Internet Publikation
für Allgemeine und Integrative Psychotherapie
IP-GIPT DAS=21.03.2002
Internet-Erstausgabe, letzte Änderung 6.1.7
Impressum:
Diplom-PsychologInnen Irmgard Rathsmann-Sponsel und Dr. phil. Rudolf Sponsel
Stubenlohstr. 20
D-91052 Erlangen * Mail:_sekretariat@sgipt.org
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_ Wichtige
Hinweise Links u. Heilmittel
Willkommen in der Abteilung Unbewußtes,
Vorbewußtes, Unterbewußtes, Nichtbewußtes der Allgemeinen
und Integrativen Psychotherapie, hier:
"Der Schlüssel zur Erkenntnis vom Wesen des bewußten
Seelenlebens liegt in der Region des Unbewußtseins."
1846
Carl Gustav Carus
3.1.1789 Leipzig - 28.7.1869 Dresden
Aus: CARUS, C. G. (1846, 2.A. 1851). Psyche. Zur Entwicklungsgeschichte
der Seele. Neu (o. J.). Leipzig: Kröner, S. 1 - 2.
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Forschungs-Programm GIPT zum Ubw
* Allgemeines zum
Ubw
Geschichte
der Psychotherapie
* Ausführlich
zur Terminolgie.
Biographien allgemeiner
und integrativer Pioniere, Wegbereiter- und PromoterInnen
_
"Der Schlüssel zur Erkenntnis vom Wesen des bewußten
Seelenlebens liegt in der Region des Unbewußtseins. ... Da
fortwährend der bei weitem größte Teil des Reiches unseres
Seelenlebens im Unbewußtsein ruht, kann der erste Blick ins innere
Leben uns lehren. Wir besitzen zu jeder Zeit, während wir nur einiger
wenigen Vorstellungen uns wirklich bewußt sind, Tausende von Vorstellungen,
welche doch durchaus dem Bewußtsein entzogen sind, welche in diesem
Augenblicke nicht gewußt werden und doch da sind, und folglich zeigen,
daß der größte Teil des Seelenlebens in die Nacht des
Unbewußtseins fällt. Späterhin, ... werden wir erkennen,
daß man in dieser Beziehung das Leben der Seele vergleichen dürfe
mit einem unablässig fortkreisenden großen Strome, welcher nur
an einer einzigen kleinen Stelle vom Sonnenlicht - d. i. eben vom Bewußtsein
- erleuchtet ist. Schon dadurch also, da der größte Teil
der Gedanken unseres Bewußtseins immer wieder im Unbewußtsein
untergeht und nur zeitweise und einzeln wieder ins Bewußtsein treten
kann, ist das unbewußte Seelenleben als Basis des bewußten
charakterisiert. Aber das Verhältnis geht noch weit tiefer. Alles
Seelenleben, die gesamte Welt unseres innersten geistigen Daseins, die
wir sehr wohl in unserem Bewußtsein von allem Äußerlichen
unterscheiden, sie ruht auf dem Bewußtlosen und bildet sich nur aus
diesem hervor. Wir brauchen nur einen Blick zu werfen auf die Heranbildung
unseres ganzen selbstbewußten geistigen Lebens, so müssen wir
gewahr werden, daß es durch und durch auf Vorstellungen, auf Gedanken
basiert ist, die längst nicht mehr für uns da, die längst
im Unbewußten untergegangen sind. Als kleine Kinder haben wir denken
gelernt an Vorstellungen und Folgen von Vorstellungen, die für damals
unerläßlich waren, uns geistig zu entwickeln, die jetzt uns
aber ganz verschwunden, ganz verloren sind und verloren sein sollen, da
wir sie nicht mehr brauchen, sondern ein Neues nun aus ihnen sich entwickelt
hat. Eine ehemals Gewußtes ist also nun ein Unbewußtes und
nichtsdestoweniger ist dieses Unbewußte die Basis unseres jetzigen
Bewußtseins." (S. 1 - 2).
Carus vertrat auch bereits die grundlegende Ansicht
(S. 430f), "daß das Kranksein seine
eigentliche Wurzel nur im unbewußtsein Seelenleben haben, die Idee
der Krankheit nur hier erzeugt werden kann, eine eigentümliche allein
im bewußten Geiste wurzelnde Krankheit unmöglich sei ..."
Kommentar
C. G. CARUS (1789 - 1869) war (später königlicher Leib-) Arzt,
Naturforscher, Philosoph, Psychologe, Maler, eine Art Universalist und
gilt als Repräsentant der deutschen Romantik, der mit der Philosophie
SCHELLINGs eng verbunden ist. Die grundsätzliche Idee des Unbewußten
- schon KANT bekannt, das Wort wurde erstmals von Goethe
1777 verwendet - ist keineswegs eine Erfindung FREUDs, sondern wurde
längst vor diesem und der Systematik E. v. HARTMANNs (ein paar Jahrzehnte
später) von CARUS entwickelt. Die Erkenntnis des Unbewußten
ist zweifellos eine wesentliche Leistung der deutschen Romantik und nicht
der Psychoanalyse (FN1). Im Grunde ist CARUS auch heute
noch wissenschaftlich moderner als FREUD, da er aus dem Unbewußten
kein eigenes - falsches - strukturelles System gemacht hat. Auch der deutschen
Psychiatrie war der Begriff des Unbewußten längst vor Freud
vertraut, wie sich eindrucksvoll aus einer Arbeit Hagens
über fixe Ideen von 1870 ergibt.
Glossar, Anmerkungen
und Endnoten
FN1 Wie auch ELLENBERGER (1973), der Historiker des
Unbewußten, einräumt, wenn er über CARUS' Buch Psyche schreibt:
"das der erste Versuch war, eine wirklich vollständige und objektive
Theorie über das unbewußte Seelenleben aufzustellen." In: Ellenberger,
H. F. (dt. 1973). Die Entdeckung des Unbewußten. 2 Bde. Bern: Huber.,
Bd. I. S. 292. Nur Freud, der große Ignorant hatte es nicht
nötig, seine Vorgänger zur Kenntnis zu nehmen. Die Entdeckung
des Unbewußten ist keine Leistung Freuds, allenfalls seine dubios-
phantastische Umdeutung (z.B. Ödipus) im Lichte seiner einseitigen
antike-
orientierten Bildung.
Literaturhinweis:
In Sponsel, R. (1995) werden S. 193 - 200 die meisten potentiellen psychologischen
Heilmittel (neudeutsch: Heilwirkfaktoren) gelistet und ca. 180 - das sind
längst nicht alle - in der Literatur beschriebenen Heilmittel S. 387
- 404 dokumentiert. Viele historisch bekannte psychologische Heilmittel
können auch dem Reader entnommen werden.
1)
Mit
dem griechischen Buchstaben Theta J
(nach Jerapeia
(therapeia): Heilung) kennzeichnen wir Psychische Funktionen, wenn sie
Heilmittel oder Heilwirkfaktoren Qualität (Funktion) annehmen,
z. B. J
einsehen, J
zulassen unterdrückter Erinnerungen, J
stellen (konfrontieren), J
sich überwindenundJ
mutig sein,
J
differenzieren, J
entspannen, J
lernen, J
loslassen, J
beherrschen ... Und um deutlich zu machen, daß wir ein Wort
nicht alltagssprachlich, sondern im Rahmen einer psychologisch-psychotherapeutischen
Fachsprache verwenden, kennzeichnen wir das Wort mit dem griechischen Buchstaben
y
(Psi, mit dem das griechische Wort für Seele = yuch,
sprich: psyche, beginnt). Viel Verwirrung gibt es in und um die Psychologie,
weil viele ihrer Begriffe zugleich Begriffe des Alltags und anderer Wissenschaften
sind. Um diese babylonische Sprachverwirrung, die unökonomisch, unkommunikativ
und entwicklungsfeindlich ist, zu überwinden, ist u. a. das Programm
der Erlanger Konstruktivistischen Philosophie und Wissenschaftstheorie
entwickelt worden: Kamlah & Lorenzen (1967).
Zu einigen psychologischen Grundfunktionen siehe bitte: vorstellen.
Ausführlich
zur Terminolgie.
Störungs Funktor. Begriffe,
die eine Störung repräsentieren sollen, kennzeichnen wir mit
dem Anfangsbuchstaben Tau (t) des griechischen
Wortes für Störung tarach (tarach).
Querverweise (Links)
zum Terminologie-Problem in der Psychologie, Psychopathologie, Psychodiagnostik
und Psychotherapie:
Änderungen - wird unregelmäßig
überarbeitet, kleine Änderungen werden nicht extra dokumentiert
06.01.07 Zitatbeleg
der Idee Carus, daß alle Krankheit aus dem Unbewußten hervorgehe.
24.11.04 Link zu Alexander bei "antike-
orientierten Bildung". Überblick
Kritik Psychoanalyse.