Werbung als Scharlatanerie
Manipulative Eingriffe in die persönliche Autonomie
und Selbstbestimmung
Snyder, Geerto (1965). Wunderglaube und Wahn. Aus der bunten Welt der Scharlatane. München: Bruckmann.
Vorgestellt und kommentiert von Rudolf Sponsel, Erlangen
* Vorbemerkung * Zur Geschichte des Scharlataneriebegriffs * Manipulierende Werbung * Kommentar: Warum die Werbung psychologisch und volkswirtschaftlich so geMEINwohl-gefährlich ist * Querverweise
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Vorbemerkung: Geerto Snyder hat ein sehr interessantes und künstlerisch umfassend dokumentiertes Werk (51 Abbildungen und 20 Illustrationen) zum Thema Wunderglaube und Wahn - Aus der bunten Welt der Scharlatane 1965 vorgelegt, das die Scharlatanerie von der Frühzeit, über Altertum, Mittelalter und Neuzeit bis ins 20. Jahrhundert erfaßt (s.u.). Besonders beeindruckend ist auch die analytische Schärfe, Weit- und Klarsicht, mit der er die Werbung bereits vor rund 40 Jahren als gefährliche Scharlatanerie und Manipulation einzuschätzen und zu bewerten wußte. Zunächst wird aus der Einführung aber die Wort- und Themengeschichte zum Scharlataneriebegriff wie Snyder sie erarbeitet hat, dargelegt. |
Aus der Einführung: Zur Geschichte des Scharlatanerie-Begriffs
Titelblatt zu J.B. Mencken: De Charlatanerie Eruditorum |
"Vor rund 250 Jahren wurde der Scharlatan salonfähig. Bis dahin war er eine Jahrmarktgestalt gewesen, ein Marktschreier, der seine Ware oder sein Können stimmkräftig den neugierigen Zugelaufenen anpries und aufschwätzte. Im Jahre 1713 nobilitierte ihn der Leipziger Geschichtsprofessor Johann Burkhard Mencken (1674-1732), indem er das volkstümliche Wort Scharlatan latinisierte und in einer Promotionsrede seinem Gemüt Luft machte über die »Charlatanerie der Gelehrten« (De Charlataneria Eruditorum): Es gäbe, wie er entschuldigend bemerkte, kein gutes lateinisches Wort für diesen Begriff Scharlatan. In der Tat handelt es sich dabei um eine zunächst italienische, bald allgemein-europäische Neubildung, die seit dem 15. Jahrhundert auftritt. Man nimmt heute allgemein an, daß hier eine Verschmelzung der Begriffe Cerretano und ciarlare = schwätzen stattgefunden hat.Die Cerretani, die Einwohner des rnittelitalienischen Städtchens Cerreto, standen im schlechten Ruf, daß sie »zeitlebens die ganze Welt durchstreichen und die Leute rnit eitlen und verwerflichen Gaukeleien und Aberglauben aufziehen, während sie ihre Familien immer zu Hause sitzenlassen«. Sie taten das, indem sie die Leute »beschwätzen«. Von ihnen wird sogar behauptet, daß sie ihren Zuhörern zunächst und vorzugsweise Ablässe aufschwatzten. |
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Bald galt aber »Charlatan« auch in weiterem
Sinn für den Quacksalber, ja den Marktschreier überhaupt. Im
18. Jahrhundert entdeckte dann Mencken, daß die Scharlatane nicht
nur an den Straßenecken zu suchen seien, sondern dichtgesät
in der ganzen Gesellschaft, auch der gelehrten, vorkämen. Zwei Jahre
später ergänzte er seine ersten Beobachtungen in einer neuen
Universitätsrede, und das kleine Buch wurde alsbald zu einem Bestseller,
der auch heute noch sehr amüsant ist. Abgesehen von den Übersetzungen
erschien schon 1716 die 3. Auflage. Es folgte außerdem eine Reihe
von Spezialveröffentlichungen über die Scharlatanerie der Ärzte
(1717 und 1719), der Geistlichen (1735) und der Juristen (1742), während
1791 noch ein Nachtrag zu Menckens Werk erschien. Das 18. Jahrhundert bot
also offenbar ein reiches Material.
Menckens Buch weckte aber auch Widerspruch. Ein gewisser Sebastian Stadel - hinter dem Pseudonym steckte der Göttinger Rektor Heumann (1681-1763), ein sehr vielseitiger Gelehrter - brachte seine Bedenken in Form eines Briefes vor. Man findet diesen in der 3. und 4. Auflage von Menckens Werk, und er hebt hervorragend die Schwächen in dessen Bußpredigten hervor. Erstens einmal: Warum werden besonders die Gelehrten aufs Korn genommen? Ist denn die ganze Welt nicht voller Scharlatane jeglicher Art? Früh oder spät huldigt ja ein jeder mal dem Schein und schauspielert mehr oder weniger. Außerdem: Mencken versäumt es, eine klare Definition des Scharlatans zu geben."
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Manipulierende Werbung (S. 218-219)
Kommentar: Warum die Werbung psychologisch und volkswirtschaftlich so geMEINwohl-gefährlich ist
Die ökonomischen Wissenschaften zeigen sich bislang nicht in der Lage, die Bedingungen für stabile wirtschaftliche Verhältnisse zu benennen, zu erforschen und für die Wirtschaftspolitik handhabbar zu machen. Die gesamte Hollyvoodoo-Wirtschaftspolitik steht auf wackligen Füßen und sumpfigem Grund, ist zu weiten Teilen nur eine maniforme Luft- und Seifenblasenwirtschaft (Jedem sein Dritthandy fürs Zweitklo), die - neben der Zerstörung der Ressourcen der Erde und Ausbeutung der Entwicklungsländer - immer wieder von Krisen und Exzessen erschüttert wird, weil sie zu 2/3 ihrer Wirtschaftsleistung (BIP) auf dem Konsum beruht. Deshalb ist es so wichtig geworden, die VerbraucherInnen und KonsumentInnen so zu manipulieren und zu entmündigen. Das gesamte - plutokratische - Staatswesen ist daher auf Schein und Schaum, auf Plunder, Blasen und Konsumidiotie aufgebaut, streng kontrolliert vom Geldtabu.
noch nicht end-korrigiert