Internet Publikation
für Allgemeine und Integrative Psychotherapie
IP-GIPT DAS=10.05.2002
Internet-Erstveröffentlichung, letzte
Änderung
6.4.8
Impressum:
Diplom-PsychologInnen Irmgard Rathsmann-Sponsel und Dr. phil. Rudolf Sponsel
Stubenlohstr.
20 D-91052 Erlangen * Mail:
sekretariat@sgipt.org_
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& Copyright
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Herzlich willkomen in unserer Abteilung Psycho-Moden,
psychische Epidemien und Epidemiologie, hier speziell zum Thema:
Allgemeine und integrative Epidemiologie
von Rudolf Sponsel, Erlangen
| Definition:
Epidemiologie heißt die Wissenschaft, die sich mit Ausdruck, Entwicklung,
Verlauf und Verbreitung von Wesensmerkmalen im allgemeinen und von Störungen,
Krankheiten, Syndromen und Symptomen im besonderen befaßt. |
Die Epidemiologie ist eine äußerst schwierige Wissenschaft,
weil in ihr sehr viele verschiedene Lebensbereiche, andere Wissenschaften
und eine große Vielzahl von Faktoren vielfältig zusammenspielen:
-
Kultur und Gesellschaft (Soziologie, Sozialpsychologie, Kultur-Anthropologie):
-
Sitte, Brauch, Norm
-
Allgemein gesellschaftliche (sofern gegeben)
-
(Volks-) Gruppen- und milieuspezifisch
-
Familientradition
-
Individuell-persönlich
-
Erziehung, Verhalten, Vorbilder
-
Kommunikations- und Informationseinflüsse
-
Medien: Printmedien, Rundfunk- und Fernsehen, Video, Internet, Computer
-
Persönliche Kontakte
-
Gesetze, Rechts- und Wertesystem (Politik, Jurisprudenz, Moral, Ethik,
Normen)
-
Vor- und Nachteile von Diagnosen (Krankenrolle, Entlastung, Belastung,
Stigmatisierung), z. B. Gewährung von Therapien, krank schreiben,
Kuren
-
Datenschutzbestimmungen
-
Melde-Bestimmungen
-
Sorgfalts-Bestimmungen
-
Heilkundesystem: Medizin, Psychologie, Heilhilfsberufe
-
Ausbildung und Kenntnisstand der Diagnostizierenden
-
Aufwand von richtigen Diagnosen
-
Vorlieben, Neigungen, (Forschungs-) Interessen, Vorurteile und Wertungen
der Diagnostizierenden
-
Annahmen über die Folgen, Vor- und Nachteile von Diagnosen für
die PatientInnen
-
Objektivität, Reliabilität, Validität der Diagnosen
-
Wirtschaft:
-
Vor- und Nachteile von richtigen Diagnosen
-
Kosten, Nutzen und Honorierung von richtigen Diagnosen
-
Technik:
-
Stand der Technik
-
Verfügbarkeit der Technik
-
Kosten und Nutzen der Technik
-
Statistik
-
Richtige Erhebung von Diagnosen
-
Evaluation und Fehlerkontrolle (Objektivität, Reliabilität, Validität)
-
Kosten und Nutzen richtiger Erhebungen
-
Umwelt
-
Umweltgifte (z.B. Abgase, Lebensmittel- und Gebrauchsgüterzusätze)
-
Technik-Wirkungen (Strahlen, z.B. Handys, Handy-Masten; [Tinnitus?])
-
Sonstige, bislang nicht berücksichtigte Faktoren
Der
aktuelle Stand der Epidemiologie
| Epidemiologische Angaben der psychischen
Störungen - welche, wie häufig, wie lange, wie sehr - sind mit
großer Vorsicht zu bewerten und sollten derzeit noch grundsätzlich
sehr kritisch geprüft werden. Den meisten Zahlen ist nicht zu trauen.
Das hat zum Teil objektiv nachvollziehbare Gründe, weil wirklich,
wie ausgeführt, sehr viele Faktoren vielfältig zusammenwirken.
Andererseits gibt es viel zu wenig Möglichkeiten und Anreize, zuverlässig
und solide zu dokumentieren - wenn auch DSM, ICD,
AMDP und all die anderen Diagnosesysteme prinzipiell in die richtige
Richtung weisen. Umso wichtiger wären natürlich entsprechende
Regelungen, die einen soliden Datenbestand garantieren. Dies umso mehr,
je teuerer und aufwandsintensiver die Gesundheitswirtschaft wird, damit
mit den finanziellen, technischen und wissenschaftlichen Ressourcen ebenso
verantwortlich wie wirkungsvoll umgegangen werden kann. Praktisch bedeutet
dies auch, daß Planung immer wichtiger wird. Doch planen kann man
nur, wenn die Zeitreihen des Datenbestandes zuverlässig und solide
sind. So lange hier keine wirkungsvollen gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen
werden, die die Zuverlässigkeit (Objektivität, Reliabilität,
Validität und Stabilität) der Datenerhebungen sicherstellen.
Teilweise stehen Wirtschaftsinteressen (Umweltgifte, Wirkungen der Technisierung)
und Vorwände eines falsch verstandenen Datenschutzes grundlegenden
epidemiologischen Forschungen im Wege. |
Epidemiologie
der psychischen Störungen 1975
"1 Tatsächliche Versorgungslage
Im Auftrag der Bundesregierung erschien 1975 der »Bericht über
die Lage der Psychiatrie in der Bundesrepublik - Zur psychiatrischen und
psychotherapeutisch/ psychosomatischen Versorgung der Bevölkerung«.
Diese Psychiatrie-Enquete ist bis heute die umfassendste und sorgfältigste
Untersuchung über die Verbreitung von seelischen Störungen und
das System ihrer Behandlung in der BRD.
Die Experten kamen zu folgenden Schätzungen:
600000 Psychotiker, 1 Million Alkoholiker, 50000 Drogensüchtige, 13000
Selbstmorde pro Jahr, 7 Millionen behandlungsbedürftiger Neurotiker;
wegen seelischer Krankheiten werden jährlich 200000 Bundesbürger
in spezielle Kliniken aufgenommen; knapp 2 Prozent der Gesamtbevölkerung
nehmen jährlich einen psychiatrischen, psychotherapeutischen, psychosozialen
Dienst in Anspruch; von den Hausärzten werden jährlich bei 4
bis 8 Millionen Patienten Krankheiten erkannt, die seelische Ursachen haben
(Psychiatrie-Enquete, 1975; Finzen, 1979). Die neuen psychoepidemiologischen
Studien, die sich mit der Verteilung von behandlungsbedürftigen seelischen
Störungen in der Bevölkerung befassen, rechnen mit Raten zwischen
15 und 25 Prozent. Allerdings empfindet sich von diesen Raten nur die Hälfte
als gestört und therapiebedürftig (Schepank, 1982; 1984).
Die Psychiatrie-Enquete stellte jenen Zahlen das
mangelhafte Versorgungssystem gegenüber; es ist bis heute nicht behoben.
Die Psychiatrie mit ihren 100000 Betten kann nur zu einem geringen Teil
Psychotherapie anbieten. In der BRD gibt es nur 40 Klinikambulanzen. Die
80 psychiatrischen Tageskliniken haben nur 1700 Plätze. Von den 195000
Ärzten arbeiten 3000 als Fachpsychotherapeuten (2000 niedergelassen);
dazu kommen 1500 indirekt von den Kassen anerkannte Fachpsychologen (Janssen,
1985; Will, 1985). Wer die Relation Psychiater - Patienten in den Kliniken,
die langen Wartezeiten bei den kassenärztlich zugelassenen Psychotherapeuten,
die geringe Zahl von Kinder- und Jugendpsychiatern, den Personalmangel
bei den öffentlichen Beratungs- und Therapieeinrichtungen berücksichtigt,
greift die Unterversorgung mit Händen.
Der Mangel im öffentlichen und kassenärztlichen
Versorgungssystem ist zudem regional ungleich verteilt. Ungefähr zwei
Drittel der Psychiater, Psychotherapeuten und Berater, die jenem System
angehören, arbeiten in wenigen Ballungszentren: Westberlin, Frankfurt,
Hamburg, Heidelberg-Mannheim, München. Hier wohnen allerdings nur
15 Prozent der Bevölkerung. Die ländlichen und kleinstädtischen
Gebiete sind unterversorgt. In anderen Ballungsräumen gibt es nur
verhältnismäßig wenige öffentliche Einrichtungen und
Kassenpraxen (Wittchen, 1980, 198).
Völlig ernüchternd wirkt schließlich
ein Blick auf den Anteil der Psychotherapie an den Krankenkosten der Kassen.
Die finanziellen Aufwendungen für Psychotherapie in der ambulanten
kassenärztlichen Versorgung liegen bei 0,56 Prozent aller ärztlichen
Leistungen. Die restlichen 99,44 Prozent werden für somatische Medizin
ausgegeben. Allein die verordneten Tranquillizer kosten ein Vielfaches
von dem, was für den gesamten Psychotherapiebereich ausgegeben wird
(Faber, 1984).
Gerade die Ballungsgebiete, die über eine vergleichsweise
günstige therapeutische Versorgung verfügen, sind auch der bevorzugte
Schauplatz des Psychobooms. Hauptsächlich von nichtärztlichem
Personal werden dort ständig neue Methoden auf den Markt gebracht
und vom Publikum angenommen. Es sind vor allem Studenten und Akademiker
unter 45 Jahren, unter ihnen besonders Gruppen der fortschrittlichen Intelligenz,
die auf die Inflation der Therapieformen ansprechen. Viele sind in pädagogischen
und sozialen Berufen tätig und erwarten sich von den Therapieformen
Hilfestellung.
Quelle: [Psychoboom (Jörg Bopp): Digitale Bibliothek Band 23: Handwörterbuch
Psychologie, S. 2647 (vgl. HWB Psych., S. 586 ff.) (c) Psychologie Verlags
Union]
Literatur
Epidemiologie (Auswahl, im Aufbau)
Inzidenz, Letalität, Morbidität, Komorbidität,
Mortalität, Prävalenz u.a. epidemiologisch-statistische Begriffe
finden Sie hier.
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Berlin: VEB Volk und Gesundheit.
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Psychiatrie-Enquete:
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Das Mannheimer Kohortenprojekt - Die Prävalenz psychogener Erkrankungen
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Schepank, Heinz
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Schmitz, Norbert
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Sinnecker, Herbert
(1971). Allgemeine Epidemiologie. Jena: G. Fischer.
-
Studt, H.
H. (1983). Psychosomatik in Forschung und Praxis. München: Urban &
Schwarzenberg.
_
Links
zur Epidemiologie (Auswahl, im Aufbau)
Epidemiologische
Statistik in der IP-GIPT
-
Diabetes Mellitus:
-
Krankenhaus Statistik:
-
Todesursachenstatistik:
Änderungen wird
gelegentlich überarbeitet, ergänzt und vertieft * Anregungen
und Kritik willkommen
05.70.06 Lit, Links.
Querverweise
Standort: Allgemeine und integrative Epidemiologie
(Standortseite).
*
-
Psychologie der Mode. Allgemeine
und integrative Sieben Faktoren Theorie der modischen Erscheinungen
-
Übersicht - Psycho-Moden,
psychische Epidemien, Epidemiologie und systemimmanente Kunstfehler
-
Wichtige Querverbindung:
Soziologie der Mode
-
Metaphysik: Religion,
Sekten, Esoterik, Magie, Satanismus, Zauberei, Astrologie, Wahrsagen u.ä..
-
Auserwählt und Auserwählt-Syndrome:
Psychologische und psychopathologische Analyse oder Über ein gefährliches
Fundamentalismus-Axiom potentiell paranoider Selbstüberhebung in Religionen
(z.B. bei Juden, Christen und Moslems) und Weltanschauungen
-
Antipsychiatrie.
Glossar, Dokumentation und Kritik der Kritiker
*
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Dienstleistungs-Info.
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Sponsel, Rudolf (DAS). Allgemeine
und integrative Epidemiologie. IP-GIPT. Erlangen:
http://www.sgipt.org/doceval/epidem/epidemio.htm
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