[Nach Hacker
33] "Gottfried von Böhm:
Der Kronprinz vergoß darüber
Tränen höchsten Entzückens, lernte in der Einsamkeit seines
Zimmers und des Parkes das Textbuch und die ührigen Dramen Wagners
auswendig und las »mit brennender Begier« auch die Prosaschriften
Wagners, besonders das »Kunstwerk der Zukunft«, das er anläßlich
eines Besuches bei Herzog Max auf dem Klavier liegen sah und das besonders
durch das Wort »Zukunft« seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen
haben
soll. [>34]
Die Hofdame der Königinmutter, Gräfin Fugger, die ihm gleichfalls Werke von Wagner schenkte, und andere Persönlichkeiten des Hofes glaubten durch die etwas schwierige Lektüre dieser Werke die Begeisterung des Kronprinzen für Wagner abzukühlen; allein sie täuschten sich. Der Gedanke an die Heldengestalten der Wagnerischen Werke spann fort in seiner regen Phantasie; er ließ sich nach seinen eigenen Angaben von seinem Zeichenlehrer, Leopold Rottmann, Kostüme, Szenerien und Gestalten aus jener Sphäre malen und hielt auf seinen Spaziergängen Umschau nach Gestalten vom Typus des Schwanenritters.
Neun Jahre später schreibt Ludwig im Rückblick auf seine erste Lohengrin-Aufführung an Wagner:
So schlecht sie war, so verstand ich doch das Wesen dieses göttlichen Werkes zu erkennen: in seiner Aufführung ward der Keim gelegt zu Unsrer Liebe und Freundschaft bis zum Tod, von dort an ward der bald zur mächtigen Flamme werdende Funke für Unsre heiligen Ideale in mir entzündet.
Und zehn Jahre nach der Aufführung bekennt er:
Unzerreißbar ist das Uns verknüpfende Band, fest auf ewig, heilig und tief beglückend die Liebe, die für Sie in meiner Seele glüht, und vor zehn Jahren hat ein Gott sie in mein Herz gelegt; Heil darum, dreifach Heil »Lohengrin«, denn dort wurzelt die Eiche meiner treuen Liebe zu Ihnen [...]."
Zur allgemein-integrativen Deutung der Bedeutung des Schwanenritters
für Ludwig II.
Wagnerverehrung
"Geliebter, einziger Freund! |
| Zu Wagner besonders zu empfehlen: http://www.richard-wagner-web.de/ (Hinweis) |
"Im ersten Band der "Deutschen Sagen" der Brüder Grimm, erschienen 1816, findet man zum Thema "Lohengrin" gleich mehrere Sagen: "Lohengrin zu Brabant", "Loherangrins Ende in Lothringen" und "Der Schwanenritter". Wagner bezieht sich in seiner Oper in erster Linie auf den Text "Lohengrin zu Brabant".
Der Herzog von Brabant und Limburg starb, ohne andere Erben als eine
junge Tochter Els oder Elsam zu hinterlassen; diese empfahl er auf dem
Todbette einem seiner Dienstmannen, Friedrich von Telramund. Friedrich,
sonst ein tapferer Held, der zu Stockholm in Schweden einen Drachen getötet
hatte, wurde übermütig und warb um der jungen Herzogin Hand und
Land unter dem falschen Vorgeben, daß sie ihm die Ehe gelobt hatte.
Da sie sich standhaft weigerte, klagte Friedrich bei dem Kaiser Heinrich
dem Vogler; und es wurde Recht gesprochen, daß sie sich im Gotteskampf
durch einen Helden gegen ihn verteidigen müsse. Als sich keiner finden
wollte, betete die Herzogin inbrünstig zu Gott um Rettung. Da erscholl
weit davon zu Montsalvatsch beim Gral der Laut der Glocke, zum Zeichen,
daß jemand dringender Hilfe bedürfe; alsobald beschloß
der Gral, den Sohn Parzivals, Lohengrin, darnach auszusenden. Eben wollte
dieser seinen Fuß in den Stegreif setzen, da kam ein Schwan auf dem
Wasser geflossen und zog hinter sich ein Schiff daher. Kaum erblickte ihn
Lohengrin, als er rief: »Bringt das Roß wieder zur Krippe;
ich will nun mit diesem Vogel ziehen, wohin er mich führt.«
Speise im Vertrauen auf Gott nahm er nicht in das Schiff; nachdem sie fünf
Tage über Meer gefahren hatten, fuhr der Schwan mit dem Schnabel ins
Wasser, fing ein Fischlein auf, aß es halb und gab dem Fürsten
die andere Hälfte zu essen.
Unterdessen hatte Elsam ihre Fürsten und Mannen
nach Antwerpen zu einer Landsprache berufen. Gerade am Tage der Versammlung
sah man einen Schwan die Schelde heraufschwimmen, der ein Schifflein zog,
in welchem Lohengrin auf sein Schild ausgestreckt schlief. Der Schwan landete
bald am Gestade, und der Fürst wurde fröhlich empfangen; kaum
hatte man ihm Helm, Schild und Schwert aus dem Schiff getragen, als der
Schwan sogleich zurückfuhr. Lohengrin vernahm nun das Unrecht, welches
die Herzogin litt, und übernahm es gerne, ihr Kämpfer zu sein.
Elsam ließ hierauf alle ihre Verwandten und Untertanen entbieten,
die sich bereitwillig in großer Zahl einstellten; selbst König
Gotthart, ihr mütterlicher Ahn, kam aus Engelland, durch Gundemar,
Abt zu Clarbrunn, berufen. Der Zug machte sich auf den Weg, sammelte sich
nachher vollständig zu Saarbrück und ging von da nach Mainz.
Kaiser Heinrich, der sich zu Frankfurt aufhielt, kam nach Mainz entgegen;
und in dieser Stadt wurde das Gestühl errichtet, wo Lohengrin und
Friedrich kämpfen sollten. Der Held vom Gral überwand; Friedrich
gestand, die Herzogin angelogen zu haben, und wurde mit Schlägel und
Barte (Beil) gerichtet. Elsam fiel nun dem Lohengrin zuteile, die sich
längst einander liebten; doch behielt er sich insgeheim voraus, daß
ihr Mund alle Fragen nach seiner Herkunft zu vermeiden habe; denn sonst
müsse er sie augenblicklich verlassen.
Eine Zeitlang verlebten die Eheleute in ungestörtem
Glück, und Lohengrin beherrschte das Land weise und mächtig;
auch dem Kaiser leistete er auf den Zügen gegen die Hunnen und Heiden
große Dienste. Es trug sich aber zu, daß er einmal im Speerwechsel
den Herzog von Kleve herunterstach und dieser den Arm zerbrach; neidisch
redete da die Klever Herzogin laut unter den Frauen: »Ein kühner
Held mag Lohengrin sein, und Christenglauben scheint er zu haben; schade,
daß Adels halben sein Ruhm gering ist; denn niemand weiß, woher
er ans Land geschwommen kam.« Dies Wort ging der Herzogin von Brabant
durch das Herz, sie errötete und erblich. Nachts im Bette, als ihr
Gemahl sie in Armen hielt, weinte sie; er sprach: »Lieb, was wirret
dir?« Sie antwortete: »Die Klever Herzogin hat mich zu tiefem
Seufzen gebracht«, aber Lohengrin schwieg und fragte nicht weiter.
Die zweite Nacht weinte sie wieder; er aber merkte es wohl und stillte
sie nochmals. Allein in der dritten Nacht konnte sich Elsam nicht länger
halten und sprach: »Herr, zürnt mir nicht! Ich wüßte
gern, von wannen Ihr geboren seid; denn mein Herz sagt mir, ihr seiet reich
an Adel.« Als nun der Tag anbrach, erklärte Lohengrin öffentlich,
von woher er stamme: daß Parzival sein Vater sei und Gott ihn vom
Grale hergesandt habe. Darauf ließ er seine beiden Kinder bringen,
die ihm die Herzogin geboren, küßte sie und befahl, ihnen Horn
und Schwert, das er zurücklasse, wohl aufzuheben; der Herzogin ließ
er das Fingerlein, das ihm einst seine Mutter geschenkt hatte. Da kam mit
Eile sein Freund, der Schwan, geschwommen, hinter ihm das Schifflein; der
Fürst trat hinein und fuhr wider Wasser und Wege in des Grales Amt.
Elsam sank ohnmächtig nieder, daß man mit einem Keil ihre Zähne
aufbrechen und ihr Wasser eingießen mußte. Kaiser und Reich
nahmen sich der Waisen an; die Kinder hießen Johann und Lohengrin.
Die Witwe aber weinte und klagte ihr übriges Leben lang um den geliebten
Gemahl, der nimmer wiederkehrte."