesichter: Für jeden Menschen bedeutet sie etwas anderes, dennoch gibt es gemeinsame Ursprünge. Diese zu entdecken ist das Anliegen des Autors. Anselm Grün nimmt den Leser mit auf die Suche nach den Quellen der Spiritualität, öffnet mit seinen Texten Wege ins Innere der Seele und gibt den Gedanken über Religion und Glauben Raum. [RS mehrjährig erscheinender Kalender]
    • Gebhardt, Lisette (2001). Japans Neue Spiritualität. Wiesbaden: Harrassowitz.

    • Kurzbeschreibung nach Antiquariat Löb: "ISBN : 3-447-04398-9  294 Seiten.  Über die Analyse des spirituellen Diskurses als einem erstmals in dieser Bandbreite gesichteten Phänomen wird ein Psychogramm der japanischen Gegenwartsgesellschaft und ihrer kulturschaffenden Vertreter erstellt. Der Einblick in die Debatten sowie in die Mechanismen der Identitätsindustrie dient dazu, ein differenziertes, zeitgemäßes Japanbild zu gewinnen. Viele japanische Literaten und Denker, Kritiker und Künstler widmen sich heute der Suche nach indigener Identität. Diese wird häufig über eine japanische Spiritualität definiert. Während sich die Studie den ethno-romantischen, oft einem nostalgischen Nationalismus verpflichteten Selbstfindungs- und Selbstbehauptungsdiskursen der intellektuellen Szene Japans im allgemeinen widmet, berücksichtigt sie anhand von Erörterungen zeitgenössischer Texte bekannter und weniger bekannter Autoren ebenso die literarische Behandlung des Themas Religion. Lisette Gebhardt ist Privatdozentin für moderne japanische Literatur. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Literatur und ihr Bezug zur Religion; New Age in Japan; japanische Ideengeschichte; Intellektuelle, Kulturszene und Lifestyle im gegenwärtigen Japan.
    • Hahn, Udo (2006). Das 1 x 1 der Spiritualität. Meditation und Gebet für Einsteiger. Das Einmaleins der Spiritualität. Neukirchen-Vluyn: Neukirchener.
    • Hein, Detlef (2005). Spiritualität in Partnerschaft - Grundlagen und Perspektiven psychologischer Paarberatung. Stuttgart: Kohlhammer.
    • Hense, Elisabeth (2005). Zwischen Spiritualitäten. Intertextuelle Berührungen. Münster: Lit.
    • Holm, Nils G. (1990), Einführung in die Religionspsychologie. München: UTB Reinhardt.
    • Hohn-Morisch, Ludger (2002, Hrsg.). Der Atem der Freiheit - Spiritualität mit Herz. Freiburg: Herder.
    • Huthmann, Martin (1973). Mit Jesus auf dem Weg. Grundzüge einer priesterlichen Spiritualität. Düsseldorf: Patmos.
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    • Mursell, Gordon (2002, Hrsg.). Die Geschichte der christlichen Spiritualität. Zweitausend Jahre in Ost und West. Aus dem Englischen übersetzt von Bernardin Schellenberger. Stuttgart - Zürich : Kreuz Verlag,

    •  "Mit über 300 Abbildungen und Zeittafeln zeichnet dieser prächtige Bildband ein faszinierendes Panorama des menschlichen Verlangens nach dem Göttlichen durch die 2000 Jahre Christentumsgeschichte. Der Überblick reicht von den Anfängen über die Kirchenväter und die Heiligen und Mystiker Mitteleuropas und der östlichen Traditionen sowie die protestantische Spiritualität bis hin zur Befreiungstheologie und feministischen und ökumenischen Bewegungen der Gegenwart. Ein lebendiger Führer durch den spirituellen Reichtum des Christentums." (Klappentext). Neuwertig, original verschweißt. [zvab-Anker]
    • Nowak, Zenon Hubert (1993). Die Spiritualität der Ritterorden im Mittelalter. Ausgabe Wyd. 1 Ort Torun
    • Oesselmann, Dirk (1999). Spiritualität und soziale Veränderung. Die Bedeutung einer Liturgie des Lebens in der Arbeit mit Randgruppen Gütersloh: Kaiser [u.a.]. Hannover, Univ., Diss. (1998).
    • Padberg, Lutz von. (?) New Age und Feminismus - die neue Spiritualität. Asslar: Schulte & Gerth.
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    • Rzepkowski, Horst (1978, Hrsg.). Allen alles werden - Beiträge zur missionarischen Spiritualität. Steyler

    • Studia Instituti Missiologici Societatis Verbi Divini, Nr. 21. Aus dem Inhalt: Julius Angerhausen: Die missionarische Dimension der Gemeinde; Paul Zingg: Impulse für eine missionarische Spiritualität im lukanischen Werk; Hans-Joachim Klimkeit: Das Sendungsbewußtsein des Neo-Hinduismus; Karl Müller: Das Bild des Missionars nach P. Arnold Janssen SVD etc. 163 S. ISBN: 3877871100
    • Schmid, Gary Bruno (2004). Tod durch Vorstellungskraft. Das Geheimnis psychogener Todesfälle. Augsburg: Bechtermünz.
    • Schmid Georg (2000, Hrsg.). Sehnsucht nach Spiritualität Neue religiöse Zentren der Gegenwart; mit Reportagen über Pondicherry, Canigou, Dozwil, Puttaparthi, Anaheim, Pensacola, Sedona, Plum, Village, Karmapa, Pune, Ganeshpuri, Amritapuri, Taize und Porträts von Sri Aurobindo, Bruder Ephraim, Sai Baba, Thich Nhat Hanh, Lama Ole Nydahl, Gurumayi, Amma, Frère Roger. Stuttgart: Kreuz.
    • Scholl, Hans (1986). Glaube und Spiritualität der Hugenotten. Vortrag vom 12.04.1985, gehalten am 34. Deutschen Hugenottentag in Kassel. Sickte: Verl. d. Dt. Hugenotten-Vereins.
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    • Storim, Wolfgang (2000). Schule und Spiritualität. Beiträge von der 6. Gesamtkonferenz des Evangelischen Schulwesens in Bayern am 15. Mai 2000 in Nürnberg. Gesamtkonferenz des Evangelischen Schulwesens in Bayern 6, Nürnberg: Evang. Schulstiftung in Bayern  Umfang 47 S. : 24 cm  Band / Reihe Schriftenreihe der Evangelischen Schulstiftung in Bayern.
    • Schulenburg, Andrea (1993). Feministische Spiritualität. Exodus in eine befreiende Kirche? Stuttgart [u.a.]: Kohlhammer.
    • Shea, J. (?). Staunen und Licht. Weihnachtliche Spiritualität. Freiburg: Herder GmbH & Co. KG

    • Singh, Kirpal <Sant> (1983). Was ist Spiritualität? Ausgabe 2., überarb. Aufl. Bern: Origo.
    • Singh, Sant Rajinder (1990, Hrsg.) Wissenschaft der Spiritualität e.V. Orte der Kraft - Kräfte des Lebens. Ein Interview mit Sant Rajinder Singh für die PSI-Tage Basel. Grafing: Sawan Kirpal Publikationen.
    • Steffensky, Fulbert (2003). Feier des Lebens Spiritualität im Alltag. Stuttgart; Zürich: Kreuz.
    • Sudbrack Josef (1999). Gottes Geist ist konkret Spiritualität im christlichen Kontext. Würzburg: Echter. [ 455 S. 23 cm]

    • Seit Jahren gewinnt der Begriff der Spiritualität weltweit immer mehr an Bedeutung. Darin äußert sich eine breite Sehnsucht nach geistigen Werten und persönlicher Erfahrung und zugleich die kritische Auseinandersetzung mit den traditionellen Werten des Christentums. Das vorliegende Werk reflektiert über eine Fülle offener Fragen und ermöglicht damit eine neue Blickrichtung auf den Reichtum christlicher Spiritualität und zeitgemäße, zukunftsoffene Lebensformen. [zvab-Buchlanda]
    • Twofeathers, Manny (1997). Mein Weg zum Sonnentanz: Ein Leben in indianischer Spiritualität. Die Rückkehr eines nordamerkanischen Indianers zur Kultur und Spiritualität seines Volkes. Frankfurt: Wolfgang Krüger.
    • Vesela, Blazena (1999). Thomas von Aquin. Warum existieren die Dinge? Abhandlungen zur Philosophie und Spiritualität des Thomas von Aquin. Band 1 / Warum existieren die Dinge? (Spiritualität). Köln: Thomaneum Selbstverlag.
    • Volk, Hermann (1974). Der Christ als geistlicher Mensch. Von christlicher und priesterlicher Spiritualität. Mainz: Grünewald.
    • Yalom, Irvin D. (dt. 1989, engl. 1980). Existenzielle Psychotherapie. Köln: Edition Humanistische Psychologie.




    Links (Auswahl: beachte)
    • Christliche Spiritualität (Texte und klassische Autoren).
    • Humanistische Spiritualität - was ist das?




    Glossar, Anmerkungen und Endnoten:
    Überblick Glossar und Anmerkungen: Aberglaube, Aionen, Emanationen, Esoterik, Existenzielle Psychotherapie, Frömmigkeit: kritisch hierzu, Geister, Geistig / geistig, Glauben / glauben, Gott, Grenzwissenschaften, Heilkunde, Himmel und Hölle, Ideologie, Kult, Im Eisler (Spiritualität), Im Grimmschen Wörterbuch (spiritus), Logotherapie, Magie, Metaphysik, Mystik, Okkult / Okkultismus, Parapsychologie, Philosophie des Geistes, Placeboeffekt, Psychomoden, Psychoszene, Psychotherapie, Reflexivität, Religion, Ritual / Ritus, Seelsorge, Sekte, Sinn, Spiritismus, Sure 4,29 (Selbstmordverbot), Teufel, Voodoo (Tod), Weltanschauung, Zauberei.
    ___
    1) GIPT= General and Integrative Psychotherapy, internationale Bezeichnung für Allgemeine und Integrative Psychotherapie.
    ___
    Aberglaube.  Aberglaube heißt ein Glaube, den ein anderer für "falsch" hält. Wird im allgemeinen entwertend verwendet im Sinne von primitiv, dumm, überholt, "falsch". > Grenzwissenschaften.  [W]  Lit: Hanns Bächtold-Stäubli (Hrsg.): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. 10 Bände. De Gruyter, Berlin und Leipzig 1929-1942 (unveränderter Nachdruck 2000: ISBN 3-11-016860-X)
    ___
    Aionen. (lat., gr. Aeon). Unerklärter Ausdruck, vermutlich Zeitalter, also metaphysische Zeiteinheit. C. G. Jung hat dem Aion-Thema einen ganzen Band gewidmet: Aion - Untersuchungen zur Symbolgeschichte. Im alten Brockhaus von 1894 habe ich gefunden:

        Von einem altphilologisch Kundigen (danke an Herrn H.) habe ich inzwischen erfahren: aion = AION = aion: Zeit(dauer), Zeitraum, Ewigkeit; später im Altgriechischen auch: Epoche, Generation. In der Genesis: Lebenskraft. Vgl. insgesamt mit latein. aevum: lange Dauer, Ewigkeit; aeternus: ewig, unvergänglich.
    ___
    Emanationen. Emanation = Ausstrahlung.  [W]
    ___
    Esoterik. Das Wort bedeutet innerlich, verborgen, geheim. Meist sind damit Lehransprüche gemeint, über ein besonderes, "gewöhnlichen" anderen verborgenes, Wissen zu verfügen. Aufgrund des vielfachen Versagens traditioneller Religionen, mit der Entwicklung der Wissenschaft und Kultur Schritt zu halten und der Unfähigkeit der Aufklärung und des "modernen" Westens, die metaphysischen Bedürfnisse der Menschen angemessen zu befriedigen, hat sich ein riesiger Markt (!) etabliert, der von skrupellosen Privatmedien, besonders dem Privatfernsehen, hemmungslos gefördert wird. > Grenzwissenschaften.  [W]
    ___
    Existenzielle Psychotherapie. Buchtitel von Yalom. Setzt sich mit einer Psychotherapie der großen existenziellen Themen auseinander: Leben, Tod, Angst, Verantwortung, Wollen, Isolation, Sinnlosigkeit.
    ___
    Frömmigkeit: kritisch hierzu: Es ist sicher falsch, dem Begriff der Spiritualität den Begriff der Frömmigkeit zuzuordnen, wie Wolkinger meint: "Der der Spiritualität entsprechende Begriff war im Deutschen zuvor der der Frömmigkeit. Nun hatte Frömmigkeit von der mittelhochdeutschen Bedeutung her eher den Sinn von Nutzen („zu Nutz und Frommen“), Vorteil, Rechtschaffenheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und im religiösen Kontext die Bedeutung von Gottesfurcht. Im 18. Jahrhundert hat man die Pietisten wegen ihrer religiös weltabgewandten Haltung als „Frömmler“ bezeichnet. Im 19. Jahrhundert, seit Friedrich Schleiermacher, wurde Frömmigkeit ganz im Sinn eines individualistisch verengten Gefühls verstanden, obwohl für Schleiermacher selbst Frömmigkeit noch den zentralen Begriff seiner Glaubenslehre darstellte. Namentlich auf evangelischer Seite wird darum noch heute ernsthaft um den Erhalt des Begriffs der Frömmigkeit gerungen. Erwin Fahlbusch kommt zwar nicht umhin, von einem „zeitgenössischen Paradigmenwechsel“ zu sprechen, versucht aber auch „das Verhältnis wechselseitiger Kritik und Konkurrenz“ zwischen Frömmigkeit und Spiritualität deutlich herauszustellen und die Bedeutung der Frömmigkeit zu retten. So sieht er in der Frömmigkeit eine stärkere Ausrichtung auf die „Ganzhingabe an die Gnade Gottes“ gegeben, während in der Spiritualität das an der „Menschwerdung orientierte und gemessene Handeln den Vorzug“ erhält. Frömmigkeit verdankt sich der „Stellvertretung Christi“, Spiritualität sieht Christus „als Ur- und Vorbild des ‘neuen Menschen’“. Frömmigkeit versteht sich eher begrenzt und individualisiert vor Gott, Spiritualität eher in einer großen Variationsbreite spezifischer Spielarten und Gestalten der Geistesgaben Gottes. Aber auch das neue Lexikon für Theologie und Kirche räumt dem Begriff der Frömmigkeit nach wie vor in biblischer, begriffsgeschichtlicher, kulturhistorischer Hinsicht sowie im Blick auf gegenwärtige Strömungen eine umfassendere Bedeutung ein als dem der Spiritualität, der dann erst im zehnten Band (2000) ausführlich behandelt wird." [Q]
    ___
    Geister. Nachdem der Mensch sich selbst als seelisch-geistiges Wesen erlebt, ist der Schritt nicht weit, Phantasien zu entwickeln, ob das Seelisch-Geistige eine eigene Existenzform hat, auch in anderen Objekten, Landschaften (z.B. Berggeister, Waldgeister [Mbuti ], Flußgeister, Meeresgeister), Tieren oder Pflanzen existiert oder das Leben überdauern kann.  > Grenzwissenschaften.  [W-Animismus]
    ___
    Geistig, geistig. Der Geist ist eine Funktion von Gehirnen und eine der größten Herausforderungen für die Wissenschaft, die sich damit quasi selbst zu erklären hat.  > Philosophie des Geistes. > Denken. > Bewußtsein: 1, 2, [W]
    ___
    Glauben, glauben. Glauben heißt psychologisch für wahr halten, ohne wissen zu müssen oder zu können. Der religiöse Glaube ist nur ein kleiner Teil der alltäglich zu vollbringenden Glaubensleistungen, die den meisten Menschen oft gar nicht bewußt sein müssen. Spirituell glauben heißt, spirituelle Sachverhalte für wahr zu halten, ohne Wissen zu verlangen, das aber natürlich auch nicht ausgeschlossen ist, wenn sich z.B. jemand nach einer Beichte erleichtert fühlt, so kann man das auch wissen. Im Psychologischen gilt der buddhistische Wirk-lichkeitsbegriff: wirklich ist, was wirkt, und das kann durchaus ein ausschließlich subjektiver Glaube sein.  > Beschreibung und Bedeutung des Glaubens.
    ___
    Gott. Metaphysische Konstruktion und wunschgeleitetes Phantasiegebilde, um das Bedürfnis nach einer Lenkung, Ordnung und eines  Sinnes der Welt, der Menschen und ihres Lebens zu stillen. > Gott > Fundamentalismus.
    ___
    Grenzwissenschaften. > Grenzwissenschaften.
    ___
    Heilkunde. Sie hat die Aufgabe, Störungen von Krankheitswert vorzubeugen, zu erkennen, sie zu heilen, zu bessern oder wenigstens zu lindern. Glauben im Sinne von für wahr halten spielt in der Heilkunde eine wichtige Rolle, wie man am Placeboeffekt deutlich sieht. Doch gibt es natürlich auch viele Störungen, die durch glauben gar nicht oder nur sehr gering beeinflußbar sind. Die Zusammenhänge und differentialdiagnostischen Unterscheidungen, wo, wie stark welche Komponente eine Rolle spielt, sind bislang wenig erforscht. Leider stehen sich die beiden Richtungen, hier sog. wissenschaftliche Heilkunde, dort alternative Heilweisen skeptisch bis feindlich gegenüber. [W]
    ___
    Himmel und Hölle. Religionspädagogische Lock- und Zuchtmittel, die Wunsch- und Lebensvorstellungen vieler Gläubiger nahe kommen und die psychologischen Prinzipien von Lohn und Strafe nutzen. Manchmal, und dann ist es für die Welt gefährlich, sind mit Himmels- und Höllenerwartungen auch die Geschäftsidee einer Missionierung (Ethnozid) verbunden, was konkurrierende Religionen z.T. unter Androhung der Todesstrafe ahnden.
    ___
    Ideologie. Weltbild, Menschenbild, ein persönlich geistiges System, die Welt und das Geschehen einzuordnen, sozusagen durch welche Brille oder Filter man die Welt wahrnimmt, beurteilt und bewertet.   [W]
    ___
    Im Eisler, Rudolf (1927-1930, 4.A.). Wörterbuch der philosophischen Begriffe. 3 Bde. Berlin. (fett RS):
       "Spiritualismus (spiritus, Geist) heißt die metaphysische Ansicht, daß die absolute Wirklichkeit Geist, geistig, seelisch sei, aus einer Summe von geistigen Wesen (Monaden, s. d.) bestehe, so daß das Körperliche nur eine Erscheinung des Geistigen, eine Objectivation oder ein Product der Seele sei. Der Spiritualismus denkt sich das An-sich (s. d.) der Dinge als ein dem eigenen Ich analoges Innen-, Für-sich-sein. Der spiritualistische Dualismus in der Psychologie betrachtet Leib und Seele als zwei selbständige Substanzen, Wesenheiten, nur daß die Qualität beider nicht heterogen ist, der spiritualistische Monismus faßt die Seele als das An-sich des Leibes (s. Identitätsphilosophie).
        Spiritualistische Lehren finden sich bei PLATO, ARISTOTELES, besonders bei PLOTIN und bei Monadologen (s. d.). Einen spiritualistischen Idealismus (s. d.) lehrt BROOKE. Den neueren Spiritualismus begründen und lehren LEIBNIZ, BERKELEY, HERBART, SCHOPENHAUER, LOTZE, J. H. FICHTE, ULRICI, FECHNER, WUNDT, E. v. HARTMANN, J. BERGMANN (Syst. d. object. Ideal., 1903), L. BUSSE, BOSTRÖM u. a. Nach FERRIER existieren an sich Geister - zugleich mit ihren Vorstellungsinhalten (Works, 1866). Als eine Manifestation geistiger Wesen fassen die Welt auf FRASER, COLLYNS-SIMONS, J. WARD (Naturalism and Agnosticism, 1899) u. a.. ferner L. FERRI, L. AMBROSI u.a. Spiritualisten sind JOUFFROY, V. COUSIN (Duvrai p. III, 3), BOUTROUX, SECRÉTAN, VACHEROT (Le nouveau spiritualisme, 1881), RAVAISSON (»Spiritualisme positif«), P. JANET (Princ. de Mét. II, 340), LACHELIER, FOUILLÉE, auch RENOUVIER, E. NAVILLE (La défin. de la philos., 1894), E. BOIRAC (L'idée du phen.) u. a. Vgl. Monade, Object, Identitätsphilosophie, Panpsychismus, Geist, Seele.
        Spiritualität: Geistigkeit.
        Spirituell: geistig, geistreich.
        Spiritus: Geist (s. d.), Lebenshauch, Nervengeist.
    Spiritus vitales: Lebensgeister (s. d.). Vgl. THOMAS (»spiritus animalis«, »qui est proximum instrumentum animae in operationibus, quae per corpus exercentur«, 4 sent. 49, 3). CARDANUS (De subtilit. XIV, 585). F. BACON (De dignit. IV, 2). Spiritus rector: herrschender Geist, Lenkergeist, nach den Alchymisten eine feine Substanz und Naturkraft in den Dingen, nach OETINGER in jeder Creatur vorhanden. - Nach ALBERTUS MAGNUS gibt es »spiritus corporeus« und »incorporeus« (Sum. th. I, 31, 2). MELANCHTHON versteht unter »spiritus« einen »vapor ex sanguine expressus, virtute cordis incensus, ut sit velut flammula, suppeditans in exercendis actionibus« (De an. p. 134 b). Vgl. Geist, Lebensgeister.
        Spiritus animales, vitales s. Lebensgeister.
        Spiritus rector s. Spiritus."
    ___
    Im Grimmschen Deutschen Wörterbuch gibt es nur den Eintrag: "SPIRITUS [Lfg. 16,14], m. das lat. wort wird von den alchymisten des 16. jahrh. in dem verengten sinne einer durch destillation gewonnenen wesenhaften flüssigkeit von körpern gebraucht. aus den laboratorien geht im 17. jahrh. das wort in die gemeine sprache über, anfangs noch in fremder form und fremder declination: da hab ich dann allerhand spiritus (plur.), und giesz ein paar tropfen hinein, so hab ich allerley wein. SCHUPPIUS109; man hänge solches brod in ein gefäsze mit wein, es musz aber das brod den wein nicht berühren, so wird solches heisze brod den rechten spiritum, oder die kräftige essenz an sich ziehen. HOHBERG  2, 241a; mach ein salz, solchs dissolvier wieder in obgedachten spiritu. 241b; woneben versuche gehen, hierfür das deutsche geist einzubürgern, die freilich nicht völlig durchdringen (vgl. die ausführliche darstellung unter geist, theil 42, 2651 fg.). seit dem 18. jahrh. engt sich das fremde wort (undeclinierbar und ohne plur.) meist auf das destillationsproduct von wein (vgl. weingeist) ein:

    wie wein von einem chemikus
    durch die retort getrieben,
    zum teufel ist der spiritus,
    das flegma ist geblieben. SCHILLER1, 269;

              namentlich zu brennzwecken verwendet: statt der kerze brannte spiritus in einer silbernen kapsel. 4, 214; bläulich ... wie brennender spiritus. FREYTAG verl. handschr.1, 3; die meinige (liebe) ist ein brennender spiritus. KOTZEBUE wirrwarr2, 5; zu andern zwecken: die haut mit spiritus einreiben; käfer in spiritus setzen; fräulein Hansa zog das fläschchen mit spiritus, das sie stets bei sich trug, aus der tasche und that einen sprung unter die bäume, wo sie die langen fühlhörner eines käfers aus einer bemoosten rinde hervorstehen sah. gleich darauf versank der arme waldbruder in das fegefeuer des fläschchens. KELLER sinngedichts. 388. von spiritus hat sich die form sprit abgezweigt, mit wieder geänderter bedeutung (s. d.)."
    ___
    Kult. Ein zusammenhängendes System, wie bestimmte metaphysische / religiöse Sachverhalte zu verstehen und durchzuführen sind (z.B. Verabreichung der Kommunion, Taufe, letzte Ölung; Mutprobe der Kumari in der Schwarzen Nacht). > Ritus.  [W]
    ___
    Logotherapie. Logos (gr.), Sinn, Vernunft. Ein Therapiekonzept  [W], das ausdrücklich das Fehlen von Sinn für Störungen verantwortlich macht und deshalb die Sinnfrage zum Thema der Psychotherapie macht.  Zwar hat Viktor Frankl [W] unermüdlich von der Sinnkrise des modernen Menschen geredet in 27 Büchern, die in 20 Sprachen übersetzt wurden und in zahllosen Vorträgen. Aber ein konkretes Therapieprogramm für dieses Problem hat er nie auf die Beine gestellt - wieder eine der merkwürdigen Paradoxien, die uns im Leben, der Wissenschaft und auch in der Psychotherapie ständig begegnen: der Altmeister des Paradoxen liefert selbst eine Paradoxie. Das kann aber auch an seiner Nähe zu östlichen Weisheit liegen, nach der ja ausdrücklich jeder seinen eigenen Erlösungsweg finden muss. Die PsychotherapeutIn ist in diesem Sinne nur eine methodische HelferIn des WIE, aber nicht des WAS. > Existenzielle Psychotherapie.
    ___
    Magie. Die Lehre von Fähigkeiten, der Umwelt seinen Willen aufzuzwingen. Im engeren Sinne, über geheime und besondere Kräfte und Fähigkeiten verfügen, z.B. durch Bann oder Fluch einen Voodoo-Tod herbeizuführen. > Grenzwissenschaften.  [W]
    ___
    Metaphysik. Hinter der Natur (den Erscheinungen, dem Messbaren). All die Inhalte, die durch den Geist in die Welt kommen. Wichtige metaphysische Fragen sind: (1) "Erklärung" der Welt (Schöpfung), (2) Lenkung (Gott), Ordnung und Sinn der Welt, (3) Sinn des Menschenlebens, (4) Umgang und Bewältigung des Todes, (5) gibt es ein Danach?  > Metaphysik  > metaphysische Bedürfnisse > Regeln und Prinzipien metaphysischer Beratung > Grenzwissenschaften.
    ___
    Mystik. Ein psychologisches persönlich zu suchendes Tun, das im inneren Erleben und einer Gewißheitserfahrung gipfelt, dass alles zusammenhängt und letztlich eins ist (Brahma und Atma verschmelzen). Formalpsychopathologisch vermutlich ein gewollter und sehr positiv bewerteter psychotischer Zustand. >  Borchert (1997).   [W]
    ___
    Okkultismus. okkult = verborgen, geheim.  > Grenzwissenschaften.  [W]
    ___
    Parapsychologie. Para = jenseits, weiter, über. Psychologie der sog. übernatürlichen Erscheinungen. > Grenzwissenschaften. [W]
    ___
    Philosophie des Geistes. Im allgemeinen die Lehre vom Geist, vom Denken und der Erkenntnis, im engeren Sinne die Lehre vom Bewusstsein, Subjekt-Objekt-Problem: wie kann man erklären, dass man sich selbst erkennen und verstehen kann: was bedeutet es, dass ich mich selbst wahrnehme, wer sind hier "ich" und "mich"? > Reflexivität > Selbst (Ich-Identität). [W]
    ___
    Placeboeffekt. Psychogene Genesung aufgrund des Glaubens, zu genesen. Heilmittel, die keinen nachgewiesenen Wirkstoff enthalten, werden auch Placebos genannt. Heileffekte können bis 70% durch Placeboeffekte zustande kommen, das ist eine außerordentlich hohe Rate, die zeigt, wie wichtig Glaubensheilungen sein können. Die genauen Zusammenhänge sind bislang weitgehend unerforscht.  [W]
    ___
    Psychomoden.
    ___
    Psychoszene. Das Kunterbunt an "Therapie"angeboten, Heilsversprechen, Methoden, Techniken, GeschäftemacherInnen, Gurus, SektiererInnen, BetrügerInnen und GauklerInnen unterschiedlichster Bildung, Ausbildung und Herkunft - auch im sog. professionellen Feld. Die Hoch-Zeit war in den 1970 - 1980er Jahren als beinah täglich eine neue "Therapie" durch die Medien geisterte und ein Therapieführer nach dem anderen auf den Markt kam. Tatsächlich stecken hinter all der kunterbunten Vielfalt nur zwei reale Faktoren: (1) die schlichte Kombinatorik der verschiedenen Heilmittel, Verfahren, Methoden und Techniken, die selbst bei nur mässig vielen Elementen leicht in die Billionen gehen können und (2) die Wünsche und Sehnsüchte der Menschen, schnelle und einfache Wege zur Heilung oder zum Wohlbefinden zu finden. Das ist eine der größten Schwächen der westlichen Kultur: schnell, einfach, mühelos muss alles (schief) gehen.
    ___
    Psychotherapie. Psychotherapie setzt am Erleben und Verhalten an, um Störungen von Krankheitswert zu heilen, zu bessern oder zu lindern. Beispiel Integrative Psychotherapie. > TOP-10. Theoretische Organisations-Prinzipien des Therapieprozesses > Psychotherapierichtlinien >
    ___
    Reflexivität. Sich selbst betrachten können (bewußt sein kann als wahrnehmen, dass man wahrnehmt gesehen werden: Systeme, die wahrnehmen, dass sie wahrnehmen, wären in diesem Sinn bewußtseinsfähig. Demnach sollten Bewußtseinsmaschinen (höhere Roboter) möglich sein. Mit dem Bau solcher Bewußtseinsmaschinen, sollten wir über die Funktionsweise, Struktur und Grundlagen des Bewußtseins viel lernen können. Psychologisch in diese Richtung gehen Dörner und sein Team (Bauplan für eine Seele).
    ___
    Religion. Besondere Lehren von der Schöpfung und dem Sinn der Welt, des Menschen und des Lebens, Todes und danach. Während es nur eine Physik oder Chemie gibt, gibt es Abertausende von Religionslehren, was ihre Gruppen-Subjektivität und Unwissenschaftlichkeit beweist. > Grenzwissenschaften. [W]
    ___
    Ritual, Ritus. Im engeren, ursprünglichen Sinne ein festgelegter, meist starrer, oft auch geheimer, hohen Priestern, Schamanen oder Zauberern vorbehaltener Brauch, wie kultische, magische oder religiöse Handlungen durchzuführen sind, z.B. Initiations-, Inthronisations-, Ehrungs- oder Opferriten. Im weiteren Sinne alles regelhafte, formorientierte Handeln (z.B., aufstehen im Gericht als Achtungsbezeugung vor dem Recht). Einfache Beispiele: Gottesdienst, Taufe, Beerdigung; Meditationsrituale, Yoga. Aus dem Psychotherapieumfeld z.B. das Autogene Training. Im übertragenen Sinne "Alltagsrituale": Schule, Tischgebet, Zähne putzen; zu Bett-Geh-Rituale mit den Kindern. Im psychopathologischen Bereich zwanghafte [1] Störungen vielfältigster Art, z.B. Wasch- oder Räusperzwang [W]
    ___
    schwarze Pädagogik. Hauptsächlich mit Furcht und Schrecken, Drohung und Strafe arbeitende "Pädagogik". Hier wird vor allem die Peitsche aus dem geflügelten Wort mit Zuckerbrot und Peitsche benutzt.  [W]
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    Seelsorge. Wichtige Einrichtung, die Menschen in ihren spirituellen, religiösen oder metaphysischen Belangen hilft, berät, tröstet, zur Seite steht, aber auch Orientierung, Lenkung und Leitung bieten kann. Schamanen, Priester und Philosophen sind die historischen Vorläufer der inzwischen professionell etablierten Psychotherapie. Bei metaphysischen Konflikten in Psychotherapien kann manchmal die Hinzuziehung von SeelsorgerInnen der in Frage kommenden Glaubensgemeinschaft hilfreich erscheinen. Seelsorgerische und psychotherapeutische Methoden haben manches gemeinsam.
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    Sekte. Meist entwertend gebrauchte Bezeichnung für eine kleine Glaubensgemeinschaft oder spirituelle Gruppe. Zwischen großen und kleinen solchen Gemeinschaften gibt es keinen grundsätzlichen, nur einen soziologischen Unterschied. Psychopathologische und kriminelle Erscheinungen sind in großen Glaubensgemeinschaften (z.B. Kreuzzüge, Hexenverbrennungen, Unterdrückung und Verfolgung  Andersgläubiger) sogar viel gefährlicher, da die potentiellen Täter und Opfer große Massen betreffen.
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    Sinn. Eine jenseits der Wissenschaft liegende Möglichkeit, Geschehen nach Zweck und Wert zu deuten, die durch Gehirne, die Geist erzeugen, in die Welt kommt. > Sinn-1 > Sinn-2 > Sinn-3, > Heilmittel Werten  [W]
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    Spiritismus. Lehre von den Geistern und der Kommunikation mit ihnen. Objektiv gibt es keine Geister. Sie sind ein schöpferisches Phantasieprodukt wie Gott, Teufel, Engel etc. > Grenzwissenschaften.  [W]
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    Sure 4,29. In "meinem" Koran (Goldmann, 1959 übertragen von Ludwig Ullmann und neu bearbeitet von L. W. Winter, S. 74, fett RS) ist es Sure 4,30. Dort heißt es: "O Gläubige, verschwendet euer  Vermögen nicht untereinander für Eitles, doch treibt Handel in beiderseitigem Einverständnis; und mordet euch nicht selbst; seht, Allah ist barmherzig mit euch."
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    Teufel. Metaphysische Konstruktion und wunschgeleitetes Phantasiegebilde, eine Projektionsfigur für das Böse und Schlechte, für Strafe und Rache, um die Gläubigen zu motivieren, sich an die Gebote und Verbote der Glaubensgemeinschaft zu halten, ein Überbleibsel primitivster schwarzer Pädagogik. Meist Gegenspieler Gottes, es gibt aber auch TeufelsanbeterInnen und Satanskulte.
    ___
    Voodoo, Voodoo-Tod. Rein sachlich: psychogener Tod, der auf dem Glauben beruht, sterben zu müssen, z. B. weil etwa ein Bann oder Fluch ausgestoßen oder ein Tabu verletzt wurde (aber nicht nur deshalb > Schmid, Gary Bruno, 2004). Sozusagen ein Gegenstück zum Placeboeffekt.
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    Weltanschauung. Weltbild und Menschenbild, oft nicht sehr bewußt und nicht selten stimmt auch das, was jemand meint, an "theoretischer" Weltanschauung zu haben, mit seinem Verhalten und seinen Handlungen nicht überein (Abwehr, blinder Fleck), wobei man im Zweifelsfall  mehr das Verhalten und Handeln als den rhetorischen Entwurf, den jemand von sich darbietet, gewichten sollte. Vorsicht ist auch in der Selbstdarstellung metaphysischer Aktivisten, Propheten, Heilsbringer, hoher Priester, Pfarrer und Gurus angezeigt. [W]
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    Zauber, Zauberei. 1) jemand, der magische Kräfte für sich in Anspruch nimmt; 2) professioneller Unterhaltungskünstler der unsere Wahrnehmung und Informationsverarbeitung so geschickt und eindrucksvoll täuschen kann, dass wir denken könnten, er verfügt tatsächlich über magische Kräfte > Grenzwissenschaften.  [W]
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    Änderungen Kleinere Änderungen werden nicht extra ausgewiesen; wird gelegentlich überarbeitet und ergänzt.
    27..08.06    Reflexivität.


    Querverweise
    _Standort: Spiritualität.
    Überblick und Kritik der Metaphysik, Religion, Sekten, Ideologie und Weltanschauung.
    Beweis und beweisen in Metaphysik, Esoterik und Grenzwissenschaften.
     Überblick Definitionslehre und Definitionsprobleme in der IP-GIPT.
    Psychomoden und psychische Epidmieen.
    Welten  * Aufbau einer Wissenschaftssprache in Psychologie, Psychopathologie und Psychotherapie.
    Allgemeine Theorie und Praxis des Vergleichens und der Vergleichbarkeit. Grundlagen einer psychologischen Meßtheorie.
    Überblick Wissenschaft in der GIPT.
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    z.B. Spiritualität site:www.sgipt.org. * Worte Begriffe site:www.sgipt.org.
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    Zitierung
    Sponsel, Rudolf  (DAS). Spiritualität. Eine psychologische Untersuchung. Abstrakte Grundbegriffe aus den Wissenschaften: Analogien, Modelle und Metaphern für die allgemeine und integrative Psychologie und Psychotherapie sowie Grundkategorien zur Denk- und Entwicklungspsychologie. InternetPublikation - General and Integrative Psychotherapy   IP-GIPT. Erlangen: http://www.sgipt.org/wisms/gb/spirit0.htm
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