Internet Publikation für Allgemeine und Integrative Psychotherapie
    IP-GIPT DAS=21.02.1998 Internet-Erstausgabe, letzte Änderung TMJ
    Sekretariat: Diplom-PsychologInnen Irmgard Rathsmann-Sponsel und Dr. phil. Rudolf Sponsel
    Postbox   3147  D-91019 Erlangen  *  E-Mail:  sekretariat@sgipt.org_

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    Die Bedeutung der
    Humanistischen Psychotherapie
    für die Entwicklung einer Allgemeinen und Integrativen Psychotherapie (GIPT(1))
    und die Situation der Psychotherapie in Deutschland
     

    Einige humanistisch-integrative WegbereiterInnen, ca. 19 Sek. Ladezeit


        Alexander Lowen -  Roberto Assagioli - Carl Rogers - Abraham H. Maslow - Fritz Perls - Hilarion Petzold
        Geschwister Walter (HJP darunter Irena A.)  - Eheleute Erving & Miriam Polster  - Jakob L. Moreno -   Hildegard Heinl - Johanna Sieper  (es fehlen Bilder von Transaktions- und NeopsychoanalitikerInnen)


    Rudolf Sponsel, Erlangen
    Praxis für Allgemeine und Integrative Psychologische Psychotherapie
    und Psychotherapieforschung, Sekretariat SGIPT

    Preprint aus Kornbichler , T. et al. (In Vorber.; Hg.) über die Bedeutung und Situation der
    Humanistischen Psychotherapie in Deutschland.

    Inhaltsverzeichnis

    • Abstract - Zusammenfassung
    • Einleitung
    • Tabelle 1: Die Psychotherapieschulen und das Thema Integrativ (Literaturrecherche)
    • Ergebnis der Literaturrecherche
    • Was bedeutet Allgemeine und Integrative Psychotherapie auf die großen Schulen bezogen?
    • Wohin entwickelt sich die Psychotherapie?
    • Worum es beim Psychotherapeuten Gesetz in Deutschland wirklich geht: Natürlich um die Macht, das Geld, ein gutes Selbstgefühl und nach mir die Sintflut
    • Tabelle 2: Durchschnittliche Jahresumsätze (Zelle) durch Budgetanteile ohne Zuzahlung und Privathonorare von PsychotherapeutInnen in Abhängigkeit vom Budget (Spaltenkopf) und der Anzahl der zugelassenen PsychotherapeutInnen (Zeilenkopf)
    • Ungünstigste Beispiel-Rechnung
    • Was für die Versicherten richtig und gut ist, ist auch für die DienstleisterInnen richtig und gut
    • Die Zerstörung der Demokratie und Rechtskultur durch die KBV und das Gesundheitsministerium bei Neuzulassungsfragen
    • Der große Etikettenschwindel mit der Richtlinien-Psychotherapie in Deutschland
    • Der große Etikettenschwindel mit der Kompetenz der Medizin in Sachen Psychotherapie
    • Die Macht, das Geld und die Humanistische Psychotherapie aus der Sicht eines Allgemeinen und Integrativen Psychotherapeuten
    • Fußnoten
    • Literatur
    • Berufsbiographisches


    Querverweis: Mathematisch-ökonomische Analyse der Kostenexplosion im Gesundheitswesen in Beziehung zum Wachstum des Bruttosozialprodukts
     
     
       

      Abstract - Zusammenfassung

      I. Es wird die große Bedeutung der Humanistischen Psychotherapie für die Entwicklung einer Allgemeinen und Integrativen Psychotherapie aufgezeigt. In 28 % der Publikationen der Gestalttherapie wird das Integrativthema angesprochen (zum Vergleich: Verhaltenstherapie 6 %, Psychoanalyse 3 %). Bereits 1940 gab es Integrationsgespräche. 
      Es wird auf die Pflicht zur Weiterentwicklung in der Heilkunde (BGH Urteil 1978) hingewiesen und auf die historisch alte Erkenntnis (Bolten 1751), daß die Psychologie die Grundlage aller Psychotherapie ist. II. Es werden Modellrechnungen zu Budgets und  Anzahl von PsychotherapeutInnen durchgeführt und nach dem Zusammenbruch des alten  für ein neues Sozialfinanzierungssystem plädiert, das den DienstleisterInnen die gleiche  Grundsockelsicherheit abverlangt wie den Versicherten. III. Es wird das rechtswidrige  Prinzip kritisiert, bei Neuzulassungen von MitbewerberInnen die Etablierten mitbestimmen zu  lassen. IV. Ebenso kritisiert wird der Etikettenschwindel, der mit den Richtlinientherapien  betrieben wird. V. Es wird ausgeführt, daß die Allgemeine und Integrative Psychotherapie  ein eigenes "Haus" braucht und nicht aus einer Schule hervorgehen kann. Die  Humanistischen PsychotherapeutInnen werden besonders eingeladen, das "Haus" mitzugestalten und auszubauen und bei den realen Machtkämpfen engagierter und besser  mitzumischen.
       

    Einleitung

        Gestalttherapie ist, wie die neuere systemische Psychotherapie - tendenziell auch Transaktionsanalyse  und  NLP -, vom Ansatz und Selbstverständnis her als allgemein und integrativ angelegt zu bezeichnen, wenn auch das integrative Selbstverständnis der Gestalttherapie das der anderen Schulen weit übersteigt, wie eine von mir durchgeführte Literaturanalyse im PSYNDEX eindrucksvoll empirisch belegt (siehe unten), wonach die Gestalttherapie mit 28 % Thematisierung des Integrativthemas in ihren Veröffentlichungen alle anderen Therapieschulen diesbezüglich weit in den Schatten stellt.

        Diese Entwicklung wird auch dadurch belegt, daß sich die DGGK (Deutsche Gesellschaft für Gestalttherapie und Kreativitätsförderung) am 18.11.1993 nach 20 Jahren in DGIK umbenannte (Deutsche Gesellschaft für Integrative Therapie, Gestalttherapie und Kreativitätsförderung e. V.) und rund 700 Mitglieder zählt. Seit 1975 gibt das FPI um Hilarion Petzold die Zeitschrift "Integrative Therapie" heraus und bildet seit 1973 zunehmend integrativer aus. Auch die Geschwister und GestaltpsychotherapeutInnen Walter schrieben schon 1979 - dem Jahr, in dem das international erste moderne und systematische Werk zur  Allgemeinen und Integrativen Psychotherapie von van Quekelberghe  erscheint - einen wegweisenden Artikel in Psychologie Heute, in dem sie ausführen, daß die Gestalttheorie als Grundlage für die integrative Psychotherapie dienen kann(2). Tatsächlich reichen die historischen Wurzeln viel weiter. Schon 1940(3) gab es erste Bemühungen der verschiedenen  Psychotherapierichtungen, sich an einen Tisch zu setzen (hierzu ein Reader in Sponsel 1995, S. 587f), u. a. unter Mitwirkung der Humanistischen Psychotherapeuten Frederick H. Allen und Carl R. Rogers - damals völlig unbekannt, heute weltberühmt - und dem der Psychoanalyse nahestehenden Psychotherapieforscher Saul Rosenzweig, der von Freud so peinlich und unangemessen brüskiert wurde. Noch weiter zurück bis ins Jahr 1910 reicht der Zweig der Psychosynthese(4), die Roberto Assagioli erstmals in seiner kritischen Dissertation zu Freud skizzierte. Ein wichtiges Werk zur Gestalttherapie der Eheleute Polster (dt. 1975, orig. 1973) heißt bereits im deutschen Untertitel: "Gestalttherapie. Theorie und Praxis der integrativen Gestalttherapie."
    Die Gestalttherapie wurzelt in der Gestalttheorie, die von der Gestaltpsychologie entwickelt wurde, wie Walter, H. J. (1994; schon 1977 in seiner Dissertation fundiert) ausführt, der sich auch zurecht gegen die Entwertung des Denkens und der Bedeutung der Rationalität wendet.

        Die frühe Gestalttherapie, wie sie von Fritz Perls entwickelt und konzipiert wurde ist ebenfalls eine Weiterentwicklung und Integration aus Psychoanalyse, Gestaltpsychologie, Körperarbeit und "positivem Existentialismus". Auch Rogers klientenzentrierte Therapie - die zweite große Kraft der Humanistischen Weltbewegung - kann, wenn man die dogmatische und überholte Fixierung auf die TherapeutInnenvariablen (Authentizität, Empathie, Wertschätzung) aufgibt und sich auf den Kern seiner Idee, nämlich die Zentrierung auf die KlientIn besinnt, als oberstes allgemeines und integratives Therapieprinzip interpretiert werden. Ich selbst habe jüngst erst im schulen- und methodenübergreifenden Fallseminar bei der Deutschen Psychologen Akademie eindrucksvolle Fallvorstellungen unter dem Arbeitsprinzip der KlientInnenzentrierung erlebt und habe zu meiner Überraschung mehr Ähnlichkeit zwischen der so verstandenen Gesprächspsychotherapie erlebt als ich (vorher) noch für möglich hielt. Die dritte große Kraft der Humanistischen Psychologie sehe ich in der Humanistischen Neo-Psychoanalyse, der wir u. a. den bedeutenden Psychotherapieforscher und idiographischen Wissenschaftstheoretiker A. Maslow(5) verdanken, der mit seiner Psychologie der Wissenschaft ein nach wie vor sehr aktuelles und wichtiges Buch geschrieben hat. Als vierte Kraft kann Körpertherapie, als fünfte Kraft Psychodrama und als sechste Kraft die Encounter-Bewegung gesehen werden. Die siebte Kraft geht dann in Richtung sinngebende noetische Bewegungen, Berührungspunkte gibt es zur asiatischen Assimilation wie z. B. die Bhagwan- oder Osho-Bewegung oder die Einbeziehung der Meditation. Und der guten Ordnung halber reservieren wir eine achte Rest- und Auffangkategorie für die wichtigen Kräfte, die in meinem Wissen und Bewußtsein nicht enthalten sind.
    Insgesamt kann man wohl sagen, daß die Humanistische Psychotherapie sehr viel zur Entwicklung der Allgemeinen und Integrativen Psychotherapie beigetragen, vorbereitet und teilweise auch schon vorweggenommen hat.

    Tabelle 1:
    Die Psychotherapieschulen und das Thema Integrativ



    Erläuterung: Durchsucht wurde die Datenbank PSYNDEX (1977-06/97). In DG (Deskriptor German) bzw. in DE (Deskriptor English) bedeutet, daß der Suchbegriff eine eigene Suchkategorie bildet, nach der Texte in der Datenbank klassifiziert werden. Deskriptoren-Suchprozesse haben höhere Treffer in Bezug auf das Suchziel und sind so gesehen strenger und aussagekräftiger.

    • Suche ALLGEMEINE PSYCHOTHERAPIE and INTEGRATIV* ...    3/14   =  21 %
    • Suche EKLEK* PSYCHOTHERAPIE and INTEGRATIV* .......    15/34  =  44 %
    • Suche FAMILIENTHERAPIE in DG and INTEGRATIV* ...... 121/ 2327 =   5 %
    • Suche GESTALTTHERAPIE and INTEGRATIV*    .......... 203/728   =  28 %
    • Suche GESTALTTHERAPIE in DG and INTEGRATIV*  ...... 149/535   =  28 %
    • Suche CLIENT CENTERED THERAPY and INTEGRATIV* ..... 255/2944  =   9 %
    • Suche CLIENT CENTERED THERAPY in DE and INTEGRATIV*  90/1453  =   6 %
    • Suche HUMANISTISCHE THERAPIE or HUMANISTISCHE       204/2386  =   9 %

    • PSYCHOTHERAPIE and INTEGRATIV*
    • Suche INTEGRATIVE THERAPIE and INTEGRATIV* (Kontrolle)539/539 = 100 %
    • Suche KOGNITIVE THERAPIE and INTEGRATIV*  .........   44/653  =   7 %
    • Suche KOGNITIVE THERAPIE in DG and INTEGRATIV*  ...   28/402  =   7 %
    • Suche NLP and INTEGRATIV*   .......................   10/395  =   3 %
    • Suche PSYCHOANALYSE and INTEGRATIV* ...............  176/4939 =   4 %
    • Suche PSYCHOA* in DG and INTEGRATIV*  .............  206/7679 =   3 %
    • Suche (SYSTEMISCHE THERAPIE or SYSTEMISCHE  .......  13/552   =   2 %

    • PSYCHOTHERAPIE) and INTEGRATIV*
    • Suche TRANSAKTIONSANALYSE and INTEGRATIV*  ........   30/325  =   9 %
    • Suche VERHALTENSTHERAPIE and INTEGRATIV*   ........ 262/4385  =   6 %
    • Suche VERHALTENSTHERAPIE in DG and INTEGRATIV* .... 150/2122  =   7 %

    Ergebnis der Literaturrecherche

       

      In den Stichworträumen der Psychotherapieschulen erzielen die GestalttherapeutInnen den ersten Platz mit 28 % - die Humanistische Psychotherapie hingegen hat nur 9 % - , die Allgemeine Psychotherapie folgt mit nur 21 %. Deutlich darunter folgt dann die Transaktionsanalyse mit 9 %. Überraschend ist, daß im Stichwortraum der Systemischen Psychotherapie das Integrativthema nur mit 2 % aufscheint, obwohl die SystemikerInnen doch nicht selten beanspruchen, die Basis für eine allgemeine und integrative Therapie zu liefern (siehe bitte Fußnote 2). Das gilt ebenso für das NLP(6). Auch in der Psychoanalyse spielt das Thema mit nur 3 % Repräsentanz im Stichwortraum eine nur geringe Rolle.
       

    Was bedeutet Allgemeine und Integrative Psychotherapie
    auf die großen Schulen bezogen?

    Die Integration der sechs großen Bewegungen Psycho- und Transaktionsanalyse, Humanistische Therapie, Verhaltenstherapie, Kognitive Therapie, Systemische Therapie und Körpertherapie neben den vielen wertvollen Beiträgen und Entwicklungen besonderer Methoden, wie z. B. RET, KB, AT(7), Psychodrama konstituiert neben den Basiswissenschaften Psychologie, Psychosomatik und Psychopathologie aber auch der Alltagskulturgeschichte den Fundus einer Allgemeinen und Integrativen Psychotherapie. Eine solche Integration setzt natürlich voraus, daß die integrierungshemmenden Dogmen aufgehoben werden. Da wir im Grundsatz eine praxeologisch-wissenschaftliche Überzeugung von der Psychotherapie haben, fällt uns die Aufhebung solcher Dogmen nicht schwer, im Gegenteil, es ist eine wissenschaftliche Selbstverständlich- und Notwendigkeit. Dogmen sind genuin wissenschaftsfremd und die Forschungsgruppe Grawe verlangt in diesem Punkt völlig zu Recht, daß wir von der Konfession zur Profession schreiten müssen. In diesem Punkt sind die Schulen bequem, wissenschaftsfremd und in der Tat ein konfessioformes Relikt aus anachronistischer Zeit. Daß sie überhaupt so mächtig werden konnten, verdanken sie einer  praxeologisch ziemlich unfähigen akademischen Psychologie (vor allem der Deutschen Gesellschaft für Psychologie - (DGPs)), die die psychotherapeutische Herausforderung nicht rechtzeitig und richtig begriffen und angenommen hat. Heute sind weite Teile der akademischen klinischen Psychologie mit den mächtigen Therapieschulen verfilzt, zu etwas wirklich eigenem - z. B. Allgemeinen und Integrativen - war diese Psychologie eben nicht imstande. Die verkrusteten szientistischen Strukturen an den Universitäten sorgten im übrigen dafür, daß zu Beginn des Psychotherapiebooms die klinischen PsychologInnen und StudentInnen nicht nur in Hundertschaften, sondern in "Tausendschaften" bevorzugt zur Humanistischen Psychologie und den auf sie gegründeten Psychotherapieschulen abwanderten. Von der seelenlosen (!) Psychologie der SignifikanzmagierInnen, per fiat WissenschaftlerInnen und ZahlenfetischistInnen(8) der akademischen Psychologie ist ihnen das nie verziehen worden. Dafür wird der Humanistischen Psychotherapie der entwertende - späte Rache? - Status einer "Schwellentherapie" zuerkannt. Doch knapp daneben ist eben auch vorbei. Daß ausgerechnet die von ihnen so geförderte GT (KlientInnenzentrierte Therapie von Rogers) nicht in das Psychotherapeutengesetz kommen soll, ist ein herber Schlag für die Psychotherapiepolitik der DGPs.

    Die elitäre und sektiererische Psychoanalyse und Tiefenpsychologie als typisch ärztliche Kunst - man muß ja nun wirklich nicht so viel arbeiten, um meist zu schweigen oder ab und zu "hm", "ja", "Aha", "Wie meinen Sie das?" oder "An was erinnert Sie das?" zu sagen - ist unter Beschuß geraten. Sie fürchten nicht nur um ihre Macht und Punktwerte, sie sehen sich überhaupt durch die Psychologischen PsychotherapeutInnen bedroht. Entsprechend war der Aufschrei auf das Buch der Forschungsgruppe Grawe, die den Nagel natürlich auf den Kopf getroffen und das allzu feuilletonistische und literarische Wissenschaftsverständnis der TiefenpsychotherapeutInnen aufs Korn genommen hat. Im Grunde verlangt das Wort "Tiefe" auch wissenschaftlich mehr Tiefgang. Tiefe heißt eben nicht nur dunkle und schwer verständliche Sprache, literarisch-feuilletonistische Assoziationen und Analogien, sondern Tiefe heißt eben auch empirische und wissenschaftliche Tiefe. Dazu war Freud schon nicht willig und fähig, wie die peinliche Postkartengeschichte mit Saul Rosenzweig schon beweist, und seine NachfolgerInnen offenbar weitgehend auch nicht - wohltuende Ausnahmen die integrativen PsychoanalytikerInnen der SEPI(9)
     
     

    Wohin entwickelt sich die Psychotherapie?

    Wir wissen heute, daß es nicht ein, zwei, drei oder ein Dutzend Methoden und Techniken gibt, die in der Psychotherapie zum Einsatz gelangen können, sondern, bei richtiger, mutiger und konsequenter logischer  Überlegung und empirischer Analyse potentiell unendlich viele. Es ist ein wesentliches Verdienst des oft so geschmähten sog. Psychobooms genau diese Erkenntnis gefördert zu haben. Die extremen astronomischen Möglichkeiten, die in der Vielfalt der Heilmittel und auch in nur einer einzigen  Psychotherapie liegen, sind daher wahrscheinlich auch der tiefere wissenschaftliche Grund dafür, daß die traditionellen Psychotherapieschulen mit ihren engen dogmatischen Konzepten in der Tat mehr Konfession als Profession repräsentieren und der Vielfalt und Komplexität der Wirklichkeit überhaupt  nicht gerecht werden. Zur Allgemeinen und Integrativen Psychotherapie gibt es daher keine  wissenschaftliche Alternative. Bleiben die Richtlinienverfahren auf ihrem völlig veralteten Niveau, entsteht das Schreckgespenst einer neuen und schlimmen Form von Drehtür-Psychotherapie. Schulischer Dogmatismus und Beschränktheit ist ein Kunstfehler und es gilt nach Mallach et al. (1993, S. 2):

    "Übersieht der Arzt veröffentlichte neue Behandlungsmethoden und hält er an Überholtem fest, so handelt er pflichtwidrig (BGH NJW 1978 587, OLG Bamberg VerR 1977 436)."

    Die Zeit, wo aus den potentiell unendlich vielen Verfahren, Methoden und Techniken(10) immer sogleich eine neue Therapieschule entwickelt und in eine mehrjährige Ausbildung gepackt wurde, ist hoffentlich nun endgültig vorbei. Was soll nun aber aus den Schulen werden? Sie werden sich gegen die Entwicklung einer Allgemeinen und Integrativen Psychotherapie wehren, weil sie zu Recht um ihre zukünftige Bedeutung fürchten. Ein Kampf ist unausweichlich und er hat auch schon längst begonnen. Die erste Runde haben die Therapieschulen mit ihrer Entwertung des Zertifikats Klinische PsychologIn / PsychotherapeutIn BDP(11) gewonnen. Damit wurde aber zugleich die zweite Runde zwangseingeläutet und die Gründung und Entwicklung der schulen- und methodenübergreifenden heraufbeschworen, u. a. der SGIPT(12), die eine Fusion mit anderen Allgemeinen und Integrativen Bewegungen anstrebt. Wir von der SGIPT sind an Fusionen mit solchen PsychotherapeutInnen interessiert, deren erste Arbeitsidentität integrativ ist. Wir müssen und wollen die anderen gar nicht verdrängen, aber wir wollen die Anerkennung und wenn man sie uns verwehrt, wird sie erkämpft; das ist gar keine Frage. Wer also den KLIPS  BDP oder Integrative angreift, greift uns an und hat damit neue GegnerInnen gewonnen.

    Worum es beim Psychotherapeuten Gesetz
    in Deutschland wirklich geht:
    Natürlich um die Macht, das Geld, ein gutes Selbstgefühl und
    nach mir die Sintflut

    Es ist im Grunde ganz einfach. PsychotherapeutIn ist ein sehr begehrenswerter Beruf, den, sozialrechtlich anerkannt, d. h. mit Anspruch auf Leistungen der Sozialträger, besonders der Krankenkassen, sehr viel  mehr KandidatInnen ausüben wollen als finanzierbare Plätze zur Verfügung stehen. Rein wollen ca. 20.000 - 25.000 PsychotherapeutInnen und derzeit punktwert-ökonomisch-finanzierbare Plätze gibt es vielleicht 12.500. Bei einem derzeit  gedeckelten Budget von ca. 1,65 Milliarden ergibt dies pro psychotherapeutischer BehandlerIn einen durchschnittlichen Jahresumsatz von 132.000 DM, ohne Zuzahlung und PrivatpatientInnen-Honorare. Das sollte doch wirklich problemlos noch für ein paar mehr reichen. Untersuchen wir die finanzielle und ökonomische Seite etwas genauer. Denn die Machtfrage dreht sich letztlich um die Geldfrage - worüber "man" natürlich offiziell nicht spricht. Wir Allgemeinen und Integrativen tun dies aber, weil diese Probleme nicht vernünftig und gerecht gelöst können ohne die sozioökonomischen Rahmenbedingungen und Möglichkeiten unserer Gesellschaft und Wirtschaft zu berücksichtigen. Also: Wie viele könnten bei vernünftiger und gesamtgesellschaftlich verantwortlicher Betrachtung in die sozialrechtliche Regelung einbezogen werden? Hierzu müssen wir ein bißchen rechnen, sonst kann man diese Frage nicht vernünftig behandeln.

    Tabelle 2:
    Durchschnittliche Jahresumsätze (Zelle) durch Budgetanteile
    ohne Zuzahlung und Privathonorare von PsychotherapeutInnen
    in Abhängigkeit vom Budget (Spaltenkopf)
    und der Anzahl der zugelassenen PsychotherapeutInnen (Zeilenkopf)

    Derzeitiges Budget der Krankenkassen für Psychotherapie insgesamt 1,65 Milliarden DM
    Ablesebeispiel: Zeile 15.000-Spalte 1,75 Milliarden, ergibt in der Matrix-Zelle einen durchschnittlichen Jahresumsatz von DM 116.667 für jede der 15 Tausend PsychotherapeutInnen an Sozialbudgethonoraren (ohne Privathonorare, Eigenanteil und sonstige Einkünfte).

    Budget  1,5 Mrd 1,75 Mrd 2 Mrd 2,25 Mrd 2,5 Mrd 2,75 Mrd 3 Mrd
    in Zahlen 1,5 E+09 1,75 E+09 2 E+09 2,25 E+09 2,5 E+09 2,75 E+09 3 E+09
    N
    10.000 150.000 175.000 200.000 225.000 250.000 275.000 300.000
    11.000 136.364 159.091 181.818 204.545 227.273 250.000 272.727
    12.000 125.000 145.833 166.667 187.500 208.333 229.167 250.000
    13.000 115.385 134.615 153.846 173.077 192.308 211.538 230.769
    14.000 107.143 125.000 142.857 160.714 178.571 196.429 214.286
    15.000 100.000 116.667 133.333 150.000 166.667 183.333 200.000
    16.000 93.750 109.375 125.000 140.625 156.250 171.875 187.500
    17.000 88.235 102.941 117.647 132.353 147.059 161.765 176.471
    18.000 83.333 97.222 111.111 125.000 138.889 152.778 166.667
    19.000 78.947 92.105 105.263 118.421 131.579 144.737 157.895
    20.000 75.000 87.500 100.000 112.500 125.000 137.500 150.000
    21.000 71.429 83.333 95.238 107.143 119.048 130.952 142.857
    22.000 68.182 79.545 90.909 102.273 113.636 125.000 136.364
    23.000 65.217 76.087 86.957 97.826 108.696 119.565 130.435
    24.000 62.500 72.917 83.333 93.750 104.167 114.583 125.000
    25.000 60.000 70.000 80.000 90.000 100.000 110.000 120.000

    Ungünstigste Beispiel-Rechnung

    Geht man selbst von den unwahrscheinlichsten und ungünstigsten Größenordnungen aus, nämlich von 25.000 PsychotherapeutInnen, so blieben selbst bei der gegenwärtigen engen Budgetierung immerhin noch durchschnittlich DM 66.000 Kassenumsätze (1,65 Milliarden : 25.000) ohne Zuzahlung und  Privathonorare bzw. andere Einkunftsquellen übrig. Das reicht natürlich nicht für die para-beamtische Mentalität(13) der vom Kassentopf Verwöhnten, doch es ist im Grunde nicht nur ein anständiger  Grundlagensockel, sondern aufgrund des Zusammenbruchs des Sozialfinanzierungssystems wahrscheinlich sogar die Lösung für die Zukunft.

    Was für die Versicherten richtig und gut ist,
    ist auch für die DienstleisterInnen richtig und gut

    Das bisherige Sozialfinanzierungssystem ist nicht mehr bezahlbar(14) und daher ist es auch nicht mehr sinnvoll, jede Leistung aus dem Solidaritätskopf vollständig, ohne jede Kontrolle und Wettbewerb zu honorieren. So wie die Sozialversicherung der Zukunft und des 3. Jahrtausends eine Grundsockelversicherung sein wird, ja aus rein mathematisch-ökonomischen Gründen sein muß, so ist es nicht nur recht und billig, sondern auch wirtschaftlich vernünftig und wettbewerbsfördernd, daß auch die Einkünfte der vom diesem Marktsegment freiberuflich Lebenden, nurmehr einen Grundsockel darstellen. Die Selbstbedienungsmentalität im Gesundheitssystem würde damit ganz schnell zum Verschwinden gebracht  werden und alle müßten sich überlegen, wie sie über Leistung am freien Markt ihren Grundsockel aufbessern können. Die Einfallsreichsten und Tüchtigsten würden dann profitieren. Wäre das so schlimm? Und gesetzt den Fall, für wen eigentlich? Die bisherigen ProfiteurInnen des Sozialfinanzierungssystem sind an seiner solchen Lösung nicht interessiert. Sie wollen das Einkommen einer FreiberuflerIn und die Sicherheit einer StaatsbeamtIn ohne Risiko. An dieser völlig marktwirtschaftsfremden, verwöhnten Anspruchshaltung geht dieses bislang gute und solide Sozialfinanzierungssystem letztlich zugrunde, weil natürlich immer mehr Personen in diesen Zweig des Wirtschaftshimmelreiches strömen. So erhöhte sich z. B. die Arztdichte von der wirtschaftlich tragbaren Rate von 1 : 500 inzwischen auf dramatische 1 : 280, d. h. immer weniger Versicherte müssen für das gute Einkommen von immer mehr Ärzten "sorgen". Der hemmungslose Finanzvampirus Gesundheitskosten ist dabei, das Sozialfinanzierungssystem in die Luft zu sprengen(15).
        Das ist der wahre und wirkliche Hintergrund der sogenannten Qualitäts-Debatte: es sollen die anerkanntesten und besten PsychotherapeutInnen in das Sozialrecht reinkommen. Aber, wer sind die Besten? Die, die das jetzige Sozialfinanzsystem in die Luft sprengen, die am freien Markt sich nicht zu überleben trauen? Genau darum geht die Diskussion, die Auseinandersetzung, der Streit, ja das Gemetzel, wer an die öffentlichen sozialrechtlichen Töpfe darf. Jede Schule will reinkommen. Aber jede neue, die reinkommt, schmälert den sicheren "BeamtInnen"-Einkunftssockel". Ärztliche und die Richtlinien-PsychotherapeutInnen fürchten um ihre Punktwerte.
        Ihre Strategie ist daher ganz einfach: Nur ärztliche und Richtlinien-PsychotherapeutInnen sollen zugelassen werden. Und die Kriterien für zusätzliche KostenerstattlerInnen sollen möglichst nahe an ihre eigenen angelehnt sein. Sollte das die Problemlösung für das 3. Jahrtausend sein?

    Die Zerstörung der Demokratie und Rechtskultur
    durch die KBVFN1 und das Gesundheitsministerium bei Neuzulassungsfragen

    Es ist natürlich ein ungeheurer und unglaublicher Vorgang, wenn ein Krankenkassenausschuß vom Bundesgesundheitsministerium eingerichtet wird, der die Anerkennung von neuen Therapiemethoden prüfen soll, der zugleich besetzt ist mit VertreterInnen schon anerkannter und etablierter Verfahren. Jedes rechtskonforme deutsche Amtsgericht würde so eine Berufung wegen Befangenheit und Verletzung des Neutralitätsgebotes ablehnen. Nicht so dieses Bundesgesundheitsministerium. Vielleicht sollten wir dieses Prinzip der Deutschen Wirtschaft empfehlen: ein Betrieb sollte nur dann einen Auftrag erhalten, wenn seine schärfste KonkurrentIn zustimmt. Wieso sollten ÄrztInnen, PsychoanalytikerInnen und VerhaltenstherapeutInnen über das charakterliche und fachliche Format verfügen, mit KonkurrentInnen freiwillig und ohne jede Not zu teilen? Sollten PsychotherapeutInnen anders  als ÄrztInnen - oder noch einfacher und allgemeiner: Menschen wie du und ich - sein? Recht?  Neutralitätsprinzip? Gewaltenteilung? Fairneß? Gerechtigkeit?

    Der große Etikettenschwindel mit der Richtlinien-Psychotherapie
    in Deutschland

    Es ist zu wünschen und zu hoffen, daß der gigantische Etikettenschwindel, der mit den Richtlinienverfahren betrieben wird, baldmöglichst juristisch unterbunden wird. Für die Verhaltenstherapie berichtet z. B. Wittchen (1996, S. 165):

    "Trotz Tausender sich verhaltenstherapeutisch nennender niedergelassener Psychologen ist es fast unmöglich, Kollegen zu finden, die eine lege artis durchgeführte Angsttherapie mit kognitiven oder Exposuretechniken durchführen."

    Ähnliche Ergebnisse soll auch Margraf in einer repräsentativen Umfrage erzielt haben. Mit der Psychoanalyse dürfte es sich ähnlich verhalten.

    Der große Etikettenschwindel mit der Kompetenz der Medizin
    in Sachen Psychotherapie

    Das die Grundlage jeder Psychotherapie nur die Wissenschaft Psychologie sein kann, das wußte schon Johann Christian Bolten 1751(16), als er in seiner Schrift forderte:(17):

    "Wer demnach psychologisch curiren lernen will, muß sich um die Erlernung der Gesezze der Natur der Seele bekümmern."

    Zur Ausübung der Psychotherapie ist also ein Studium der Psychologie erforderlich. Jede BürgerIn, die man dazu befragen würde, würde das Gleiche sagen, nur die ÄrztInnen meinen offenbar in grenzenloser Vermessenheit, sie könnten das Monopol in der Heilkunde auch für die Gebiete behalten, die sie nicht gelernt haben und von denen sie auch nur verschwindend wenig verstehen.
     


    Die Macht, das Geld und die Humanistische Psychotherapie
    aus der Sicht eines Allgemeinen und Integrativen Psychotherapeuten

    Die Humanistischen PsychotherapeutInnen haben sich von diesen Realproblemen, Macht- und Geld"spielchen"(18) zu oft und zu lange angewidert ferngehalten. Doch wer nicht kämpft und öffentlich eintritt für seine Interessen, den ignoriert und frißt nicht nur dieses System, sondern der schafft auch keine bessere Welt. Die Wert- und Menschenbilddebatte muß daher nicht nur konkret geführt, sondern auch konkret in dieser, unserer Welt geführt und praktiziert werden. Nur polemisieren gegen die Oberflächlichkeit der Verhaltenstherapie und ihre szientistischen AgentInnen an den Universitäten hilft nichts. Und die Berufung auf die unzweifelhaft vorhandenen Probleme der Psychotherapieforschung, besonders das Wirksamkeitsproblem, oder ein Rückzug auf eine bloße - reduktionistische und bequeme - Hermeneutik sind ebenfalls zu wenig und eröffnen weder eine Alternative noch eine Perspektive. Wir sollten es daher anpacken und gemeinsam zusammenhelfen.


    Fußnoten

    1.  Abkürzung für "General and Integrative Psychotherapy"
    2.  Glatzel (1995) meinte übrigens jüngstens selbiges für die Systemische Therapie. Da es keiner Schule möglich sein dürfte, zu einer anderen überzugehen, denke ich aber, daß die Allgemeine und Integrative Psychotherapie einen eigenen Ansatz und ein eigenes "Haus" braucht.
    3.  Zum Vergleich: Das Geburtsjahr der Allgemeinen und Integrativen Psychotherapie beginnt im Jahr 1803 als Reil sein grundlegendes 500seitiges Werk veröffentlicht. Vor Freud arbeiteten alle allgemein und integrativ.
    4. Psychosynthese. Positiv ressourcen-orientierter und integrativer Psychotherapieansatz von dem italienischen Psychiater und Psychotherapeuten Roberto Assagioli (1888 - 1974) erstmals 1910 in seiner kritischen Dissertation zur Freudschen Psychoanalyse skizziert. Auf dem internationalen Philosophie-Kongreß in Bologna 1911 stellte Assagioli seine Ansichten zum Unbewußten dar. 1926 wurde das Instituto di Psicosintesi in Rom gegründet, das 1938 von den Faschisten geschlossen wurde (Wiederöffnung 1944 in Florenz). 1927 erschien der Artikel "A New Method of Healing - Psychosynthesis". 1965 erschien das 1. Hauptwerk "Psychosynthesis: A Manual of principles and techniques" und 1973 das 2. Hauptwerk "The act of will". 1957 Gründung der Psychosynthesis Research Foundation in New York. Grundlegend für den Ansatz ist die Bedeutung, die dem Gesunden und Positiven beigemessen wird und eine offene und undogmatische Haltung gegenüber der Vielfalt der international und (alltagskultur-) geschichtlich entwickelten Verfahren, Methoden und Techniken (Übersicht der ca. 40 "Techniken" [in unserer Terminologie "Methoden"] dt. 31993, S. 63 - 65). Krankheit ist nur ein - meist vorübergehender - Aspekt, ein Merkmal, ein Teil des ganzen Menschen, der auch viele gesunde Anteile und Kräfte hat. Symptome werden in einer Forschungshypothese als Blockierungen angesehen, deren Sinn und Funktion exploriert werden muß. Mit der Freisetzung konstruktiver Kräfte verschwinden nach der Psychosynthese häufig die Symptome. Die Psychosynthese korrespondiert sehr stark mit der Hauptheilwirkfaktorklasse Ressourcenaktivierung der Forschungsgruppe Grawe et al. (1994). Assagioli gebührt auch das Verdienst, die alte psychische Grundkategorie des Willens wieder für die Psychotherapie erschlossen und nutzbar gemacht zu haben. Er ist überhaupt der einzige bedeutendere Vertreter eines Psychotherapiemodells, der eine explizite und praktische Willenspsychologie entwickelt hat. Auch die grundlegende Bedeutung der Werte und Ziele wird zu Recht betont. Im Gegensatz zu Freud - im Einklang mit den humanistischen Ich-PsychoanalytikerInnen und der Humanistischen Psychotherapie - betont Assagioli 1) die Bedeutung des Bewußten, 2) die Bedeutung der positiven Ressourcen und 3) die Bedeutung der Gegenwart und Zukunft. Die wissenschaftliche Bedeutung, die der Parapsychologie zugesprochen wird, bewerten wir aus GIPT-Sicht kritisch. Lit: Assagioli, R. (dt. 1993, orig. 1965; dt. 1982, orig. 1973); Crampten, M. in Corsini, R. J. (dt. 1983, 1052 - 1073).
    5.  Er forderte 1962 für die Psychologie eine Organisation für die dritte, die humanistische Kraft.
    6.  Neurolinguistisches Programmieren. Pragmatisch eklektische Methoden- und Techniksammlung.
    7.  RET = Rational Emotive Therapie (Ellis); KB = Katathymes Bilderleben (Leuner); AT = Autogenes Training (Schultz).
    8.  Siehe auch: http://www.sgipt.org/gesch/bolt_t.htm. Dort werden diese und noch ein paar mehr wissenschaftliche Schimpfworte der GIPT genauer erklärt.
    9.  SEPI Society for Exploration of Psychotherapy Integration, 1983 gegründet. Der SEPI gehören viele international bedeutende PsychotherapeutInnen, PsychologInnen, MedizinerInnen und PsychotherapieforscherInnen an (ca. 600 internationale Mitglieder, u. a. Beck, Beutler, Butollo, Caspar, Garfield, Lazarus, Mahoney, Mahrer, Petzold, Stricker u. v. a.). Eine Mitgliederliste kann dort angefordert werden. Die SEPI gibt das Journal of Psychotherapy Integration heraus (Jahres-Mitgliedsbeitrag plus 4x Journal: 40.- US$, StudentInnen: 20.00 US$, Stand 1998). Zur umfangreichen Kritik  Freudd und dem psychoanalytischen Wissenschaftsverständnis siehe bitte Sponsel 1995, Sachregister S. 848
    10.  Der heilende Sachverhalt heißt in der GIPT Heilmittel oder Heilwirkfaktor, die Wege zur Herstellung heißen Verfahren, besondere oder einzelne Wege zum Ziel heißen Methoden und die spezifische Anwendung und Verpackung einer Methode heißt Technik. Beispiel: Es gibt pharmakologische, körperliche, psychologische und natürliche Entspannungsverfahren, die wiederum aus unterschiedlichen Methoden bestehen können. Autogenes Training ist also eine Methode, das Heilmittel Entspannung herbeizuführen. Die spezifische Anwendung und Verpackung: allein oder in der Gruppe, fraktioniert oder in einem Block, im Liegen oder in der Droschkenkutscherhaltung, ist eine Frage der Technik. Bekannte und bewährte Heilmittel können natürlich keiner Therapieschule gehören, mögen sie auch von ihr erfunden oder entdeckt worden sein, sondern sie gehören der allgemeinen Heilkunde und sind für alle Menschen da.
    11.  Berufverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen
    12.  Internationales Kürzel für Gesellschaft für Allgemeine und Integrative Psychotherapie - Society for General and Integrative Psychotherapy. Sekretariat Rathsmann & Sponsel Postfach 3147 D-91019 Erlangen Fax 09131-27115, Mail: sekretariat@sgipt.org   Internet Publikation GIPT: http://www.sgipt.org.
    13.  Es soll hier nicht gegen BeamtInnen polemisiert, sondern nur ausgedrückt werden, daß die Arbeitsplatz- und Einkunftssicherheit einer BeamtIn als ein Wert anzusehen ist, der auch seinen Preis hat: gewöhnlich ein geringeres Einkommen als in der freien Wirtschaft. Wir finden das in Ordnung. Daher ist es systemfremd, Einkünfte von FreiberuflerInnen so abzusichern als wären sie BeamtInnen. Es ist klar, daß dann jede und jeder in dieses System zu strömen versucht. Der Finanzkollaps ist dann absehbar.
    14. Wie ich durch eine exponentielle Regressionsanalyse zeigen konnte, muß das System unabhängig von jedem Willen und jeder Macht rein aus ökonomisch-mathematischen Gründen kollabieren. Belege in: Sponsel, R. (1996, 97) Mathematisch-ökonomische Analyse der Kostenexplosion im Gesundheitswesen in Beziehung zum Wachstum des Bruttosozialprodukts. Analyse und Lösungsvorschläge der Allgemeinen und Integrativen Psychologischen PsychotherapeutInnen. Ergebnisse einer exponentiellen Regressionsanalyse. unter: http://www.sgipt.org/gesko/finanal.htm.
    15.  Die bisherigen ProfiteurInnen sind so verblendet und egoistisch, daß sie noch nicht einmal merken, daß sie selbst, ihre Haltung, es ist, die dieses Sozialfinanzierungssystem zum Einsturz bringt.
    FN1  KBV=Kassenärztliche Bundesvereinigung. Nach  Heinz Schott (1997, S. 437) "Chronik der Medizin", Augsburg: Chronik, wird die "Kassenärztliche Vereinigung" nach der Machtergreifung Hitlers 1933 gegründet, um die Wirtschaftsinteressen der ÄrztInnen gegenüber den Krankenkassen zu festigen. Deren eigene Einrichtungen zur medizinischen Versorgung werden zwangsaufgelöst. Einen richtigen Wettbewerb mochten die ÄrztInnen offenbar noch nie.
    16.  Ausführlich dazu: Sponsel, R. (1997, 1998). Johann Christian Bolten's Forderung (1751), ein Psychologiestudium zur Grundlage der Psychotherapie zu machen und das Definitionsproblem. In:
    http://www.sgipt.org/gesch/bolt_t.htm
    17.  in § 30, S. 57
    18.  Inzwischen ist es für viele Kostenerstattungspraxen wohl bitterer Ernst.


    Literatur
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    • Wittchen, H.-U. (1996). Die Zukunft der Klinischen Psychologie - Zwischen Glanz und Erosion. In: Psychologie Verlags Union (1996), Perspektiven der Psychotherapie, 145-167.

    Berufsbiographisches über den Autor. Rudolf Sponsel, Jahrgang 1944, Klinischer Psychologe/ Psychotherapeut ("KLIPS" 1981) des Berufsverbandes Deutscher Psychologen. Studium Psychologie (Toman, Werbik), Psychopathologie (Wieck, Baer), Philosophie (Lehrstuhl Lorenzen) und Soziologie (Matthes) 1971-1976 in Erlangen. Diplomarbeit über Abwehrmechanismen in der Kriminalität, promoviert über Psychotherapieerfolgskontrolle (Toman, Egg). Tätigkeiten: Kinderheim, Übergangseinrichtung Psychiatrie (Bergner, Lotter), freie Praxis, Gutachtertätigkeiten (MPU, Familienrecht, Aussagepsychologie). 5 Jahre Fortbildung VT, Workshops bei Kanfer, analytische Balintarbeit (Thurn), analytisch orientierte Selbsterfahrung, RET, TZI. Gemeinschaftspraxis mit Ehefrau Irmgard Rathsmann-Sponsel. Zusammen über 1000 Fälle und rund 1500 h Supervision. Wichtigste Arbeiten: CST-System (1982-84; ca. 6000 Tests in der EDV), Therapieerfolgskontrolle (1984), Matrizenbuch (1994), Handbuch IPPT (1995). Projekt: Mit dem Aufbau der Gesellschaft für Allgemeine und Integrative psychologische Psychotherapie (SGIPT) und ihrer Internet Publikation beschäftigt.



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    Zitierung
    Sponsel, R. (DAS).  Die Bedeutung der Humanistischen Psychotherapie für die Entwicklung einer Allgemeinen und Integrativen Psychotherapie (GIPT(1)) und die Situation der Psychotherapie in Deutschland. Internet Publikation  für Allgemeine und Integrative Psychotherapie  IP-GIPT.  Erlangen: http://www.sgipt.org/th_schul/hpt_gipt.htm
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