Internet Publikation für
Allgemeine und Integrative Psychotherapie
IP-GIPT DAS=06.09.2000
Internet-Erstausgabe,
letzte Änderung 02.12.09
Impressum:
Diplom-Psychologe Dr. phil. Rudolf Sponsel Stubenlohstr. 20
D-91052 Erlangen *
Mail:_sekretariat@sgipt.org__Zitierung
& Copyright
Anfang __Zeit+Zeitgeist
(Nat. 19. Jhd.) _Überblick__Rel.
Aktuelles __Rel.
Beständiges __Titelblatt__
Konzept__
Archiv__
Region__Service-iec-verlag__Mail:
sekretariat@sgipt.org_
_____ Wichtige
Hinweise zu Links und Empfehlungen_
Willkommen in unserer Internet-Publikation für Allgemeine
und Integrative Psychotherapie, Abteilung Wissenschaftsgeschichte, Bereich
Zeitgeist, und hier speziell zum Thema:
Der naturwissenschaftliche Zeitgeist im
19. Jahrhundert
Das
Problem der Operationalisierung des Zeitgeistes
Die Überschrift ist gewagt, unterstellt sie doch etwas nicht direkt
Beobachtbares: einen naturwissenschaftlichen Zeitgeist und das noch
für ein ganzes Jahrhundert? Warum sollte es einen Zeitgeist
für
ein ganzes Jahrhundert geben? Ja gibt es überhaupt so etwas wie einen
Zeitgeist,
einen naturwissenschaftlichen Zeitgeist im 19. Jhd.? Der Begriff scheint
eine deutsche Erfindung zu sein, denn:
In Webster's New Encyclopedic Dictionary (1992) lesen wir:
"zeit-geist \...\ n: the general intellectual, moral, and cultural state
of an era [German, from zeit "time" + geist "spirit"]."
Damit ist das begriffliche Problem verschoben auf
state und
era.
|
_
Was ist nun der allgemeine intellektuelle, moralische
und kulturelle Zustand einer Ära? Was macht nun eine Ära
zu einer Ära, etwa die Ära McCarthy, die Ära
Adenauer, die Ära Kohl, die Ära des kalten Krieges,
die Ära der Globalisierung oder des Ozonlochs, das Internet-Zeitalter
(die vernetzte Informationsgesellschaft)? Was macht das Atomzeitalter
zum Atomzeitalter und das Computerzeitalter zum Computerzeitalter? Was
versteht man unter einer Epoche? Sind das "nur" fette Überschriften
einer Zeit- oder Geschichtscharakteristik?
In der Erörterung solcher Fragen sind einerseits
weniger Psychologen als vielmehr Historiker und Soziologen die kompetenteren
Adressaten. Andererseits ist es aber eine legitime psychologische Frage,
wie sich denn ein Zeitgeist, falls es ihn denn gibt, auf
das einzelne Individuum auswirkt, wie man den Zeitgeist in
der individuellen Persönlichkeit erkennen kann?.
Betrachtet man sich die Besetzung der Lehrstühle
in der klinischen Psychologie in Deutschland, so stellt man im Jahre 2000
fest, daß diese weitgehend in verhaltenstherapeutischer
Hand sind.
Die psychosomatischen Lehrstühle in der Medizin sind hingegen fast
durchweg von PsychoanalytikerInnen besetzt. Darf man nun die These
aufstellen: der therapeutische Zeitgeist bei den Psychologen ist verhaltenstherapeutisch
und der therapeutische Zeitgeist bei den MedizinerInnen ist hingegen psychoanalytisch?
Und was hieße das für den therapeutischen
Zeitgeist
allgemein?
Fehlerquellen
bei der Erfassung der Diagnose des Zeitgeistes
siehe auch
Subjektkritik. Ein besonderes
methodisches und psychologisches Problem ist das der Zurückversetzung.
Was in einer Zeit wirklich auf den einzelnen wirkte, stellt sich wahrscheinlich
aus heutiger Sicht ganz anders dar. Hier liegt eine nicht unerhebliche
Fehlerquelle. Wir neigen heute dazu, z. B. im Rückblick in den Wissenschaften
nurmehr die Entwicklungen für (heute) bedeutungsvoll zu halten, die
sich als wahr oder nützlich erwiesen und durchgesetzt haben. Doch
neue Entwicklungen sind meist mit Auseinandersetzungen und Kämpfen
gegen überkommene Vorstellungen oder mit anderen konkurrierenden
Ideen verbunden. Manches, das zu früheren Zeiten wie eine Bombe eingeschlagen
haben mag , wie z. B. die Harnstoffsynthese von Wöhler 1828, die eine
Brücke vom Unbelebtem zum Belebtem schlug, hatte damals Vitalisten,
Theologen und Philosophen im Kern erschüttert. Heute dürften
die meisten an dieser wissenschaftlichen Leistung gleichgültig oder
verständnislos vorübergehen. Anderes mag uns heute großartig
erscheinen, das zu seiner Zeit übergangen und nicht weiter beachtet
wurde. Die psychologische Barriere besteht objektiv, weil ich ja mein Wissen,
meine Bildung, meine Prägung, meine Einbettung in meine Zeit, Gesellschaft
und Kultur nicht einfach hinwegdenken kann. Ich bin, ob ich will oder nicht,
das "Kind" meiner Zeit, meiner Gesellschaft und Kultur, meiner Sozialisation.
Quellenkritik. Rückblicke fußen
immer auf fremden Quellen und Zeugnissen. Doch wie zuverlässig sind
diese Quellen? Diese Frage muß immer gestellt werden. Jeder Mensch,
der ein Ereignis, ein Geschehen, eine Handlung oder ein Werk und Produkt
beschreibt, beschreibt es aus seiner subjektiven Wahrnehmungs-, Interessen-
und Bewertungslage heraus. Insofern gehen in die allermeisten Quellen mitunter
bedeutsame Fehler, Verzerrungen, Legenden- und Mythenbildungen, einseitige
und Tendenz-Darstellungen ein, die gar nicht einmal absichtlich zu sein
brauchen. Es empfiehlt sich also, grundsätzlich quellenkritisch vorzugehen
und sofern möglich mehrere Quellen einzubeziehen und auch und alternative
Hypothesen ins Auge zu fassen.
Das Zeitgeist-Bild in
der GIPT - eine erste graphische Näherung
(In Arbeit)
Ideen, wie
man den Zeitgeist erfassen kann
Weltausstellungen. Eine interessante Idee
verdanke ich der Arbeit des Wissenschaftshistorikers Christoph Meinel
aus seiner Arbeit "August Wilhelm Hofmann - 'Regierender Oberchemiker'"
(1992, S. 42) zur ersten Weltausstellung in London 1851: "In den Weltausstellungen
inszenierte das Jahrhundert sich selbst, da prunkten kommerzielle Interessen
im Schimmer von Glas, Stahl und Licht und nationalen Farben: Gesamtkunstwerke
des Konsums, Wallfahrtsstätten zum Fetisch Ware. Die Vision eines
Paradieses auf Erden, das auch den Massen Glanz und Luxus spendet, hier
wurde sie greifbar. ... Der Innovationsschub, der von der Ausstellung ausging,
kam auch der Chemie zugute. Ein ganzer Komplex neuer Forschungseinrichtungen
entstand."
Entdeckungen, Erfindungen, Wissenschaft und Technik
Wirtschaftliche Entwicklungen und Veränderungen
Messen, Kongresse, Ausstellungen
Gesetze und Verordnungen
Medienanalysen. Fortlaufende oder wiederkehrende
Themen in den Medien
Ideale, Idole, Leitbilder, Modelle und Moden
für Lebensformen
Wofür brachten die Mehrheiten MAZOKAauf?
Was ist oder war gerade in?
Welche Musik, welche Schauspieler, welche Filme und Themen?
Einflüsse, denen man sich kaum entziehen kann, die also auf fast
jeden wirken
Literatur Zeitgeist
(Auswahl)
Wichtige Informationen zum Zeit-Geist liefern auch die Chronikbände,
Auswertung von Tages- und Wochenzeitungen, der Fernsehprogramme und Filme,
der Bestseller in der Literatur. Die Geschichte ist leider oft - Ausnahme
Kuczynski - auf Herrscherhäuser und bedeutende Persönlichkeiten
beschränkt. Siehe bitte auch Literatur zum Alltag.
-
Hellpach, Willy (1937). Schöpferische Unvernunft. Rolle
und Grenzen des Irrationalen in der Wissenschaft. Bd. 7 Wissenschaft und
Zeitgeist. Leipzig: Meiner.
-
Horx, Matthias (). Die wilden Achtizger. Eine Zeitgeist-Reise
durch die Bundesrepublik. München: Hanser.
-
Kirch, Raimund (29.5.4). So schön bunt. Der Zeitgeist
zwischen Tabubruch und Anpassung. Wochenmagazin Erlanger (Nürnberger)
Nachrichten, S. 3
-
Kretschmer, Winfried (1999). Geschichte der Weltausstellungen.
Frankfurt: Campus.
-
Leier, Manfred (1989, Hrsg.). Das waren die achtziger Jahre.
Eine Chronik in Bildern. Gütersloh: Bertelsmann.
-
Radkau, Joachim (1998). Das Zeitalter der Nervosität.
Deutschland zwischen Bismarck und Hitler. München: Hanser.
-
Sautter, Hartmut (1995). Zeitgeist. In: Autismus und Zeitgeist,
122-140. Dissertation Phil.Fak. Halle
-
Vayel-Bohlan, Anja & Salewski, Michael (1990, Hg.). Sexualmoral
und Zeitgeist im 19. und 20. Jahrhundert. Eine Publikation der Gesellschaft
für Geistesgeschichte e.V. (Erlangen). Opladen: Leske & Budrich.
-
Vonessen, Franz (1994). Das Unglaubliche der Wahrheit. Leib
und Seele im Zerrspiegel des Zeitgeistes. Zug: Die graue Edition.
-
Wittkop, Justus Franz (1979). Europa im Gaslicht. Die hohe
Zeit des Bürgertums. Zürich: Atlantis.
Siehe auch Literatur
Chemiegeschichte.
Links Zeitgeist
-
Google Zeitgeistarchive. http://www.google.com/press/zeitgeist/archive.html.
-
Wikipedia Zeitgeist: http://de.wikipedia.org/wiki/Zeitgeist.
-
Zeitartikel: http://www.zeit.de/2005/24/A-Konvertiten.
_
MAZOKA ist ein Kunstwort aus der Allgemeinen
und Integrativen Willenspsychologie. Es bedeutet: M = Mühe
(bereitschaft), A = Ausdauer (bereitschaft), Z = Zeit (Reservierung),
O
= Opfer (bereitschaft), K = Kosten (bereitschaft), A = Anstrengung
(sbereitschaft).
Zur Differentialdiagnose zwischen Wunsch
und Wille läßt sich nun der MAZOKA-Begriff
herangezogen werden. Jemand wünscht nur, wenn er keine oder zu wenig
MAZOKA füer ein Motiv aufbringt, einer will in dem Maße, wie
er MAZOKA für ein Motiv aufbringt.
Änderungen
07.10.06 Literaturnachträge.
30.05.04 Literaturnachtrag.
Querverweise
Standort: Der naturwissenschaftliche Zeitgeist
im 19. Jahrhundert.
*
Methodische Probleme, Fallstricke
und Fehlschluß-Varianten in wissenschafts-geschichtlichen Fragestellungen
und die Kunstfehler in der Wissenschaftsberichtserstattung.
Methodische Probleme, Fallstricke
und Fehlschluß-Varianten in wissenschafts-geschichtlichen Fragestellungen
und die Kunstfehler in der Wissenschaftsberichtserstattung aus allgemeiner
und integrativer psychologischer Perspektive.
Zur Ethik, Wissenschaft und Repräsentanz
der Geschichtsschreibung. Die Kritik Bert Brechts: Fragen eines lesenden
Arbeiters.
Übersicht
Differentielle Psychologie der Persönlichkeit in der Allgemeinen und
Integrativen Psychodiagnostik, Psychologie, Psychopathologie und Psychotherapie.
*
*
Dienstleistungs-Info.
*
Zitierung
Sponsel, Rudolf (DAS).
Der
naturwissenschaftliche Zeitgeist im 19. Jahrhundert. Wissenschaftsgeschichte
aus Sicht der allgemeinen und integrativen
Psychologie und Psychotherapie. IP-GIPT. Erlangen: http://www.sgipt.org/wisms/geswis/nat19J0.htm
Copyright & Nutzungsrechte
Diese Seite darf von jeder/m in nicht-kommerziellen
Verwertungen frei aber nur original bearbeitet und nicht inhaltlich
verändert und nur bei vollständiger Angabe der Zitierungs-Quelle
benutzt werden. Das Einbinden in fremde Seiten oder Rahmen, die die Urheberschaft
der IP-GIPT nicht jederzeit klar erkennen lassen, ist nicht gestattet.
Sofern die Rechte anderer berührt sind, sind diese dort zu erkunden.
Sollten wir die Rechte anderer unberechtigt genutzt haben, bitten wir um
Mitteilung. Soweit es um (längere) Zitate aus ... geht,
sind die Rechte bei/m ... zu erkunden oder eine Erlaubnis einzuholen.
Ende
Zeit+Zeitgeist (Nat. 19. Jhd.) _Überblick_Rel.
Aktuelles Rel. Beständiges_Titelblatt_Konzept_Archiv_
Region_Service_iec-verlag_Mail:
sekretariat@sgipt.org___Wichtige
Hinweise zu Links und Empfehlungen