Internet Publikation für
Allgemeine und Integrative Psychotherapie
IP-GIPT DAS=31.01.2004
Internet-Erstausgabe, letzte Änderung 7.4.6
Impressum:
Diplom-PsychologInnen Irmgard Rathsmann-Sponsel und Dr. phil. Rudolf Sponsel
Stubenlohstr. 20
D-91052 Erlangen Mail:
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Cronbachs
alpha_
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Wichtige
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Willkommen in der Abteilung Wissenschaft
unserer Internet-Publikation GIPT 1)
, Bereich Meß- und Testtheorie, hier speziell zum Thema:
Cronbachs alpha
Von der numerologischen Kunst,
eine "Reliabilität" aus dem Nichts zu zaubern
von Rudolf Sponsel, Erlangen
Zu den großen Träumen der Hollywood-TestologInnen gehört,
mit einem Minimum an Arbeit ein Maximum an Erkenntnis zu gewinnen, am besten
aus 0 und Nichts. Aus dem Nichts eine virtuelle Realität zu illusionieren
ist die hohe Kunst der ZaubererInnen, der GauklerInnen und TrickbetrügerInnen.
Obwohl für die Goldmedaille in dieser Disziplin ohne Zweifel die Psychoanalyse
eine ständige Kandidatin ist, allen voran Altmeister Freud, ist ihr
die numerologische Testtheorie dicht auf den Fersen und liegt womöglich
sogar gleich auf. Dunlap sprach zum 25-jährigen Jubiläum mehr
ironisierend als selbstkritisch von "PSYCHOMETRICS - A SPECIAL CASE OF
THE BRAHMAN THEORY" (Psychometrika 26,1,1961, p.65). Er ahnte wohl nicht,
wie sehr er damit wirklich ins Schwarze traf. Zu den absoluten "brahmanischen"
Meisterleistungen gehören die numerologischen Phantasien, die Genauigkeit
und Zuverlässigkeit eines Tests nur aus sich sich selbst heraus
zu schätzen. Das scholastische Mittelalter hätte wirklich seine
Freude an diesen Produkten amerikanischer
"Elite"-Universitäten. Ein solches illusionäres Produkt ist
ohne Zweifel Cronbachs alpha:
Quelle: http://www.ats.ucla.edu/stat/spss/faq/alpha.html
My Coefficient alpha is Negative!. By David P. Nichols:
http://www.ats.ucla.edu/stat/spss/library/negalpha.htm
references: Hays, W. L. (1981). Statistics (3rd Ed.).
Holt, Rinehart and Winston.
Lord, F. M., & Novick, M. R. (1968). Statistical
theories of mental test scores. Reading, MA: Addison-Wesley.
rm entspreche r quer =: Mittelwert der Inter-Korrelationskoeffizienten
N =: Anzahl der Items (Fragen, Testaufgaben)
| Beispiele: |
N |
rm |
N*rm |
1+(N-1)*rm |
alpha |
| 01 |
1000 |
0,5 |
500 |
500,5 |
0,999 |
| 02 |
1000 |
0,1 |
100 |
100,9 |
0,991 |
| 03 |
100 |
0,1 |
10 |
10,9 |
0,917 |
Was
heißt das nun, was bedeutet diese Formel ?
Man sieht der Formel sofort an (siehe bitte Beispiele), (1) daß
die Reliabilität sehr groß, praktisch maximal wird, wenn N sehr
groß wird, und zwar praktisch unabhängig davon, wie groß
der mittlere Korrelationskoeffizient (rm)
ist. An sich ein völliger und mehrfacher Unsinn, weil (2) mit zunehmenden
Itemzahlen sowohl die Anzahl von Dimensionen als auch die Fehlermöglichkeiten
real steigen. Obwohl also die Meßgenauigkeit durch zunehmenden Verlust
der Eindimensionalität und Zunahme der Fehler weniger werden muß,
wird sie nach dieser Formel in jedem Fall und immer erhöht völlig
unabhängig davon, wie die Realität beschaffen ist. (3) Ein weiterer
Unsinn dieser Konstruktion ist, daß die Reliabilität negativ
werden kann, wenn der mittlere Korrelationskoeffizient negativ wird, wobei
(4) die Mittelungsprozedur selbst schon problematisch ist und auch gar
nicht begründet wird, jedenfalls nicht im Beispiel des Begleittextes
des Statistikpaketes SPSS. (5) Der
erste grundsätzliche und kardinale Unsinn zeigt sich aber in der völlig
absurden
Idee, daß die Meßgenauigkeit eines Tests von der Inter-Korrelation
seiner Items abhängen soll. Weil wir doch (6) auch noch wissen, daß
eine Korrelation zwischen zwei
Variablen i und j die Korrelation zwischen i und j und der mit i
und j verbundenen Variablen bedeutet, was ganz leicht durch Partialisieren
gezeigt werden kann ("Scheinkorrelation" Typ Storchenenester).
(7) Der zweite grundsätzliche und kardinale Fehler besteht in der
absurden Grundidee, daß ein Test eine Reliabilität
habe, die sozusagen gleichermaßen auf alle Einzelfälle unterschiedslos
angewendet werden darf. Tatsächlich hat jede ProbandIn ihre eigene
individuelle Reliabilität, die es im konkreten Einzelfall realistisch
zu schätzen gilt. Die Reliabilität ergibt sich aus dem Zusammentreffen
der jeweiligen individuellen ProbandIn mit dem Test und kann
nicht unabhängig vom konkreten Einzelfall in eine Eichstichproben-Test-Reliabilität
verlagert werden.
Bemerkt sei außerdem, daß die Vorläuferarbeit
von Kuder & Richardson (1937) die Eindimensionalität
der Inter-Korrelationsmatrix, also ein Generalfaktormodell mit Rang 1 voraussetzt.
Cronbachs alpha ist wie die ganze sog. "klassische"
Testtheorie der amerikanischen TestologInnen blanke wunschgeleitete Test-Numerologie
und durch nichts anderes begründet als durch einen Willkür- Beschluß
einiger der psychologischen Realität völlig Entrückter.
Hier wird nicht gemessen, hier wird auch nicht vernünftig begründet,
hier wird ausschließlich - per fiat - numerologisch
verfügt. Doch warum? Wie ist es möglich, daß sich ein solch
methodologisch fragwürdiger Unsinn nun über ein halbes Jahrhundert
hält und Generationen von PsychologiestudentInnen aufgenötigt
wird? Und nicht nur das: Psychologische Tests werden zur Auslese, für
Eignungsuntersuchungen, gerichtliche Fragestellungen (die Urteile nach
sich ziehen), zur (Differential-) Diagnostik u.a., also für viele
folgenreiche Entscheidungsprozesse herangezogen.
Literatur
-
Brown, W. (1910). Some
experimental results in the correlation of mental abilities. British Journal
of Psychology, 3, 296-322.
-
Cronbach, L. J.
(1951). Coefficient alpha and the internal structure oft tests. Psychometrika,
16, 297-334.
-
Cronbach,
L.J.; Schönemann, P. & McKie, D. (1965). Alpha coefficients for
stratified parallel tests. Educational and Psychological Measurement, 25,
291-312.
-
Cronbach,
Lee J. (2004). My Current Thoughts On Coefficient Alpha And Successor Procedures.
Editorial Assistanceby Richard J. Shavelson. Educational and Psychological
measurement, 64,3, 391-418. [Anmerkung]
-
Guttman, L.
A. (1945). A basis for analyzing test-retest reliability. Psychometrika,
10, 255-282.
-
Kuder, G. F.
& Richardson, M. W. (1937). The Theory of the estimation of test reliability.
Psychometrika, 2, 151-160.
-
Spearman, C. (1910). Correlation calculated with faulty data. British Journal
of Psychology, 3, 271-295.
-
Psychometrika: http://www.psychometrika.org/
Fußnoten
1) GIPT= General and
Integrative
Psychotherapy,
internationale Bezeichnung für Allgemeine und Integrative Psychotherapie.
____
per fiat: Orth, B. (1974). Einführung
in die Theorie des Messens. Stuttgart: Kohlhammer. S.
41: "Das über die Skalierungsverfahren Gesagte gilt sinngemäß
auch für psychologische Tests. Diese sind auch 'Meßverfahren
per fiat' genannt worden (Torgersonm 1958; Pfanzagl, 1968; Fischer, 1970),
da sie auf dem Glauben beruhen, daß die jeweilige Eigenschaft
meßbar sei, und daß Tests zur Messung auf Intervallskalenniveau
führten. Ein weiterer Unterschied zwischen Meßstrukturen und
Tests besteht darin, daß bei letzteren nicht nicht ein empirisches
in ein numerisches, sondern ein numerisches Relativ in ein anderes numerisches
Relativ abgebildet wird. Es werden (numerische) Testrohwerte in numerische
Testwerte abgebildet bzw. transformiert. Für eine Messung mit Hilfe
von Tests auf Intervallskalenniveau sind die meßtheoretischen Grundlagen
erst noch zu entwickeln."
Zusätzliche kritische
Anmerkung: Falls Rohdaten nicht normalverteilt sind, führen die Transformationen
vom Typ STANINE oder T-WERTen zu regelrechten Rohdaten-Ergebnisfälschungen.
___
amerikanische "Elite"-Universitäten
z.B. die 'Großfürsten der numerologischen Testtheorie'
- Gulliksen, Lord & Novick - haben u.a. sämtlich in Princeton
gelehrt.
___
Eindimensionalität
als Voraussetzung ? Bemerkenswerterweise wird in der Vorläufer-,
Grundlagen- und Hintergrundarbeit von Kuder & Richardson (1937) die
Eindimensionalität der Inter-Korrelationsmatrix vorausgesetzt, d.h.
sie muß nach diesen Autoren den Rang 1 haben (p.153 [Case I], p.
155 [Case II], p. 156 [Case III], p. 158 [Case IV]): "In one of the
possible solutions suggested it is assumed that the matrix of inter-item
correlations has a rank of one.", was einem zutreffenden Generalfaktormodell
entspräche. Dies ist angesichts der Realität eine geradezu lächerliche
und völlig abwegige Forderung, wie empirisch in jedem Einzelfall durch
eine Eigenwertanalyse leicht gezeigt werden kann.
___
Anmerkung. Der Artikel ist mehr eine
Jubelschrift in Gedenken an das 50jährige Jubiläum 2001 [warum
Shavelson im Editoral 1997 schreibt, bleibt unverständlich, weil der
Artikel ja 1951
erschien]. Wichtiger hingegen ist, dass der Rückblick Cronbachs leider
wenig erhellendes, schon gar nichts Kritisches enthält :
___
Änderungen wird
gelegentlich überarbeitet, ergänzt und vertieft * Anregungen
und Kritik willkommen
17.07.06 Aufnahme
und kritische Anmerkung zu Cronbachs Rücklick
2004.
07.04.06 Orth Zitat zum Messen "per
fiat".
Querverweise
Standort: Cronbachs alpha.
*
*
Dienstleistungs-Info.
*
Zitierung
Sponsel, R. (DAS). Cronbachs
alpha. Von der numerologischen Kunst, eine "Reliabilität" aus dem
Nichts zu zaubern. Überblick
Arbeiten zur Definitionslehre,
Methodologie, Meßproblematik, Statistik und Wissenschaftstheorie
besonders in Psychologie, Psychotherapie und Psychotherapieforschung.
Bereich Meß- und Testtheorie, Gruppe Testgütekriterien. Internet
Publikation für Allgemeine und Integrative Psychotherapie
IP-GIPT. Erlangen: http://www.sgipt.org/wisms/mtt/tgk/calpha.htm
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gelesen am: 31.01.04 irs