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    Internet Publikation  für Allgemeine und Integrative Psychotherapie  IP-GIPT DAS=31.10.2001

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    Willkommen in der Abteilung Allgemeine und Integrative Politische Psychologie, hier zum Thema:

    Ethik, Befindlichkeit und Mut des Heckenschützen im Krieg

    Aus der Reihe Psychologie des Tötens von Rudolf Sponsel, Erlangen

    Zu Einführung und Überblick

        Heckenschützen befinden sich an einem einigermaßen sicheren Ort und können vom Feind nicht gesehen oder erreicht werden. Ein Jäger (Hagen 1984), der auf seinem Unterstand mit dem Zielfernrohr ein Wild ins Visier nimmt, das sich nicht wehren kann und von seinem Töter nichts weiß gehört ebenso dazu wie die Scharfschützen, die aus sicherer Entfernung einen Feind liquidieren. Abstrakter wird es für Schützen, die Raketen abfeuern oder Bomberpiloten bei fehlender oder unerreichbarer Flugabwehr. Aber es ist die gleiche Situation: der Schütze ist sicher, sein Feind ahnungs- und wehrlos. Das hört sich nicht sehr sportlich oder fair an, es klingt an Friedensnormen gemessen nach Mord und Heimtücke. 
        Was geht nun in einem solchen Menschen vor, der aus seinem sicheren Hinterhalt andere Menschen tötet, ohne, daß diese etwas dagegen zu unternehmen im Stande wären? Wie geht es dem Heckenschützen dabei? In welcher Verfassung befindet er sich? Ist das von Mensch zu Mensch verschieden, oder kann hier etwas abstrahiert werden, das für diese Situation typisch ist?
        Wenn Angst das Gefühl ist, das es mit Mut zu überwinden gilt, dann heißt Mut, trotz Angst handeln. Das macht Sinn. Nur ein sich Ängstigender kann auch mutig sein. Mutige sind also von Tollkühnen und Verwegenen, denen es oft an Angst mangelt, streng zu unterscheiden. Nun, Heckenschützen müssen weder verwegen noch tollkühn sein, ja noch nicht einmal mutig, weil es gerade zu ihrer kriegerischen Situation gehört, daß sie in einem einigermaßen sicheren Hinterhalt liegen. Daraus lassen sich einige Sätze formulieren: 
    1. Heckenschützen können sich einigermaßen angstfrei und sicher fühlen.
    2. Heckenschützen brauchen keinen Mut und schon gar keine Verwegen- oder Tollkühnheit.
    3. Heckenschützen können sich überlegen fühlen.
    4. Heckenschützen können ein triumpfahles Machtgefühl erleben und dabei wie zu einem höheren Wesen, zu einer Art Gott-Teufel werden, weil sie Leben nehmen können, ohne selbst ernsthaft gefährdet zu sein.
    5. Heckenschützen erfüllten im friedlichen Normalleben die Kriterien für heimtückischen Mord.
    6. Heckenschützen erfüllen in gar keiner Weise irgendeine Idee eine fairen Kampfes. 
    7. Heckenschützen Kriege gleichen mehr einem völlig einseitigen und unfairen Spiel bei dem Sieger und Verlierer in der kriegerischen Heckenschützen Situation von Anfang an ziemlich sicher feststehen.
    8. Heckenschützen mit Raketen, Bomben und Minen bedeuten zusätzlich eine nicht unerhebliche Zufallskomponente: ist der Zielort richtig programmiert? Befinden sich am Ziel auch - und nur - die gesuchten Objekte? Mit wie vielen "Kollateralschäden" ist zu rechnen?
        Doch was macht der Heckenschütze mit seinem Gewissen, wenn er ein hinreichend normiertes und ausgeprägtes hat? Was macht er mit seinem Selbstwertgefühl, wenn es denn nagen sollte? Wie kann er in den Spiegel sehen, wenn er sich vergegenwärtigt, daß ihn ein  Heckenschütze - ein heimtückischer Mörder nach den Friedensnormen - ansieht? Wir werden diese Frage ausführlich in den Kapiteln Motive und  Rechtfertigungen erörtern. 

    Beispiel Heckenschützen-Strategien USA
     
    Ein klares und überzeugendes Beispiel für stark ausgefeilte Heckenschützen- Strategien kann man bei den Amerikanern jüngst erst wieder im Afghanistankrieg feststellen. Angeblich ist es ein Krieg gegen die Taliban, um Osama Bin Laden und sein Terrornetz zu zerschlagen. Getroffen werden aber bevorzugt die für die Bevölkerung sehr wichtige Infrastruktur: Wasserwerke, Elektrizitätswerke, zivile Häuser und Siedlungen, Lagerhäuser, Krankenhäuser, Kinder, Frauen, Alte, Wehrlose, Flüchtlinge, Unschuldige, ja sogar ein UNO-Minenräumkommando (vier Tote). Die Bombardierung führt zu einem gigantischen Flüchtlingsstrom mit zusätzlich zahlreichen Opfern. Es scheint, als ob sich in dem seit über 20 Jahren kriegszerstörten Land nur noch wenig zerstören läßt, ziemlich sicher aber nichts, was die vorgegebenen Kriegsziele fördert. Hört man sich die Informationsoffiziere an - das meiste dürfte ohnehin gelogen, frisiert und in Hollywoodmanier medienwirksam aufbereitet sein  -  so scheinen diese völlig im Einklang mit ihrer Heckenschützen-Strategie zu sein. 
    Und was noch viel schlimmer ist: nahezu sämtlich Medien spielen dieses Heckenschützen-Spiel kritiklos mit. Was folgern wir daraus?
    Im Krieg sind alle Werte auf den Kopf gestellt. Um alle Werte umzuwerten, bedarf es damit nur noch einer entsprechenden kriegsähnlichen Definition, die für viele Menschen ohne große Mühe vorgenommen werden kann.  Das ist der tiefere Grund, warum abweichendes Verhalten, Korruption und Kriminalität so extrem verbreitet und nahezu jeder anfällig ist. Töten ist unter (pseudo) legalistischen Bedingungen eine ganz normale Alltagshandlung.
       Die Genfer Konvention besagt, daß Zivilisten nicht angegriffen werden dürfen. Spätere Vereinbarungen, denen allerdings die USA nicht beigetreten sind, verboten auch die Zivilisten gefährdenden Minen- und Streubomben (Monitor 18.10.01). Die USA geben vor, Zivilisten schonen zu wollen. Aber die Wirklichkeit spricht eine andere Sprache. Bewerten wir den Krieg gegen die Taliban in Afghanistan nach dem Hauptsatz der Motivationspsychologie - was zur Handlung wurde, ist das mächtigste Motiv - , so steht unzweifelhaft fest, daß die USA einen Krieg gegen das afghanische Volk führen und trotz anderslautender Verlautbarungen wahrscheinlich auch führen wollen, weil sie nicht in der Lage oder willens sind, ihre Heckenschützen- Strategie aufzugeben. Zynisch und menschenverachtend bemüht man hier dann das Wort aus dem Wörterbuch des Unmenschen: "Kollateralschaden". So entsteht die paradoxe Situation, daß die radikal-islamistischen kriegerischen Terroristen vom 11.9.2001 im für nicht wenige Sympathisierende im Nachhinein eine "Rechtfertigung" durch das militärische Verhalten der USA erhalten. Dies erscheint weder politisch klug noch ethisch rechtfertigbar.
        Worin unterscheiden sich nun die kriegerischen Terroristen vom 11. September 2001 von der Heckenschützen Strategie der USA?  Nun, die Terroristen, die alle in einer persönlichen Kampfsituation waren und ihr eigenes Leben geopfert haben, waren sicher keine Heckenschützen, wahrscheinlich waren sie auch ziemlich mutig und ganz sicher nicht feige. Was uns betroffen macht und erschüttert, ist die große Zahl Unschuldiger, die sie benutzten, um ihr Kriegsziel - die USA symbolisch im Herzen treffen - zu erreichen. Das Pentagon ist wohl ein nachvollziehbares Kriegsziel; aber die Menschen im Worl Trade Center und in den Flugzeugen, die mit ihren Zig-Tonnen Kerosin als technische Bomben mißbraucht wurden sicher nicht. Was nun, wenn die kriegerischen Terroristen dachten: um die USA symbolisch im Herzen treffen zu können, muß man "Kollateralschäden" in Kauf nehmen? Was, wenn sie militärisch konsequent dachten, schade um diese vielen unschuldigen Menschen, aber es geht einfach nicht anders? Ist das nicht genau die militärische Logik, die letztlich alles rechtfertigt? Bombardiert man ein Land wie Afghanistan mit Minen- und Streubomben, mit Rakten und Marschflugkörpern mit einem so nachgewiesenermaßen schlechten Geheimdienst wie die CIA ( 1- 2 - 3 - 4 - 5 ), so gibt es viele, viele zivile Opfer - sehr wahrscheinlich sogar noch viele Jahre nach dem offiziellen Ende der Heckenschützen- Bombardierung. Wie dem auch sei: Man darf ein Unrecht nicht gegen ein anderes aufrechnen: Unrecht ist Unrecht, Mord ist Mord, Unschuldige sind Unschuldige. Ich sehe daher nur einen Ausweg: 
    Die gerechteren, rechtsbewußteren, menschenrechtsorientierteren, kurz die besseren Krieger müssen die Argumentation der "Kollateralschäden" aufgeben. Militärs können einen gerechten und guten Krieg nicht führen, weil sie von vorneherein "Kollateralschäden" so willfährig in Kauf nehmen, daß man metaphorisch mutmaßen könnte, ob sie wohl schon mit einem besonderen "Kollateralschaden" geboren wurden?  Man muß das Gute ernst und beim Wort nehmen, sonst verwischen sich die Unterschiede und am Ende bleibt nur ein Pyrrhussieg und eine ebenso hohle wie faule Siegerjustiz. 
    Was brauchen die Amerikaner am dringendsten? Sie sollten richtig Krieg führen lernen und dazu müßten sie wohl als erstes ihre vollmundigen, inkompetenten und verkommenen Führungsstrukturen durch realistische, kompetente und anständige ersetzen. Doch dies wird ein amerikanischer Traum bleiben. Die Douglas McArthurs sind allgegenwärtig (Regan 1997 S.30f).


    Geheimdienste vom Typ CIA sind vielfach nichts anderes als staatlich sanktionierte Kriminelle Vereinigungen und pseudo-legalisierte Terrorbanden, die den lokalen, regionalen und Weltfrieden gefährden. Daher fordern wir aus allgemeiner und integrativer polit-psychologischer Sicht ein

        Internationales Geheimdienst-Völkerrechtsgesetz:
     
    1. Allen Geheimdiensten wird verboten Attentate, Umstürze, Staatsstreiche, Militärinterventionen, Sabotage, Waffenlieferungen und jede andere Form aktiv aggressiver oder destruktiver Beeinflussung zu betreiben. 
    2. Geheimdienste dürfen nur informationell zur Abwehr und Aufklärung eingesetzt werden. 
    3. Es ist detailliert und operational genauestens festzulegen, was Geheimdienste dürfen und was nicht; hierbei ist jeglicher Interpretationsspielraum streng zu vermeiden.
    4. Sämtliche Geheimdienstaktivitäten müssen parlamentarischer Kontrolle unterliegen und vom Weltsicherheitsrat der UNO oder einem internationalen Gerichtshof geprüft werden können. 


    Entwurf/ Leitideen:

    Internationales Missionierungs-Völkerrechts- Gesetz

    1. Allen Religionen wird verboten, uneingeladen und unautorisiert durch die Gast-Kultur zu missionieren.
    2. Autorisierte "Missionen" müssen das Toleranzgebot beachten, sonst sind sie völkerrechtswidrig.
    3. Autorisierte "Missionen" bedürfen der Erlaubnis durch einen von den Vereinten Nationen (UNO) legitimierten internationalen ethnologischen Rat, dessen Richtlinien zu beachten und deren Einhaltung durch unabhängige BeobachterInnen zu kontrollieren ist.
    4. Auserwählt-Verkündigungen sind als Verstoß gegen die Allgemeinen Menschenrechte unzulässig.

    5. Kooperation jedweder Form mit Geheimdiensten ist unzulässig.

    Querverweise
    • Überblick Programm Politische Psychologie in der IP-GIPT
    • Psychologie des Tötens: Einführung und Überblick
    • Ethik, Befindlichkeit und Mut des Heckenschützen im Krieg. Aus der Reihe Psychologie des Tötens (31.10.01)
    • Literatur und Linklise zur Reihe Psychologie des Tötens. (Version 31.10.01)
    • Eine kriminelle Vereinigung. Politik und Verbrechen in den USA.
    • Anti-Amerikanismus. Kritische sprachlogische Analyse einen politischen Kampfbegriffs. Mit 4 Buchbesprechungen und einem Definitionsvorschlag zum Antiamerikanismus  (24.10.01)
    • Intimleben und der Charakter amerikanischer Präsidenten  (20.10.1)
    • Herr und Hund. Die Bundesregierung zwischen Neandertal und Habermas.
    • Entstehung des Gould-Vermögens. Eine Serie nach Gustavus Myers (1916).
    • USA politisch und moralisch völlig ungeeignet, eine Führungsrolle in der Welt zu spielen - die UNO muß gestärkt werden.
    • Die Präsidenten der USA als politisch Hauptverantwortliche und Hintermänner für Terroranschläge, Kriegsanzettelungen, Staatsstreiche, Killerkommandos und viele andere destruktive Aktionen und Einmischungen in die inneren Angelegenheiten fremder Länder. Mit Literatur und Linkliste.
    • Die Bundesregierung, der Verteidigungsminister, der Krieg, die Beweise und die Verantwortung. (9.10.1)
    • Genfer Abkommen und UNO-Entschließungen zur Verwendung biologisch-chemischer Waffen
    • Kriegs-Regeln. Genfer Abkommen - Genfer Konvention. Grundregel in 10 Sprachen. PDF-Quellen.
    • Der Forschungsstand und Empfehlungen zur Frühwarnung vor bakteriologischen Kampfstoffen nach dem UNO-Bericht vom 1. Juli 1969. Mit einem bissigen Kommentar und zwei Beiträgen aus der Giftgasgeschichte.
    • Methoden der CIA unter der politischen Verantwortung der US-Präsidenten
    • Zur Beweislage 2 des kriegerischen Terroranschlages vom 11.9.2001. Fragen und Probleme zum internationalen Terroristenproblem. Was tun?
    • Tops und Flops der US-Geheimdienste. Lesebeisspiel: Bespitzelung, Denunziation und die Ermordung John Lennons. Ein Buchhinweis.
    • Im Namen des Staates. CIA, BND und die kriminellen Machenschaften der Geheimdienste (Andreas von Bülow, Piper). Ein Buchhinweis
    • Heiliger Krieg - Dschihad provoziert. Die Würfel sind gefallen. Wenn es nur ein Abenteuer wäre.
    • Tot oder Lebendig: Osama Bin Laden durch Wyatt Earp Bush für vogelfrei erklärt.
    • Teil 1 Neue Formen des Krieges? Die Achillesversen der Hightech-Gesellschaften und das vollständige Versagen der amerikanischen Sicherheitssysteme. Aus der Reihe Politische Psychologie. (14.9.01)
    • Teil 2 Neue Formen des Krieges: Was ist ein Beweis? Oder wann ist ein Aggressor überführt?  (16.9.01)
    • Der Krieg und seine psychologischen Wurzeln
    • Parameter des Weltfriedens: Die Staatslehre des Aristoteles. Ein Leitmotiv für die Organisation der Welt zur Minimierung von Krieg, Terror, Gewalt, Unterdrückung und Ausbeutung. Aus der Politik 5. Buch, 8. Kapitel. (16.09.01)
    • Ist Gott Amerikaner? Eine ethnologische Untersuchung der missionarischen Arbeit des "Summer Institutes of Linguistics". Ein Buchhinweis. Mit einem Entwurf für ein Missionierungs- Völkerrechtsgesetz.
    • Auserwählt im Names Jahwes, Gottes und Allahs
    • Haiti 1542. Der Völkermord an den Indianern im Namen des Herrn:  Unermeßlicher christlicher Haß, Blutrausch und Gier am Beispiel der spanischen "Ebenbilder Gottes"

    Zitierung
    Sponsel, Rudolf (DAS). Ethik, Befindlichkeit und Mut des Heckenschützen im Krieg.
    Aus der Reihe Psychologie des Tötens. IP-GIPT. Erlangen: http://www.sgipt.org/politpsy/krieg/psytoet/heckens.htm
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