Darstellung und Kritik der psychoanalytischen Traumlehre
Die Freud'sche Traumlehre - Theorie kann man das eigentlich nicht nennen - kann in drei Haupt-Postulaten zusammengefaßt werden: (1a) Der Traum stelle eine unbewußte Wunscherfüllung dar. (1b) Der Traum stelle den Versuch - der scheitern kann - einer unbewußten Wunscherfüllung dar. Der Traum hätte damit die Funktion einer symbolischen oder einer Ersatzbefriedigung. (2) Erlebnisvorgänge würden durch eine Zensurinstanz (2a) überwacht , (2b) gefiltert und (2c) umgearbeitet . Daher sei zwischen dem ursprünglichen, latent genannten und dem dem Erleben zugänglichen, manifesten Trauminhalt zu unterscheiden. Manifeste Trauminhalte seien demnach immer entstellt, wenn sie zu Bewußtsein gelangen. Sie müssten daher erst dechiffriert oder enträtselt werden. Hierzu bedient man sich in der Psychoanalyse und Analytischen Psychotherapie der sog. freien Assoziation. Die Traumberichter werden nach ihren Einfällen zu den Träumen befragt. (3) Im Bereich des Unbewußten gilt offenbar eine spezielle semantische Ana-Logik, wonach sich viele Objekte, die sich in einem Merkmal ähnlich sind, einander ersetzen können. Die Regeln dieser Ana-Logik sind nicht abgeleitet, empirisch oder experimentell begründet und zusammengestellt, sondern sie ergeben sich mehr aus traditioneller Überlieferung und spontanen Einfällen der deutenden PsychoanalytikerInnen und folgen damit der magischen Denkweise sog. "primitiver" Kulturen . Beispiel: Längliches, aufgerichtetes, steifes Objekt "=" Phallus (erigierter Penis).
Wunscherfüllung wird in der Psychoanalyse gewöhnlich sehr primitiv und einseitig verstanden, in aller Regel sexuell motiviert und fundiert. Ein schönes Beispiel dafür wie auch für die widerspruchsvolle Motivationslehere der Psychoanalyse ist die Fehlleistung Alexander Mitscherlichs in Kekulés Traum, wenn er schreibt:
"Zur Natur der Träume ist hier anzumerken, daß sie unseren Triebbedürfnissen und nicht unserem Erkenntnisstreben dienen."
Obwohl Mitscherlich in dieser Formulierung das Erkenntnisstreben als Motiv - offenbar ohne es zu merken - akzeptiert, verneint er, daß Träume oder Trauminhalte auch dem Erkenntnisstreben dienen können.
Beispiel: Das Wort "herausnehmen" hat mehrere Bedeutungen:
aus einer Menge etwas wegnehmen, aus dem Zusammenhang lösen, sich
selbst ein besondereres Vorrecht gewähren. Stekel (1922, S. 9) erzählt:
In diesem Beispiel werden auch noch andere psychoanalytische
Unsitten deutlich, indem klar wird, daß die PsychoanalytikerIn den
Herrn Beta gar nicht ernst nimmt und viel besser als dieser selbst zu wissen
glaubt, was mit ihm in Sachen glauben wirklich los ist, ein ethisch
und wissenschaftlich äußerst fragwürdiges Verhalten.
Das ist eine seltsame Lehre, die sich bis auf den heutigen
Tag so erhalten hat, was nicht minder seltsam ist. Alle drei Postulate
kann man bestenfalls als Forschungs- oder Arbeitshypothesen tolerieren,
die nun seit über 100 Jahren auf ihre empirische und experimentelle
Evaluation und Validierung warten. Aber: Mit diesen dubiosen Annahmen werden
Menschen krankenbehandelt.