Exorzismus
Entwurf für ein Exorzismus Gesetz.
Zur Aufklärung geht'shier.
Zusammenfassung * Bedeutung, Wort- & Begriffsfeld * Aktualität * Geschichte * Fälle * Tagungen * Psychopathologie * Literatur * Links * Querverweise
von Rudolf Sponsel, Erlangen
Zusammenfassung
- Abstract.
Der Exorzismus als religiöse Praktik der Dämonenaustreibung
entspringt einer allgemeinen und besonders christlichen Geistesverirrung
und gehört seit der Aufklärung
verboten, unter Strafe gestellt oder - in Deutschland - wenigstens mit
der Entziehung des Kirchensteuerprivilegs geahndet. Aber unter dem Deckmantel
der Religionsfreiheit, der unverantwortlichen Esoterikpropaganda der neuen
Medien und des Privatfernsehens im Einklang und unter der Führung
des neuen Papstes Benedict
XVI. scheint eher das Gegenteil und ein extremer Rückfall
in das Finstere-Irrationale gefördert zu werden.
Bedeutung,
Wort und Begriffsumfeld der dem Exorzismus zugrunde liegenden Erscheinungen
Besessenheit, böse Geister, Dämonen, Satan, Teufel, verrückt,
(Religiösen) Wahn, Psychose, Raserei.
Im Lexikon der Sekten, Sondergruppen und Weltanschauungen
(1995, Sp. 108f) wird von Bernhard Wenisch zur Besessenheit ausgeführt:
"Theologische Skizze
Das Neue Testament versteht unter Besessenheit einen Zustand, in dem
ein Mensch durch Dämonen seiner psychischen Selbstverfügung beraubt
und mehr oder weniger zum Spielball dieser im Christentum immer als destruktiv
und zum Reich des Satans gehörig verstandenen Geistwesen wird. Symptome
für Besessenheit können sein: epileptische Anfälle, Wechsel
des Charakters, Tobsucht, ungewöhnliche Kräfte, Aggression gegen
das Religiöse, psychische Hellsichtigkeit. Jesus half vielen derart
Betroffenen durch Exorzismus, d.h. durch einen den Dämonen erteilten
Befehl, ihre Opfer zu verlassen, wodurch diese von ihren zwanghaften Ausnahmezuständen
frei wurden. Dieses Wirken verstand er als ein bedeutsames Zeichen für
die Macht des durch ihn anbrechenden Gottesreiches. - Gestützt auf
psychiatrische, tiefen- und sozialpsychologische Erkenntnisse, erklären
heute viele Theologen mit Recht derartige Zustandsbilder nicht mehr durch
die Annahme eines direkten Einflusses persönlicher Geistwesen. Jesus
und seine Zeitgenossen deuteten damals herrschenden Auffassungen entsprechend
Affektionen dämonologisch, in denen wir heute Epilepsie, psychotische
Zustände, Persönlichkeitsspaltung, neurotische Störungen
sehen; auch eventuelle paranormale Vorgänge sind nach Auskunft der
Parapsychologie kein Indiz für ein unmittelbares Wirken von Geistern.
Diese Erklärung bedeutet nicht, daß die Situation der Betroffenen
nicht auch eine religiöse Dimension und nicht auch etwas mit der Verstrickung
des Menschen in die Macht des Bösen zu tun hat. Neben medizinischer
und human-wissenschaftlicher Kompetenz ist hier auch die charismatische
Kraft des Seelsorgers gefragt, der es versteht, dem Menschen zur Begegnung
mit Gott, des[> 109]sen schöpferischer Präsenz menschliche Freiheit
und menschliches Heil im letzten entspringen, zu verhelfen.
Fundamentalistische Sicht
Die eben gegebene Interpretation wird vom Fundamentalismus unter Berufung
auf die Schriftautorität abgelehnt. In evangelikalen und vor allem
in pfingstlerisch orientierten Gruppierungen innerhalb und außerhalb
der großen Kirchen wird die unmittelbar dämonologische Deutung
vieler psychischer Syndrome verteidigt. Daß Menschen derart in den
Machtbereich böser Geister kommen, geht nach Meinung dieser Kreise
oft auf die Ausübung von Okkultpraktiken zurück: Diese führten
häufig zu dämonischer Belastung oder zu voller Besessenheit.
Heilung könne in der Regel nur durch Exorzismus erfolgen. Tatsächlich
kann ein Exorzismus - bei entsprechender psychischer Disposition des Betroffenen
- durch die massive Suggestion, die von einem solchen Ritual ausgeht, den
Symptomkomplex dämpfen oder zum Verschwinden bringen. Er kann aber
auch dazu führen, daß es zwischen dem Kranken, dem Exorzisten
und der die beiden zumeist umgebenden gläubigen Gemeinde zu unbewußten
Inszenierungen von Rollen kommt, aus denen ein Ausstieg unmöglich
wird: Die Exorzismen ziehen sich dann endlos hin, und der Zustand des Kranken
verschlimmert sich. - Eine der fundamentalistischen Auffassung der Besessenheit
ähnliche Lehre vertreten auch manche katholische (meist traditionalistisch
ausgerichtete) Gruppen.
Nichtchristlicher Kontext
In manchen nicht dem Christentum zuzurechnenden religiösen und
weltanschaulichen Gruppierungen kennt man auch das - oft als positiv bewertete,
erwünschte und rituell herbeigeführte - Besessensein von nichtdestruktiven
Geistern. So glauben z.B. manche Spiritisten, daß Seelen Verstorbener
sich in lebenden Menschen unter Ausschaltung von deren bewußter Selbststeuerung
ver[>110]körpern können - mit oder ohne Einwilligung der Betroffenen.
In den Kultfeiern der brasilianischen Umbanda-Religion geht es darum,
daß sich geistig-göttliche Wesen der Teilnehmer bedienen, wie
der Reiter sich des Pferdes bedient, und daß auf diese Weise ihr
übernatürliches Wissen manifest und ihre wundertätige Macht
wirksam werden kann. Auch manche Geistheiler nehmen an, daß
bei ihrer Tätigkeit Geister die Führung übernehmen würden.
Letztlich handelt es sich hier um ein auf schamanistische Wurzeln zurückgehendes
Verständnis von Heilung: Die Schamanen glauben, daß sie
nicht nur durch Jenseitsreisen der Seele mit Geistern in Kontakt treten
können, sondern daß diese manchmal auch von ihnen Besitz ergreifen
und durch sie anderen Menschen Weisung geben, schädliche Geister vertreiben
und Heilung vermitteln.
In der Deutung derartiger Bewußtseinszustände wird
man sich tiefen- und sozialpsychologischer und eventuell auch parapsychologischer
Denkansätze bedienen, wobei sicher Fragen offenbleiben. Die von Christen
bezeugte Erfahrung des Ergriffenseins vom Geist Gottes unterscheidet sich
von den besprochenen Erlebnissen schon rein phänomenologisch in ganz
entscheidender Weise, weil in ihr die menschliche Freiheit nicht ausgeschaltet,
sondern in höchster Weise angerufen wird."
Skeptischeecke: "Ein Exorzismus
ist ein religiöses Ritual, um Satan oder böse Geister aus einem
Menschen, einem Ort oder einem Gegenstand zu treiben, der besessen ist.
In der Antike hatten viele Kulturen solche Rituale. Heutzutage glaubt die
katholische Kirche noch immer an teuflische Besessenheit, und ihre Priester
führen noch immer etwas durch, das „echter Exorzismus" genannt wird,
wobei sie heiliges Wasser, Anrufungen, zahlreiche Gebete, Weihrauch, Reliquien
oder christliche Symbole wie das Kreuz verwenden, um die bösen Geister
zu bannen. Die meisten protestantischen Sekten glauben ebenfalls an satanische
Besessenheit und Exorzismus." [Quelle
und mehr]
In Polen
entsteht ein Exorzismus-Zentrum
apa/dpa warschau 18.
Dezember 2007: "In Polen soll in der Nähe der deutsch-polnischen
Grenze ein Exorzismus-Zentrum entstehen. Ein Priester plane im pommerischen
Dorf Poczernin, 30 Kilometer östlich von Stettin (Szczecin), eine
Einrichtung für angeblich vom Teufel besessene Menschen, berichtete
die polnische Zeitung "Dziennik". In der vergangenen Woche hätten
die kirchlichen Behörden das Projekt genehmigt, hieß es.
... Der Zeitung zufolge arbeiteten mit dem Geistlichen auch Psychiater
zusammen. In Polen seien derzeit insgesamt 50 Exorzisten tätig, so
das Blatt weiter."
Teenager
nach Teufelsaustreibung fast erblindet - Cousine vorher schon getötet
Spiegel Online 26.11.07:
"Grausiges Ritual: In Neuseeland hat ein 14-jähriges Maori-Mädchen
bei einer Teufelsaustreibung fast sein Augenlicht verloren. Die Verwandten
hatten ihm die Augen auskratzen wollen, berichtet eine örtliche Zeitung.
..."
derstandard 27.11.07:
" ... Cousine des Mädchens starb schon zuvor bei Teufelsaustreibung
- 40 Familienangehörige beteiligt"
Tod
durch Exorzismus bei psychisch krankem Opfer: 14 Jahre Haft für rumänischen
orthodoxen Priester.
Radio Vatican meldet am 19.2.7:
"Wegen Kreuzigung einer Ordensfrau bei einem vermeintlichen Exorzismus
muss in Rumänien ein orthodoxer Priester für 14 Jahre ins Gefängnis.
Vier beteiligte Mitschwestern wurden laut rumänischen Medienberichten
heute zu je fünf bis acht Jahren Haft wegen Freiheitsberaubung mit
Todesfolge verurteilt. Zudem müssten sie den Eltern des Opfers umgerechnet
3.000 Euro Entschädigung zahlen. Bei der Untersuchung des Vorfalls
vom Juni 2005 hatten sich der Mönch Daniel Corogeanu und die vier
Ordensfrauen für "unschuldig" erklärt. Sie hätten die "vom
Teufel besessene" 23-jährige Nonne Irina Cornici mit der Kreuzigung
im Kloster in Tanacu vom "Bösen befreien" wollen. Der zuständige
orthodoxe Bischof schloss die fünf Ordensleute aus ihren Klöstern
aus. Der Fall löste in Rumänien eine Debatte über Einfluss,
Wirken und Methoden der orthodoxen Kirche aus. (kna 19.02.07 mg)" *
T-Online/dpa
teilt zudem mit:"... Bei den Ermittlungen hatte sich herausgestellt,
dass das Opfer psychisch krank war und sich deswegen auffällig verhalten
hatte. Der Pfarrer und die Nonnen hatten deswegen angenommen, die Frau
sei vom Teufel besessen. ..."
_
Bis
heute sind hunderte Exorzisten im Auftrag der katholischen Kirche unterwegs.
"Bis heute sind hunderte Exorzisten im Auftrag der katholischen Kirche
unterwegs. Vom "Wirken Satans und dämonischer Mächte" ist der
Vatikan weiterhin überzeugt. Auch in islamischen Ländern gibt
es Teufelsaustreibungen, die Exorzisten berufen sich auf den Koran und
verweisen auf die darin beschriebenen "Dschinns". Jährlich finden
weltweit tausende sowohl von Religionsgemeinschaften genehmigte als auch
"wilde Exorzismen" statt. Oft sind neurologisch oder psychisch kranke Kinder
Opfer solcher Riten. Noch heutzutage werden Menschen mit Spasmen, Epilepsien,
Tourette-Syndrom, Psychosen, aber auch Blinde und Taube dämonisiert,
misshandelt oder getötet." [Quelle
und mehr]
Pfingstkirchen in Brasilien.
"... In Brasilien spalten sich die so genannten Evangelikalen ("Evangelicos"),
die auf spektakuläre Wunderheilungen und Exorzismus spezialisiert
sind, in etwa 17.000 Richtungen auf. Laut der in den USA erarbeiteten Studie
finden die Universalkirche vom Reich Gottes, die Gottesversammlung sowie
"Wiedergeburt in Christus" die meisten Anhänger. ... " [Quelle kipa
29.1.7]
Römische
Uni bietet Exorzismus Seminare an.
Hierzu auch Monitor (24.11.5). * Der Spiegel (2.7.5) *
CVJM Ortverein Hildesheim: Exorzismus-Vorwürfe: [1,2,3,] Google Stichworte <CVJM Exorzismus>,
Quelle
und mehr (Schnappschuß am
12.9.6).
Exorzismus
an Bangkoker Flughafen. Ritual wurde von Geist unterbrochen
"Bangkok/ Thailand - Am vergangenen Wochenende war im neuen Bangkoker
Flughafen "Suvarnabhumi International Airport Bangkok" ein Ritual durchgeführt
worden, nachdem mehrfach Gerüchte über geisterhafte Erscheinungen
die Runde machten. Während des Baus des neuen Flughafens, welcher
diese Woche am 28. September eröffnet werden soll, waren des Öfteren
von Arbeitern Geister und Gespenster gesehen worden. Um die Bedenken über
Geister und ruhelosen Seelen zu zerstreuen und die zukünftigen Fluggäste
und Bediensteten zu beruhigen, ließen die Betreiber ein "Exorzismus-Ritual"
auf dem Gelände durchführen. Insgesamt 99 buddhistische Mönche
waren am Samstag auf das Gelände angereist um anschließend eine
Zeremonie abzuhalten. Durch diese, so ein Beamter der "Airports Authority
of Thailand", sollte eine Entschuldigung an die Geister – der Tiere und
anderer Wesen – ausgesprochen werden, welche beim Bau des Flughafens und
der Trockenlegung des Sumpflandes zu Schaden kamen. ... " [Mehr an der
Sekundär-Quelle paranews
25.9.6]
Unvatikanischer
Massen-Exorzismus in Sambia.
Der Bischof wurde exkommuniziert, weil er vier verheiratete Männer
in New York zu Bischöfen ernannte. Sein unrömischer Massen-Exorzismus
in Sambia war nicht der Grund. Im Bericht der Basler Zeitung Online heißt
es u.a.: "Milingo war schon mehrmals mit dem Heiligen Stuhl aneinander
geraten. Unter anderem wurde ihm vorgeworfen, er habe mit Massen-Exorzismus
und Heilzeremonien afrikanische Stammesriten unterstützt. 2001 hatte
Milingo sogar eine südkoreanische Akupunkteurin geheiratet. Mit dem
aktuellen Vorfall hat er das Fass nun scheinbar zum Überlaufen gebracht.
Der Vatikan erklärte, man habe nun die Geduld mit ihm verloren." [Q]
Ärztin riet zum Exorzismus. Sie muss sich nun verantworten (Paranews.net 08.11.2006): "London/ Großbritannien - Laut einer Meldung des britischen Boulevard-Blattes "Sun", habe eine Ärztin in London einer Frau während einer Sprechstunde dazu geraten, einen Exorzismus an sich durchführen zu lassen. Die Medizinerin muss nun um ihre Approbation fürchten. Die Patientin, deren Identität nicht bekannt gegeben wurde, hatte am Montag die Ärztin Dr. Joyce Pratt aufgesucht, um sich über Empfängnisverhütung beraten zu lassen. Während der Sprechstunde habe Pratt der Patientin erklärt, dass sich "etwas in ihrem Bauch bewegte", sie würde etwas "Schreckliches in sich tragen" und sei von einem bösen Zauber befallen. Um das Böse, samt den verursachenden Geistern aus ihrem Körper zu vertreiben, so der Rat der Ärztin, müsse die Frau umgehend die Hilfe eines Priesters der "Catholic Westminster Cathedral" ersuchen. Dieser könne dann einen Exorzismus durchführen. ..."
Exorzismus eines Büros: "Schottische Firma hat Geisterproblem. Priester soll helfen." ... so das Paranews.net am 13.11.6: "... Nachdem sich die sonderbaren Geschehnisse in den vergangenen Monaten verstärkten, hatte die Firmenleitung den Priester Bruce Jamieson um Hilfe gebeten. Man entschloss sich zusammen dazu die Situation zunächst noch einen Monat zu verfolgen und nötigenfalls einen Exorzismus der Büros durchführen zulassen."
Immer
mehr Tiroler wollen Hilfe von Exorzisten [Tirol.com
5.12.6]
"Immer mehr Tiroler erhoffen sich von einem Teufelsaustreiber Heilung.
Die Diözese wird mit einem neuen Trend konfrontiert.
Die Diözese Innsbruck hält nichts von Exorzismen. Es klingt
unglaublich, aber es ist wahr: Die Zahl jener Tiroler, die beim Weltanschauungsreferat
der Diözese Innsbruck um einen Exorzismus bitten, steigt. Die Betroffenen
erhoffen sich eine rasche Heilung von ihren Angstzuständen; von den
Stimmen, die sie hören; von Geräuschen und von Erscheinungen,
die sie sehen. "Aufgrund der vorherrschenden Okkultismuswelle und den Exorzismusfilmen
glauben sie dann, dass sie ebenfalls von Dämonen besessen sind", erklärt
Wolfgang Mischitz, Leiter des Weltanschauungsreferats, den Exorzismus-Boom
und die starke Nachfrage nach Teufelsaustreibern. ... "
Im Wörterbuch Kirchengeschichte von Georg Denzler & Carl Andresen ( S.1982, 97, 2004, S. 210f) wird ausgeführt: "Exorzismus (griech. exorkizein = Dämonen vertreiben), offiz. Beschwörung einer Person oder Sache zur Abwehr gottfeindl. Mächte. Zuerst bei Kranken als vom Satan besessenen Personen vorgenommen, wurde der E. im 3. Jh. bei => Katechumenen praktiziert und bald zu einem Bestandteil des Taufritus; nur bei der => Nestorianischen Kirche nicht geübt, weil sie die Erbsünde leugnet. Schon die => Alte Kirche kannte den mit der Spendung des E. bevollmächtigten Kleriker, den sog. Exorzisten: vom MA an gehörte das Exorzistat zu den vier niederen Weihen, die bis in unsere Zeit eine Durchgangsstufe zur Priesterweihe bildeten. In dem von Paul V. 1614 veröff. 'Rituale Romanum' ist der sog. große oder feierl. E. über einen Besessenen vorgesehen. Nach CIC c. 1151f. (=> Kirchenrechtsquellen) darf der feierl. E. nur mit ausdrückl. Genehmigung des zuständigen Bf. vorgenommen werden. Aus Mißverständnissen (Magie, Aberglaube) [<210] erwachsene Mißbräuche im Bereich des E. waren häufig. Weltweites Aufsehen erregte 1976 der an einer 24jährigen Studentin in Klingenberg (Diöz. Würzburg) mehrmals vorgenommene E. Die Studentin starb bald darauf."
"In seiner kürzesten christlichen Form lautet die Formel des Exorzismus: "Ich gebiete dir, unreiner Geist, als Diener der Kirche in der Kraft des gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus Christus, weiche!" Der auch heute in der katholischen Kirche geltende Exorzismus geht auf das "Rituale Romanum" aus dem Jahr 1614 von Papst Paul V. zurück. Darin wird die Folge von Gebeten, Bibelversen und Beschwörungen sowie das Erkennen und Verhören der Dämonen geregelt. Der Exorzist soll den Dämonen das Dasein in der besessenen Person derart vergällen, dass sie aufgeben und "ausfahren". Zulässige Hilfsmittel: Kruzifix, Rosenkranz, Weihwasser und andere geweihte Gegenstände." [Quelle und mehr]
Das elektronische Informationssystem über Sekten, neue religiöse und ideologische Gemeinschaften und Psychogruppen in Deutschland. Impressum Religio Jena, 1994-2005: "In der frühkatholischen Kirche des 3. Jahrhunderts nach Christi war der Beruf des Exorzisten ein kirchliches Amt. Die Exorzisten gehörten zu den "ordines minores" (lat.: Niedere Diener), d.h. zum niederen Priestertum. Wahrscheinlich wurde das Amt von Bischof Fabian (236 - 250) in Rom eingeführt. Das Amt des Exorzisten war nur in der westlichen Kirche, der späteren Römisch-katholischen Kirche, bekannt. Die Ostkirchen kannten das Amt nicht." [Quelle und mehr]
Quelle Vatikan: "1673 Wenn die Kirche öffentlich und autoritativ im Namen Jesu Christi darum betet, daß eine Person oder ein Gegenstand vor der Macht des bösen Feindes beschützt und seiner Herrschaft entrissen wird, spricht man von einem Exorzismus. Jesus hat solche Gebete vollzogen [Vgl. Mk 1,25-26]; von ihm hat die Kirche Vollmacht und Auftrag, Exorzismen vorzunehmen [Vgl. Mk 3,15; 6,7.13; 16,17.]. In einfacher Form wird der Exorzismus bei der Feier der Taufe vollzogen. Der feierliche, sogenannte Große Exorzismus darf nur von einem Priester und nur mit Erlaubnis des Bischofs vorgenommen werden. Man muß dabei klug vorgehen und sich streng an die von der Kirche aufgestellten Regeln halten. Der Exorzismus dient dazu, Dämonen auszutreiben oder vom Einfluß von Dämonen zu befreien und zwar kraft der geistigen Autorität, die Jesus seiner Kirche anvertraut hat. Etwas ganz anderes sind Krankheiten, vor allem psychischer Art; solche zu behandeln ist Sache der ärztlichen Heilkunde. Folglich ist es wichtig, daß man, bevor man einen Exorzismus feiert, sich Gewißheit darüber verschafft, daß es sich wirklich um die Gegenwart des bösen Feindes und nicht um eine Krankheit handelt [Vgl. => CIC, can. 1172]."
Quelle Vatikan: "1237 Weil die Taufe Zeichen der Befreiung von der Sünde und deren Anstifter, dem Teufel, ist, spricht man über den Täufling einen Exorzismus (oder mehrere). Der Zelebrant salbt den Täufling oder legt ihm die Hand auf; danach widersagt der Täufling ausdrücklich dem Satan. So vorbereitet, kann er den Glauben der Kirche bekennen, dem er durch die Taufe „anvertraut" wird [Vgl. Röm 6,17]."
Quelle
Vatikan: "Art. 8 - § 1. Der Dienst des Exorzismus muss gemäß
can. 1172 CIC, dem Schreiben der Kongregation für die Glaubenslehre
vom 29. September 1985(31) und dem Rituale Romanum(32) unter Weisung des
Diözesanbischofs ausgeübt werden.
§ 2. Die im Rituale Romanum enthaltenen Exorzismusgebete müssen
von den liturgischen und nicht liturgischen Heilungsgottesdiensten unterschieden
bleiben.
§ 3. Es ist streng verboten, solche Exorzismusgebete in der Feier
der heiligen Messe, der Sakramente oder des Stundengebetes einzufügen."
"Dämonische Besessenheit. Zur Interpretation eines kulturhistorischen
Phänomens. Weingarten (Oberschwaben) 3.–7. November 1999: In Zusammenarbeit
mit der Erasmus-Universität Rotterdam und dem Institut für Geschichtliche
Landeskunde der Universität Tübingen. Das gegenwärtige
wissenschaftliche Interesse am Phänomen der Besessenheit ist – trotz
seiner Bedeutung im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Europa
– in höherem Maße erst geweckt worden, seit sich der Schwerpunkt
der Erforschung von Hexerei und Zauberei zunehmend verlagert: von den Verfolgungen
und strafrechtlichen Verfahren stärker hin zu den Inhalten des magischen
Weltbildes bzw. den Vorstellungen und Handlungen, die als »magisch«
gekennzeichnet werden können. Eine besondere Rolle spielt dabei die
Überzeugung, es könne bewirkt werden, daß ein Dämon
von einer Person Besitz ergreift. Doch führte die Annahme von Besessenheit
keineswegs immer zum Vorwurf der Hexerei, vielmehr wurden auch andere Möglichkeiten,
z.B. Geisteskrankheit, diskutiert. Zum Verständnis des Phänomens
und seiner unterschiedlichen Interpretationen muß der mittelalterlich-frühneuzeitliche
Diskurs genauer analysiert werden. Unter besonderer Berücksichtigung
der medizingeschichtlichen Entwicklungen soll durch kulturhistorisch bzw.
historisch-anthropologisch orientierte Ansätze die Perspektive der
traditionellen, vornehmlich rechtshistorischen oder klassisch sozialgeschichtlichen
Forschung erweitert werden. Dabei erscheint eine komparative Betrachtung
unabdingbar – mit der Frage, wie die hier als Besessenheit interpretierten
Verhaltensweisen zu anderen Zeiten oder in anderen Kulturen gedeutet wurden.
In Verbindung mit dem Arbeitskreis Interdisziplinäre Hexenforschung
(AKIH) laden wir alle Interessierten ganz herzlich nach Weingarten ein."
[Quelle und
mehr]
Sofern Exorzismus unerlaubte Ausübung der Heilkunde ist, kann er
als verboten gelten, jedenfalls dann, wenn damit eine notwendige heilkundliche
Hilfeleistung unterbleibt, besonders dann, wenn schwerwiegende Schäden
resultieren oder gar der Tod (Paradigma Michel)
billigend in Kauf genommen werden. Und sofern Exorzismus Verstöße
gegen das Strafrecht beinhaltet, ist er natürlich ebenfalls verboten
und steht unter Strafe. So gesehen kann man fragen, wozu braucht es denn
dann noch eines ausdrücklichen Exorzismus Gesetzes? Nun, die Gesetze
greifen sozusagen erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist,
also viel zu spät. Da es sich um Eingriffe mit nicht selten sehr schwerwiegenden
psychischen und körperlichen Schäden bis hin zum Tode handelt,
sind entsprechende Vorkehrungen sinnvoll und geboten:
| Suchen in der IP-GIPT,
z.B. mit Hilfe von "google": <suchbegriff>
site:www.sgipt.org
z.B. Exorzismus site:www.sgipt.org * Katholische Kirche site:www.sgipt.org. |
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korrigiert: irs 27.11.05