Liebeskummer
Psychologische und sozialpädagogische
Beratungshilfe in Nordbaern
Zu: Liebes-
und Partnerschaftskonzept
Zu: Übersicht
Beziehung,
Beziehungen, Beziehungstheorie
Liebe wird in zwei Hauptbedeutungen verwendet:
einerseits als Verliebtheit, die eher kurzfristiger Natur ist und
andererseits als Liebe im tieferen und längerwährenden Sinne,
die sich unter gün-stigen Bedingungen aus der Verliebtheit heraus
entwickelt. Demnach sind mindestens zwei Hauptformen von Liebeskummer zu
erwarten.
Während Verliebtheit meist ein außerordentlich erregender, intensiver und nicht selten ein sehr leidenschaftlicher Zustand sein kann, verläuft die Liebe gewöhnlich in ruhigeren Bahnen. Verliebtheit und Liebe stehen zueinander etwa wie Glück und Zufriedenheit, wie Gier und Interesse, wie Leidenschaft und Neigung. Auch eine Formulierung des spanischen Kulturphilosophen Ortega y Gasset trifft es gut, indem er den Triumph des Augenblicks dem Glanz der Dauer gegenüberstellt.
Besonders jüngere Menschen leiden häufig unter Verliebtheitskummer. Dieser Verliebtheitskummer ist ein sehr intensiver seelischer Schmerz, als ob einem der Boden unter den Füßen weggezogen würde, als ob jemand mit Messern in den Eingeweiden herumwühlte, jegliche Lebensfreude erlischt, alles erscheint sinnlos, zwischen grau, tiefschwarz und leer. Es ist ein fürchterliches Gefühl, ein Gefühl zum Davonlaufen, zum Versinken, zum Zerreißen, zum Schreien, zum Heulen, zum Toben und Rasen.
Verliebtheit und das Gefühl geliebt zu werden,
kann das Lebensgefühl radikal und sehr positiv verändern, es
ist, als ob man die Welt neu sieht, alles wird irgendwie intensiver, lebendiger,
schöner, als ob das Leben vom 1. in den 3. Gang geschaltet worden
wäre. Man lebt sozusagen auf höherer Drehzahl. Man pfeift, man
singt, ist voller Schwung und liebt das Leben. Zuweilen könnte man
die ganze Welt umarmen, hinaus schreien voller Freude und Glück: ich
werde geliebt, ich liebe. Und manche werden gütiger, herzlicher, weicher,
toleranter. Wenn erfüllte Verliebtheit oder Liebe einen Menschen und
sein Lebensgefühl erhöht und sein Leben überhaupt bereichert,
dann wird der phantasierte oder wirkliche Verlust der Verliebtheit oder
Liebe diese Erhöhung und Bereicherung zum Einsturz bringen.
Wie geht man mit Liebeskummer um? Was kann man
tun? Nun, das hängt auch davon ab, um was für einen Liebeskummer
es sich handelt.
Liebeskummer 1. Art
Der Zustand, wenn jemand unerwidert verliebt
ist oder liebt. Hier trifft das geflügelte Wort zu: Nur wer die
Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide. Verliebtheit ist ein seelisches
Naturereignis, das man wenig beeinflussen kann. Das einzige was man gezielt
tun kann, ist, für günstige Rahmenbedingungen zu sorgen, damit
die Gefühle bewegt und aktiviert werden. Ein gewisses Erregungs- oder
Aktivierungsniveau ist günstig für Verliebtheit, weshalb ja Veranstaltungen
mit "Erregungsverstärkern" wie Musik so günstig für Verlieben
sind.
Hier haben wir zwei Hauptvarianten: (1) der schmachtende
und sich verzehrende, aber sich nicht erklärende Fall. Die oder der
Angebetete weiß sozusagen nichts von dem aus der Ferne unerklärt
Verliebten oder Liebenden. Sie oder er hat traut sich nicht, ist schüchtern,
hat Angst vor einer Abfuhr. (2) Im zweiten Fall hat sich die oder der Verliebte
bzw. Liebende zwar erklärt, die Gefühle werden aber - möglicherweise
noch - nicht erwidert. Die Gretchenfragen heißen hier: (1)
Wie erkläre ich mich? (2) Wie kämpfe ich erfolgreich und
möglicherweise wie lange? (3) Wann lasse ich ab, wie kann ich mich
"entlieben"?
Liebeskummer 2. Art
Die Reaktion auf phantasierten, drohenden oder
wirklichen Verlust der Verliebtheit oder der Liebe eines Menschen. Ein
besonders schlimmer und destruktiver Problemkandidat ist hier die Eifersucht
für den Fall eines phantasierten Verlustes. Die Angst vor dem Verlassen
werden, wenn es denn droht, kann sehr intensive Ausmaße annehmen
und uns zu Verhaltensweisen verleiten, die wir uns unter Normalbedingungen
nicht träumen ließen.
Liebeskummer 3. Art
Die Reaktion auf Probleme, die sich in einer
Verliebtheits- oder Liebesbeziehung ergeben. Hier gibt es praktisch unendlich
viel Möglichkeiten, die sich meist aber auf einen Nenner bringen lassen:
man wünscht sich etwas vom anderen, was der einem nicht geben kann
oder will. Wir nennen das Interessen- und Erwartungskonflikte.
Liebeskummer 4. Art
Die Probleme, die sich aus Drei- oder Mehrfachverhältnissen
ergeben. Dramatisches Beispiel: Jemand, verheiratet mit mehreren Kindern,
verliebt sich plötzlich in jemand anderen und möchte aber seine
Ehe und Familie nicht verlieren.
Liebeskummer 5. Art
Das Problem, wenn in einer längerwährenden
Beziehung die Liebe erloschen ist oder scheint. Ein sehr schwieriges Problem
ist es, wenn man früher oder später erkennt, daß die Liebe
erloschen, versandelt, verschwunden ist. Hier stellt sich die Frage: Kann
Liebe wiederbelebt werden? Und was kann man dafür tun?
Selbsthilfe-Literatur (Auswahl)
Golabuk, Philip (dt. 1995, orig.
1993). Herz Kitt. Wie man Liebeskummer überwindet. München: Kabel.
Lauster, Peter (1998). Liebeskummer
als Weg der Reifung. Düsseldorf: Econ.
Mangelsdorf, Cornelia (1997). Liebeskummer.
Erste Hilfe für gebrochene Herzen. Zürich: Kreuz.