Kunert, Wiebke & Kunert, Axel (2002). Das Handbuch der Onanie. Dieses Buch macht glücklich und schön. Berlin: Schwarzkopf.


Klappentext

"Fast alle machen es, aber kaum einer traut sich, darüber zu reden: Die Onanie. Sie ist eines der letzten Tabu-Themen unserer Zeit, auch trotz Oswalt Kolle immer noch in den Köpfen der Menschen mit allerlei Ängsten und Vorurteilen belegt. Wer ES tut, wird belächelt, weil ihm oder ihr wohl nur der richtige Partner zum Sex fehlt. Onanie wird als Ersatzbefriedigung gesehen, im Schatten der Partnerschafts-Erotik und ihrem bunten Reigen an Spielarten. Es sich selbst und alleine zu besorgen, ist immer noch »Masturbieren«, und das meint: Sich selber schänden.

Dabei steckt in der Autoerotik ein ganzer sinnlicher Kosmos, der nicht nur den Heranwachsenden die eigene Sexualität erschließen kann. Onanie bewußt erlebt und zelebriert schafft einen wirklich angstfreien, unbeschränkten Lustgarten, in dem man allein Kraft seiner Phantasie auch von den verbotenen Früchten naschen darf. Man braucht keine Rücksichten zu nehmen, keine Kompromisse zu schließen, man kann einfach - mit einer Hand am Ruder - Fahrt aufnehmen beim Brain-Sex. Und dabei können Frau und Mann sich sicher sein, daß ihre handgemachte Lust aus biochemischer Sicht genau dasselbe sein kann wie ein heiß ersehntes Schäferstündchen im Zenit der ultimativen Verliebtheit. Wer will, kann die Grenzen verschwimmen lassen zwischen erlebter Zweisam- und feuchter Einsamkeit.

Onanie ist viel, viel mehr als schmuddeliges Abspritzen und schmutziges Geilreiben; sie sorgt für den Kick im Kopf, der uns die Zärtlichkeit unseres Lebens für die Zeit des Alleinseins konserviert, vom Kleinkind- bis ins Greisenalter."


INHALT
0. Vorwort  7
1. Trauen Sie sich  13
2. Selber schuld? 18
3. Der Kick im Kopf-Sex-Phantasien  38
4. Der Kick im Kopf - Hormone  47
5. Die Brücke zur eigenen Kindheit  55
6. Unerfüllte Lieben sind die heftigsten  64
7. Möglichst unbeobachtet  72
8. Wichs-Vorlagen / Die heimliche Porno-Sammlung  82
9. Techniken + Hilfsmittel  96
10. Telefonsex und Wochenendehe  110
11. Der Gipfel: Petting  122
12. Schon ganz kleine Kinder machen es  139
13. Ich habe tausend Frauen geliebt  149
14. Onanie und Sexualstraftäter / Zügel deine Lust  170
15. Nie mehr Pickel  182
16. Variieren Sie ihre Kinder  198
17. Handarbeit härtet ab  213
18. Onanisten sind die besseren LieberhaberInnen  222
19. Epilog  234



Kritik
 
Ob dieses Buch glücklich und schön macht, wie behauptet wird, mag bezweifelt werden. Diese Suggestion ist aber viel besser, als die früheren und falschen abschreckenden Horrorgeschichten von Krankheit, Seuche und Tod, wenn man "es" macht oder zu oft tut.
     Handbuch klingt im Zusammenhang mit Onanie doppeldeutig. Um es klar zu machen: Das Buch ist kein Handbuch im Wissenssinne, sondern ein ermutigender und beruhigender Ermunterer, ein Handbuch für die, die es mit der Hand machen. Für ein Handbuch im Wissenssinne fehlt der gesamte wissenschaftliche Apparat: Literaturangaben, empirische Belege - obwohl im Text ein paar zweifelhafte Untersuchungen auf zweifelhafte Weise zitiert werden  (Onanie und Sehstörungen) - , Sach- und Personenregister. Für einen Ratgeber fehlen andererseits Hinweise auf Beratungsstellen und Hilfsangebote, etwa auch im Netz, wenn Probleme oder Bedenken mit der Selbstbefriedigung bestehen. Dieses Handbuch ist in erster Linie der aus einer Krise und Trennung hervorgegangene Selbsterfahrungsbericht eines Ehepaares mit drei Kindern, wobei der Ursprung für dieses Buch und die Erstversion vom Ehemann ausging. Die ergänzten Passagen der Ehegattin wurden kursiv gesetzt. 
   Obwohl das Buch ein Beispiel dafür bringt, wie häufige Selbstbefriedigung den Partnersex auch stören kann, wird das nicht weiter thematisiert, problematisiert oder gar Lösungen angeboten.
   Wertvoll ist jedenfalls, das gern tabuisierte Thema aufzugreifen, um es freimütig und vielfältig zu erörtern. 



Onanie und Sehstörungen: Hier zitieren die AutorInnen zunächst eine Studie der Londoner Universität, die einen Zusammenhang gefunden haben will zwischen Onanie und Ausbruch von Sehstörungen bei Männern, nicht bei Frauen. In einer Folgestudie soll angeblich Bild der Wissenschaft 1.8.1997 berichtet haben, daß die Ausstoßung des Ejakulats angeblich mit einer enormen Belastung der Nervenstränge im Rückgrat einhergehen, wodurch auch die Sehnervenstränge belastet würden. Ich habe die Nr. 8, 1997, Bild der Wissenschaft durchgesehen, aber keinen solchen Bericht gefunden Auch die Register enthalten keinen entsprechenden Beitrag. Aus diesem Grunde habe ich Bild der Wissenschaft angemailt und nachgefragt, bis zum 10.6.2 aber noch keine Antwort erhalten. Eine Recherche im Netz ergab einen entsprechenden Bericht, von dem der Beitrag im Buch direkt abgeschrieben scheint, unter der Adresse: http://www.schulz-magazin.de/default.htm  Tatsächlich steht unter dem Artikel das Datum 1.8.1997, aber nichts von Bild der Wissenschaft. Die schlechte Qualität der Recherchen und die unprofessionelle Belegung läßt einige Zweifel in die wissenschaftliche Kompetenz der AutorInnen aufkommen.
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Häufige Onanie und Synchronisationsprobleme. Es werden (S. 79) Erhebungen von Klaus Heer Ehe, Sex und Liebesmüh zitiert, u.a.: "Wie war Ihre Ehe in der ersten Ehezeit? Was mich störte, war, dass ich während unserer Ehe ziemlich viel onaniert habe, und zwar fast zwanghaft. Ich war dann nämlich zu wenig potent. Es störte Sie, daß Sie dann das Pulver schon verschossen hatten? Ja, ich vermute, es wäre schöner gewesen, wenn ich nicht onaniert hätte. Woran merkten Sie das? Es brauchte jeweils ziemlich viel, bis die Entladung kam." Das kann hier aber auch positiv gedeutet werden, indem die Onanie eine gewisse Ausdauer gefördert hat. Eine Erörterung der Synchronisationsprobleme und wie man sie beheben kann, finden Sie hier.