ProzentRANG
Bedeutung, Berechnung, Problemlösungen,
Literatur, Links.
von Rudolf Sponsel, Erlangen [Quelle]
Was ist
ein ProzentRANG (PR) ?
Stellen Sie sich 100 unterschiedlich große Menschen der Größe
nach von links nach rechts aufsteigend geordnet vor. Der kleinste in dieser
Reihe hat nun den ProzentRANG PR=1, der größte
den PR=100. Derjenige mit dem ProzentRANG von 50 ist größer
als die 49 vor ihm und kleiner als die 50 nach ihm in der Reihe. Der ProzentRANG
sagt uns also etwas über den RANG oder die STELLUNG,
die jemand in einer bestimmten Stichprobe einnimmt - und nicht, wie groß
jemand ist..
Wie man sieht, kann man den ProzentRANG
sehr schön und klar verstehen. Das Wort RANG hat hier
auch seine wichtige Bedeutung. Aus dem RANG oder der Stellung
in der Stichprobe erfahren wir nämlich nicht, wie stark oder wie sehr
die Unterschiede sind, wir erhalten nur eine RANG-Information
vom Typ, mehr, weniger oder größer, kleiner. Es ist also möglich,
daß zwei nahe beieinander liegende Testwerte weit auseinanderliegende
ProzentRÄNGE aufweisen ebenso wie, daß zwei weiter
auseinanderliegende Testwerte nahe beieinander liegende ProzentRÄNGE
zeigen.
| DerProzentRANG ist ein
außerordentlich nützliches und unmittelbar verständliches
statistisches Rang-Maß. Er gibt die relative Stellung
an, die man bezüglich eines bestimmten Merkmals in einer Vergleichs-
oder Bezugsgruppe einnimmt. Daher ist eine ProzentRANG-Angabe
ohne Nennung der Vergleichs- oder Bezugsgruppe wenig sinnvoll, wie
man der Illustration entnehmen kann: Der "Kleine" (Große) unter den
"Kleinen" (Großen) erhält einen ebenso geringen (großen)
ProzentRANG wie unter den Großen. Man muß aufpassen, ihn nicht
mit dem Prozentwert (Anteil von einem Ganzen) zu verwechseln,
obwohl natürlich die Berechnung auch auf einer Prozentrechnung beruht.
In der Illustration bezeichnen die Ziffern 1-10 die Namen der Mitglieder. In beiden Bezugs- oder Vergleichsgruppen könnte man 2 und 3, 4 und 5, 6 und 7, 8 und 9, vertauschen, da diese gleich groß sind. An den ProzentRÄNGEN würde nichts ändern. Die Häufgkeiten H, der Prozenanteil von der Größe der Stichprobe, hier N(Pygmäen) = 10, N( Europäer) = 10 ändern sich nicht. |
![]() |
Begriffsumfeld ProzentRANG
Häufigkeit, relative Häufigkeit, Häufigkeitsverteilung,
Quantil, Quantile, Quartil, 1. Quartil, 3. Quartil, Median, Modalwert,
Percentil, Normen, Flächennorm, T-Werte (McGall), Transformation,
Ausprägung, Rohwerte, Rang, nonparametrisch, Verteilung.
Testpsychologische Interpretation:
Der Prozentrang PR gibt an, welche Rangposition eine BearbeiterIn in einer Bezugs-Stichprobe einnimmt. Ein PR=50 bedeutet im allgemeinen (hochgerechnet), sofern die Stichprobe und die Feindifferenzierung der Werte groß genug sind, daß jemand mit seinem Testwert 49% der Stichprobe übertrifft und selbst von 50% übertroffen wird. Als statistischen Durchschnittsbereich zählt man gewöhnlich die mittleren 50 Prozent, also den Bereich 25<=PR<=75. Der PR=25 hat den Namen "1. Quartil", der PR=50 heißt Median und PR=75 heißt 3. Quartil.
Die Psycho-Fachschaft der Uni-Osnabrück definiert kurz und bündig: "Prozentrangnormen = Wahrscheinlichkeit, einen solchen oder kleineren Rohwert in der Normverteilung zu finden."
Prozentrangnormen sind vernünftige und unmittelbar nachvollziehbare
Ausprägungs-Normen. Vereinfacht kann man sagen: wer viele Aufgaben
im Sinne des Merkmals löst, verfügt über viel Ausprägung
des Merkmals. Voraussetzungen für eine wissenschaftlich einwandfreie
Interpretation sind:
Bei Leistungstests ist Voraussetzung (1) und (2) eher als erfüllbar
anzusehen als im Persönlichkeitsbereich. Außerdem muß
man streng zwischen den verschiedenen Erhebungssituationen unterscheiden:
Menschen bearbeiten Tests ganz unterschiedlich, je nachdem um was es für
sie geht und was davon abhängt. Tests - wie auch jede andere Art der
Informationsgewinnung - unkritisch in interessegeleiteten psychologischen
Untersuchungen anzuwenden ist daher ein Kunstfehler. Nirgendwo dürfte
Wahrheit und Wirklichkeit von den Parteien so individuell interessegeleitet
wahrgenommen und ausgedrückt werden, wie dort, wo es für die
Betroffenen um etwas geht (Wirtschaft, Gericht, Prüfung, Erwerb eines
Privilegs usw.).
Testtheoretischer
und statistischer Sinn und Nutzen des ProzentRANGmaßes
Gutjahr (1971,
S. 94) schreibt: "Die Prozentrang-Transformation führt zu psychologisch
relevanten Werten. ... Mit der Prozentrangskala sind die Willkürlichkeit
und Zufälligkeiten der Rohskalen überwunden."
Anmerkung: Das logistische Testmodell
von Rasch will mit seinem Konzept der spezifisichen Objektivität
die Stichprobenabhängigkeit der Testwerte ganz überwinden, was
m.E. sehr fraglich und unrealistisch ist.
ProzentRANG-Kuriositäten
Auch sehr geringe Ausprägungen können hohe ProzentRÄNGE
bekommen, wenn sehr viele in der Stichprobe geringe Ausprägungen ankreuzen
(z.B. die Frage nach einem Phäochromozytom).
Zur richtigen Interpretation eines ProzentRANGs muß
man neben der Polung des erhobenen Sachverhalts auch den Testwert selbst
berücksichtigen. Manche Merkmale haben nur hohe ProzentRÄNGE,
wenn etwa in einem Fragebogen als letzte Frage "Ich habe alle Fragen verstanden
und sorgfältig bearbeitet" erfaßt wird.
Abhängigkeit
statistischer Normen von den Stichproben und Grundgesamtheiten
Statistische Werte wie der ProzentRANG sind grundsätzlich
abhängig von der Stichprobe bzw. der Grundgesamtheit (Population)
aus der die ProbandInnen ausgewählt werden. Eine statistische Norm
erfordert daher stets eine Bezugsangabe zu einer Stichprobe und Grundgesamtheit.
Dichte
und Differenziertheit von ProzentRÄNGen
Theoretisch können die ProzentRÄNGE beliebig
dicht und genau gefaßt werden, wenn 1) die Test- oder Meß-Werte
fein genug und 2) genügend ProbandInnen zur Verfügung stehen
und 3) die Testwerte dieser ProbandInnen sich entsprechend differenziert
verteilen. Wenn in einem Test (Untertest), nur wenige numerische Differenzierungen
zur Verfügung stehen, können auch nur wenige ProzentRANGnormen
erfaßt werden (die ProzentRÄNGE sind in der Praxis
also meist diskret und quantisch).
Unterschiedliche
ProzentRANG-Bestimmungsmethoden
Es gibt unterschiedliche ProzentRANG-Definitionen und
damit auch Bestimmungsmethoden. Welche man wählt, hängt von den
Zielen und Zwecken ab, die man verfolgt. Die hauptsächlichsten Methoden
sind:
Beispielberechnung
unmittelbare direkte und häufigkeitsinterpretierbare Methode
Prozentrangbestimmung bei einem Test mit 14 Ausprägungsmöglichkeiten
Testwerte W1 W2 W3 W4 W5
W6 W7 W8 W9 W10 W11 W12 W13 W14
Häufigkeit 0 0 0
3 0 5 6 3 0
9 4 7 0 0
Summiert 0 0 0
3 3 8 14 17 17 26
30 37 37 37
ProzentRANG 0 0 0 8
8 22 38 46 46 70 81 100
100 100
Hier besteht die ProzentRANGbestimmung darin: Man bestimmt nun die relative Häufigkeit H, mit der jeder Wert in der Stichprobe vorkommt und trägt bei jedem Wert ein (Zeile Häufigkeit), wie oft er in der Stichprobe vorkommt. Anschließend summieren wir die relative Häufigkeit von jedem Wert zum nächsten Wert auf (Zeile Summiert).
Umgang mit fehlenden Prozentrangnormen in der Bezugs-(Eich)-Stichprobe
Die in die verschiedenen Normstichproben eingegangenen Werte erschöpfen oft nicht sämtliche theoretisch möglichen Werte. Es kann daher sein, daß man auf einen Testwert stößt, für den es noch keine direkt zugeordnete Prozentrangnorm in den Tabellen gibt. Im wesentlichen sind drei Fälle zu unterscheiden: (1) es gibt ein neues Minimum; (2) es gibt ein neues Maximum; (3) es gibt einen neuen Zwischenwert. Auch hier gibt es eine Reihe unterschiedlicher Methoden, für fehlende Testwerte in der Normstichprobe die ProzentRÄNGE zu schätzen.
1) Intervallgrenzen-Regel
Nach dieser Regel muß man gar nicht rechnen, sondern man gibt
einfach die obere und untere Intervallgrenze der Prozentränge an zwischen
denen sich der gesuchte befinden muß. Liegt ein erhaltener Testwert,
z.B. 56, zwischen den schon statistisch verarbeiteten von TW< = 48 mit
PR(48) = 65 und TW> = 61 mit PR(61) = 76, so gibt man einfach nur an PR
= 65(48) < PR(56) < PR = 76(61). Ist der kleinste Testwert bei einer
Dimension in der Normstichprobe z.B. 11 für den sich ein ProzentRANG
von z.B. 4 ergab und erzielt eine ProbandIn ein neues Minimum mit Testwert
0, dann ist die beste Angabe PR < 4.
2) Näherungsregel
Man wähle den Prozentrang, der dem Testwert am nächsten kommt.
Beispiel: Gegeben seien folgende Testwerte mit zugeordneten ProzentRANGwerten:
TW< = 17 mit PR< = 57 und TW> = 33 mit PR> = 62, erhaltener Testwert
sei TWerhalten = 22. Der TWerhalten ist näher an 17 als an 33. Also
wähle man nach der Näherungsregel den PRgeschätzt = 57.
Diese Regel ist anwendbar für Fälle bei denen die erhaltenen
Testwerte nahe bei einem schon statistisch erfaßten liegen. Hat eine
ProbandIn ein neues Minimum oder Maximum, das bei der statistischen ProzentRANGbestimmung
noch nicht vorlag, so kann man als Schätzung dem neuen Minimum oder
Maximum den ProzentRANG des alten Minimums oder Maximums zuordnen. Die
bessere Regel ist aber die oben beschriebene Intervallgrenzen-Methode.
3)
Auf- und Abrundregel zugunsten der ProbandIn
Auf- und Abrundregel, wie es für die ProbandIn günstiger
ist. Bei schwerwiegenden Folgen wird man eher konservativ, d.h. ungünstig
schätzen, um entsprechende Sicherungsmaßnahmen zu fördern.
4) Interpolations-Regel
Eine genauere Möglichkeit ist die Interpolation, die man wie folgt
rechnen kann: Wenn wir das Zeichen „>" für den jeweils größeren
Wert - Testwert TW und ProzentRANGwert PR - und das Zeichen
„<" und für den jeweils kleineren Wert - Testwert TW und ProzentRANGwert
PR - mit TWi erhaltener und zu interpolierender Testwert verwenden,
ergibt sich allgemein:
PRi = PR< + [( TWi - TW< ) / ( TW> - TW< )] * ( PR> - PR< )
Beispiel: Enthalte der Wertevorrat nur die Testwerte 7 mit PR=11 und 0 mit PR=5, aber nicht den Testwert 4, so ergibt sich interpolativ für den Testwert 4 ein ProzentRANG von gerundet 8, nämlich wie folgt:
PRi = PR< + [( TWi - TW<
)
/ ( TW> - TW< )] * ( PR> - PR<
)
PRi = 5 + [ (4 -0) / (7-0)] * (11-5)
PRi = 5 + [ (4 / 7)] * 6
PRi = 5 + .57142 * 6
PRi = 5 + 3,42857
PRi = 8,42857
PRi = 8 [abgerundet]
Der gesuchte (interpolierte) Prozentrang für den erhalten Testwert
4 beträgt 8 (gerundet).
Anwendungsprobe für die Werte im Beispiel 1) Intervallgrenzenregel:
TW = 56; TW< = 48, TW> = 61, PR<
= 65 , PR>= 76.
PRi = PR< + [( TWi - TW<
)
/ ( TW> - TW< )] * ( PR> - PR<
)
PRi = 65 + [( 56 - 48 ) / (61 - 48 )]
* ( 76 - 65)
PRi = 65 + [ 8 / 13)] * (11)
PRi = 65 + .61538 * 11
PRi = 65 + 6,769
PRi = 71,769
PRi = 72 [gerundet]
Der gesuchte (interpolierte) Prozentrang für den erhalten Testwert
56 beträgt 72 (gerundet).
Exkurs:
Messen in der Psychologie
In der (Test-) Psychologie
sind Messungen, wie aus Naturwissenschaft und Technik bekannt, in
aller Regel nicht möglich. Daher ist die gesamte traditionelle
psychologische Testtheorie, die gewöhnlich wenigstens intervallskalierte
Daten voraussetzt zutiefst wissenschaftlich fragwürdig und im Grunde
genommen, wie es Orth 1974 nach wie vor trefflich ausdrückte, nur
ein Messen "per fiat", also eine Art "wissenschaftstheologische" Entscheidung
und damit ein Widerspruch in sich, eine contradictio in adjecto: eine Art
"schwarzer Schimmel" oder "viereckiger Kreis".
ProzentRANGnormen setzen nur ein RANGdaten-Niveau
voraus und sind daher für psychologische Zwecke besonders - wie nonparametrische
und Rang-Methoden - geeignet. Das gilt natürlich nur dann, wenn nicht
auch sonst verdeckte Rechenprozeduren verwendet werden, die stillschweigend
ein höheres Datenniveau voraussetzen.
Exkurs:
Berücksichtigung der ProzentRANGidee im Alltag und Leben
Sport am Beispiel der Ligen: Man kann den Rang 1,2, ... in der Bundesliga,
2. Bundesliga, ..., Regionalliga, ... bis hin zur Kreisklasse C einnehmen.
Die verschiedenene Gewichtsklassen, Trennung von Frauen und Männern
geht ebenfalls von verschiedenen Bezugsgruppen aus. In Nationalgarden
werden oft nur Männer ab einer bestimmten Mindestgröße
aufgenommen; selbst kleine Prozentränge bedeuten dort schon hohe Körpergrößen
wie z.B. auch in Basketballmannschaften. Das Sprichwort "Unter den Einäugigen
ist der Blinde König" enthält ebenfalls die Idee der relativen
Tüchtigkeit je nach Voraussetzungen innerhalb der Bezugsgruppe. Gegenbeispiele:
Eine vielfach vertretene Rechtsidee besagt: vor dem Gesetz sind alle gleich.
Auch die Wählerstimmen werden selbst in den modernen Hollywooddemokratien
gleichwertig behandelt. Gute Noten in der Grundschule setzen sich nicht
unbedingt an den höheren Schulen fort. Die verschiedenen Schultypen
repräsentieren daher verschiedene Bezugs- und Vergleichsbasen. Einser-AbiturientInnen
sind nicht unbedingt an Universitäten gleichermaßen erfolgreich.
Ungeachtet der Bildung kann sich auch der Geschäfts- oder der Lebenserfolg
entwickeln.
IP-GIPT-Links
| Suchen in der IP-GIPT,
z.B. mit Hilfe von "google": <suchbegriff>
site:www.sgipt.org
z.B. Prozentrang Normen site:www.sgipt.org. |
g_KKorrektur gelesen am: 07.03.04 irs