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    Internet Publikation  für Allgemeine und Integrative Psychotherapie  IP-GIPT DAS=25.08.2001

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    Willkommen in der Abteilung Medizinische Psychosomatik, Psychopathologie und Psychiatrie, hier zum Thema Zwang und Zwangsmaßnahmen, Betreuung und Unterbringung und speziell:

    Nachtrag vom 17.6.1886
    zu dem Gutachten der Unterzeichneten vom 8. Juni 1886 über den Geisteszustand Seiner Majestät Königs Ludwig II. von Bayern.
    Aus Sekundärquelle Wöbking (1986, 322-323)  Überblick Ludwig II._

    "Am 15. Juni l. Js. fand die Obduction der Leiche Seiner Majestät des höchstseligen Königs Ludwig II. von Bayern statt, und es ergibt sich daher die Aufgabe, das Sectionsresultat zu vergleichen mit der am 8. Juni l. Js. gestellten Diagnose und Prognose. [<322] Vor Allem muß hervorgehoben werden, daß das Gehirn und seine Hüllen sehr zahlreiche krankhafte Veränderungen aufwiesen und zwar:

    I. Veränderungen, welche eine Entwicklungsstörung des Gehirns und des Schädels beweisen; hierher sind zu rechnen:

    a) Die auffallende Kleinheit des Schädels, welcher in seinen Maßen nirgends das Mittel überschreitet, während die übrigen Körpermaße und Organmaße durchgehends Maximalziffern aufweisen.

    b) Die Störung der Symmetrie des Schädels; der linke diagonale Durchmesser ist 7 mm kürzer als der rechte.

    II. Veränderungen, welche eine auf viele Jahre zurückgehende chronische Entzündung der Hirnhäute beweisen und zwar

    a) Exostosen der Innenfläche des Schädeldaches und der Schädelbasis
    b) Bedeutende Verdickungen und Verwachsungen der dura mater (harten Hirnhaut) über dem Stirnhirn nebst einer Knochenplatte in der Hirnsichel
    c) Trübungen der pia mater (weichen Hirnhaut) und der arachnoidea (Spinnwebenhaut).

    III. Veränderungen, welche eine allmälige Atrophie des Gehirns beweisen, bestehend in merklichem Schwund mehrerer Windungen des Stirn- und Scheitel-Lappens beider Seiten. -
    In diesen Veränderungen erblicken die Unterzeichneten das anatomische Substrat für die behauptete und klinisch nachgewiesene Geistesstörung und zwar sind die unter I. aufgeführten Entwicklungsstörungen als das Substrat der behaupteten und nachgewiesenen hochgradigen Disposition Seiner Majestät zu psychischen Störungen aufzufassen und für den behaupteten primären Charakter der nachgewiesenen Paranoia (Verrücktheit), während die unter II. angeführten Veränderungen sicher auf eine Reihe von Jahren zurückgehen und beweisen, daß Seine Majestät schon seit Jahren an Ernährungs- und Circulationsstörungen des Gehirns und demnach auch an Störungen der psychischen Funktionen litten. -
    Die unter III. angeführten Veränderungen endlich beweisen, daß in der That schon geistige Schwäche vorhanden war. -
    Die vorgefundenen krankhaften Veränderungen des Gehirns und seiner Hüllen sind irreparabel und progressiv und somit ergibt sich eine vollständige Übereinstimmung zwischen der gestellten Diagnose und Prognose einerseits und dem Sectionsresultate andererseits oder mit anderen Worten, das Sectionsresultat hat bestätigt, daß Seine Majestät von Jugend auf zu Geistesstörung disponirt waren, seit Jahren an Störungen der psychischen Funktionen litten und schließlich in einen Zustand unheilbarer geistiger Schwäche verfallen waren. -

    München, den 17. Juni 1886.

    Dr. Hagen, k. Hofrath, Director der Kreisirrenanstalt Erlangen
    und Professor
    Hubrich, k. Director
    Dr. Grashey, kgl. Universitätsprofessor.


    Zitierung
    Sponsel, Rudolf (DAS). Nachtrag vom 17.6.1886 zu dem Gutachten der Unterzeichneten vom 8. Juni 1886 über den Geisteszustand Seiner Majestät Königs Ludwig II. von Bayern. Aus unserer Abteilung Medizinische Psychosomatik, Psychopathologie und Psychiatrie.  IP-GIPT. Erlangen: http://www.sgipt.org/medppp/zwang/ludwig2/ga_nach.htm
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