Dokumente zur Entwicklung der Kognitiven Therapie als
Integrative Therapie
"Die Kognitive Therapie ist die vielleicht wichtigste
Antwort auf die Unzulänglichkeiten traditioneller psychologisch-therapeutischer
Modelle der Klinischen Psychologie.
Im vorliegenden Werk wird der aktuelle Stand der Theoriebildung,
der Diagnostik und das therapeutische Vorgehen behandelt. Ihm liegt eine
integrative
Konzeption zugrunde und die Absicht, dem Wissenschaftler und Praktiker
nachvollziehbare Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen,
die eine erfolgreiche Vorgehensweise versprechen." (Umschlagtext)
Es muß doch erstaunen, daß es jetzt, im Jahre 2001, also 20 Jahre später, immer noch keine zugelassene integrative Therapie gibt.
"3. Ein Modell kognitiver Handlungssteuerung
Das im folgenden vorzustellende Modell kognitiver Handlungssteuerung,
das zur Erklärung psychischer Störungen herangezogen werden kann,
enthält Aussagen darüber, wie die kognitiven Strukturelemente
(relativ überdauernde, verschieden allgemeine und verbindliche Annahmen
der Person) Normen, Selbstkonzepte, Grundüberzeugungen, Regeln und
Anweisungen über die Anregung von Bewegungsprogrammen Verhalten steuern.
Das Modell beschreibt, wie die verarbeitungsspezifischen Strukturelemente
der Kategorisierungs- und Attribuierungsvoreingenommenheit, der Bewertung
und Schlußfolgerung eine aktuelle Verarbeitung von Ereignissen (Situationen,
Handlungsergebnissen usw.) vermitteln. Diese Verarbeitung bewirkt zum einen
jeweils aktuell eine Anregung relevanter Normen, Selbstkonzepte,
Grundüberzeugungen oder Regeln und zum anderen langfristig einen Aufbau
/ eine Veränderung dieser kognitiven Strukturelemente.
Schließlich enthält das Modell Annahmen darüber, wie
sich Normen, Selbstkonzepte und Grundüberzeugungen auf die Bildung
von Verarbeitungsvoreingenommenheiten auswirken und so ein geschlossenes,
sich selbst stabilisierendes kognitives System bilden können." (S.
20)
Kritik: Das Buch gibt einen hilfreichen Überblick über die damals vorliegenden Arbeiten zur kognitiven Wende und enthält eine Vielfalt von Anregungen, die für die praktische Arbeit von Nutzen sein können. Die Arbeit umfaßt auch eine Kritik der unzulänglichen kognitiven Psychologie von A.T. Beck (auch von Ellis und anderen) und eine allgemeine Kritik der Verhaltenstherapie und klientenzentrierten Gesprächspsychotherapie. Wie für die verhaltenstherapeutisch dominierte psychologische Psychotherapie typisch, finden so gut wie keine klaren und psychologisch tiefer gehenden operationalen Begriffsklärungen statt - noch nicht einmal des zentralen Begriffs der "Kognition". Es werden auch keine Evaluationsprozeduren vorgeschlagen oder gar als praxisrelevant ausgewiesen, wie denn nun die unterschiedlichen "Kognitionen" in der psychologischen Praxis diagnostiziert und therapiediagnostisch in ihrer Entwicklung und Veränderung festgestellt werden können. Das Buch ist in diesem Punkt wie nicht wenige verhaltenstherapeutische Arbeiten etwas zu naiv und oberflächlich. In der Diagnostik- Unabhängig- von- der- Therapie- Debatte nehmen die Autoren den Standpunkt Schultes gegen Westmeyer ein, daß Diagnostik und Therapie sich in der Praxis nicht richtig trennen lassen und zusammengehören ("Der Prozeß des Diagnostizierens verändert das zu Diagnostizierende." ["Diagnostisch- therapeutische- Unschärferelation", auch Campbell & Stanley (1966): "Reaktivität der Messung"], S. 47). Ich sehe hier kein besonderes terminologisches Problem: Diagnostik stellt intentional fest, Therapie verändert intentional. Zur Überprüfung der Veränderung ist eine fortwährende und begleitende Diagnostik, die eben feststellt, was sich verändert, notwendig. Vielleicht ist es sinnvoll, zwischen einer grundlegenden Eingangs- und einer fortlaufenden Therapie-Verlaufs-Diagnostik zu unterscheiden.
Ergänzende Information:
Die kognitive Therapie ist weltweit und auch historisch ein eigenständiges
Therapiesystem [weitere Information],
wenn auch kognitive Elemente in fast allen Therapieschulsystemen eine wichtige
Rolle spielen. Geht man von der traditionellen Definition der Psychologie
als Wissenschaft des Erlebens und Verhaltens aus, so bestünde eine
in diesem Sinne rein psychologisch begründete Psychotherapie aus einer
Psychotherapie des Erlebens und des Verhaltens. Das überzeugt
insofern nicht, als die ungemein wichtige sozialpsychologische Beziehungs-
und Umwelt- Dimension - was durch die Erfolge der Familientherapien und
der Sozialarbeit ja eindrucksvoll belegt ist - darin auch nicht sprachlich
eigenständig und damit nicht angemessen zum Ausdruck kommt.