SGIPT - Gesellschaft für Allgemeine und Integrative Psychotherapie - Deutschland
    Internet Publikation  für Allgemeine und Integrative Psychotherapie  IP-GIPT DAS=06.09.2000

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    Willkommen ins unserer Abteilung Wissenschaftsgeschichte, hier zum Thema:

    Methodische Probleme, Fallstricke und Fehlschluß-Varianten in wissenschafts-geschichtlichen Fragestellungen und die Kunstfehler in der Wissenschaftsberichtserstattung aus allgemeiner und integrativer psychologischer Perspektive

    1. Kriterien der WissenschaftshistorikerInnen

    In seiner Arbeit "Vom Handwerk des Chemiehistorikers" formuliert Christoph Meinel - Universität Regensburg - einige interessante kritische Prinzipien für die Arbeit des Wissenschaftshistorikers:

    "Historische Arbeit ist Arbeit mit Quellen. Alles, was wir über die Vergangenheit wissen, wissen wir aus den Zeugnissen, die sie uns hinteriassen hat. Nur der kritisch-distanzierte Umgang mit den Quellen aber führt zur historischen Wirklichkeit. Zu leicht nämlich ist man versucht, die Quelle für das Ereignis selbst zu halten, von dem sie Kunde gibt. Deshalb sei zum Schluß noch einmal vor fünf methodischen Fehlschlüssen gewarnt:

    1) Die Fiktion des Exempels: Historische Quellen eignen sich in der Regel nicht dazu, bestimmte Positionen der aktuellen naturwissenschaftlichen Forschung zu stützen, und ihr Wert bei der didaktischen Vermittlung moderner chemischer Konzepte ist strittig. Denn in beiden Fällen werden heutige Begriffe und Vorstellungen dem historischen Material aufgezwungen, obgleich dieses nur in den Kategorien seiner Zeit, nicht in denen der unseren, richtig zu erfassen ist.

     2) Die Fiktion der Autopsie: Man macht es sich zu leicht, wenn man sich darauf verläßt, daß Augenzeugen oder unmittelbar Beteiligte ein Geschehen immer zuverlässig wiedergeben. Jede Zeugenvernehmung vor Gericht lehrt, daß auch solche Aussagen stets auf ihre sachliche Verläßlichkeit hin überprüft werden müssen.

     3) Die Fiktion der Vollständigkeit: Historische Überlieferung ist immer lückenhaft. Selbst bei gründlichster Nachforschung werden wir nie alle existierenden Quellen zu Gesicht bekommen, und die uns vorliegenden werden nie die ganze Geschichte erzählen. Ja wir sollten uns sogar darüber Rechenschaft geben, weshalb bestimmte Quellengruppen überliefert, andere hingegen nicht erhalten sind.

    4) Die Fiktion der Konsequenz: Geschichtliche Wirklichkeit unterscheidet sich von einem Groschenroman durch den auffallenden Mangel an Konsequenz im Handeln aller Beteiligten. Der Historiker, der es in der Geschichte mit realen Menschen zu tun hat, wird gut daran tun, von diesen kein geringeres Maß an Widersprüchlichem zu erwarlen, als er es von der eigenen Person kennt.

    5) Die Fiktion der Objektivität: Geschichtsschreibung ist niemals im naturwissenschaftlichen Sinne objektiv. Sie will es auch gar nicht sein, denn der Historiker hat nie eine als Objekt verfügbare äußere Realität vor sich, die sich bestimmen ließe wie die Struktur eines Kristalls. Historische Fragestellungen spiegeln selbstverständlich auch den Standpunkt des Fragenden wider. Damit soll natürlich nicht der Willkür Tür und Tor geöffnet sein. Mafstab und Prüfstein aller historischen Aussagen sind und bleiben die Quellen, die aber stets der Interpretation, der subjektiven Aneignung im Akt historischen Erkennens und Verstehens bedürfen. Wenn zwei Chemiker die physikalischen Daten ein und derselben Verbindung publizieren, sollten im Idealfall exakt identische Ergebnisse -herauskommen. Wenn zwei Historiker auch wenn ihnen die gleichen Quellen zur Verfügung stehen - die Geschichte einer Entdeckung oder die Biographie eines Forschers schreiben, so werden im Idealfall durchaus unterschiedliche Darstellungen entstehen. Wenn ihre Aussagen von den Quellen her fundiert sind, dürfen beide mit gleichem Recht Anspruch auf historische Wahrheit erheben. Je weiter freilich die Forschung fortschreitet, um so leichter wird man sich verständigen können, nach welchen MaLstäben die vorhandenen Quellen in ihrem Verhältnis zueinander zu deuten sind. In der Chemiegeschichtsschreibung stehen wir in vielen Fragen leider noch ganz am Anfang dieses Weges. Geschichte wird nämlich nicht einfach immer wieder umgeschrieben, wie man bisw eilen hört, sondern die Entw icklung der historischen Forschung bedeutet insgesamt auch einen Zuwachs an Kenntnis, eine Verfeinerung des Urteils, eine Erweiterung des Gesichtskreises und eine Annäherung an den Eigenwert der Vergangenheit."

    Soweit der Wissenschaftshistoriker Meinel.

    2. Kunstfehler in der Wissenschaftsberichtserstattung aus
        allgemeiner und integrativer psychologischer Perspektive

    Persönliche Interessenlage und Perspektive: Das Moment subjektiver Motivation
    Publizierer verfolgen bestimmte Ziele und Interessen. Manche davon mögen mehr oder weniger klar und bewußt sein, andere weniger bis gar nicht. Die mehr oder minder ausdrücklichen und auch oder gerade die verborgenen Motive, Ziele und Absichten bestimmen die Publikation in ihrer Diktion, Tendenz, Aussage und Wertung. Viele Publikationen im wissenschaftlichen Bereich verleugnen die subjektive motivationale Komponente und geben sich einen "rein" sachlichen, neutralen oder, landläufig formuliert "objektiven" Anstrich. Da jede Publikation endlich ist, ergibt sich die Subjektivität durch das, was berichtet, wie es berichtet, und was nicht berichtet wird, da jede Publikation aufgrund ihrer Endlichkeit zwangsläufig etwas weglassen muß. Umfang, Ausdruck und (An-)  Ordnung sind weitere Äußerungsformen der Subjektivität. Zum Probleme der verschiedenen Welten und Perspektiven siehe bitte hier.

    Persönliche Fähigkeiten und persönliches Wissen
     

    Übertragungs- und Gegenübertragungsgefahren alter emotionaler Rechnungen
     

    Faulheit und Nachlässigkeit: oberflächliche Recherchen
     

    Fehlerfortpflanzung: Einer schreibt vom andern falsch und falscher ab

    Allgemeine Mythen- und Legendenbildungsneigung

    Heldenverehrung und Glorifizierun: die Sehnsucht nach Idolen

    Falscher Hang zur Vereinfachung

    Die Eitelkeit vermeintlicher Kennerschaft
     



    Literatur:
    Timm, Albrecht (1973). Einführung in die Wissenschaftsgeschichte. München: UTB 203
    Zeitschriften:
    Annals of Science. An International Review of the History of  Science and Technology  from the Thirteenth Century. 1936 ff.
    History of Science. 1962 ff.
    ISIS. An International Review devoted to the History of  Science and ists Cultural Influence 1913 ff.


    1) Meinel, Christoph (1984). Vom Handwerk des Historikers. Zwei Teile. Chemie in unserer Zeit /18. Jahrg. 1984 / Nr. 2, 62-67 [Teil I], Teil II 18. Jahrg. Nr. 4, 138-142.
    2) Wir pflegen in unseren Publikationen auch in den Wertungen einen klaren und offenen Stil, der Auseinandersetzungen förderlich sein sollte.

    Zitierung
    Sponsel, Rudolf  (DAS). Methodische Probleme, Fallstricke und Fehlschluß-Varianten in wissenschafts-geschichtlichen Fragestellungen und die Kunstfehler in der Wissenschaftsberichtserstattung aus allgemeiner und integrativer psychologischer Perspektive. IP-GIPT. Erlangen: http://www.sgipt.org/wisms/geswis/wgesmk0.htm
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