Internet Publikation für
Allgemeine und Integrative Psychotherapie
IP-GIPT DAS=28.01.2002
Internet-Erstausgabe, letzte Änderung 21.05.2005
Impressum:
Diplom-PsychologInnen Irmgard Rathsmann-Sponsel und Dr. phil. Rudolf Sponsel
Stubenlohstr.
20 D-91052 Erlangen * Mail:_sekretariat@sgipt.org_
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Willkommen in der Abteilung Allgemeine und Integrative Psychologie,
Psychodiagnostik, Psychopathologie und Psychotherapie, hier im Bereich
Werte, Werterleben, Selbstwert, Minderwertigkeitserleben u.ä.:
Was bin ich wert?
Psychologische Grundlagen des Werterlebens
Zur Psychotherapie der Minderwertigkeitsgefühle
Von Rudolf Sponsel, Erlangen
Grundlagen
des Werterlebens: was sind Werte, woher kommen sie, wie entstehen sie?
All das, was Menschen sein oder haben bzw. nicht sein oder haben möchten,
repräsentiert einen Wert (z.B. Gesundheit, Arbeitsplatz, Geborgenheit,
Geld, Liebe, soziale Anerkennung und Wertschätzung, Besitz, Fröhlichkeit
und Lebensfreude usw.usf.). Grundlage der Werte sind die Empfindungen und
Gefühle. Die Menschen streben nach Sachverhalten, die mit angenehmen
Empfindungen oder Gefühlen verbunden sind und sie suchen Sachverhalte
zu vermeiden, die mit unangenehmen Empfindungen oder Gefühlen verbunden
sind.
| Daraus folgt zwingend, wie wichtig die Fähigkeit ist,
zu empfinden oder zu fühlen und den Lebens- und Erlebnisstrom bewußt
mit den mit ihm verbundenen Empfindungen oder Gefühlen wahrzunehmen. |
Denn wer darüber wenig Bewußtheit (Wissen) hat, hat auch
wenig Möglichkeiten, bewußt sein Leben so einzurichten, wie
es ihm entspricht (Psychologen sprechen von einer ichgemäßen
Lebensform), weil er seine Werte nicht gut genug kennt bzw. nicht weiß,
falls er sie kennt, wie sie zu bekommen, zu behalten, zu vermehren sind
bzw. wie man auf sie verzichten (lernen) kann.
1.
Wertgesetze (Regelhaftigkeiten)
1.1
Ursprüngliche(primäre) Grundlagen des Werterlebens
Ursprünglich oder primär werten können heißt: die
mit bestimmten Sachverhalten einhergehenden Empfindungen oder Gefühle
wahrnehmen bzw. mit Empfindungen oder Gefühle in Zusammenhang bringen
können. Kurz: werten heißt empfinden oder fühlen können
bzw.
1.2 Abgeleitete
(sekundäre) Grundlagen des Werterlebens
Alles, was die Bedürfnisbefriedigung fördert, behindert oder
nicht berührt, nennen wir positiv-, negativ- oder neutral-wertig.
Alles, was im Zusammenhang mit der Förderung bzw. Behinderung von
Bedürfnisbefriedigungen steht, kann zur positiven bzw. negativen Wertigkeit
führen. Das erklärt, weshalb wir zunächst von den Werten
unserer Eltern und der Menschen, die gut zu uns sind, die uns Befriedigung
verschaffen, die wir mögen, geprägt werden. Haben wir selbst
das Werten nicht richtig gelernt, so können wir hier eine Orientierungslosigkeit
vorfinden: weil wir selbst das persönliche Werten nicht richtig gelernt
haben, orientieren wir uns an den anderen.
1.3
Unendliche Mannigfaltigkeit der Werte
Alles Leben und Geschehen ist mit einem ständigen, ununterbrochenen
Erlebnisstrom von Empfindungen und Gefühlen verbunden. Hierbei gibt
es unendlich mannigfaltige Verbindungen, daher gibt es auch unendlich viele
Werterfahrungen und Bewertungsmöglichkeiten. Das Leben ist in stetem
Wandel, alles wechselt, entwickelt und verändert sich ununterbrochen
bis zum Tode. Jeder Mensch ist daher Träger von unzähligen Wertmöglichkeiten.
1.4 Relativität
der Werte
Ob, wie sehr und in welcher Hinsicht ein Sachverhalt für uns wertig
ist, das hängt ganz von den Bedürfnissen, Zielen und Zwecken
ab, die wir gerade verfolgen, wie unsere Umwelt dazu steht und von der
Situation, in der wir uns befinden. Bewertungen gelten relativ, sie schwanken
von Augenblick zu Augenblick, von Mensch zu Mensch, von Situation zu Situation.
2.
Grundlagen des Minderwertigkeitserlebens
Grundlegend bedeutet Minderwertigkeitserleben ein zu wenig an positiven
Empfindungen oder Gefühlen. Das kann verschiedene Gründe haben:
2.1 die Fähigkeit zu empfinden oder zu fühlen ist eingeschränkt,
was zum Zu-Wenig-Erleben führen kann (ungenügendes Lernen
des Bewertens);
2.2 die Fähigkeit, positive Empfindungen/ Gefühle dem
Lebens- und Erlebnisstrom zuzuordnen ist eingeschränkt,
daher ergeben sich Probleme mit der bewußten Steuerung ichangemessener
Lebensführung (ungenügendes Lernen des Bewertens);
2.3 die eigenen Bedürfnisse werden nicht angemessen befriedigt,
was zum zu-wenig-Erleben führen kann; was daran liegen kann, daß:
-
a) die Bedürfnisse nicht wahrgenommen werden,
-
b) die Bedürfnisse recht maßlos sind,
-
c) die Befriedigungsmöglichkeiten zu gering sind,
-
d) die Mittel, Fähigkeiten oder Werkzeuge nicht angemessen zur Verfügung
stehen oder eingesetzt werden, (falsche Steuerung);
2.4 negativen Ereignissen wird zu viel Aufmerksamkeit und Bewußtseinszuwendung
gewidmet, so daß die negativen Empfindungen oder Gefühle ein
zu starkes Gewicht bekommen - obwohl eigentlich die vorhandenen positiven
Empfindungen oder Gefühle ausreichen würden (falsche Lenkung):
man glaubt, man habe im Vergleich zu den Menschen seiner sozialen Bezugsgruppe
zu wenig Wertträger, man bildet sich ein, man müsse all das haben,
was auch die andern (scheinbar) haben (falsche Maßstäbe);
2.6 man glaubt, man habe im Vergleich zu den eigenen Wertidealen zu
wenig in sich und seinem Leben repräsentiert; der Fehler besteht also
in der Festlegung auf feststehende Ideale, was beiden Wertgesetzen widerspricht
(falsche Maßstäbe);
2.7 man kümmert sich zu wenig um realistische (ergiebige) Quellen
positiver Empfindungen oder Gefühle und verschwendet zu viele Energie
auf unergiebige Quellen (falsche Lenkung infolge falscher Beurteilung);
2.8 Sonstiges, bislang nicht Berücksichtigtes.
3.
Check- und Prüfliste zum Therapieprogramm:
Die 10 Gebote
zum Minderwertigkeitserleben abbauen.
Positiv formuliert lautet das Therapieprogramm zum Abbau von Minderwertigkeitserleben:
_
| 3.1 die Fähigkeit zu empfinden und zu fühlen
ausbilden; |
_
| 3.2 die Fähigkeit, Empfindungen
oder Gefühle dem Lebens- oder Erlebnisstrom richtig
zuordnen ausbilden; |
_
| 3.3 die eigenen Bedürfnisse, Ziele
und Werte wahrnehmen; |
_
| 3.4 sich auf realistische Ziele beschränken
lernen (ohne das Träumen und Phantasieren zu verlieren); |
_
| 3.5 ausreichend Befriedigungsmöglichkeiten
wahrnehmen
lernen; |
_
| 3.6 ausreichend Fähigkeiten, Mittel
und Werkzeuge zur Bedürfnisbefriedigung beschaffen; |
_
| 3.7 die Fähigkeiten, Mittel und
Werkzeuge zur Bedürfnisbefriedigung angemessen anwenden; |
_
| 3.8 negativen Sachverhalten
nicht
zu viel Aufmerksamkeit und Bewußtseinszuwendung schenken; |
_
| 3.9 die Wertgesetze der unendlichen
Mannigfaltigkeit und Relativität bewußt machen und berücksichtigen; |
_
| 3.10 Ergiebige Wertquellen suchen
und unergiebige meiden sowie unangemessene Maßstäbe ablegen. |
Literaturhinweise
Werterleben, Selbstwert, Selbstwert- und Minderwertigkeitsgefühl
Vorbemerkung: die Psychologie des Wertens
wird leider von der akademischen Psychologie schon immer sehr vernachlässigt
und in ihrer Bedeutung nicht erkannt mit Ausnahme des alten und grundlegenden
Werkes von Christian von Ehrenfels zur Werttheorie. Der Begriff Wert hat
psychologisch betrachtet zwei unterschiedliche Haupt-Bedeutungen: 1) normativ
als moralisches oder ethisches Sollen; 2) erlebnisorientiert. Wertpsychologie
ist in der Tradition der akademischen Psychologie Emotionspsychologie (besonders
in der polnischen Tradition), Psychologie der Affekte, Motive und Gefühle;
ein Sondergebiet ist die psychologische Ästhetik (z.B. Theodor Lipps).
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des Patienten, der Entwicklung neuer Sichtweisen der Gefühle, Motive
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Therapeuten).
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_
Änderungen wird
gelegentlich überarbeitet, ergänzt und vertieft * Anregungen
und Kritik willkommen
21.05.2005 Layout.
Querverweise:
Zitierung
Sponsel, Rudolf (DAS).
Was bin ich wert? Psychologische Grundlagen des Werterlebens. Zur Psychotherapie
der Minderwertigkeitsgefühle. Aus der Abteilung Werte, Werterleben,
Selbstwert, Minderwertigkeitserleben u.ä.
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