Zur Legasthenie
Übersicht Fallberichte
Hyperaktivität bei Erwachsenen
II. GIPT1) AD-H-D2) Baustein Eltern-Training
Allgemeines und Integratives
Psychologisch-Psychotherapeutisches
Konzept der Behandlung
Hyperaktiver Kinder, Jugendlicher
und Erwachsener
von
R. Sponsel, C 1998 D-91052 Erlangen
Stubenlohstr. 20
Tel.: 09131-27111 Fax 27115 E-Mail sekretariat@sgipt.org
http://www.sgipt.org
Vortrag am 28.9.1998 bei der Regionalgruppe Forchheim des
Bundesverbandes Elterninitiativen zur Förderung Hyperaktiver Kinder
e. V.
***
Zum Geleit nach J. B. Shaw:
„Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert."
Ich danke Ihnen für die Einladung, daß ich Ihnen heute meine Konzepte, Ideen und meine Erfahrungen vortragen darf. Ich will Sie nicht und ich kann Sie gar nicht belehren. Vielmehr ist dieser Abend und Ihre Reaktion darauf für mich eine Art persönlicher TÜV für meine Konzeption des AD-H-D Eltern-Trainings aus allgemeiner und integrativer Sicht.
Was sind nun
allgemeine und integrative PsychotherapeutInnen?
Nun, ich meine: Menschen dürfen nicht den Therapien, sondern die
Therapien müssen den Menschen angepaßt werden. Wir sind für
die Freiheit und den Pluralismus der Methoden und lehnen alle Dogmen, Beschränkungen
und bürokratischen Fremdbestimmungen ab, die Hilfe nicht fördern
sondern behindern. Hier fühlen wir uns mit den AD-H-D-Persönlichkeiten
sehr verwandt, denen Freiheit, Vielfalt und Individualität sehr viel
bedeutet. Daher bemühen wir uns auch so um die „Maßschneiderung"
des individuellen Einzelfalles und halten auch die Zusammenarbeit von Betroffenen
und Fachkundigen unterschiedlicher Berufsgruppen für wünschenswert.
Wir wollen aber auch nicht verschweigen, daß vor allem die Verhaltenstherapie
- in der ich über 5 Jahre Fort- und Weiterbildung gemacht habe - für
die Entwicklung von Eltern-Trainings Bedeutsames geleistet hat, wovon wir
in unserer Arbeit auch sehr profitieren.
In AD-H-D-Fragen war ich lange Zeit sehr unwissend. Erst in den letzten Jahren bin ich mehr oder weniger zufällig immer tiefer in die AD-H-D-Problematik eingestiegen und inzwischen sehe ich mich und meine Kompetenz im Stadium eines fortgeschrittenen Lehrlings an, der in absehbarer Zeit seine Gesellenprüfung in AD-H-D-Therapie ablegen möchte. Die Augen für die AD-H-D-Probleme bei Erwachsenen hat mir der Ihnen allen sicher bekannte Kinderarzt Dr. Hilber geöffnet, dem ich hierfür sehr dankbar bin. Es hat mich sehr betroffen gemacht, daß ich im Rückblick wohl eingestehen muß, daß ich einige AD-H-D-Persönlichkeiten mangels Wissen nicht erkannte. Seit ich das weiß, hat mich sozusagen das AD-H-D-Erkenntnisfieber gepackt, so daß ich inzwischen sogar ein halben Sommer-Urlaub mit der Entwicklung eines Tests für AD-H-D-Erwachsene verbracht habe. Hierzu suche ich bis Weihnachten noch viele TeilnehmerInnen, vor allem Betroffene aber für die Kontrollgruppen auch Gesunde und andere SymptomträgerInnen. Nach diesem kleinen Ausflug nun zum Thema des Abends :
Warum ist ein Eltern-Training so wichtig?
Weshalb ist Eltern-Training meiner Meinung nach von allergrößter
Bedeutung in der Behandlung aufmerksamkeitsgestörter- und / oder hyperaktiver
Kinder? Es sind vor allem vier gute Gründe, die mich veranlassen,
neben der medikamentösen Grundlagenbehandlung, wenn sie anschlägt,
ein Eltern-Training für das wichtigste psychologisch-psychotherapeutische
Hilfsmittel zu halten.
1.
Es gibt noch keine therapeutische Heilung
Wir alle wissen, daß AD-H-D im therapeutischen Sinne - noch -
nicht geheilt werden kann, obwohl wir auch wissen, daß offenbar die
Selbstheilungsmechanismen der Natur durch Veränderung ihrer biologischen
Grundlagen AD-H-D zum Verschwinden bringen können. Man spricht dann
von „Auswachsen". Tatsächlich scheint es so zu sein, daß die
grobe Faustregel gilt: bei einem 1/3 der AD-H-D-Kinder verschwinden die
störenden Ausformungen mit dem Erwachsenwerden, bei ca. 1/3 ist das
Störungsbild erträglicher bis deutlich gebessert geworden und
ca. ein weiteres Drittel hat das Störungsbild, wenn auch nicht immer
gleichbleibend, behalten und hat zum Teil auch sehr schwer damit zu kämpfen.
Da es noch keine therapeutische Heilung gibt, müssen alle meist dringend
erforderlichen Hilfen, die es gibt, bemüht werden.
Wir müssen alle zusammenhelfen: das Kind, die Eltern und die Familien,
KinderärztInnen, Kindergarten, die LehrerInnen in den Schulen, die
Moto- und ErgotherapeutInnen, HeilpädagogInnen und wir Psychologischen
PsychotherapeutInnen. Selten galt das Wort „gemeinsam sind wir stark"
besser als hier. Das AD-H-D-Kind ist oft eine schwere und große Herausforderung
und Eltern, die auch nur eines mit einer halbwegs guten Lebensqualitätschance
durchbringen, haben wahrhaft Großes geleistet. Ein AD-H-D-Kind ist
nicht einfach ein Kind wie andere, es entspricht vom Arbeits- und Aufmerksamkeitsaufwand,
den es Ihnen abverlangt, gut und gerne drei Kindern. Nun, die Woche hat
168 Stunden und das meiste Alltagsleben besteht aus Familie, Haushalt,
Arbeit, Freizeit, Kindergarten oder Schule. Die meiste gemeinsame Lebenspraxis
der 168 Stunden einer Woche verbringt das Kind in seiner Familie.
Daher ist es nur zu natürlich, die Familie als die wichtigste Therapiezentrale
anzusehen. Weshalb sind nun gerade die Eltern von solch großer Bedeutung
für die Bewältigung einer AD-H-D?
2.
Eltern als wichtigste Alltags-Experten für das Verhalten ihres Kindes
ExpertIn in unserem Sinne ist hierbei nicht, wer studiert hat, sondern
wer über Erfahrungswissen verfügt. Es gibt auch ohne besondere
Schulbildung viele hervorragende praktische ExpertInnen im Leben. Nun,
die Eltern - und hier bevorzugt derjenige Teil, der die alltägliche
Betreuung, Versorgung und Erziehung des Kindes macht -, sind wahrscheinlich
die wichtigsten Alltags-ExpertInnen für das Verhaltens ihres Kindes.
Niemand weiß besser als die betreuenden, versorgenden und erziehenden
Eltern, wie ihr AD-H-D-Kind sich im Familien-Alltag, auf den es ganz entscheidend
ankommt, verhält, genauso wie die ErzieherInnen die ExpertInnen für
das Verhalten des AD-H-D-Kindes in den Kindergärten, die LehrerInnen
die ExpertInnen für das Verhalten des AD-H-D-Kindes in den Schulen
sind.
3.
Eltern als einflußreichste Menschen im Lebensalltag ihres Kindes
Sie sind aber nicht nur die wichtigsten Alltags-ExpertInnen für
das Verhalten ihrer Kinder, son-dern auch die Menschen, die durch ihre
gemeinsame Lebenspraxis auch den größten Einfluß auf ihre
Kinder haben. Was sie tun, wie sie handeln, was sie meinen und sagen, wie
sie bewerten und wie sie sich verhalten, ist von größter
Bedeutung für das Kind. Daher ist es unverzichtbar, mit den Eltern
zusammen ihr Verhalten, ihr Meinen und Sagen, ihre Einstellung und Denken,
soweit es das Kind voraussichtlich beeinflußt, zu erheben, um zu
sehen, ob und wie das AD-H-D des Kindes beeinflußt werden kann.
4.
Eltern als Ko-TherapeutInnen und Elternhaus als Therapie-Zentrale
Helfen können natürlich in erster Linie AD-H-D-erfahrene
und -kundige Eltern, besonders etwa solche, die in Selbsthilfegruppen zusammengeschlossen
sind und sich da austauschen, wenn der mehr oder weniger lange Leidensweg,
was ist nur mit unserem Kind los, ein vorläufiges Ende, wenn das Kind
endlich seine richtige Diagnose gefunden hat. Das ist oft gar nicht so
einfach, wenngleich die Situation für die Kinder viel besser als für
die AD-H-D-Erwachsenen ist. Und die Anerkennung der AD-H-D-Störung
leidet auch darunter, daß Diagnosen nicht immer mit der nötigen
Gründlichkeit und Sorgfalt gestellt werden. Einige AD-H-D-Kinder werden
nicht erkannt oder verkannt, wodurch großes Leid und viel Enttäuschung
entsteht, aber auch viel wertvolle Zeit für die richtigen Behandlungsmethoden
verloren geht.
Ich bin Psychologe und psychologischer Psychotherapeut und von den 168 Stunden die die Woche hat, bekommt die Therapie gewöhnlich eine oder auch nur eine ¼ oder ½, wenn es 14-täglich oder 4-wöchentlich zu Terminvereinbarungen kommt. Wie will denn psychologische Psychotherapie bei diesem winzigen Zeitaufkommen bei solch enorm schwierigen Problemen wie AD-H-D überhaupt eine wirkungsvolle Hilfe sein können? Nun, psychologisch-psychotherapeutische Hilfe ist in erster Linie Hilfe zur Selbsthilfe vor allem für die Eltern von AD-H-D-Kindern. Die Therapie geschieht nicht in der Praxis, dort wird sie nur gezeigt, angelernt, geübt, die Therapie geschieht im Alltag. Gelingt es nicht, die Eltern als Alltags-ExpertInnen ihrer Kinder als Ko-TherapeutInnen zu gewinnen und auszubilden, wird die eine oder ½ Stunde Psychotherapie von 168 Stunden in der Woche wie ein Tropfen auf dem heißen Stein verdampfen. So grundlegend wichtig in rund 75 % aller Fälle die medikamentöse Basistherapie, meist mit Ritalin ist, genauso wichtig ist es andererseits, daß Sie, die Eltern als Alltags-ExpertInnen Ihrer Kinder einen klaren und individuell auf Sie, Ihr Kind und Ihre Lebenssituation zugeschnittenen Therapieleitfaden an die Hand bekommen, mit dem Sie wirklich praktisch etwas anfangen können.
Das ist gar nicht so einfach. Und ich will Ihnen gestehen, daß
ich die meiste Zeit meiner psychotherapeutischen Bemühungen
damit verbringe, mir Maßnahmen und Verfahren auszudenken, die
im praktischen Lebensalltag angewendet werden können. Die Therapieprogramme,
die an den Universitäten entwickelt wurden, sind nicht schlecht.
Aber oft fehlt ihnen doch die Anwendungsnähe für den Alltag,
für die Therapie in der Küche, auf der Straße, im Wohnzimmer,
beim Essen oder bei den Hausaufgaben.
Das AD-H-D-Kind verlangt rund um die Uhr eine entsprechende erzieherische Haltung und wir können und dürfen nicht darauf vertrauen, daß 1 oder auch 2 Stunden Therapie in der Woche genügen, um entscheidende Verbesserungen und neues Verhalten auf den Weg zu bringen. Die psychologische PsychotherapeutIn wird ohne Ihre Mithilfe wenig bewirken können. Wir können dem AD-H-D-Kind nur dann dauerhaft und wirkungsvoll helfen, wenn es uns gelingt, die Eltern als Alltags-ExpertInnen und Ko-TherapeutInnen zu gewinnen, denn auf Ihnen liegt die Hauptlast, aber auch das Hauptverdienst, wenn es gelingt, dem AD-H-D-Kind zu einer halbwegs guten Lebensqualitätschance zu verhelfen.
AD-H-D-Therapie ist echte Knochenarbeit, die gründlich, solide und grundlegend richtig gelernt werden muß. Wir müssen so ehrlich sein, dies den Eltern zu sagen. Bis die psychologisch wichtigen und grundlegenden Dinge sitzen, vergeht Zeit, es braucht Mühe und Ausdauer. Gleichzeitig darf ich Ihnen aber versprechen: es lohnt sich und es ist im Prinzip auch nicht so viel anderes oder Neues für Sie, denn rund um die Uhr werden Sie ohnehin gefordert. Ihre Situation kann sich also nur verbessern. Aber machen Sie bitte keine halben oder Viertel-Sachen. Die meisten wirklichen Werte dieser Welt wollen erarbeitet und gepflegt werden. Sie stellen sich nicht einfach so ein.
Nun genug der einführenden Worte. Kommen wir zu dem, was zu einem Eltern-Training aus allgemeiner und integrativer Perspektive alles dazu gehört. Ich möchte Ihnen zunächst eine Übersicht über die Hauptbereiche und die bisher vorgesehenen Bausteine geben:
I. Baustein-Bereich: Zum Verständnis
des AD-H-D-Syndroms
II. Baustein-Bereich: Allgemeine Erziehungs- und Therapieprinzipien
III. Baustein-Bereich: Verbesserung der Selbst-Lenkung und
der Selbstkontrolle
IV. Baustein-Bereich: Lust-, Interessen und Motivationsförderung
V. Baustein-Bereich: Zusammenarbeit und Kooperation
aller Beteiligten
I. Zum Verständnis
des AD-H-D-Syndroms
Es ist natürlich sehr wichtig, wie man wem das AD-H-D-Syndrom
erklärt, weil die richtigen und angemessenen Reaktionen und Einflußnahmen
auf das AD-H-D-Kind sehr davon abhängen, wie das AD-H-D-Kind und sein
Verhalten verstanden und eingeordnet wird, auch von ihm selbst. Hier ist
meines Erachtens noch einige Arbeit zu leisten. Eine gute Grundlage bieten
die Ihnen sicher bekannten Informationen und sehr hilfreichen Materialien
des Bundesverbandes, z. B. das Informationsfaltblatt „Hyperaktivität
- eine kleine Störung mit fatalen Folgen".
00) Symptome des AD-H-D-Syndroms nach DSM IV
(1) Symptome der Unaufmerksamkeit
(2) Symptome der Hyperaktivität
(3) Der Mischtypus aus (1) und (2)
Symptome der Unaufmerksamkeit nach dem DSM IV (1994, dt. 1996)
Wenigstens 6 über den Mindestzeitraum von 6 Monaten aus den folgenden
9 Symptomen:
Symptome
der Hyperaktivität nach dem DSM IV (1994, dt. 1996)
Wenigstens 6 über den Mindestzeitraum von 6 Monaten aus den folgenden
9 Symptomen:
Symptome
der Mischtyps Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität
nach dem DSM IV (1994, dt. 1996)
Wenigstens jeweils 6 über den Mindestzeitraum von 6 Monaten aus den obigen jeweiligen 9 Symptomen.
Genaugenommen brauchen wir für die unterschiedlichen Betroffenen unterschiedliche Informationen, etwa:
01) für die Eltern
02) für das betroffene Kind selbst
03) für die Geschwister
04) für die Angehörigen (z. B. Omas & Opas, Paten)
05) für KindergartenkameradInnen
06) für die SchulkameradInnen
07) für die LehrerInnen unterschiedlicher Schulstufen und Altersklassen
08) für die Nachbarn
09) für Fremde in der Öffentlichkeit
10) Sonstige
II. Allgemeine Erziehungs- und Therapieprinzipien
Ordnung, Plan, Struktur: ein fester Rahmen
Eins nach dem anderen, denn ... so Goethe:
„In der Beschränkung zeigt sich erst der
Meister"
Am erfolgreichsten ist der Erfolg
Positiv Orientierung: Verstärken, verstärken, verstärken
Verstärker-Prinzipien und Verstärkungs-Systeme
Unerwünschtes Verhalten behandeln und beeinflussen
Machen, Handeln, Tun, ... denn so J. B. Shaw:
„Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen
gepflastert."
Gründlich und solide arbeiten
III. Verbesserung der Selbst-Lenkung und der Selbstkontrolle
z. B. Alltagsmanagement-Methoden z. B. nach Skrodkzi (1997)
1. Regelmäßigkeit im Tages- und Wochenablauf
Krisenzeiten:
Freitagnachmittag, Sonntagabend, erste und letzte Ferientage.
2. Klare Regeln und Grenzen für alle.
3. Allgemeine Haltung:
Wenig Schimpfen.
Vorher denken, dann konsequent handeln,
Geringfügiges
Fehlverhalten übersehen können.
4. Nutzlose Diskussionen vermeiden sich nicht in Machtkämpfe
verwickeln lassen.
5. Absprachen über notwendige und regelmäßige
Tätigkeiten.
Strafen und Belohnung vorher klären.
6. Strafen sofort nach Fehlverhalten.
Besser natürliche Folgen
des Fehlverhaltens erfahren lassen.
7. Loben! Auch „Kleinigkeiten". Kein Lob mit verstecktem Tadel.
(„Kannst, wenn Du willst")
8. Selbstkontrolle durch lautes "inneres Sprechen"
9. Viel Bewegung und Spiel ermöglichen. Eltern sollen mitspielen!
Aufforderungen befolgen Training
nach Döpfner, M. et al. (1997) S. 278-280 Baustein 07:
"Wie man wirkungsvolle Aufforderungen gibt!"
1. Nur zu etwas auffordern, was Sie auch durch-setzen können!
2. Vor der Aufforderung Ablenkung ausschalten!
3. Aufmerksamkeit sicherstellen bei Aufforderung!
4. Äußern Sie die Aufforderung eindeutig, keine Bitten!
5. Geben Sie immer nur eine EINZIGE Aufforderung!
6. Lassen Sie Ihre Aufforderung vom Kind wiederholen!
7. In der Nähe bleiben - Vollzug sicherstellen
8. Auf WENIG beschränken - Ergebnis protokollieren
Hinweis: Der 3-Seiten Baustein enthhält ein spezielles Blatt für
die Protokollierung für
die systematsiche und konsequente Einübung.
I. Allgemeine General-Regel 1:
Jeden auch noch so kleinen Erfolg wahrnehmen, feststellen, verstärken
II. Allgemeine General-Regel 2: Tun, Üben, Üben!
Denn: „Der Weg zur Hölle ist mir guten Vorsätzen
gepflastert"
Aufmerksamkeitshilfen durch Signale, Markierungen und Visualisierung
Hier können Farbige Aufkleber, Pfeile oder eigene Symbole
die das AD-H-D-Kind
durch
ihm sonst von selbst nicht einfallen würde, helfen.
Aufmerksamkeits-
und Konzentrationstraining im Alltag,
z. B. Satipatthana Meditation alltäglicher Handlungen
Satipatthana - aus dem Indischen - übersetzt man am besten mit
Achtsamkeit.
Wenn Sie eine Zwiebel so hingebungsvoll schneiden können, daß
Sie
nicht bemerken,
daß jemand in die Küche kommt, dann haben Sie eine Satipatthana-Meditation ausgeführt.
Die asiatischen Meditations-Weisen sagen, es gibt zwei Arten abzuwaschen:
(1) Abzuwaschen, damit das Geschirr sauber ist.
(2) Abzuwaschen, um abzuwaschen.
Mit der ersten Einstellung verliert man viel Lebenszeit,
Mit der zweiten Einstellung lebt man wirklich in jeder Sekunde im Hier
und Jetzt.
Wer Satipatthana kann,
hat ein großes AD-H-D-Problem gelöst.
a) Visualisierungen
Die wünschenswerte Basis-Einstellung für die so wichtige
Selbstkontrolle wurde von Lauth & Schlottke (1993, S. 56) kindgerecht
umgesetzt und visualisiert.
Ausgehend von der Visualisierung von Lauth & Schlottke wurde ich durch ein sehr auf Musik ansprechendes AD-H-D Kind angeregt, Einstellungsarbeit über
b) über Lehrgedichte, Songs und Lieder zu konzipieren, hier ein erstes Beispiel:
Song „Basistraining Grundhaltung"
„Erstens hören, zweitens schauen
Drittens STOP und überlegen
das machen alle Schlauen
das musst du üben, pflegen
Dammerdidamm, bumbum, kapiert?
Das ist doch nicht kompliziert!"
Dieses Lehrgedicht wurde von Gerhard Ochsenfeld vertont. Die Melodie kann man sich im Internet anhören unter der Adresse: http://home.t-online.de/home/samadana/st02.htm
c) Einstellungsarbeit über Spiele
d) Einstellungsarbeit über Vorbilder und Beispiele
Impulskontroll-Alltags-Training nach Sponsel (1998)
Prinzip der Impulskontrolle
Man stellt eine Aufgabe, die eine Impulskontrolle erzwingt, also gar
nicht anders zu erledigen ist, z. B.
Beispiel: Ich deute auf den Ofen. Das Kind muß den Namen des Gegenstandes
suchen, innehalten, sich fragen, wie der erste Buchstabe dieses Wortes
heißt und ihn dann sagen.
Das Kind vollbringt hier genau betrachtet ungefähr 11 psychologische
Leistungen.
Mikro-Analyse der psychologischen Leistung,
die das AD-H-D-Kind bei der Impuls-Kontroll-Aufgabe erbringt: „1. Buchstaben des Wortes sagen von dem Gegenstand auf den ich deute"
1. Es muß bei der Aufgabenstellung zuhören
2. Es muß die Aufgabenstellung verstehen
3. Es muß sich auf die Aufgabe einlassen, sie annehmen
4. Es muß die Aufgabe bewältigen können
5. Es muß die Aufmerksamkeit auf mein Deuten richten
6. Es muß das Wort für den Gegenstand suchen
7. Es muß das Wort für den Gegenstand finden
8. Es muß im Wort für den Gegenstand den 1. Buchstaben suchen
9. Es muß im Wort für den Gegenstand den 1. Buchstaben finden
10. Es muß innerlich prüfen, ob die Lösung richtig
ist
11. Es spricht die gefundene Lösung aus
12. Es wartet die Bestätigung der Lösung ab
Noch eine Bemerkung: Das ausgearbeitete Arbeitsblatt im Eltern-Training besteht aus zwei Seiten mit Erklärungen und Anleitung.
Selbstinstruktions-Alltags-Training nach Sponsel (1998)
Prinzip und Ziel: Sich selbst lenken zu einer Gewohnheit entwickeln
Das Kind soll lernen, bevor es etwas tut, sich zu vergegenwärtigen,
was es tun will und beim Tun kommentieren, was es tut. Hierzu geht man
in folgenden Schritten vor:
Allgemeine Anwendungsmöglichkeiten des Selbstinstruktions-Alltags-Training
Noch eine Bemerkung: Das ausgearbeitete Arbeitsblatt im Eltern-Training
besteht aus einer Seite Erklärung und Anleitung und aus einer Seite
mit 5 Beispielen aus dem Alltag.
IV. Lust-, Interessen und Motivationsförderung
Das ist ganz wichtiges Kapitel für die AD-H-D Therapie. Leider fehlen mir hier noch ein paar wichtige Bausteine, die ich aber wahrscheinlich im nächsten Jahr ausarbeiten kann. Ein hilfreicher Baustein konnte aber bislang entwickelt werden.
Anregungskarte zur Überwindung von Langeweile
Fotos, Bilder, Collagen (zusammengeklebte Fotos) Ihres AD-H-D-Kindes,
wie es mit
etwas beschäftigt ist, was ihm schon einmal Freude oder Spaß
gemacht hat.
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In Vorbereitung:
Empfinden, Fühlen, Spüren erfahrbar und verweilbar machen (1999)
Genuß-Optimierung
durch Verweilen lernen bei der Hingabe (1999)
an Schönes, Angenehmes, Lustvolles, Befriedigendes
V. Zusammenarbeit und Kooperation aller Beteiligten:
Eltern, ErgotherapeutIn, ErzieherIn, Familienangehörige, HeilpädagogIn, KinderärztIn, Kran-kengymnastIn, LehrerIn, MototherapeutIn, SozialpädagogIn, PsychologIn, PsychotherapeutIn, Sonstige).
Nur gemeinsam sind wir stark!
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.
Literaturliste
AD-H-D-Elterntrainings und Materialien